Debian GNU/Linux, das universelle Betriebssystem, feierte im Sommer seinen 30. Geburtstag. Wir gratulieren und schauen zurück und voraus.
Dreißig Jahre Debian – und kein bisschen leise. Am Debian-Projekt [1] arbeiten gut 1 000 offizielle Entwickler, vermutlich Millionen Nutzer verwenden es. Doch es hat eine wechselvolle und nicht selten turbulente Geschichte hinter sich. Zusammen mit Slackware zählt es zu den Urgesteinen der Linux-Distributionen und ebenso wie diese steht hinter dem Projekt kein Unternehmen oder institutioneller Geldgeber.
Um Debian zu definieren braucht man mit Superlativen nicht zu geizen. Zunächst sind da die viel gelobte Stabilität und der in den Richtlinien verankerte Anspruch auf die Freiheit der Software und auf höchstmögliche Sicherheit, die das Debian-Security-Team durch aktives Monitoring und regelmäßige Audits sicherstellt. Die Distribution besteht derzeit aus mehr als 59 000 Paketen. Viele bezeichnen Debian als das universelle Betriebssystem. Eigentlich für den Serverbetrieb ausgelegt, macht es ebenso am Desktop eine gute Figur und zahlreiche Entwickler schätzen es als Grundlage ihrer Arbeit.
Hinter 16 Prozent aller Webseiten weltweit steht Debian – rechnen Sie Ubuntu als Derivat hinzu, werden derzeit mehr als die Hälfte aller Webseiten von einem Webserver auf Debian-Basis ausgeliefert. Die Universalität unterstreichen weiterhin die acht Architekturen, für die Debian 12 (Abbildung 1) bereitsteht. Seit nunmehr 10 Jahren läuft Debian zudem auf den Notebooks der internationalen Raumstation [2].

Abbildung 1: Das Emerald getaufte Artwork für Debian 12 (Hintergrundbild) – stammt von Juliette Taka, die bereits mit Debian 8, 9 und 11 Erfolg hatte. ((C) 2022 Juliette Taka, Lizenz: CC-BY-SA-4.0)
Debian hat in seinen 30 Jahren Entwicklungsgeschichte mitunter einige tiefgreifende Änderungen vollzogen. Denken Sie nur an die Einführung von Systemd oder die jüngste Entscheidung, auf den Installationsmedien unfreie Firmware auszuliefern – Entscheidungen, die das Projekt und die Community jeweils auf eine harte Zerreißprobe stellten.
Wie alles begann
Zwei Dinge stellten die Weichen für die folgenden Ereignisse: Als Reaktion auf die fortschreitende Kommerzialisierung von Unix begann Richard Stallman 1984 mit dem Programmieren eines eigenen, völlig freien Betriebssystems namens GNU [3] samt eigenem Kernel. Einige Jahre später, am 25. August 1991, verkündete der junge finnische Student Linus Torvalds auf der Minix-Mailingliste ein kleines Hobbyprojekt im Stil von Minix, das er zunächst FREAX nannte und das wenig später den Namen Linux erhielt – der Rest ist Geschichte [4].
Auf der Basis dieser beiden Entwicklungen entstanden bald darauf erste Zusammenstellungen von GNU-Tools und dem Linux-Kernel, heute als Linux-Distributionen bekannt. Im Jahr 1992 erschien SLS (Softlanding Linux System) [5], das neben dem Linux-Kernel und einer Auswahl an GNU-Tools und -Bibliotheken das X-Window-System und einen TCP/IP-Stack auslieferte. Wegen der vielen Fehler in SLS überarbeitete Patrick Volkerding den Code und taufte das Ergebnis Slackware [6], heute die älteste noch gepflegte Distribution.
Ein weiterer, unzufriedener Anwender von SLS war Ian Murdock (siehe Kasten “Ian Murdock: Leben und Tod”). Der Informatik-Student entschied 1993, eine von Grund auf neue Distribution zu schaffen, die den GNU-Prinzipien aus Stallmans Manifest folgte, und ausschließlich freie Software enthielt. Am 16. August 1993, einige Monate nach der Vorstellung von Slackware, verkündete er die Gründung von Debian GNU/Linux. Im selben Jahr erschien das von Murdock verfasste Debian-Manifest [7], in dem er definierte, was ihm in Sachen Debian vorschwebte. Er leitete das Debian-Projekt für drei Jahre bis 1996, nachdem die erste stabile Version Debian GNU/Linux 1.1 erschienen war.
Ian Murdock: Leben und Tod
Der 1973 in Deutschland geborene US-Informatiker Ian Murdock rief Debian 1993 ins Leben und fungierte bis 1996 als dessen Projektleiter. Der Name Debian setzt sich aus dem Vornamen seiner Freundin Debra und Ian zusammen. Nach seinem Ausscheiden aus Debian begann er seine berufliche Laufbahn als Programmierer und gründete 2000 die Firma Progeny Linux Systems, blieb aber der Open-Source-Bewegung und Linux immer verbunden. Später arbeitete er für die Linux Foundation und für Sun Microsystems, wo er das Project Indiana leitete [16]. 2015 wechselte Murdock zu Docker. Er verstarb am 28. Dezember 2015 im Alter von nur 42 Jahren.
Seinen Tod deklarierte man später als Selbstmord. In den Tagen vor seinem Tod setzte er mehrere Einträge auf Twitter ab, in denen er seinen Freitod ankündigte, dies aber dann zurücknahm. In den Tagen danach nahm ihn die Polizei zweimal fest, weil er laut Angaben der Beamten betrunken in der Öffentlichkeit randalierte und sich selbstverletzend verhielt. Daraufhin beschuldigte er die Polizei, ihn angegriffen und sexuell gedemütigt zu haben. Die Vorwürfe sind bis heute ungeklärt.
Dem aus Zeitgründen ausscheidenden Murdock folgte Bruce Perens als Projektleiter, der 1997 gemeinsam mit anderen Entwicklern Debians definierendes Regelwerk “Debian Free Software Guidelines” (DFSG) verfasste, das zusammen mit dem Debian-Gesellschaftsvertrag (Debian Social Contract) [8] veröffentlicht wurde. Die DFSG erlangte wenig später weit über Debian hinaus Bedeutung, denn Perens entwarf daraus die generische Definition von Open Source [9].
Der Gesellschaftsvertrag führt unter Paragraf 1 die entscheidende Definition auf, der das Projekt bis heute die Treue hält: “Debian wird zu 100 Prozent frei bleiben”. Wer angesichts der mittlerweile in den Veröffentlichungen integrierten unfreien Firmware daran zweifelt, dem sei der Zusatz “Wir werden niemals das System von nicht-freien Komponenten abhängig machen” nahegelegt. Debian lässt sich also immer noch völlig frei von unfreien Komponenten betreiben, was jedoch, je nach Hardware, mit Einschränkungen einhergehen kann.
Erste Veröffentlichung
Debian 1.1 trug den Aliasnamen Buzz, einer Figur aus dem Film Toy Story. Die Namensgebung führt das Projekt bis heute fort: Debian Unstable ist nach Sid benannt, dem Kind im Film, dass ständig seine Spielzeuge zerstört. Aus welchem Zusammenhang heraus die Toy-Story-Benennungen entstanden, lässt sich recht einfach erklären. Bruce Perens arbeitete damals für Pixar, der Produktionsfirma hinter dem Film.
Auf Debian 1.1 folgten bisher 16 weitere Veröffentlichungen. Derzeit aktuell ist Debian 12 alias Bookworm. Seit 2009 mit Debian 5 Lenny (Abbildung 2) stehen Live-Images bereit, die heute über einen Calamares-Installer verfügen. Es gibt keinen strikten Zyklus der Veröffentlichungen, die Entwickler versuchen allerdings, etwa alle zwei Jahre eine neue Version zu liefern. Das Motto dabei lautet damals wie heute: “Es ist fertig, wenn es fertig ist.”

Abbildung 2: Das 2009 veröffentlichte Debian 5 Lenny umfasste bereits 23 200 Pakete und erschien mit den Desktop-Umgebungen Gnome 2.22, dem hier zu sehenden KDE 3.5.10 sowie mit Xfce 4.4.2 und LXDE.
Eine Besonderheit bei Debian liegt im sogenannten Freeze. Damit frieren die Entwickler sukzessive das Testing-Repository ein, um eine neue Release vorzubereiten. Momentan dauert dieses Einfrieren in mehreren Stufen in der Regel vier bis sechs Monate. Kurz vor der Veröffentlichung kommt jegliche Tätigkeit im Testing zum Erliegen. Am Tag des Erscheinens benennt man, vereinfacht gesagt, das eingefrorene Testing zu Stable um. Anschließend leitet ein leeres Testing-Repository die Entwicklung der nächsten Hauptversion in rund zwei Jahren ein.
Mit Debian 1.3 “Bo” hielten 1997 die Zweige contrib und nonfree Einzug, die die Möglichkeit eröffneten, unfreie Software zu installieren (Abbildung 3). Das war einer der Gründe, warum die FSF Debian die Empfehlung entzog. Mit Debian 2.1 Slink vom März 1999 fand das heute noch verwendete APT-Paketmanagement Eingang ins Debian-Projekt, bereits 2001 gab es mit Synaptic eine GUI für Upgrades (Abbildung 4).

Abbildung 3: Der optionale Eintrag von unfreier Software in die Quellenliste ist seit 2001 möglich. Für Richard Stallman war dies ein Grund, Debian die Empfehlung der FSF zu entziehen.

Abbildung 4: Bereits 2001 gab es mit dem heute noch verfügbaren Synaptic eine GUI für die Paketverwaltung APT, die speziell Einsteigern das Leben erleichtert. ((C) 2003 Alexander Antoniades)
Mit Debian 4 Etch erhielt der Installer eine grafische Komponente (Abbildung 5). Debian 8 Jessie führte 2015 Systemd als Init-System ein. Unfreie Software auf den Installationsmedien lieferte man erstmals mit Debian 12 Bookworm in diesem Jahr aus.

Abbildung 5: Der anfangs rein textbasierte Installer erhielt mit Debian 4 Etch 2007 ein grafisches GTK-Frontend. Zudem wurde das Partitionierungstool Parted integriert.
Ein rundes Tausend
Aus den ursprünglichen rund 400 offiziellen Entwicklern von Debian 1.1 wurde im Lauf der Zeit ein rundes Tausend – eine Zahl, die seit Jahren kaum schwankt. Der Weg, ein offizieller Debian-Entwickler (DD) mit allen Rechten und Pflichten zu werden, gestaltet sich jedoch langwierig. Dem geht zunächst die Rolle als Debian-Maintainer (Paketbetreuer) voraus. Der Prozess dauert unter Umständen 12 bis 18 Monate.
Jedes Jahr wählt das Projekt einen Projektleiter (DPL). Der Großteil übernimmt den Job für ein oder zwei Jahre. Im April 2023 bestätigte die Community den jetzigen DPL Jonathan Carter für eine vierte Amtszeit, womit er als Rekordhalter gilt [10]. Die Tätigkeit als DPL lässt sich so beschreiben: viele Aufgaben und nicht allzu viel Verfügungsgewalt. Dementsprechend lässt sich die Position ein wenig mit der unseres deutschen Bundespräsidenten vergleichen. Der Job ist definiert zwischen Repräsentation nach außen und Verwaltungsaufgaben im Inneren.
Technische Ausrichtung
Neben den nicht direkt veröffentlichten Zweigen Debian Unstable und Testing stellt der Stable-Zweig die jeweils aktuelle Veröffentlichung dar. Stable besteht größtenteils aus gut abgehangener Software, worauf sich Debians sprichwörtliche Stabilität stützt. Auf dem Stable-Zweig basieren außerdem fast alle Derivate. Derzeit gibt es rund 120 aktive Distributionen, die einen der Debian-Zweige als Basis nutzen. Zählen die inaktiven Distributionen mit, kommen Sie auf über 400. Debian weist dementsprechend mit Abstand die meisten Derivate aller Distributionen auf. Der bekannteste Sprössling ist zweifelsohne Ubuntu, das wiederum selbst zahlreiche Ableger wie Linux Mint hervorbrachte.
Ubuntu eignet sich darüber hinaus gut als Beispiel dafür, warum Projekte Debian forken. Die Distribution bringt viele Vorteile mit – Anwenderfreundlichkeit und gute Zugänglichkeit zählen allerdings nicht unbedingt dazu. Schon der offizielle Debian-Installer verlangt Einsteigern einiges ab. Möchten Sie beispielsweise nach der Installation Sudo nutzen, um Root-Rechte zu erlangen, müssen Sie das zunächst konfigurieren.
Debian war seinen Derivaten gegenüber nicht immer so positiv eingestellt wie heute. Besonders nach dem Erscheinen von Ubuntu ab 2014 schien das Selbstverständnis von Debian unter den Derivaten zu leiden. Hinzu kam das Gefühl, dass Ubuntu zwar von Debian nahm, aber wenig zurückgab. Inzwischen sieht das Projekt die weite Verbreitung über Derivate eher als das Kompliment, das es eigentlich ist.
Wer das Sagen hat
Bei Debian herrscht Anarchie im ursprünglichen Wortsinn. Es gleicht quasi einer Do-Okratie, in der eben derjenige, der die Arbeit macht, das Sagen hat. Es gibt keinen CEO, alle offiziellen Entwickler genießen theoretisch dieselben Rechte. Entscheidungen ergeben sich aus einvernehmlichen Diskussionen, die sich durchaus über Monate hinziehen können. Oft wirken Diskussionen recht hitzig und die Teilnehmer führen sie mit harten Bandagen, ohne mitunter nach Monaten zu einer Einigung zu finden. In solchen Fällen stehen zwei Instrumente zur Verfügung, um den Knoten zu lösen. Die General Resolution (GR) befragt alle offiziellen Entwickler, die Mehrheit entscheidet. Der letzte, nicht unbedingt beliebte Lösungsweg für technische Dispute besteht in Debians Technischem Ausschuss [11]. Er trifft verbindliche Entscheidungen, die sich nur durch eine Zweidrittel-Mehrheit der Entwickler außer Kraft setzen lassen, spricht aber auch Empfehlungen aus und erteilt Ratschläge.
Neben vielen kleinen Alltagsentscheidungen musste der Ausschuss in der Vergangenheit einige grundsätzliche Entscheidungen fällen, die das gesamte Projekt in den Grundfesten erschütterten. Unvergessen sind darunter 2014 die “Init Wars” um die Entscheidung über Systemd als Init-System [12] und später die Verpflichtung, andere Init-Systeme weiter zu pflegen.
Aber auch per GR gelangte das Projekt zu wichtigen Entscheidungen. Dazu gehört die jahrelang diskutierte offizielle Auslieferung von unfreier Firmware [13] auf den Veröffentlichungsmedien von Debian. Ohne diese Firmware fällt es schwer, WLAN oder Grafikkarten auf moderner Hardware zu aktivieren, was besonders Neueinsteigern Probleme bereitet. Die Entscheidung für unfreie Firmware auf den ISO-Images ab Debian 12 führte im Anschluss zu einer Anpassung des Sozialvertrags, was zuvor erst einmal in der Geschichte des Projekts vorgekommen war.
Und die Freiheit?
Die Debian-Repositories bestehen aus den Komponenten main, contrib, non-free und seit Kurzem non-free-fimware. Die Komponente main enthält ausschließlich freie Software und war bis zur Veröffentlichung von Debian 12 der einzige Eintrag einer Komponente in der Quellenliste von Debian. Mit Debian 12 kam der Eintrag non-free-firmware hinzu, der die erwähnte unfreie Firmware mitbringt. Bei Bedarf kann der Anwender noch contrib und non-free eintragen, wobei non-free Software mit unfreien Lizenzen, die nicht den DFSG entsprechen wie den Nvidia-Treiber, enthält, während contrib freie Software umfasst, die zwar den DFSG genügt, aber über Abhängigkeiten auf Pakete aus non-free verfügt.
Möchten Sie jetzt für sich einschätzen, wie frei Ihre Debian-Installation wirklich ist, können Sie das mithilfe des “Virtuellen Richard M. Stallman” tun. Dahinter steckt das Paket vrms, das ebenso als Vrms-rpm und Vrms-arch firmiert. Es sagt Ihnen genau, welche Software die FSFE aus den Repositories Ihrer Distribution auf Ihren Rechnern als nicht frei einstuft.
Wir zitierten weiter oben den Satz “Debian wird zu 100 Prozent frei bleiben” aus dem ersten Paragrafen des Gesellschaftsvertrags. Diese Definition bezieht sich auf die Komponente main, die ausreicht, um ein vollständiges Debian-System zu gewährleisten. Allerdings wird bei einer Installation seit Debian 12 automatisch unfreie Firmware installiert, wenn Sie nicht sehr spezifisch vorgehen. Der Anwender muss lediglich im Experten-Modus während der Installation definieren, ob er der Installation unfreier Firmware zustimmt.
Bei Verwendung der grafischen Installation des Debian-Installers sowie beim Calamares-Installer (Abbildung 6) der Live-Images wird unfreie Firmware ungefragt installiert.

Abbildung 6: Seit Debian 6 Squeeze im Jahr 2011 veröffentlicht Debian auch Live-Images mit dem Calamares Installer. Bis dahin gab es lediglich Installationsmedien, die direkt in den Debian-Installer starteten.
Zudem wird nicht nur die Firmware installiert, die der jeweilige Rechner benötigt, sondern auch ein Satz von rund 30 Paketen. Obwohl es heute kaum noch Hardware gibt, die in ihrer Funktionalität ohne unfreie Firmware-Blobs auskommt, sollte die Entscheidung im Sinne der Freiheit trotzdem beim Anwender liegen. Das gilt vor allem, da der Experten-Modus (Abbildung 7) Neueinsteiger schnell überfordert. Hier mag sich der geneigte Leser sein eigenes Bild machen, ob dies dem Freiheitsgedanken von Debian noch entspricht.

Abbildung 7: Nur im Expertenmodus gestattet es der Debian-Installer, unfreie Firmware von der Installation auszuschließen.
Langsame Entwicklung
Debian zeigt sich außerdem konservativ im besten Wortsinn. Die Entwickler rennen nicht jeder sprichwörtlichen Sau hinterher, die gerade durchs Dorf getrieben wird. So taucht in den öffentlichen Kommunikationskanälen der derzeit gehypte Begriff “Immutable” noch gar nicht auf. Auch bei anderen Neuerungen wie 2014 bei Systemd war Debian die letzte große Distribution, die sich nach langem Ringen dafür entschied. Andere Entscheidungen wie das “Ja” zu unfreier Firmware zogen sich über Jahre hin und gelangten gefühlt viel zu spät zu einem Ergebnis. Der Entwicklungsschub bei Debian erscheint häufig wie die Bewegung eines Gletschers, die sich nur über einen längeren Zeitraum betrachtet zeigt.
Ian Murdock sah die Popularität von Ubuntu zum Teil durch die von ihm wahrgenommene gehemmte Innovationsfähigkeit von Debian bedingt. Wenngleich die Entscheidungsfindung bei so vielen Menschen in Selbstverwaltung lange dauert und den Bogen gelegentlich bis zum Zerreißen anspannt, geht Debian aus solchen Phasen schwieriger Diskussionen meist gestärkt hervor. Das zeigt, dass die Entwickler mit Herzblut bei der Sache und wirklich von der Bedeutsamkeit ihrer Arbeit überzeugt sind.
Fazit und Ausblick
Debian ist vermutlich die einflussreichste Distribution in der Geschichte von Linux und neben dem Kernel eines der erfolgreichsten Open-Source-Projekte überhaupt. Unabhängigkeit, Stabilität und Sicherheit sind seit 30 Jahren die bestimmenden Faktoren. Die anderswo unerreichte Zahl an Derivaten belegt eindrucksvoll, wie hoch man diese Faktoren als Basis für andere Projekte schätzt. Eine Rolle, die Debian nicht immer erstrebenswert fand.
Gleichzeitig wird Debian zweifellos nie einen Innovationspreis gewinnen. Wandel fällt schwer, obgleich sich schon der Status Quo wegen fehlender Entwicklerzeit oft kaum halten lässt. Trotzdem muss Debian sich weiterentwickeln und wird das sicher auch weiterhin tun. Eine der Stärken des Projekts liegt darin, sich durchsetzende Entwicklungen zu erkennen und sie wie im Bereich Cloud und Container relativ schnell zu assimilieren. Änderungen fallen dagegen schwerer, sobald sie die Richtlinien betreffen, wie kürzlich die Einführung von Non-Free-Firmware auf den Veröffentlichungsmedien. Zudem gibt es intern Kritik, wenn es um die teils veralteten Werkzeuge geht, mit denen Debian nach Meinung eines ehemaligen Entwicklers erstellt wird [14]. Wir wünschen Debian jedenfalls mindestens weitere selbstverwaltete 30 Jahre, in denen uns das Projekt mit verlässlicher Software versorgt. Als nächster Schritt steht voraussichtlich 2025 Debian 13 “Trixie” an [15]. (tle/csi)
Infos
-
Debian: https://www.debian.org
-
GNU: https://www.gnu.org
-
Torvalds: https://groups.google.com/g/comp.os.minix/c/dlNtH7RRrGA/m/SwRavCzVE7gJ?pli=1
-
Slackware: http://www.slackware.com
-
Debian-Manifest: https://www.debian.org/doc/manuals/project-history/manifesto.de.html
-
Debian Social Contract: https://www.debian.org/social_contract.de.html
-
DPL: https://linuxnews.de/debian-waehlt-neuen-projektleiter-3/
-
Systemd: https://bugs.debian.org/cgi-bin/bugreport.cgi?bug=727708
-
Unfreie Firmware: https://linuxnews.de/firmware-debian-hat-im-sinne-der-anwender-entschieden/
-
Kritik: https://linuxnews.de/debian-paketbetreuer-kritisiert-die-distribution/
-
Debian 13: https://linuxnews.de/erster-ausblick-auf-debian-13/
-
Project Indiana: https://arstechnica.com/uncategorized/2007/07/understanding-suns-project-indiana-the-quest-to-make-opensolaris-as-easy-to-adopt-as-ubuntu/





