Hält die Internet-Bandbreite nicht das Versprechen Ihres Anbieters, gilt es, das zu belegen. Mit einer App der Bundesnetzagentur gelingt das gerichtsfest.
Deutschland hat einen größeren Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Doch nicht nur der längst überfällige Ersatz von Telefax-Geräten in Behörden verzögert sich immer weiter, auch die Abdeckung ländlicher Gegenden mit Breitbandanschlüssen im Festnetz hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Je nach vorhandener technischer Infrastruktur kommt es zudem immer noch vor, dass die vom Anbieter vertraglich zugesicherten Datenübertragungsraten nicht erreicht werden.
Dieses Manko ist vor allem für Vielnutzer in Unternehmen ein Ärgernis, aber auch für private Power-User, weil die Anbieter Breitbandanschlüsse häufig vergleichsweise überteuert verkaufen. Zudem wimmeln sie Support-Anfragen von Kunden gern ab. Daher konkretisierte die Bundesnetzagentur bereits 2021, wann eine “erhebliche, kontinuierliche und wiederkehrende” Abweichung der tatsächlich erreichten von der vertraglich vereinbarten Datenübertragungsrate vorliegt.
Dazu entwarf die Bundesbehörde einen Kriterienkatalog, der in eine Allgemeinverfügung einfloss. Die dient dazu, solche Abweichungen verbindlich festzustellen. So können Kunden bei Vorliegen der Voraussetzungen entweder den Mietpreis für den Internet-Zugang mindern oder den Vertrag außerordentlich kündigen [1].
Begrifflichkeiten
Zum Nachweis der “erheblichen, kontinuierlichen oder regelmäßig wiederkehrenden Abweichung bei der Geschwindigkeit der Datenübertragung” gemäß Paragraf 57 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 TKG gilt es, eine Messkampagne zu starten. Das Ziel besteht darin, anhand des Messprotokolls einen rechtssicheren Minderungsanspruch gegenüber dem Diensteanbieter erheben und gegebenenfalls auch gerichtlich durchsetzen zu können.
Die Bundesnetzagentur entwickelte dazu standardisierte Verfahren. Sie orientieren sich an den Vorgaben der BEREC-Arbeitsgruppen (Body of European Regulators for Electronic Communications), die als übergeordnete Gremien eine netzneutrale und offene Regulierung der Telekommunikationsmärkte innerhalb der EU gewährleisten sollen. Anhand der entwickelten Prüfverfahren entwickelte die Behörde eine Desktop-App, die es erlaubt, solche Messungen im Rahmen einer mehrtägigen Kampagne gerichtsfest zu starten.
Das auch für Linux erhältliche Programm [2] misst die Up- und Download-Rate eines Internet-Zugangs. Eine komplette Messkampagne umfasst 30 Messungen aus drei Kalendertagen. Zwischen den Messtagen muss mindestens ein Kalendertag ohne Messungen liegen. Außerdem gilt es, die einzelnen Messungen über den Tag verteilt vorzunehmen. Die Desktop-Anwendung erlaubt es darüber hinaus, auch einzelne Messungen zu starten.
Installation
Sie erhalten das Programm als DEB-Paket für die Installation unter Ubuntu, Debian und deren Derivaten. Als Mindestvoraussetzung nennt der Anbieter Debian 8 “Jessie” oder Ubuntu 18.04 als Betriebssystem [3]. Im Test harmonierte die Software aber auch problemlos mit einem von Debian 12 “Bookworm” abgeleiteten Linux-Derivat.
Sie laden das Paket von der Webseite der Firma Zafaco GmbH herunter, die im Auftrag der Bundesnetzagentur die Anwendung entwickelt hat und fortlaufend pflegt. Anschließend richten Sie das Programm mit dem Aufruf aus Listing 1 auf Ihrem System ein. Danach erscheint ein entsprechender Starter in der Menüstruktur, mit dem Sie die Software per Mausklick aufrufen.
Listing 1
Installation
$ sudo dpkg -i Breitbandmessung-linux.deb
Nach dem ersten Start gelangen Sie in ein übersichtliches, mit viel Text versehenes Fenster. In einer Spalte auf der linken Seite starten Sie die jeweiligen Messungen, nach Einzelmessung und Nachweisverfahren getrennt. Rechts im Fenster finden Sie detaillierte Informationen zu den Messverfahren und aktivieren durch einen Klick auf einen der beiden blauen Schalter den Einrichtungsdialog des jeweiligen Verfahrens (Abbildung 1).
Einzelmessung
Einzelmessungen dienen dazu, die aktuelle Übertragungsrate zu ermitteln. Nach dem Öffnen des Dialogs gelangen Sie zunächst auf eine Seite, die nach Ihrem Diensteanbieter fragt. Im entsprechenden Auswahlfeld finden Sie alle Anbieter in Deutschland bereits in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet hinterlegt.
Mit einem Klick auf den Namen übernehmen Sie den Anbieter und gelangen nach einem Klick auf weiter in den nächsten Dialog. Dort stellen Sie die Tarifinformationen für Ihren Anschluss ein. Die Software bietet hier auch die Möglichkeit, die Tarifinformationen automatisch zu ermitteln. Gelingt das nicht, aktivieren Sie das Optionsfeld vor manuell und geben nach einem Klick auf weiter im nächsten Fenster die Tarifinformationen manuell ein. Dazu zeigt die Oberfläche tarifabhängig auch die Up- und Download-Raten an. Dabei unterscheidet sie zwischen minimalen, maximalen und gemittelten Durchsatzraten. Bei kontingentierten Verträgen bejahen Sie außerdem die Frage nach der Drosselung Ihres Vertrags.
Im nächsten Dialogfenster geben Sie Ihre Postleitzahl an. Außerdem erteilen Sie hier optional eine Standortfreigabe. Die dient dazu, Ihren Standort anhand der Browser-Einstellung zu ermitteln. Das Ergebnis erscheint danach auf einer Landkarte. Nach einem erneuten Klick auf weiter gelangen Sie in ein Fenster mit einigen technischen Hinweisen. Darin geben Sie Ihre Zufriedenheit mit dem aktuellen Anbieter an und können zudem durch einen Klick auf Angaben ändern die vorgenommenen Einstellungen ändern.
Abschließend klicken Sie auf Einzelmessung starten. Das Programm misst nun die aktuelle Geschwindigkeit von Ihrem Anschluss zu Servern in Frankfurt am Main. Dieser Vorgang dauert einige Minuten. Danach zeigt die Software die Ergebnisse der Messung grafisch aufbereitet an (Abbildung 2). Um die Messergebnisse im PDF- oder CSV-Format zu exportieren, klicken Sie oben rechts im Fenster auf den entsprechenden Link. Möchten Sie die Messung wiederholen, klicken Sie unten rechts auf Einzelmessung wiederholen.

Abbildung 2: Bei der Einzelmessung zeigt die Software die Resultate auf Wunsch auch grafisch aufbereitet an.
Ein Klick auf Details anzeigen klappt das Fenster nach unten aus und liefert weitere Informationen. Beispielsweise geben die Details auch an, ob Ihr Computer über LAN oder WLAN mit dem Internet verbunden ist. Wegen der starken Schwankungen bei der Datenübertragung und teils spürbaren Latenzen bei WLAN-Zugängen empfehlen die Entwickler der Software explizit, die Messungen grundsätzlich kabelgebunden zu starten.
Messkampagne
Um sicherzustellen, dass die Vorgaben der Bundesnetzagentur zum Erhalt eines aussagekräftigen Ergebnisses eingehalten werden, fallen bei der Messkampagne die Konfigurationsoptionen etwas umfangreicher aus. Zunächst klicken Sie im Eingangsfenster auf Zum Nachweisverfahren. Im folgenden Dialog zeigt die Software einige Informationen zum Verlauf der Messkampagne an, die Sie einhalten sollten, um möglicherweise eine Minderleistung Ihres Diensteanbieters belegen zu können.
Die Hinweise dienen dazu, externe Einflüsse auf das Messergebnis zu minimieren. Nach der Lektüre der Hinweise klicken Sie auf Nutzerangaben vervollständigen. Im folgenden Dialog wählen Sie Ihren Diensteanbieter aus einer Liste aus. Sofern die Anwendung den zugehörigen Tarif nicht automatisch ermitteln konnte, geben Sie ihn danach an. Nach der abschließenden Eingabe Ihrer Postleitzahl erscheint in einer Übersicht nochmals eine Zusammenfassung der Angaben. Mit einem Klick auf manuell ändern passen Sie sie bei Bedarf noch an. Sind alle Daten korrekt, klicken Sie auf die Schaltfläche Konfiguration abschließen.
Nun erscheinen nochmals einige Hinweise. Insbesondere gilt es, darauf zu achten, dass Sie alle Messungen mithilfe einer kabelgebundenen Verbindung vom Router zum Mess-PC ausführen und das WLAN am Router deaktivieren. Um Verfälschungen der Messergebnisse zu vermeiden, müssen Sie zudem sicherstellen, dass keine weiteren Geräte per LAN-Anschluss mit dem Router verbunden sind. Downloads via Webbrowser oder Bittorrent-Client verbieten sich während der Messungen ebenfalls.
Haben Sie alle Hinweise beachtet, klicken Sie auf OK, womit Sie erneut an den Ausgangspunkt gelangen. Dort klicken Sie auf Messung durchführen, um erstmalig die Datenübertragungsrate messen zu lassen. Die Software prüft daraufhin erneut, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, und blendet außerdem sechs Kriterien ein, die sie nicht automatisch überprüfen kann. Diese müssen Sie manuell durch Setzen eines Häkchens hinter jeder Option bestätigen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ohne das Erfüllen aller Voraussetzungen verweigert die Software den Start der Messkampagne.
Stellt die Software anhand der automatischen Prüfung fest, dass grundlegende Voraussetzungen nicht vorliegen, lässt sich die Messung auch nicht starten. Hier gilt es im Sinne einer wirklich aussagekräftigen Messung zunächst alle Voraussetzungen zu erfüllen. Nach dem anschließenden Aktivieren der Messroutinen dauert es einige Zeit, bis die Applikation die erste Messung erledigt hat.
Danach erscheint erneut der Eingangsbildschirm für die Messkampagne. Er zeigt im unteren Bereich die Anzahl der Messungen unterteilt nach Tages- und Kampagnenziel sowie die Kampagnendauer an. Die nächste Messung lässt sich erst nach dem Ablauf der erforderlichen Zeitspanne zwischen zwei Durchgängen wiederholen. Diese verbleibende Zeit zeigt das Fenster oberhalb der Anzeigen zum Tages- und Kampagnenziel an (Abbildung 4).

Abbildung 4: Starten Sie eine Kampagne, misst die Software 30 Mal an drei verschiedenen Tagen den Datendurchsatz.
Beachten Sie außerdem, dass vor jedem neuen Auslösen der Messungen zunächst wieder alle Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
Ergebnisse
Oben rechts in der Startseite der Messkampagne finden Sie den Link Ergebnisse, das die Ergebnisse der aktuellen Messkampagne in Tabellenform anzeigt. Voreingestellt sehen Sie Datum und Uhrzeit der Messung sowie die Up- und Download-Raten (Abbildung 5).
Hinter jedem Eintrag findet sich der Link Details anzeigen. Ein Klick darauf zeigt die Ergebnisse wesentlich detaillierter an. Die eingeblendete Ansicht visualisiert nicht nur die Geschwindigkeiten in Form einer Balkengrafik, sondern liefert daneben alle wichtigen Informationen zu Soll- und Ist-Geschwindigkeiten in Abhängigkeit vom gewählten Tarif. Zusätzlich erscheinen noch einige Daten zum System. Die Darstellung der Detailansicht entspricht dabei weitgehend derjenigen der Einzelmessung.
Durch einen Klick auf eines der beiden Pfeil-Icons unten rechts im Fenster wechseln Sie zur vorigen oder nachfolgenden Messung. Fallen Ihnen bei den Ergebnissen Ungereimtheiten auf, dann blenden Sie via Hinweise oben rechts im Fenster nochmals die Hinweisseite mit den Voraussetzungen für eine zuverlässige Messung ein.
Nach dem vollständigen Abschluss einer Messkampagne, die 30 an unterschiedlichen Tagen erhobene Messergebnisse umfasst, öffnen Sie das Messprotokoll mit einem Klick auf den gleichnamigen Link links im Programmfenster. Die dort angezeigten Daten lassen sich als PDF-Dokument exportieren. Stellt sich nach Abschluss einer oder mehrerer Messkampagnen heraus, dass:
- an mindestens zwei der drei Messtage die minimale Datenübertragungsrate mindestens jeweils einmal unterschritten wurde,
- an zwei von drei Messtagen jeweils mindestens einmal nicht 90 Prozent der vertraglich vereinbarten Übertragungsrate erreicht wurde, oder
- die nach Provider-Angaben durchschnittlich zur Verfügung stehende Bandbreite nicht in 90 Prozent der Messungen erreicht wurde,
so empfiehlt es sich, über weitere Schritte nachzudenken, um eine Minderung des Tarifs zu erreichen oder um einen Providerwechsel anzustreben.
Fazit
Die Messapplikation der Bundesnetzagentur gibt Ihnen ein brauchbares Werkzeug an die Hand, um verwertbare Messergebnisse zu den Datenübertragungsraten Ihres Internet-Zugangs zu erhalten. Da das Verfahren standardisiert und obendrein im Telekommunikationsgesetz und einer zusätzlichen Allgemeinverfügung festgeschrieben ist, können sich Diensteanbieter nicht länger mit fehlerhaften oder unbrauchbaren Messverfahren der Kunden herausreden. Es empfiehlt sich deshalb, die Anwendung bei einem Verdacht auf dauerhaft deutlich zu niedrige Datentransferraten zum eindeutigen und gerichtsfesten Belegen der tatsächlichen Umstände zu nutzen. (tle)
Glossar
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TKG
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Telekommunikationsgesetz. Ein deutsches Bundesgesetz, das den Wettbewerb im Bereich der Telekommunikation reguliert und die angebotenen Dienstleistungen fortlaufend gewährleisten soll.
Infos
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Allgemeinverfügung: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Telekommunikation/Breitband/Breitbandgeschwindigkeiten/Allgemeinverfuegung_neu.pdf?__blob=publicationFile&v=4
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Desktop-App: https://breitbandmessung.de/desktop-app
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Software herunterladen: https://download.breitbandmessung.de/bbm







