Offline-Routenplaner Organic Maps

Aus LinuxUser 08/2023

Offline-Routenplaner Organic Maps

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Wegweiser

Straßen- und Wanderkarten auf Papier wirken inzwischen geradezu nostalgisch. Mit wesentlich weniger Zeitaufwand und ohne Datensammelei planen Sie Ihre Routen mithilfe von Organic Maps auf dem Linux-PC.

Geografische Kartendienste wie Google Maps geben über jeden Ort rund um den Globus Auskunft. Allerdings arbeiten sie webbasiert und setzen damit einen Internet-Zugang voraus. Obendrein sammeln die Betreiber meist Daten über die Besucher, bei denen sich nicht nachvollziehen lässt, wozu sie zum Einsatz kommen und wie lange sie gespeichert werden. Zusätzlich steht eine mögliche Profilbildung durch die Aggregation von Daten aus verschiedenen Quellen im Raum. Mit dem freien Programm Organic Maps [1] schieben Sie solcher Datensammelei nicht nur einen wirksamen Riegel vor, sondern können die Karten auch problemlos offline nutzen.

Installation

Organic Maps für den Linux-Desktop verfügt über ein grafisches Frontend, das auf dem Qt5-Framework aufbaut und unter einer freien Apache-Lizenz steht. Ursprünglich entwickelte das Projekt die Anwendung primär für Smartphones als freie Alternative zu den Marktführern. Das eigentliche Kartenmaterial stammt von OpenStreetMap.

Unter Linux steht Organic Maps zur lokalen Installation als Flatpak für 64-Bit-PCs und für 64-Bit-ARM-Systeme bereit. Die Entwickler geben als Mindestvoraussetzungen für einen zufriedenstellenden Einsatz einen Rechner mit 4 GByte RAM und 20 bis 30 GByte freiem Massenspeicher an. Das Flatpak umfasst knapp 200 MByte und belegt im installierten Zustand etwa 480 MByte. Direkt nach der Installation sind in der Anwendung noch keine Karten integriert. Stattdessen finden Sie nach dem ersten Start eine Übersichtskarte (Abbildung 1).

Abbildung 1: Beim ersten Start vermittelt Organic Maps einen sehr schlichten Eindruck.

Abbildung 1: Beim ersten Start vermittelt Organic Maps einen sehr schlichten Eindruck.

Ein kleines Willkommensfenster weist Sie darauf hin, dass Sie das gewünschte Kartenmaterial noch herunterladen müssen. Ein Mausklick auf Download Maps führt Sie in einen weiteren Dialog mit in alphabetischer Reihenfolge nach Ländern sortierten Karten. Um eines der Länder in den lokalen Datenbestand einzubinden, starten Sie mit einem Doppelklick darauf den Download-Prozess.

Hinter jedem Ländernamen sehen Sie, wie groß der dafür vorhandene Datenbestand ausfällt. Die Spanne reicht von lediglich 1 MByte für die Cook-Inseln im Pazifischen Ozean bis hin zu 9 GByte für die USA (Abbildung 2). Möchten Sie alle Kartenbestände offline nutzen, benötigen Sie rund 70 GByte freien Speicherplatz auf der Festplatte oder SSD. Das Herunterladen dauert in diesem Fall wegen relativ langsamer Server allerdings knapp zehn Stunden.

Abbildung 2: Für das Herunterladen aller Karten benötigen Sie reichlich Platz auf dem Massenspeicher.

Abbildung 2: Für das Herunterladen aller Karten benötigen Sie reichlich Platz auf dem Massenspeicher.

Einmal heruntergeladen, aktiviert Organic Maps das Kartenmaterial sofort. Zunächst dürften Ihnen beim Öffnen des Programms keine Unterschiede auffallen, da voreingestellt die Weltkarte als Übersicht erscheint. Rechts am Rand des Programmfensters finden Sie eine vertikale Schalterleiste zur Navigation. Eine Menüleiste fehlt, lediglich links oben im Programmfenster lässt sich ein kleines Hilfemenü öffnen. In der Navigationsleiste sitzt im unteren Bereich ein Schieberegler, mit dessen Hilfe Sie die Kartenansicht stufenlos vergrößern oder verkleinern. So zoomen Sie in den jeweils aktiven Kartenausschnitt hinein und lokalisieren dabei sogar einzelne Gebäude.

Den Fokus in der Karte ändern Sie, indem Sie den Mauszeiger bei gedrückter linker Maustaste in der Karte bewegen. Bei maximaler Vergrößerung zeigt Organic Maps die Namen von Straßen und Wegen und teils sogar Hausnummern an. In Ortschaften tauchen dabei verschiedene Symbole auf, die sowohl Sehenswürdigkeiten als auch die örtliche Infrastruktur markieren. So erkennen Sie beispielsweise Bahnhöfe, Flughäfen oder Bildungseinrichtungen. Zusätzlich kennzeichnet die Software auch Geschäfte, Restaurants, Hotels, Cafés oder Supermärkte mit eigenen Symbolen. Ein Mausklick auf eines der Symbole öffnet ein kleines Fenster mit Detailinformationen und teilweise Weblinks zum jeweiligen Objekt.

Ansichtssache

Mithilfe des obersten Schalters in der Leiste wechseln Sie die Ansicht. Organic Maps dient primär der Navigation und verzichtet daher auf topografische Karten. Die herkömmliche, voreingestellt eingeblendete Kartenform entspricht einer konventionellen Straßen- und Verkehrsmittelkarte. Sie findet sich im Kontextmenü des obersten Schalters unter Traffic.

Die Option Public transport blendet für Ballungsräume und Großstädte die U- und S-Bahn-Linien in kräftigen Farbtönen ein, während die ursprüngliche Kartenansicht mit deutlich abgeschwächtem Kontrast darunter weiterhin sichtbar bleibt (Abbildung 3). Sie können beliebig in der Karte zoomen, wobei die Software die Verkehrslinien des öffentlichen Nahverkehrs je nach gewählter Vergrößerungsstufe vollständig bis zu ihren Endpunkten im Umland anzeigt.

Abbildung 3: Mithilfe der Option <span class="ui-element">Public transport</span> lassen Sie sich U- und S-Bahn-Linien in Gro&szlig;st&auml;dten anzeigen.

Abbildung 3: Mithilfe der Option Public transport lassen Sie sich U- und S-Bahn-Linien in Großstädten anzeigen.

Die Option Isolines zeichnet verschiedene Höhenlinien ein. Diese Isohypsen verändern das Erscheinungsbild der Karte aufgrund der kontrastarmen Darstellung kaum. Anhand der jeweiligen Höhenangabe lässt sich jedoch nachvollziehen, ob man sich in ebenem Gelände befindet oder in eher bergigen Gegenden. Für die Höhenlinien dürften sich daher vor allem Anwender interessieren, die einen Landstrich als Wanderer oder mit dem Fahrrad erkunden und die Applikation dabei als Navigationshilfe verwenden möchten.

Routenplaner

Um in Organic Maps Routen zu planen, legen Sie im einfachsten Fall den Start- und Endpunkt der Route fest. Dazu klicken Sie auf das kleine Dreieck rechts neben dem dritten Schalter von oben in der Symbolleiste und wählen anschließend die Option Start point. Nun navigieren Sie in der Karte auf den gewünschten Startpunkt und markieren ihn bei gehaltener Umschalttaste mit einem Linksklick. Ein blauer Punkt auf der Karte symbolisiert daraufhin den Startpunkt. Danach legen Sie analog den Endpunkt fest, indem Sie wieder auf das kleine Dreieck klicken und im Kontextmenü die Option Finish point nutzen. Die Anwendung trägt die neue Route mit blauen Linien am Rand der jeweiligen Straßenzüge in die Karte ein (Abbildung 4).

Abbildung 4: Routen flie&szlig;en deutlich gekennzeichnet in die Karten ein.

Abbildung 4: Routen fließen deutlich gekennzeichnet in die Karten ein.

Möchten Sie die Route über einen dritten Standort führen, bestimmen Sie vor der Konfiguration des Endpunkts im Kontextmenü der Routendefinition mithilfe der Option Intermediate point einen zusätzlichen Punkt, den Sie genauso festlegen wie Start- und Endpunkt. Um eine angezeigte Route wieder aus dem Kartenwerk zu entfernen, klicken Sie in der Navigationsleiste auf Clear route. Daraufhin bereinigt Organic Maps die Kartenansicht ohne weitere Sicherheitsabfrage wieder.

Organic Maps legt Sie nicht auf das Auto als Fortbewegungsmittel fest. Sobald Sie auf den sechsten Schalter von oben in der rechten Navigationsleiste klicken, gelangen Sie in ein kleines Fenster mit dem Auswahlfeld Choose router. Hier lässt Sie die Anwendung für die Fortbewegung zwischen Auto, Fahrrad und zu Fuß wählen. Speichern Sie die eingestellte Option, berücksichtigt die Software bei den nächsten Routenanzeigen beispielsweise zusätzlich Fußwege, die Sie mit dem Auto nicht befahren können. Außerdem ändert sich die Darstellung der Routen: Sie erscheinen nicht mehr in durchgezogenen Linien mit Pfeilen zur Richtungsangabe, sondern in unterbrochenen Linien, wobei die Software auch Angaben zum Richtungswechsel an Straßen- oder Wegkreuzungen mit einblendet.

Suchfunktion

Dem schnellen Auffinden von Orten oder Straßen dient die Suchfunktion. Ein Mausklick auf die Lupe aktiviert sie und blendet rechts einen weiteren Bereich mit einem Feld für freie Texteingabe ein. Nachdem Sie dort den Suchbegriff eingetippt und mit der Eingabetaste bestätigt haben, listet die Software alle gefundenen Orte unterhalb des Eingabefelds auf, wobei Ortsnamen an oberster Stelle stehen. Sobald Sie auf einen der Namen klicken, fokussiert Organic Maps die Kartenansicht auf den betreffenden Ort und liefert in einem gesonderten Fenster Informationen dazu. Bei Städtenamen zeigt die Anwendung beispielsweise die entsprechenden Wikipedia-Links an (Abbildung 5).

Abbildung 5: Durch eine leistungsf&auml;hige Suchfunktion finden Sie schnell Orte oder Stra&szlig;en.

Abbildung 5: Durch eine leistungsfähige Suchfunktion finden Sie schnell Orte oder Straßen.

Zusätzliche Karten

Möchten Sie nach einiger Zeit weitere Karten in die lokale Installation integrieren, öffnen Sie mithilfe des untersten Schalters in der Navigationsleiste den Installationsassistenten. Dort finden sich alle bisher nicht eingebundenen Karten. Das Herunterladen starten Sie durch einen Mausklick auf die entsprechende Länderbezeichnung. Zum Entfernen nicht mehr benötigter Karten nutzen Sie ebenfalls diesen Dialog und navigieren in der Liste zum obsoleten Ländereintrag. Bei einem Klick mit der linken Maustaste darauf deinstalliert die Software nach einer Sicherheitsabfrage das Kartenmaterial des entsprechenden Lands.

Fazit

Mit Organic Maps sind Sie bei der Routenplanung nicht mehr auf Online-Dienste und Datensammler wie Google angewiesen. Die Karten von OpenStreetMap glänzen mit einem hohen Detailgrad und bauen aufgrund der lokalen Installation die entsprechenden Inhalte im Programmfenster signifikant schneller auf als Google Maps. Dank der eingeblendeten Informationsfenster sehen Sie zusätzliche Daten zu Sehenswürdigkeiten, Orten und Dienstleistern über die jeweiligen Webseiten ein, ohne dass wie bei Google Maps Ihr Klickverhalten ausgeforscht wird. Organic Maps verlinkt nicht nur auf Wikipedia-Seiten, sondern auch auf Unternehmensseiten und solche von Infrastruktureinrichtungen. Der Open-Source-Routenplaner eignet sich nicht zuletzt deswegen bestens für die Urlaubs- und Freizeitplanung. (csi)

Infos

  1. Flathub-Seite des Projekts: https://flathub.org/apps/app.organicmaps.desktop

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