Void Linux für ARM- und Intel-CPUs

Aus LinuxUser 06/2023

Void Linux für ARM- und Intel-CPUs

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Schlanker Allrounder

Die meisten Distros basieren auf bekannten Vertretern wie Debian, Fedora oder Arch Linux. Native Versionen wie Void Linux bedeuten zwar eine steile Lernkurve, bieten aber etliche Vorteile.

Oft folgt beim ersten Booten nach der Installation die große Ernüchterung: Die gewählte Desktopumgebung belegt die Festplatte mit allerlei nicht benötigten Anwendungen, im Hintergrund laufende Prozesse schmälern die zur Verfügung stehende Rechenleistung. Anders verhält es sich mit Void Linux [1] – Als Installationsmedium stehen, abgesehen vom vorinstallierten XFCE-Desktop, Basisinstallationen bereit, mit denen Sie die Distribution besser Ihre Bedürfnisse anpassen und zweckorientierter einsetzen.

Das Installationsmedium besteht lediglich aus den nötigsten an Paketen, was sie anpassungsfähiger macht als zahlreiche geforkte Distributionen. Anders als viele Mainstream-Distros verzichtet Void Linux auf einen grafischen Installer und nutzt stattdessen eine Ncurses-basierte Variante. Sofern Sie Wert auf eine grafische Nutzeroberfläche legen, bringt Void Linux hierfür diverse Desktopumgebungen mit.

Insgesamt fallen Installation und Betrieb bei Void Linux ressourcensparend aus. Dementsprechend eignet sich die Distribution auch für schwächere Rechner wie den Raspberry Pi. Allerdings erwartet der Installer zumindest Grundlagenkenntnisse über Linux, womit sich Void Linux eher an fortgeschrittene Anwender richtet. Gleiches gilt für den konsolenbasierten Paketmanager XBPS.

Installation

Möchten Sie sich die durchaus anspruchsvolle Installation erst einmal ersparen, laden Sie ein Live-Image mit der passenden Desktopumgebung herunter [2]. Dabei entscheiden Sie sich zwischen der Basisversion (base) und der Version mit einem XFCE-Desktop. Der Bootmanager gestattet das Laden des Systems in den Hauptspeicher, der dazu allerdings mindestens 4 GByte umfassen muss. Alternativ wählen Sie die erste Option, um das Live-Image auf einem freien Platz auf der Festplatte zu installieren. Den Installationsassistenten starten Sie auf der Konsole, indem Sie sich als root oder anon zusammen mit dem Passwort voidlinux einloggen und den Befehl void-installer eingeben.

Das Installationsmenü besteht aus elf Unterpunkten, wobei Sie damit beginnen, das Tastaturlayout einzustellen. Unter Keyboard | Select your keymap wählen Sie das gewünschte aus, in Deutschland für gewöhnlich de-latin1-nodeadkeys. Im nächsten Schritt geht es unter Network an das Einrichten der Netzwerkumgebung. Für eine Standardinstallation mit einem Router als Gateway ins Internet nutzen Sie üblicherweise DHCP. Daraufhin geben Sie an, von welcher Quelle Sie die erforderlichen Pakete für die Installation verwenden möchten. Sie haben unter Source | Select installation source die Wahl zwischen local, bei der die Pakete für die Installation vom ISO-Image stammen, und Network, das aktuelle Pakete vom Online-Repository bezieht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Ncurses-basierte Void-Installer steht nur in der x86-64-Variante zur Verfügung.

Abbildung 1: Der Ncurses-basierte Void-Installer steht nur in der x86-64-Variante zur Verfügung.

Im Untermenü Hostname vergeben Sie für den Rechner einen maximal 63 Zeichen langen Namen. Rechnernamen mit vollem Domainnamen dürfen bis zu 253 Zeichen umfassen. Unter Locale | Select your locale passen Sie die Spracheinstellungen an (de_DE.UTF-8). Danach definieren Sie unter Timezone | Select area und Select Location die Zeitzone.

Benutzerkonten richten Sie unter UserAccount ein. Im Unterfenster Select group membership … weisen Sie dem neuen Benutzer relevante Gruppen zu, wobei die Standardeinstellungen zunächst ausreichen. Das generische Root-Passwort bleibt zwar nach der Installation erhalten, Sie sollten es aus Sicherheitsgründen jedoch zeitnah über das Untermenü RootPassword ändern.

Besonderes Augenmerk erfordert das Einrichten der Festplatte, da bei Fehlkonfiguration möglicherweise das System nicht bootet. Indem Sie unter BootLoader | Select the disk to install the bootloader eine Festplatte angeben, legen Sie den Installationsort des Bootloaders fest. Zur Partitionerung stellen Sie unter Partition | Select the disk to partition die entsprechende Festplatte ein, unter Select the software for partitioning die gewünschte Software. Zur Auswahl steht unter anderem Cfdisk, das speziell Einsteigern das Einrichten erleichtert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unter Void Linux lässt sich die Festplatte beispielsweise mittels Cfdisk partitionieren.

Abbildung 2: Unter Void Linux lässt sich die Festplatte beispielsweise mittels Cfdisk partitionieren.

Vor der Partitionierung der Festplatte gilt es, die Partitionstabelle unter Modify Partition Table on … einzurichten. Bei handelsüblichen Festplatten und Mikro-SD-Karten eignen sich vor allem GPT beziehungsweise DOS. Allerdings hängt die Wahl unter anderem vom BIOS ab. Zum Beispiel benötigt ein UEFI-BIOS eine Partitionstabelle auf GPT-Basis. Handelt es sich hingegen um ein Legacy-BIOS, kommt die Partitionstabelle DOS zum Einsatz.

Im nächsten Schritt zeigt der Installer den freien Platz vorhandener Partitionen an. Zu Testzwecken genügen zwei Partitionen, die Boot- und Root-Partition, letztere enthält alle anderen Ordner samt Unterordner und Dateien. Markieren Sie zunächst die Zeile mit der Bezeichnung Free Space, danach klicken Sie auf New. Nun bestimmen Sie die Größe der einzelnen Partitionen. Für die Boot-Partition, die Sie zu Beginn angelegen, brauchen Sie etwa 1 GByte. Den restlichen Platz verwenden Sie für die Root-Partition.

Nach dem Festlegen der Partitionsgröße geht es mit dem Partitionstyp weiter. Für die Boot-Partition eines UEFI-BIOS wählen Sie den Eintrag EFI System aus, während sich für das Legacy-BIOS der Eintrag BIOS boot eignet. Für alle anderen Partitionen wie Root- oder Heimatverzeichnis taugt der Partitionstyp Linux filesystem besser (Abbildung 3).

Optional richten Sie noch eine Swap-Partition mit dem Partitionstyp Linux swap ein. Nach Abschluss der Partitionierung markieren Sie jede Partition in der Übersicht und drücken anschließend auf den Schalter Write. Dadurch schreibt der Installer für jede Partition die Änderungen auf die Festplatte. Zurück zum Hauptmenü gelangen Sie via Quit.

Abbildung 3: Die Einstellungen der Partitionierung &uuml;bernimmt das System erst nach dem Best&auml;tigen via <code>yes</code>.

Abbildung 3: Die Einstellungen der Partitionierung übernimmt das System erst nach dem Bestätigen via yes.

Unter Filesystems definieren Sie die Einhängepunkte der einzelnen Partitionen, wobei die folgenden Einstellungen für jede Partition gelten. Wählen Sie im Unterfenster Select the partition to edit eine Partition aus und geben Sie daraufhin unter Select the filesystem type das Dateisystem an.

Für Boot-Partitionen nutzen Sie VFAT, die Swap-Partition formatiert man üblicherweise mit dem Dateisystem Linux Swap. Für alle weiteren Partitionen leistet Ext4 gute Dienste (Abbildung 4).

Abbildung 4: Wie bei anderen Distributionen &uuml;blich legen Sie in Void&nbsp;Linux das Dateisystem f&uuml;r jede Partition einzeln fest.

Abbildung 4: Wie bei anderen Distributionen üblich legen Sie in Void Linux das Dateisystem für jede Partition einzeln fest.

Den Einhängepunkt legen Sie im Unterfenster Please specify the mount point for … fest. Als Mount-Point der Boot-Partition eines UEFI-Systems kommt für gewöhnlich /boot/efi zum Einsatz, bei Rechnern mit Legacy-BIOS /boot. Für die Root-Partition verwenden Sie in der Regel /, um darüber auf sämtliche Unterordner einer Linux-Festplatte zuzugreifen. Die eigentliche Installation erfolgt im Anschluss, indem Sie im Untermenü Install die zuvor vorgenommenen Einstellungen bestätigen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Void-Installer beginnt dem mit der Installation erst nach dem Best&auml;tigen der Einstellungen.

Abbildung 5: Der Void-Installer beginnt dem mit der Installation erst nach dem Bestätigen der Einstellungen.

Installation auf dem RasPi

Auf der Download-Seite von Void Linux steht ein Image für den RasPi bereit [3], das im AARCH64-Bit-Modus läuft. Mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 kopieren Sie das Image auf die Mikro-SD-Karte.

Listing 1

Image und Kernel transferieren

# xzcat void-rpi-aarch64-Datum.img.xz | dd bs=4M of=Laufwerk status=progress; sync
# mount Gerätename Einhängepunkt
# cp kernel8.img Einhängepunkt

Um den aktuellen Kernel zu ersetzen, mounten Sie anschließend die Boot-Partition mithilfe des Befehls aus der zweiten Zeile. Falls Sie die Boot-Partition nicht sofort finden, zeigt das Kommando lsblk alle am Rechner angeschlossenen Laufwerke an. Den Kernel laden Sie entweder herunter [4] oder kompilieren ihn selbst [5]. In beiden Fällen erhalten Sie dadurch den offiziellen Kernel als Image, den Sie in das System kopieren (dritte Zeile).

Für die Root-Partition besteht ebenfalls Handlungsbedarf, da sie sich nicht automatisch an die Größe der Mikro-SD-Karte anpasst. Dem heruntergeladenen Image fehlt ein Resize-Tool, weshalb die Karte nicht voll ausgenutzt wird. Hierfür können Sie über ein Tool wie GParted den verfügbaren Speicher der Root-Partition zuweisen. Des Weiteren fügen Sie dem System bei Bedarf außerdem eine Swap-Partition nach der Root-Partition hinzu.

Schließlich müssen Sie noch die zwei bekannten, vom Raspberry Pi benötigten Konfigurationsdateien bearbeiten. In der Datei /boot/cmdline.txt sollten Sie die Identifikation der Root-Partition anpassen, damit sie nach dem Booten gefunden wird. Dazu verwenden Sie entweder die UUID oder die PartUUID, die das Kommando # blkid Gerätename ermittelt.

Die Konfigurationsdatei /boot/config.txt enthält unter anderem Angaben bezüglich des Monitors. Zusätzlich lassen sich darüber die CPU übertakten und Einstellungen zu den USB-Anschlüssen sowie Einstellungen an der Hardware wie Grafikchip oder Sound-Chip vornehmen (Listing 2).

Listing 2

/boot/config.txt

## /boot/config.txt
## USB-Ports mit maximalen Strom versorgen
max_usb_current=1
## GPU-Größe einstellen
gpu_mem=RAM
## Onboard-Sound anschalten
dtparam=audio=on
## Monitor-Einstellungen bei HDMI
hdmi_drive=HDMI-Anschluss
hdmi_group=HDMI-Gruppe
hdmi_mode=HDMI-Mode

Des Weiteren überprüfen Sie in der Datei /etc/fstab, ob die Bezeichnungen der einzelnen Partitionen stimmen und passen Sie gegebenenfalls wie zuvor für die Datei /boot/cmdline.txt an. Danach hängen Sie die gemounteten Laufwerke wieder aus (Listing 3, erste zwei Zeilen), und booten den RasPi von der Mikro-SD-Karte .

Listing 3

Image aushängen und Nutzer anlegen

# umount Gerätename
# sync
# useradd -m Benutzername
# passwd Benutzername
# cat /etc/group
# usermod -a Benutzername -G Gruppe

Im Prinzip unterscheidet sich das Raspberry Pi Image nicht so sehr von der weiter oben beschriebenen Basis-Installation für x86-64-basierte Computer. Es beherbergt ebenfalls keine grafische Oberfläche. Zudem existiert kein Benutzerkonto, sodass Sie es erst noch erstellen müssen (Listing 3, Zeilen 3 und 4). Damit der Benutzer über ausreichend Rechte verfügt, ordnen Sie ihn unterschiedlichen Gruppen zu (Zeilen 5 und 6 von Listing 3).

Multimedia

In der Regel bestehen beide Images nach der Installation aus veralteten Paketen, weswegen sich eine Systemaktualisierung via # xbps-install -Su empfiehlt. Grundsätzlich brauchen Sie für die Desktopumgebung einen Display-Manager, der das Anmeldefenster und einen Window-Manager realisiert, der die Desktop-Umgebung bereitstellt (siehe Tabelle “Verfügbare Desktops”).

Desktop

Version

Softwarepakete

Cinnamon

5.4.9

cinnamon, cinnamon-all

Enlightenment

0.25.4

enlightenment

Gnome

43.0

gnome, gnome-apps

LXDE

0.5.0

lxde

LXQt

1.2.0

lxqt

Mate

1.26.0

mate, mate-extras

XFCE

4.18.0

xfce4, xfce4-plugins

Um beispielsweise den Cinnamon-Desktop zusammen mit SDDM zu installieren, gehen Sie wie in Listing 4 beschrieben vor. Damit SDDM nach der Installation das Anmeldefenster startet, benötigt das System diverse Verlinkungen mit dem Sitzungsmanger, bekannt als Init-System. Dadurch teilen Sie Void Linux explizit mit, dass SDDM nach dem Booten startet. Darüber hinaus können Sie den Networkmanager als Hintergrundprozess starten, um später die Einstellungen des Netzwerks auf der grafischen Oberfläche vorzunehmen. Außerdem müssen Sie D-Bus nach dem Booten starten.

Listing 4

Desktop installieren

# xbps-install sddm cinnamon cinnamon-all xorg mesa-dri
# ln -s /etc/sv/sddm /var/service
# ln -s /etc/sv/NetworkManager /var/service
# ln -s /etc/sv/dbus /var/service

Abgesehen von der passenden Desktopumgebung müssen Sie den Grafikkartentreiber mesa-dri einbinden. Anschließend schalten Sie in der Konfigurationsdatei /boot/config.txt den Grafikkartentreiber des Kernels mit dtoverlay=vc4-kms-v3d ein. Damit die Einstellungen greifen, starten Sie Void Linux mit # reboot neu.

Im Grunde handelt es sich bei Void Linux um eine abgespeckte Linux-Distribution, wovon Sie sich selbst ein Bild machen können, indem Sie das Startmenü etwa von Cinnamon öffnen. Üblicherweise müssen Sie weitere Standardanwendungen wie ein Screenshot-Tool oder Bildbetrachter nachinstallieren. Dasselbe gilt für Audio: Um beispielsweise den Ton von PulseAudio regeln zu lassen, installieren Sie die Pakete pulseaudio und pavucontrol. Danach öffnen Sie Pavucontrol, welches Sie im Startmenü unter PulseAudio Volume Control finden. Die Einstellungen Sound Settings | Output erlauben es, das Standard-Audiogerät anzuzeigen oder zu testen. Sollte beim Abspielen eines Videos oder einer Audiodatei kein Ton zu hören sein, wählen Sie im Tab Applications das passende Audiogerät aus (Abbildung 6).

Abbildung 6: Mittels PulseAudio richten Sie die Tonausgabe von Void&nbsp;Linux ein. Dazu ben&ouml;tigen Sie zun&auml;chst das Tool Pavucontrol.

Abbildung 6: Mittels PulseAudio richten Sie die Tonausgabe von Void Linux ein. Dazu benötigen Sie zunächst das Tool Pavucontrol.

Zahlen, Daten, Fakten

Etliche Werkzeuge ermöglichen, Informationen zu Void Linux zu beziehen. Beispielsweise gibt der Befehl uname -a die Kernel-Version aus, mit dem das System gebootet wird – zum Testzeitpunkt 5.15.72_1. Daneben überprüfen Sie mit dem Aufruf von glxinfo | grep OpenGL, ob der installierte Grafikkartentreiber OpenGL unterstützt. Desktop-Umgebungen bringen teilweise grafische Tools mit, um Systeminformationen anzuzeigen. Bei Cinnamon erledigt das zum Beispiel System Info (Abbildung 7).

Abbildung 7: Laut der Systeminformationen handelt es sich bei Void&nbsp;Linux um eine Rolling-Release-Distribution.

Abbildung 7: Laut der Systeminformationen handelt es sich bei Void Linux um eine Rolling-Release-Distribution.

Im Leerlauf beansprucht die ARM-Variante einschließlich dem Cinnamon-Desktop lediglich knapp 500 MByte an Arbeitsspeicher. Void Linux eignet sich demzufolge gut für weniger leistungsstarke Rechner wie den RasPi. Außerdem nimmt die Basisinstallation samt Desktopumgebung nur wenig Platz in Anspruch, sodass die Distribution für den Servereinsatz infrage kommt.

Fazit

Wenn überhaupt, sollten sich Einsteiger eher für die x64-Variante entscheiden, da sie sich vergleichsweise einfach installieren lässt. Fortgeschrittene Anwender, die eine maßgeschneiderte Installation gemäß der Dokumentation von Void Linux vornehmen möchten, müssen weitere Informationsquellen konsultieren. Die Anleitungen fallen nicht so zahlreich beziehungsweise vollständig aus, wie es bei Gentoo oder Arch Linux der Fall ist. Dafür arbeitet der native Paketmanager XBPS flott und simpel. (tle)

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