Mit zahlreichen praktischen Neuerungen verteidigt Ardour 7 seine Spitzenposition unter den freien Digital Audio Workstations.
Die Digital Audio Workstation Ardour gilt als eines der Vorzeigeprojekte der freien Audio-Community. Zwar glänzt die Software nicht unbedingt durch schicke Optik oder innovative Bedienkonzepte, kann aber funktional durchaus mit kommerziellen Konkurrenten wie Bitwig Studio oder Ableton Live mithalten.
Für Ardour 7 [1] haben die Entwickler den technischen Unterbau der DAW geändert, um so besser zwischen Audio Time (Samples) und Musical Time (Bars/Beats) zu unterscheiden. Daraus resultiert auch die vermutlich größte Neuerung in Ardour 7, der Clip Launcher.
In einer Matrix-Ansicht im Stil kommerzieller Programme lassen sich 16 Audio- oder MIDI-Clips im neuen Cue-Fenster ablegen. Eine Aufnahme direkt in die Clip-Slots klappt allerdings derzeit noch nicht. Die Anzahl der Clips ist aktuell auf 16 beschränkt. Wie im regulären Mixer lassen sich im unteren Bereich Plugins und virtuelle Klangerzeuger laden.
Die Clips werden einzeln oder in den namensgebenden Cues zeilenweise abgespielt, über Cue-Marker integrieren Sie sie im Editor (Abbildung 1) in Songs. An den über die Jahre gewachsenen Funktionsumfang von Ableton Live kommt Ardour 7 damit zwar nicht heran, bietet aber viel kreatives Potenzial für Producer und Musiker.
Passend zu den neuen Cues gibt es in der ausklappbaren Seitenleiste nun eine Loop-Bibliothek. In projektübergreifenden Bibliotheken kann man eigene Loops und Samples verwalten. Die Tonschnipsel lassen sich zudem aus der wieder direkt integrierten Freesound.org-Bibliothek integrieren. Das bringt nicht nur Sounddesignern einen Zeitgewinn, sondern auch Podcast- oder Radio-Kreativen, die so einen Schnellzugriff auf Verbraucherinformationen oder Jingles erhalten.
Neue Funktionen
Auch für Live-Produktionen kann man auf Input- und Output-Plugins zugreifen, die vor dem DAW-Input und nach dem DAW-Master eingreifen. Auch die zuerst für Harrison Mixbus entwickelten Mixer Scenes ermöglichen es in Ardour 7, Speicherpunkte der Mixer- und Plugin-Einstellungen anzulegen (Abbildung 2). Die kann man später global oder auf markierte Spuren abrufen, was schnelle A/B-Vergleiche ermöglicht.

Abbildung 2: Im Mixer lassen sich Mixer Scenes anlegen und die Volume-Fader in der Spurenfarbe kolorieren.
Per Quick Audio Export schreibt die DAW nun markierte Clips über ein sparsames Export-Fenster mit einem Handgriff auf die Festplatte. Auch MIDI-Stems lassen sich jetzt exportieren – ein Feature, nach dem die Anwender im Ardour-Forum schon seit Langem fragten. MIDI-Lyrics können Sie mit Ardour 7.3 direkt importieren und müssen sie nicht mehr händisch anlegen.
Mit dem Update auf 7.3 spielt Ardour Projekte in der “falschen” Sample Rate nicht mehr zu schnell oder zu langsam ab. Dieses sehr nützliche Feature bieten DAWs wie Reaper seit vielen Jahren, nun hat auch Ardour endlich nachgezogen. Nutzer von virtuellen Effekten und Klangerzeugern können jetzt die Multi-Bus- beziehungsweise Multi-Output-Funktionen ihrer VST3-Plugins wie gewohnt ausnutzen und mehrere Ausgänge im Plugin selbst verwenden. Allerdings müssen die Plugins dazu neu gescannt werden.
Podcaster profitieren von dem neuen Interview-Ripple-Edit-Modus. Er zieht die nachfolgenden Audio- und MIDI-Clips nur dann automatisiert heran, wenn Sie mehr als eine Spur markieren. Talk-Runden lassen sich so etwas schneller von Ähs, Öhmms oder Schmatzern befreien.
Mehr Übersicht
Ardour ist nicht gerade für progressive Optik oder Bedienweise bekannt. Daran ändert sich auch mit der neuen Version nichts. Immerhin haben die Entwickler eine Möglichkeit für mehr Übersicht in den Mixer integriert: Die Volume-Fader lassen sich nun der Spurenfarbe angleichen, auch im Editor. Allerdings funktioniert das nicht für den gesamten Kanalzug, wie es andere DAWs seit etlichen Jahren vorführen und wie es zweifellos auch für Ardour die übersichtlichere Lösung wäre.
In den Programmeinstellungen gibt es nun auch ein Suchfeld in der linken unteren Ecke. Kennen Sie den konkreten Namen einer Einstellung, finden Sie so im Handumdrehen die gewünschte Option und können sie ändern.
Fazit
Ardour 7 kann zwar noch immer nicht direkt mit Pipewire umgehen, bleibt jedoch seiner Linie treu und verwöhnt seine Anwender mit Verbesserungen an den richtigen Stellen. Für manchen Nutzer ist das vielleicht immer noch etwas zu zögerlich. Mit dem Clip Launcher haben die Entwickler um Paul Davis aber bewiesen, dass sie sich durchaus auch an größere Neuerungen herantrauen. Im Vergleich der Open-Source-DAWs verteidigt Ardour 7 damit sowohl in Sachen Umfang als auch hinsichtlich der Flexibilität ohne Frage seine Spitzenposition.
Sie können Ardour 7 kostenfrei aus dem Quellcode kompilieren. Der recht komfortable Installer für Linux, MacOS und Windows kostet einmalig oder freiwillig im Abo ab 1 Euro. (jlu)
Der Autor
Claudius Grieger (https://www.cgrieger.org) nutzt Ardour neben anderen DAWs auf seinem Debian-“Sid”-System für unterschiedliche Musikprojekte.
Infos
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Projektseite: https://www.ardour.org






