Mithilfe des IPTV-Standards und freier Software empfangen Sie Ihre Lieblingssender auch unter Linux problemlos.
Herkömmliche audiovisuelle Technik und moderne multimediale Computeranwendungen wachsen immer weiter zusammen. Unter Linux gibt es dafür zahlreiche freie Applikationen, die teils sogar Standards für professionelle kreative Ansprüche setzen.
Für Anwender, die das frei empfangbare TV-Programm unterwegs streamen möchten, war das freie Betriebssystem allerdings zeitweise aufgrund mangelnder Software nicht die bevorzugte Plattform. Mit IPTVnator schickt sich ein junges Projekt an, diese Lücke zu schließen [1].
Technologien
Während der konventionelle Breitbandempfang des Fernsehprogramms stets zusätzliche Hardware wie einen Empfänger für DVB-S, DVB-T oder DVB-C benötigt, lässt sich mithilfe von IPTV (Internet Protocol Television [2]) das tägliche Programm ohne Zusatzkomponenten via Internet empfangen. Dabei weist das IPTV-Programm im Vergleich zu Breitbandangeboten einige Vorteile auf: So greifen Sie damit ohne einen festen Anschluss und ohne spezielle Empfänger auf das gesamte Spektrum der angebotenen Inhalte zu.
Neben den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten finden sich auch zahlreiche kleine regionale Sender im Programm, die sich standortunabhängig empfangen lassen. Zudem gestatten es modulare Senderlisten, Sender aus anderen Ländern und Kontinenten zu empfangen. Für den SDTV-Empfang von Fernsehsendungen über IPTV genügen dazu bereits Bandbreiten von etwa 4 Mbit/s, die selbst ältere DSL-Anschlüsse erreichen. Für den Empfang des Programms in HDTV-Qualität benötigen Sie aber eine Bandbreite von mindestens 8 Mbit/s, wie sie heute übliche DSL-Leitungen in der Regel problemlos bereitstellen. Die auf dem PC für den Empfang des Diensts genutzte Software arbeitet dabei mit Puffern, um auch bei Bandbreitenschwankungen einen kontinuierlichen Empfang zu gewährleisten.
IPTVnator
Das noch recht junge Programm IPTVnator eignet sich für den Fernsehempfang über IPTV. Ältere Softwarepakete wie FreeTuxTV [3] und Zapping [4] werden schon seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt, das zum Softwarefundus von Linux Mint gehörende Hypnotix [5] läuft bislang aufgrund einiger spezifischer Abhängigkeiten nur auf wenigen Linux-Distributionen. Damit ist IPTVnator derzeit die einzige grafische und universell einsetzbare Software unter Linux für den Empfang von IPTV-Sendungen.
IPTVnator bietet dabei das gesamte Funktionsspektrum für einen komfortablen Empfang. So binden Sie M3U- oder M3U8-Playlisten ein, der integrierte Programmführer erlaubt das Anlegen von Favoriten. Außerdem pflegt die auf dem Electron- und dem Angular-Framework basierende Anwendung automatisch Aktualisierungen der Senderlisten ein und verfügt über eine integrierte HTML5-Abspielsoftware.
Installation
Die Software fehlt bislang in den Repositories der gängigen Distributionen. Sie lässt sich aber als Snap-Paket beziehen, sofern die von Ihnen verwendete Distribution dieses Paketformat unterstützt. Darüber hinaus steht das Programm als distributionsübergreifendes Appimage für 64-Bit-Systeme zum Download bereit. Zudem finden sich auf der Projektseite auch ein RPM- und ein DEB-Paket.
Bei der Installation des Snap-Pakets aus einem distributionsspezifischen Appstore legt die Routine in aller Regel automatisch einen Starter im Menü der Arbeitsumgebung an. Das Appimage-Paket starten Sie entweder manuell oder integrieren es mithilfe von Appimagelauncher in Ihre Desktop-Umgebung. Nach dem ersten Start zeigt die Applikation ein Fenster mit nur wenigen Bedienelementen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Programmfenster bleibt beim ersten Start leer. Um der Software Leben einzuhauchen, importieren Sie zunächst die gewünschten Senderlisten.
Zunächst empfiehlt es sich, die Bedienoberfläche auf die deutsche Lokalisierung umzustellen. Dazu klicken Sie in der Menüleiste auf File | Settings. Im neuen Dialog wählen Sie im Auswahlfeld Language die Option Deutsch und sichern danach die Einstellung. Beim nächsten Start präsentiert sich das Programmfenster deutsch lokalisiert, die Menüs erscheinen aufgrund einer noch unvollständigen Anpassung an die deutsche Sprache jedoch weiterhin in Englisch.
Senderlisten
Um Sender zu empfangen, gilt es im nächsten Schritt, Playlisten in das Tool einzufügen. Die liegen im M3U-Format vor und stehen im Internet zum Herunterladen bereit. Vorsicht: Viele der über Suchmaschinen erreichbaren Angebote sind kommerzieller Natur, manche verbreiten sogar Schadsoftware. Daher empfiehlt es sich, die Auswahl auf Github.com [6] zu nutzen.
Die entsprechenden Listen laden Sie im Abschnitt Grouped by Country auf Ihr System herunter, indem Sie die Liste expandieren. Nach dem Download öffnen Sie IPTVnator und klicken im Programm oben mittig auf die Schaltfläche Aus Dateisystem Hochladen. Per Drag & Drop ziehen Sie jetzt die M3U-Dateien mit den länderspezifischen Senderlisten aus Ihrem Dateimanager in das Programmfenster. Sie lassen sich jedoch nur nacheinander in die Anwendung integrieren.
Nach jedem Ablegen einer M3U-Datei öffnet sich das Wiedergabefenster mit einer links angeordneten Senderliste, im rechten Hauptteil des Fensters sehen Sie den Stream des aufgerufenen Senders. IPTVnator bringt dazu eine eigene Abspielsoftware mit.
In den von Github bezogenen Listen sehen Sie neben dem eigentlichen Sendernamen und dessen Logo auch die Auflösung des jeweiligen Programms. Zudem erfahren Sie, ob der Sender rund um die Uhr Inhalte ausstrahlt und ob das Programm nur regional zur Verfügung steht, also ein sogenanntes Geoblocking existiert. Sollte das der Fall sein, lässt sich der entsprechende Sender nur mithilfe eines VPN-Zugangs ins Internet empfangen, bei dem der Server aus demselben Land stammt wie der Sender. Beim direkten Aufruf blockierter Inhalte erhalten Sie entweder direkt von IPTVnator einen entsprechenden Hinweis, oder der jeweilige Sender zeigt selbst in der Abspielsoftware eine Seite an, die darauf hinweist (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Ausland lässt sich die Sendung des Bayerischen Rundfunks nicht ohne Weiteres empfangen.
Beim Abspielen von Sendungen können Sie den Player in den Vollbildmodus umschalten, indem Sie unten rechts in der Steuerleiste auf das offene Quadrat klicken. Der Player behält dann lediglich die untere Steuerzeile bei, mit deren Hilfe Sie den Stream pausieren, die Lautstärke anpassen oder die Auflösung einstellen. Um zurück in den Fenstermodus zu schalten, klicken Sie in der Steuerleiste auf das offene Kreuz. Die Anwendung springt danach in die ursprüngliche Anzeige zurück (Abbildung 3).

Abbildung 3: Im Vollbildmodus bleibt nur die untere Steuerleiste erhalten, die sich nach einem kurzen Intervall der Inaktivität automatisch ausblendet.
Gruppen und Favoriten
IPTVnator ermöglicht es Ihnen, Programme nach Sparten auszuwählen. Diese Option ist insbesondere bei Senderlisten mit vielen Programmen nützlich. Öffnen Sie dazu die Gruppenauswahl, indem Sie im Programmfenster auf die Schaltfläche Gruppen klicken. Die Software listet nun in einer Tabelle die einzelnen Sparten mit der Zahl der in jeder davon verfügbaren Sender auf. Ein Klick auf die gewünschte Sparte öffnet darunter die Liste der Sender (Abbildung 4). Ein erneuter Klick auf den Gruppennamen schließt die Auswahl.
Für den schnellen Zugriff auf Ihre Lieblingssender bringt IPTVnator eine Favoriten-Funktion mit. Um einen Sender dafür zu markieren, genügt es, im aktuell gestreamten Kanal oberhalb des Abspielfensters auf den Stern neben dem Sendernamen zu klicken. Um einen gespeicherten Sender aufzurufen, klicken Sie auf Favoriten. Die markierten Sender erscheinen dann links. Um einen Sender wieder aus der Favoritenliste zu entfernen, klicken Sie erneut auf den Stern neben dem Sendernamen.
IPTV und VPN
Manche Streaming-Anbieter reduzieren ihr Angebot auf das jeweilige Herkunftsland und ermitteln anhand der IP-Adresse den ungefähren Standort des Empfangsgeräts. Liegt es außerhalb des vorgesehenen Verbreitungsgebiets, erscheint im Abspielfenster lediglich eine Fehlermeldung.
Um solche als Geoblocking bezeichneten Hürden zu umgehen, nutzen Sie ein VPN. Mit dessen Hilfe lassen sich beispielsweise auch deutsche IPTV-Sendungen im Ausland aufrufen. Dazu registrieren Sie sich zunächst bei einem VPN-Anbieter, laden dessen Software herunter und installieren sie. Unbegrenzte Datenvolumina und den Zugriff auf alle verfügbaren Server des Anbieters erhalten Sie meist nur mit einem kostenpflichtigen Abo. Einige Anbieter stellen ihren Dienst aber auch als kostenloses Abonnement mit beschränktem Datenvolumen und eingeschränktem Zugang zu den Servern zur Verfügung.
Nach der Installation der Client-Anwendung des VPN-Anbieters öffnen Sie diese und verbinden sich mit einem Server in dem Zielland, in dem sich der Streaming-Dienst befindet. Sobald die getunnelte Verbindung über das VPN etabliert ist, lassen sich auch die normalerweise blockierten Sendungen empfangen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mithilfe eines VPN-Zugangs ins Internet lassen sich auch Sender empfangen, die Sie normalerweise wegen Geoblocking nicht erreichen.
Fazit
Mit IPTVnator steht für Linux endlich wieder eine leicht bedienbare Anwendung für das Streamen von IPTV-Sendungen bereit. Die Software arbeitet trotz der niedrigen Versionsnummer bereits auf mehreren Plattformen stabil und eignet sich dank der eingebauten Abspielsoftware auch für Anwender ohne tiefergehende Kenntnisse der zugrunde liegenden Technologie. Für Road Warrior, die auch unterwegs stets auf dem Laufenden sein möchten, ist die Software daher erste Wahl. (tle)
Infos
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IPTVnator: https://github.com/4gray/iptvnator
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IPTV: https://de.wikipedia.org/wiki/Internet-_Protocol_Television
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FreeTuxTV: https://github.com/freetuxtv/freetuxtv
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Hypnotix: https://github.com/linuxmint/hypnotix
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IPTV-Playlisten: https://github.com/iptv-org/iptv






