Den Tiling Window Manager Spectrwm konfigurieren und nutzen

Aus LinuxUser 08/2022

Den Tiling Window Manager Spectrwm konfigurieren und nutzen

© Nikola Cvetkovic / 123RF.com

Gut gekachelt

Wer viel im Terminal arbeitet, tut sich oft schwer, Fenster auf dem Bildschirm optimal anzuordnen. Der Tiling Window Manager Spectrwm erspart Mausgeklicke, indem er die Fenster automatisch organisiert.

Obwohl Tiling Window Manager ebenso lang existieren wie konventionelle Desktop-Umgebungen, erfreuen sie sich erst seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit. Dass sich in den 1980er-Jahren Bedienoberflächen mit frei schwebenden und überlappenden Fenstern durchgesetzt haben, hat einerseits damit zu tun, dass die Firma Apple das Stacking-Konzept für marketingfähiger hielt, andererseits kann man auch nicht leugnen, dass das Erlernen der Bedienung von Tiling Window Managern so manchem schwerfällt.

Solche Fenstermanager verteilen die Anwendungsfenster kachelartig über den gesamten Bildschirm, und man bedient sie in erster Linie mit der Tastatur. Der Anwender muss sich daher etliche Tastaturkürzel merken. Andererseits muss man die Fenster nicht nachträglich mit der Maus anordnen, und sie nutzen den gesamten auf dem Monitor verfügbaren Platz. Einmal verinnerlicht, gelingt das Herumspringen auf dem Desktop mithilfe von Tastaturkombinationen zudem wesentlich effizienter und schneller als das mühsame Fahren mit der Maus.

Kacheln statt Mausen

Tiling Window Manager haben darum trotz allem überlebt und werden seit rund 20 Jahren insbesondere im Open-Source-Bereich wieder intensiver weiterentwickelt. Für Linux und andere unixoide Systeme wie BSD existiert mittlerweile eine ganze Schar dieser Fensterverwalter. Man unterscheidet dabei grundsätzlich zwei Gruppen: Beim manuellen Typ, zu dem beliebte Fenstermanager wie i3 gehören, müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie das nächste Fenster links, rechts, über oder unter dem gerade aktiven Fenster öffnen. Beim zweiten, dynamischen Typ ordnet das Programm die Fenster automatisch nach vordefinierten Layouts an.

Meist kommt dabei zunächst das sogenannte Master-and-Stack-Prinzip zum Zug. Das gerade aktive Fenster nimmt die linke Hälfte des Bildschirms ein, während sich die anderen in der rechten Hälfte zusammendrängen. Starten Sie ein neues Programm, öffnet es sich automatisch in der linken Bildschirmhälfte. Das zuvor aktive Fenster springt (gegebenenfalls verkleinert) auf die rechte Hälfte. Mit einem Tastenkürzel wechseln Sie zu einem anderen Layout, um die Fenster etwa gitter- oder spiralförmig anzuordnen.

Erfunden haben diese Methode die Entwickler des Dynamic Window Managers Dwm. Doch so genial das Bedienkonzept von Dwm auch erscheint, hat das Programm doch einen großen Nachteil: Es verfügt nur über die rudimentärsten Funktionen und lässt sich nur sehr umständlich konfigurieren. Zum Aktivieren zusätzlicher Funktionen müssen Sie am Quellcode des Programms herumbasteln und es danach neu kompilieren. Aus diesem Grund nutzen meist nur Hardcore-Programmierer Dwm. Mittlerweile gibt es jedoch mehrere Forks und Weiterentwicklungen, von denen die bekanntesten wohl Awesome und Xmonad sind. Insbesondere die Konfiguration von Xmonad gestaltet sich aber recht schwierig, weil sie die Kenntnis der nicht eben gängigen Programmiersprache Haskell voraussetzt.

Ein weniger bekannter Tiling Window Manager ist Spectrwm [1]. Er besitzt alle wichtigen Eigenschaften eines dynamischen Fenstermanagers, hat aber gleichzeitig den großen Vorteil, dass er sich ebenso unproblematisch konfigurieren lässt wie i3. Seine Entwickler haben sich bewusst das Ziel gesetzt, die Nachteile und Fehler von Dwm, Awesome und Xmonad zu beheben. Im Folgenden werfen wir daher einen genaueren Blick auf die derzeit aktuelle Version 3.4.1 des Programms und erklären die Grundlagen der Bedienung und Konfiguration.

Spectrwm findet sich in den Paketquellen aller gängigen Linux-Distributionen. Unter Debian und Ubuntu installieren Sie das Programm mit dem Befehl sudo apt install spectrwm. Neben dem eigentlichen Fenstermanager benötigen Sie eventuell einige Hilfsprogramme, die Sie in Form der Pakete lxappearance (Ändern des GTK-Theme), xfce4-power-manager (Einstellen der Energieoptionen), nitrogen (Desktop-Hintergrund setzen) und arandr (Wechseln zwischen Monitoren) gleich mit auf die Platte befördern sollten. Sofern Sie das Betriebssystem nicht mit einer anderen Desktop-Umgebung installiert haben, fehlt außerdem noch ein Dateimanager, den es nachzuinstallieren gilt.

Erste Schritte

Unter Debian/Ubuntu starten Sie Spectrwm, indem Sie sich aus der aktiven Desktop-Umgebung abmelden, im Anmeldefenster des Display-Managers spectrwm auswählen und sich danach wieder einloggen.

Unter Arch Linux und darauf basierenden Distributionen startet Spectrwm jedoch zunächst nicht, obwohl das Programm sich im Display-Manager als Desktop-Umgebung auswählen lässt. Das liegt daran, dass in der Standardkonfiguration keine auf dem System vorhandene Schrift für die Statusleiste definiert ist. Sie finden die Muster-Konfigurationsdatei spectrwm.conf im Ordner /etc. Öffnen Sie sie mit einem Texteditor und suchen Sie die mit # bar_font = beginnende Zeile. Entfernen Sie das Kommentarzeichen (die Raute) am Anfang der Zeile und speichern Sie die Datei in Ihrem Home-Verzeichnis unter dem Namen .spectrwm.conf ab. Anschließend können Sie den Fenstermanager starten.

Beim allerersten Aufruf zeigt sich Spectrwm nicht unbedingt von seiner attraktivsten Seite. Je nachdem, welche Distribution und welchen Display-Manager Sie nutzen, sehen Sie entweder einen schwarzen Bildschirmhintergrund oder das Hintergrundbild des Anmeldefensters. Am oberen Bildschirmrand befindet sich eine dünne, türkis umrandete Statusleiste, an deren linkem Ende einige wenige Infos erscheinen. Der angezeigte Text kann zum Beispiel wie folgt aussehen:

1:1 [|] Fr Jan 21 11:20 CET 2022

Beim letzten Teil handelt es sich offensichtlich um das Datum und die Uhrzeit. 1:1 bedeutet, dass Sie sich auf dem ersten virtuellen Desktop des ersten Bildschirms befinden. Die Zeichenfolge [|] zeigt das gerade aktive Bildschirmlayout an, in diesem Fall das bereits erwähnte Master-and-Stack-Layout.

Um ein Terminalfenster aufzurufen, drücken Sie [Super]+[Umschalt]+[Eingabe]. Die auf den meisten Tastaturen mit einem Windows-Logo versehene Taste [Super]+ nennt man bei Tiling Window Managern auch Modkey. Debian/Ubuntu verwenden jedoch statt [Super]+ als Modkey [Alt]+. Das Tastaturkürzel zum Aufrufen eines Terminals lautet dort also [Alt]+[Umschalt]+[Eingabe]. Das müssen Sie allerdings später ändern, da viele Anwendungen für Tastaturkürzel ebenfalls [Alt] verwenden und dann nicht richtig funktionieren.

Starten Sie mit [Super]+[Umschalt]+[Eingabe] noch mehrere weitere Terminalfenster. Sie sehen, dass das erste Fenster die gesamte linke Bildschirmhälfte einnimmt. Später aufgerufene Terminals ordnet Spectrwm in der rechten Bildschirmhälfte untereinander an. Das gerade aktive Fenster erkennen Sie an einer dünnen roten Umrandung (Abbildung 1). Schreiben Sie nun einen beliebigen Text in eines der kleinen Terminals. Sobald Sie nun [Super]+[Eingabe] drücken, wird das Fenster vergrößert und springt in die linke Bildschirmhälfte. Das kleine und das große Fenster tauschen also ihre Positionen.

Abbildung 1: Die Standardkonfiguration von Spectrwm erscheint optisch nicht sehr ansprechend.

Abbildung 1: Die Standardkonfiguration von Spectrwm erscheint optisch nicht sehr ansprechend.

Drücken Sie [Super] und die Leertaste, um zum nächsten Bildschirmlayout zu wechseln. Spectrwm ordnet die Fenster nun nach einem anderen Schema an: In der oberen Bildschirmhälfte sehen Sie ein langgestrecktes Fenster, das die gesamte Breite des Bildschirms ausfüllt. Darunter befinden sich nebeneinander mehrere kleinere Fenster. In der Statuszeile links oben erscheint nun [-] statt [|] als Symbol für das aktuelle Layout. Dieses horizontale Master-and-Stack-Layout (Abbildung 2) eignet sich vor allem für den Einsatz auf um 90 Grad gedrehten Bildschirmen.

Abbildung 2: Mithilfe des Master-and-Stack-Bildschirmlayouts ordnen Sie die Konfigurationsdatei und die Dokumentation von Spectrwm nebeneinander an.

Abbildung 2: Mithilfe des Master-and-Stack-Bildschirmlayouts ordnen Sie die Konfigurationsdatei und die Dokumentation von Spectrwm nebeneinander an.

Drücken Sie ein weiteres Mal [Super]+[Leer], schalten Sie zum Monocle-Layout (Abbildung 3), bei dem das aktive Fenster den gesamten Bildschirm einnimmt. Die anderen Fenster befinden sich dahinter. Dieses Layout kennzeichnet ein [ ] in der Statusleiste. Drücken Sie erneut [Super]+[Leer], gelangen Sie wieder zurück zum ersten. Schließen Sie die Fenster danach mit [Super]+[X].

Abbildung 3: Beim Monocle-Layout füllt das aktive Fenster den gesamten Bildschirm aus.

Abbildung 3: Beim Monocle-Layout füllt das aktive Fenster den gesamten Bildschirm aus.

Zum Aufrufen von Anwendungen wie Firefox oder LibreOffice kommt das Anwendungsmenü Dmenu zum Einsatz. Sie aktivieren es über das Tastenkürzel [Super]+[P]. Daraufhin öffnet sich oben anstelle der Status- eine Menüleiste. Ganz links sehen Sie einen Cursor, gefolgt von einem Abstand, bei dem es sich eigentlich um ein leeres Eingabefeld handelt. Daran schließen sich die Namen verschiedener Programme an.

Tippen Sie nun fi, erscheinen rechts die Namen von Programmen, deren Namen diese Zeichenfolge enthält. Das erste Programm ist durch einen türkisfarbenen Texthintergrund hervorgehoben. Drücken Sie mehrmals die Pfeiltaste nach rechts, damit die Markierung auf die nächsten Programme springt, und drücken Sie die Eingabetaste, sobald sich die Markierung auf firefox befindet. Daraufhin startet der gleichnamige Webbrowser (Abbildung 4).

Abbildung 4: Bei Tiling Window Managern haben Sie bei der Internet-Recherche über Ergebnisliste und Suchergebnisse stets einen Überblick.

Abbildung 4: Bei Tiling Window Managern haben Sie bei der Internet-Recherche über Ergebnisliste und Suchergebnisse stets einen Überblick.

Beenden Sie die Sitzung mit [Super]+[Umschalt]+[Q]. Danach sehen Sie wieder den Anmeldebildschirm. Zum Herunterfahren oder Neustarten rufen Sie Dmenu oder ein Terminalfenster auf und geben dort systemctl poweroff beziehungsweise systemctl reboot ein. Mit systemctl suspend versetzen Sie den PC dagegen in Bereitschaft.

Öffnen Sie ein Terminalfenster und geben Sie man spectrwm ein, um die offizielle und mehr oder weniger einzige Dokumentation von Spectrwm anzuzeigen. Studieren Sie dort vor allem die eingebauten Tastaturkombinationen.

Spectrwm konfigurieren

Um Spectrwm sinnvoll zu nutzen, sollten Sie die Standardkonfiguration des Programms zumindest ein wenig anpassen. Wie die meisten Tiling Window Manager erlaubt Spectrwm sehr umfassende Einstellungen. Sie können fast jede der Eigenschaften des Fenstermanagers Ihren persönlichen Bedürfnissen und Ihrem Geschmack anpassen. Auf diese Weise lässt sich nicht zuletzt auch das Erscheinungsbild des Desktops verbessern (Abbildung 5).

Abbildung 5: Schon wenige Änderungen an der Standardkonfiguration verhelfen Spectrwm zu einer ansprechenderen Optik.

Abbildung 5: Schon wenige Änderungen an der Standardkonfiguration verhelfen Spectrwm zu einer ansprechenderen Optik.

Unter Debian oder Ubuntu ändern Sie als Erstes den Modkey von [Alt]+ auf [Super]. Dazu öffnen Sie die Konfigurationsdatei /etc/spectrwm.conf in einem Texteditor und suchen darin die Zeile # modkey = Mod1. Darüber sehen Sie den Kommentar # Mod key, (Windows key is Mod4) (Apple key on OSX is Mod2). Sie müssen also Mod1 durch Mod4 ersetzen. Entfernen Sie dann das Kommentarzeichen am Beginn der Zeile und speichern Sie die bearbeitete Datei in Ihrem Home-Verzeichnis als .spectrwm.conf. Wenn Sie nun Spectrwm mit [Alt]+[Q] neu starten, sollten Sie mit [Super]+[Umschalt]+[Eingabe] ein Terminalfenster aufrufen können.

Die Konfigurationseinstellungen von Spectrwm werden in der Konfigurationsdatei durch Kommentare gut beschrieben. Sofern Sie über grundlegende Englischkenntnisse verfügen, sind sie auch mehr oder weniger selbsterklärend.

Vergessen Sie nicht, das Kommentarzeichen (die Raute) vor jeder bearbeiteten Konfigurationszeile zu entfernen. Nur dann wird die Einstellung tatsächlich aktiviert. Beginnt eine Zeile mit dem Raute-Symbol gilt sie als auskommentiert und Spectrwm verwendet stattdessen den Standardwert.

Statusleiste anpassen

Als Nächstes geht es an das Anpassen einiger grundlegender Eigenschaften der Statusleiste. Sie finden die dafür nötigen Optionen ungefähr in der Mitte der Konfigurationsdatei im Abschnitt # Bar Settings. Auf den meisten Systemen werden Sie vermutlich die Schrift vergrößern wollen. Dafür ist die Variable bar_font zuständig. Hier lautet der Standard-Wert xos4 Terminus:pixelsize=14:antialias=true, wobei sich die Zahl auf die Schriftgröße bezieht. Erhöhen Sie diesen Wert, indem Sie 14 zum Beispiel durch 18 ersetzen.

Ändern Sie anschließend die Farben der Statusleiste. Mit bar_color[1] legen Sie die Hintergrundfarbe der Leiste fest. Über bar_font_color[1] und bar_border[1] passen Sie die Schriftfarbe sowie die Farbe der Umrandung an. Die Option bar_color_selected[1] bezieht sich auf die Hintergrundfarbe von ausgewählten Elementen, wenn Sie Dmenu aktivieren.

Erklärungsbedürftig sind hierbei die Farbcodes. Zwar versteht Spectrwm auch Farbnamen wie red, green, blue, black oder white, mithilfe von RGB-Farbcodes lassen sich die Farben jedoch genauer definieren. Dazu erfordert es ein wenig farbtheoretisches Wissen: Computerbildschirme erzeugen Farben durch die additive Mischung von Rot, Grün und Blau. Weiß und Grau entstehen, wenn man alle drei Farben zu gleichen Anteilen miteinander vermischt. Bei Schwarz haben Rot, Grün und Blau den Wert 0. Gelb und Violett erzeugt man durch das Mischen von Rot und Grün beziehungsweise Rot und Blau. Je höher die RGB-Werte ausfallen, desto heller ist die Farbe. Ein dunkles Grau definiert man folglich durch einen RGB-Code wie rgb:10/10/10, ein helles Rot etwa durch rgb:99/20/20.

Statusleiste konfigurieren

Im Abschnitt # Bar Settings finden Sie viele verschiedene Optionen. So können Sie etwa festlegen, ob Spectrwm das Datum oder den Namen der gerade aktiven Anwendung anzeigt. Nutzen Sie zum Konfigurieren des Inhalts der Statusleiste jedoch vorzugsweise die Option bar_format. Mit ihrer Hilfe bestimmen Sie unter anderem, in welchem Bereich der Leiste welche Informationen erscheinen. Sie können Spectrwm beispielsweise anweisen, links die Nummer des aktiven virtuellen Desktops und das aktive Bildschirmlayout anzuzeigen, in der Mitte den Namen der aktiven Anwendung beziehungsweise des aktiven Fensters und rechts Datum und Uhrzeit.

Allerdings erscheint der Standardwert (Listing 1, erste Zeile) zunächst etwas kryptisch. Das Pluszeichen zeigt an, dass es sich um einen neuen beziehungsweise weiteren Wert handelt. N steht für die Nummer des Bildschirms, I für die Nummer des virtuellen Desktops, auf dem sich der User gerade befindet. S gibt das aktive Bildschirmlayout aus, D den Namen des virtuellen Desktops (sofern Sie einen festgelegt haben). Der Code 4< fügt vier Leerzeichen ein.

Listing 1

bar_format

bar_format = +N:+I +S <+D>+4<%a %b %d %R %Z %Y+8<+A+4<+V
bar_format = +|L +L +1< +S +|C +100W +|R %a %b %d %R %Z %Y

%a zeigt den Wochentag an, %b den Namen des Monats, %d den Tag im Monat, %R die Uhrzeit, %Z die Zeitzone und %Y das Jahr. Danach folgen acht Leerzeichen. A zeigt die Ausgabe eines Shell-Skripts an, das Sie durch die Option bar_action festgelegt haben. Dann folgen wiederum vier Leerzeichen und schließlich die Spectrwm-Versionsnummer. Einige dieser Werte sind eventuell überflüssig – so können Sie etwa +N löschen, falls Sie nur einen Bildschirm verwenden.

Außer diesen Codes gibt es bei bar_format aber noch einige interessante Möglichkeiten zum Anzeigen von Informationen in der Statusleiste. Über +W blenden Sie zum Beispiel den Namen des gerade aktiven Fensters ein, mit +T den Namen des aktiven Programms. Außerdem begrenzen Sie durch eine Zahl vor dem Code-Buchstaben die Länge der Ausgabe in der Leiste. Dies ergibt insbesondere bei +W Sinn, da zum Beispiel bei Webbrowsern in der Titelleiste des Fensters der Name der Webseite angezeigt wird, der sehr lang sein kann. Beschränken Sie daher etwa durch +100W die Fensternamen auf 100 Zeichen.

Interessant ist außerdem die Option L, mit der Sie eine Liste der verwendeten virtuellen Desktops einblenden. An dieser Stelle tragen Sie alternativ I ein. Sobald Sie das Feature aktivieren, sehen Sie in der Statusleiste einen Stern und gleich daneben eine Zahl, zum Beispiel *1. Das Kürzel bedeutet, dass Sie sich auf der ersten virtuellen Arbeitsfläche befinden.

Öffnen Sie hier irgendein Programm und springen Sie anschließend mit [Super]+[Umschalt]+[ 2] auf die zweite virtuelle Arbeitsfläche. In der Statuszeile erscheint dann neben der 1 eine 2, und der Stern springt zur 2. Öffnen Sie auch hier ein Programm und springen Sie auf den dritten Desktop. Die Statusleiste zeigt nun 1:*2 *3. Wechseln Sie jetzt auf den Desktop 6, dann zeigt die Leiste 1:*2 *6, da auf den Desktops 3 bis 5 keine Programme laufen.

Schließlich legen Sie mit +|L, +|C beziehungsweise +|R fest, dass bestimmte Angaben links, rechts oder in der Mitte der Leiste angezeigt werden. Wenn Sie etwa das Datum und die aktuelle Uhrzeit lieber am rechten Ende der Leiste anordnen möchten, fügen Sie vor %a %b %d %R %Z %Y ein +|R ein. Eine Alternative zur Standardeinstellung von bar_format wäre daher auch die in der zweiten Zeile von Listing 1 gezeigte Konfiguration. Damit erscheint links in der Leiste die Desktop-Liste, gefolgt von einem Abstand und der Kennung für das Bildschirmlayout. Zentriert steht der Name des aktiven Fensters, ganz rechts stehen Datum und Uhrzeit.

Die Variable bar_format bietet außer den hier beschriebenen Konfigurationsoptionen noch einige andere Möglichkeiten zum Anpassen der Statusleiste. Beispielsweise lassen sich auch der Batteriestatus und andere Hardwareinformationen integrieren oder bestimmte Angaben durch unterschiedliche Farben hervorheben. Aus Platzgründen können wir sie hier jedoch nicht detaillierter erklären und verweisen auf die offizielle Dokumentation zu Spectrwm.

Fenstereinstellungen

Im Abschnitt # Window decoration passen Sie die Optik der Fenster an. Hier legen Sie zum Beispiel fest, wie breit die Fensterrahmen sind und in welcher Farbe sie erscheinen. Mithilfe der Option region_padding bestimmen Sie, wie viele Pixel Abstand zwischen den Fenstern und dem Bildschirmrand bleibt, während tile_gap den Abstand zwischen den einzelnen Fenstern regelt.

Weiter oben stehen die beidem interessantesten Einstellungen, focus_close und spawn_position. Durch sie legen Sie fest, in welchem Bildschirmbereich neue Fenster sich öffnen und welches Fenster den Fokus erhält, sobald Sie das aktive schließen. Anders als bei Dwm verbleibt bei Spectrwm das zuerst geöffnete Fenster immer in der linken Bildschirmhälfte, neue Fenster landen im Stack-Bereich.

Möchten Sie neue Fenster stattdessen automatisch dem Master-Bereich zuweisen, setzen Sie den Wert für spawn_position auf first. Zusätzlich müssen Sie auch focus_close auf next setzen, damit nach dem Schließen des aktiven Fensters nicht das letzte Fenster im Stack-Bereich fokussiert wird, sondern das im Master-Bereich.

Autostart-Anwendungen

Programme, die beim Aufrufen von Spectrwm automatisch starten sollen, definieren Sie im Abschnitt # Launch applications in a workspace of choice. Die auskommentierte Zeile autorun = ws[1]:xterm legt beispielsweise fest, dass Spectrwm das Programm Xterm automatisch auf der ersten virtuellen Arbeitsfläche starten wird.

Fügen Sie der Liste nun das Programm Nitrogen zum Einstellen eines Desktop-Hintergrundbilds hinzu (Listing 2, erste Zeile). Rufen Sie anschließend Nitrogen auf und setzen Sie damit einen Desktop-Hintergrund. Die Option --restore bewirkt, dass Nitrogen beim Start das zuletzt ausgewählte Bild erneut als Desktop-Hintergrund setzt. Sinnvoll ist auch das automatische Starten eines Polkit-Agents wie Lxpolkit, damit Sie beim Ausführen von Programmen, die administrative Rechte benötigen, zur Eingabe des Root-Passworts aufgefordert werden.

Listing 2

Autostart

autorun = ws[1]:nitrogen --restore
autorun = ws[1]:dispwin -I /Pfad/zum/Profil.icc
autorun = ws[1]:xautolock -time 5 -locker slock

Zum Erzeugen von Schatten- und Transparenzeffekten können Sie Compton oder Picom in die Liste eintragen. Damit sich das Programm wie gewünscht verhält, müssen Sie jedoch vorher die Einstellungen dafür festlegen. Zum Anwenden von Bildschirmprofilen fügen Sie der Liste einen Eintrag wie den aus der zweiten Zeile von Listing 2 hinzu, wobei Sie /Pfad/zum/Profil.icc durch den Dateinamen des Profils und den Verzeichnispfad ersetzen, in dem sich das Profil befindet.

Standby-Modus

Auch das automatische Aktivieren des Standby-Modus und die Bildschirmsperre konfigurieren Sie mithilfe von Autostart-Programmen. Abhängig davon, ob es sich bei Ihrem System um einen Desktop-PC oder einen Laptop handelt, gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten.

Eine Option stellen die Programme Slock und Xautolock dar. Bei Debian- und Ubuntu-Systemen befindet sich Slock im Paket suckless-tools und wird automatisch mit Spectrwm installiert. Bei Arch Linux und ähnlichen Distributionen müssen Sie eventuell das Paket slock explizit einspielen. Das Paket xautolock müssen Sie bei allen Systemen zusätzlich einrichten.

Um den Desktop nach fünf Minuten Leerlauf automatisch zu sperren, ergänzen Sie die Liste der Autostart-Einträge um die Anweisung aus der dritten Zeile von Listing 2. Das hat zur Folge, dass Spectrwm beim Start automatisch Xautolock aktiviert. Das Werkzeug überwacht das System und startet nach fünf Minuten Untätigkeit (-time 5) den Locker Slock, der den Bildschirm sperrt. Sie sehen dann nur einen schwarzen Bildschirm. Drücken Sie nun auf der Tastatur den ersten Buchstaben Ihres Passworts, wird der Bildschirm grün. Geben Sie dann die restlichen Buchstaben ein und drücken Sie anschließend die Eingabetaste, um den Rechner zu entsperren. Sobald Sie eine falsche Taste betätigen, leuchtet der Bildschirm rot auf, und Sie müssen von vorn anfangen.

Vermutlich wollen Sie den Desktop aber nicht nur sperren, sondern das System nach einiger Zeit auch in den Standby-Modus versetzen. In diesem Fall erstellen Sie ein Shell-Skript und fügen es den Autostart-Einträgen von Spectrwm hinzu. Erzeugen Sie dazu in Ihrem Home-Verzeichnis eine neue Textdatei mit dem Inhalt aus Listing 3 und speichern Sie sie unter dem Namen xautolock.sh.

Listing 3

xautolock.sh

#!/bin/sh
xautolock -time 5 -locker slock -killtime 10 -killer "systemctl suspend"

Durch den Zusatz -killtime 10 weisen Sie Xautolock an, nach dem Sperren des Bildschirms weitere zehn Minuten zu warten und dann den “Killer” zu aktivieren, bei dem es sich um den Befehl systemctl suspend handelt. Vergessen Sie nicht, das Skript mit chmod +x xautolock.sh ausführbar zu machen, nachdem Sie es gespeichert haben. Fügen Sie anschließend den Autostarteinträgen von Spectrwm die Anweisung aus der zweiten Zeile von Listing 4 hinzu.

Listing 4

Standby-Modus

### Desktop
autorun = ws[1]:/home/User/xautolock.sh
### Laptop
autorun = ws[1]:xfce4-power-manager
autorun = ws[1]:light-locker --lock-on-suspend

Bei mobilen PCs ist diese Vorgehensweise jedoch nicht zielführend, da Sie wahrscheinlich möchten, dass der Computer auch beim Schließen des Deckels gesperrt und in den Standby versetzt wird. Wir empfehlen dann den Einsatz der Programme Xfce4-power-manager und Lightdm beziehungsweise Light-locker. Installieren Sie die Programme und fügen Sie der Liste der Autostart-Programme die Anweisungen aus den beiden letzten Zeilen von Listing 4 hinzu.

Rufen Sie anschließend xfce4-power-manager-settings auf und stellen Sie das Programm so ein, dass es den PC zum Beispiel nach 15 Minuten beziehungsweise beim Schließen des Deckels in den Standby versetzt. Von einem automatischen Sperren des Bildschirms in Xfce4-power-manager sollten Sie besser absehen, da es nicht bei allen Systemen zuverlässig funktioniert. Zusätzlich können Sie eventuell mit Xscreensaver einen Bildschirmschoner einrichten, der den Monitor nach einigen Minuten abdunkelt.

Quirks

Eine Besonderheit von Spectrwm sind die sogenannten Quirks. Damit weisen Sie den Fenstermanager an, ein Programm auf eine bestimmte Weise zu behandeln. So legen Sie etwa fest, dass eine Anwendung standardmäßig im Floating- (Abbildung 6) oder Vollbildmodus beziehungsweise auf einer bestimmten Arbeitsfläche geöffnet wird. Durch quirk[Darktable] = WS[7] bestimmen Sie zum Beispiel, dass das Programm Darktable beim Start automatisch auf dem siebten virtuellen Desktop landet.

Abbildung 6: Einzelne Fenster schalten Sie mit <span class="key-combo">[Super]+[T]</span> in den Tiling- oder Floating-Modus.

Abbildung 6: Einzelne Fenster schalten Sie mit [Super]+[T] in den Tiling- oder Floating-Modus.

Wichtig sind hier insbesondere die Quirks IGNOREPID und IGNORESPAWNS. Mit IGNOREPID weisen Sie Spectrwm an, die Prozessnummer (Process ID) beim Öffnen eines Fensters zu ignorieren. Dadurch erreichen Sie beispielsweise, dass Terminalfenster sich immer auf der Arbeitsfläche öffnen, auf der Sie sich gerade befinden. Anderenfalls kann es passieren, dass das Anwendungsfenster auf einer anderen Arbeitsfläche landet, falls dort bereits ein oder mehrere Kommandozeilenfenster laufen.

Eine ähnliche Funktion hat IGNORESPAWNS: Die Option verhindert, dass Anwendungen automatisch einer bestimmten Arbeitsfläche zugewiesen werden. Spectrwm merkt sich den virtuellen Desktop, auf dem ein bestimmtes Programm zuletzt ausgeführt wurde. Dadurch kann es vorkommen, dass die Anwendung beim nächsten Aufruf nicht auf der aktuellen Arbeitsfläche landet.

Nützlich ist daher der Quirk quirk[.*] = IGNORESPAWNWS + IGNOREPID, durch den Sie IGNORESPAWN und IGNOREPID für alle Anwendungen aktivieren. Beachten Sie aber, dass Quirks nicht in allen erdenklichen Kombinationen funktionieren, da manche davon die Deaktivierung anderer Quirks bewirken.

Tastaturkürzel

Spectrwm erlaubt das definieren eigener Tastenkürzel, um etwa bestimmte Programme oder eventuell auch Skripte schneller zu starten. Dazu benennen Sie zuerst den Befehl, den Sie ausführen wollen, mit program. Anschließend weisen Sie dem neu erstellten Programm mit bind ein Tastaturkürzel zu. Um den PC zum Beispiel mit dem Kürzel [Super]+[Strg]+[O] herunterzufahren, fügen Sie die beiden Zeilen aus Listing 5 in die Datei .spectrwm.conf ein.

Listing 5

Tastenkürzel

program[poweroff] = systemctl poweroff
bind[poweroff] = MOD+Control+o

ArcoLinux Spectrwm

Die Distribution ArcoLinux stellt einen Spin mit einem vorkonfigurierten Spectrwm als Desktop-Umgebung zur Verfügung [2]. Allerdings weicht die Konfiguration dieses Systems zum Teil deutlich von der Standardkonfiguration ab: So verwendet es etwa Polybar als Statusleiste. Nichtsdestotrotz kann man aus der Spectrwm-Konfigurationsdatei von ArcoLinux Spectrwm viel lernen. Das System läuft stabil, ist relativ einsteigerfreundlich und eignet sich daher nicht nur zum Ausprobieren von Spectrwm, sondern auch für dem Alltagseinsatz.

Fazit

Spectrwm erweist sich als anpassungsfähiger Fenstermanager, mit dem das Arbeiten am PC Spaß macht. Gegenüber Awesome hat er allerdings zwei Nachteile: Ihm fehlt ein integrierter System-Tray, und die Statusleiste unterstützt keine Transparenzeffekte. Der Vorteil einer einfacheren Konfiguration wiegt das jedoch weitgehend auf. Verbesserungswürdig ist vor allem die Dokumentation des Programms, die insbesondere Konfigurationsoptionen für fortgeschrittenere Nutzer nicht optimal erläutert. Ansonsten gilt für Spectrwm dasselbe wie für andere Tiling Window Manager: Sobald Sie sich an seine Bedienung gewöhnt haben, werden Sie wahrscheinlich nicht mehr zu einer konventionellen Desktop-Umgebung zurückkehren wollen. (cla/jlu)

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