Webbasierte Multimedia-Lehrmaterialien erstellen

Aus LinuxUser 06/2022

Webbasierte Multimedia-Lehrmaterialien erstellen

© Corina Rosu / 123RF.com

Lehrmeister

Das interaktive Authoring-Tool eXeLearning erlaubt es, im Nu anspruchsvoll gestaltete digitale Unterrichtsmedien anzulegen.

Durch die Corona-Krise nahm auch die Digitalisierung in deutschen Bildungseinrichtungen an Fahrt auf. Doch viel zu oft setzen Lehrkräfte trotzdem noch auf altbackene und wenig effektive Medien wie beispielsweise herkömmliche Arbeitsblätter, die sie lediglich am Computer entwerfen und anschließend den Schülern zur Verfügung stellen.

Eine wesentlich modernere Methode bieten dagegen interaktive webbasierte Unterrichtsmedien, die unterschiedliche und somit auch multimediale Elemente enthalten. Sie lassen sich zudem ohne Medienbruch in Lernmanagementsysteme wie Moodle integrieren. Mit eXeLearning [1] steht eine freie Applikation bereit, die auch ungeübte Lehrkräfte schnell zu brauchbaren Ergebnissen beim Anlegen moderner Unterrichtsmedien führt.

Geschichtliches

Das Authoring-Werkzeug eXeLearning entwickelten ab 2007 mehrere universitäre Einrichtungen in Neuseeland mit Förderung durch die dortige Regierung. Nach dem Abschluss des Projekts im Jahr 2010 übernahm das spanische Bildungsministerium die Weiterentwicklung der freien Software und passte diese vor allem an neue Webstandards an. 2013 gaben die Entwickler das in Python und Ext JS geschriebene Tool eXeLearning 2 frei, das primär erhebliche Verbesserungen unter der Haube mitbringt, jedoch auch die generierten Lernmedien besser verfügbar macht.

Die plattformübergreifend erhältliche Software ermöglicht es, Inhalte im XHTML- oder HTML-5-Format zu entwerfen, wobei sich komplette Webseiten mit interaktiven Inhalten generieren lassen. Zudem erlaubt es die Software, die so angelegten Medien in verschiedene andere Dateiformate zu konvertieren, um sie beispielsweise nahtlos in Lernmanagementsysteme einzubinden. Darüber hinaus steht eine Exportmöglichkeit ins EPUB3-Format zur Verfügung, mit deren Hilfe sich Medien auch mit E-Book-Readern oder entsprechender Software am PC nutzen und weiterverarbeiten lassen.

Installation

Auf der Website des Projekts finden Sie mehrere vorkompilierte Pakete und den Quellcode [2] von eXeLearning. Neben einem DEB- und einem RPM-Paket sowie Snap-Paketen für Fedora/Red Hat und Ubuntu/Debian steht eine portable Version bereit. Sie lässt sich auf Linux-Derivaten nutzen, die keine dieser Paketverwaltungen unterstützen. Zudem verlinkt das Projekt auf eine Launchpad-Seite, mit deren Hilfe Sie das entsprechende Repository in Debian- und Ubuntu-basierte Distributionen einbinden.

Nach der Installation rufen Sie die Software entweder aus dem Startmenü oder durch Eingabe des Befehls ./exelearning.sh am Prompt auf. Das Startskript öffnet einen Webbrowser und ruft die URL des lokal installierten Webservers auf, mit dessen Hilfe Sie Lehrinhalte generieren. Zunächst erscheint dabei auch ein kleines überlappendes Fenster, in dem Sie die zu verwendende Sprache und den Webbrowser angeben, mit dem Sie das System nutzen möchten. Voreingestellt verwendet eXeLearning die Systemsprache und den als Standard definierten Webbrowser. Mit einem Klick auf Speichern unten links im Fenster sichern Sie diese Einstellungen für die nächsten Programmaufrufe.

Danach erscheint die eigentliche Programmoberfläche im Browserfenster (Abbildung 1). Die Oberfläche teilt sich in mehrere weitgehend selbsterklärende Bereiche: Im linken, vertikal angeordneten Panel verwalten Sie die Inhalte, rechts erscheint die jeweilige Ansicht des Dokuments.

Abbildung 1: Etwas leer erscheint die webbasierte Oberfläche von eXeLearning nach dem ersten Start.

Abbildung 1: Etwas leer erscheint die webbasierte Oberfläche von eXeLearning nach dem ersten Start.

Projekte

Die Software gliedert die Lehrmaterialien zu einem Thema als sogenannte Projekte. Daher steht links oben im Fenstersegment Übersicht an erster Stelle der Name des jeweiligen Projekts, unter dem anschließend als Baumstruktur die einzelnen Elemente aufgelistet erscheinen. Nach der Installation der Software findet sich dort lediglich das leere Projekt Home. Um ihm eine aussagekräftige Bezeichnung für Ihre Materialien zu geben, klicken Sie auf den Link Umbenennen oberhalb davon und geben im sich nun öffnenden Dialog den gewünschten Namen ein.

Rechts im großen Bereich des Hauptfensters erscheint danach die gewählte Bezeichnung als Titel. Links beginnen Sie nun, ausgehend vom angelegten Knoten Inhalte zu generieren. Diese fügt die Software als einzelne Seiten ein. Um die erste Seite unterhalb des Knotens anzulegen, klicken Sie oben links oberhalb der Übersicht auf Seite hinzufügen. Als erste Ebene erscheint nun die Seite Thema unterhalb des Projektknotens. Klicken Sie danach erneut auf den Link Umbenennen oberhalb der Übersicht, um der neuen Seite einen neuen Namen zu geben. Im folgenden Fenster tippen Sie einen passenden Namen für die neue Seite ein. Ein Klick auf OK übernimmt die Änderung.

Inhaltliches

Nun beginnen Sie damit, Inhalte in die Seite zu übertragen. Dazu stehen verschiedenste Inhaltsformen bereit, die Sie unten links in der Spalte iDevices finden. Für die Eingabe von Freitext klicken Sie dort auf Text. Im Inhaltssegment rechts öffnet sich nun ein Texteditor, der anspruchsvolle Formatierungsmöglichkeiten anbietet und auch das Einbinden von Multimediainhalten gestattet. Über den Reiter Eigenschaften oberhalb des Texteditors geben Sie bei Bedarf Metadaten an, wie etwa den Autor, eine Kurzbeschreibung oder auch eine Lizenz zur Weiterverbreitung der Inhalte.

Der Texteditor bietet zudem die Möglichkeit, Bilder und Grafiken in die Seite einzufügen. Dazu nutzen Sie in der unteren Schalterleiste des Editors den Knopf Bild einfügen/bearbeiten. Im sich daraufhin öffnenden Dialog geben Sie die Quelle an, aus der Sie die einzufügende Grafikdatei laden möchten, und konfigurieren die Anzeige über das Feld Dimensionen. Hier geben Sie die gewünschte Größe der Abbildung in Pixeln an oder tragen zusätzliche Metadaten ins Feld Beschreibung ein.

Der Reiter Title and Attribution in diesem Fenster gestattet es, weitere Metadaten in Freitextfeldern einzugeben. Sobald Sie nach Beenden des Dialogs auf OK klicken, fügt die Software die Abbildung an der aktuellen Cursorposition im Dokument ein. Sie erscheint dann grün hinterlegt und mit einem Rahmen zur Positionierung, den Sie mit dem Mauszeiger frei bewegen. Das Programm passt die Abbildung dabei jeweils in Echtzeit an.

Für eine Seitenvorschau klicken Sie unten links auf Fertig. Die Software blendet nach dem Schließen des Editors einen Hinweis auf die fehlende Dateisicherung ein. Sie speichern im Anschluss entweder die Datei oder blenden den Hinweis aus. Um den Editor erneut zu öffnen, klicken Sie unten links auf das Bleistiftsymbol. Das Fenstersegment wechselt nun wieder von der Vorschau in den Editormodus (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Editormodus geben Sie alle relevanten Inhalte ein.

Abbildung 2: Im Editormodus geben Sie alle relevanten Inhalte ein.

Audio, Video, Bilder

Neben den konventionellen Inhalten lassen sich mit eXeLearning auch Multimediainhalte einpflegen oder komplette Seiten mit solchen entwerfen. Dazu nutzen Sie erneut den Texteditor. Zunächst positionieren Sie den Cursor an der Stelle im Dokument, an der die Multimediainhalte erscheinen sollen. Anschließend klicken Sie in der unteren Schalterleiste auf Eingebettete Medien einfügen/bearbeiten.

Im Abfragedialog (Abbildung 3) geben Sie unter Quelle den Dateinamen samt Speicherpfad an. Durch einen Klick auf das Ordnersymbol rechts daneben öffnen Sie einen Dateimanager, in dem Sie die Datei per Mausklick auswählen. Den Dateityp erkennt die Software dabei automatisch und zeigt sie nach Übernahme der Inhalte im Feld Typ an. Sie legen in diesem Dialog darüber hinaus die Größe der Anzeige in Pixeln fest. Über eine Checkbox definieren Sie, ob etwa Filme automatisch starten und ob ein Javascript-Player dafür zum Einsatz kommt. Im Reiter Title and Attribution geben Sie bei Bedarf erneut Metadaten ein, beispielsweise für die Verschlagwortung. Nach Abschluss aller Eingaben schließen Sie das Fenster mit einem Klick auf OK.

Abbildung 3: Multimediainhalte lassen sich individuell an die Seite anpassen.

Abbildung 3: Multimediainhalte lassen sich individuell an die Seite anpassen.

Im Dokument erscheint nun ein Platzhalter für das Video in Form eines grüngrau hinterlegten Fensters ohne Vorschaubild. Nach dem Verlassen des Editors sehen Sie anstelle des Platzhalters entweder eine verkleinerte Vorschau mit Steuertasten zum Abspielen des Videos oder einem Link zum Download des Videos. Letzterer erscheint jedoch nur, wenn die Videodatei in einem von der Software nicht unterstützten Container-Format vorliegt. Beim Klick darauf blendet die Software einen Auswahldialog ein, in dem Sie festlegen, was mit der Datei geschieht. Stellen Sie fest, dass Sie die Videodatei doch nicht ins Dokument einfügen möchten, so löschen Sie sie im Editormodus, indem Sie in die Vorschau klicken und [Entf] drücken.

Interaktive Inhalte

Neben statischen Inhalten erlaubt eXeLearning es auch, interaktive Seiten zu generieren. Dabei stehen unterschiedliche Formate für die Gestaltung zur Verfügung. Sie finden die einzelnen vorgefertigten Formate links unter iDevices in den Kategorien Interaktive Aktivitäten und Games. In der Gruppe Interaktive Aktivitäten lassen sich beispielsweise Materialien mit verschiedenen Auswahloptionen anlegen oder auch Richtig-Falsch-Fragen in die Seite integrieren.

Unter Games stehen unterschiedliche Varianten von Spielen bereit, mit denen Sie Lehrinhalte vermitteln. Dazu gehören beispielsweise Multiple-Choice-Quizfragen und verschiedene Ratespiele. Diese binden Sie jeweils in die vorhandenen Dokumente ein, indem Sie eine neue Seite anlegen und anschließend dafür eine der interaktiven Optionen auswählen. Im Hauptfenster erscheint nun ein entsprechendes Template, mit dessen Hilfe Sie die entsprechenden Inhalte generieren (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Software gestattet das Anlegen interaktiver Seiten mit Quizfragen oder Spielen.

Abbildung 4: Die Software gestattet das Anlegen interaktiver Seiten mit Quizfragen oder Spielen.

Auch interaktive Seiten erlauben das Einfügen von Multimediainhalten. Darüber hinaus dürfen Sie auch anspruchsvolle Formatierungen vornehmen. So steht Ihnen für die Gestaltung der Textinhalte in den einzelnen Kategorien der Editor mit allen Optionen zur Verfügung. Zudem sehen interaktive Inhalte auch Timer-Funktionen vor, sodass die Absolventen beispielsweise Fragen innerhalb einer vorgegebenen Zeit beantworten müssen.

Nach dem Anlegen aller Inhalte schließen Sie den Bearbeitungsmodus durch einen Klick auf den kleinen Schalter mit dem Häkchensymbol unterhalb des Bearbeitungsbereichs. Die neue Seite erscheint nun in der Vorschau. Dort überprüfen Sie die Funktion, indem Sie auf den entsprechenden Link unten im Bearbeitungssegment klicken. Anschließend starten die interaktiven Inhalte (Abbildung 5).

Abbildung 5: Auch die Funktion der interaktiven Inhalte lassen sich in der Vorschau überprüfen.

Abbildung 5: Auch die Funktion der interaktiven Inhalte lassen sich in der Vorschau überprüfen.

Export

Um die generierten Webseiten öffentlich zugänglich zu machen, müssen Sie sie sichern. Dafür nutzt eXeLearning ein eigenes Dateiformat. Die gesicherten Projektdateien rufen Sie anschließend über das Menü Datei | Öffnen im Programm wieder auf.

Um ein allgemein nutzbares Dateiformat zu erhalten, speichern Sie das Projekt über Datei | Export. Die Software öffnet daraufhin ein Untermenü mit unterschiedlichen Formatoptionen wie etwa Webseite und EPUB3. Im sich nun öffnenden Dateimanager definieren Sie den Speicherpfad und sichern das Projekt im gewünschten Format. Danach öffnet die Applikation Ihr Projekt als Webseite in einem gesonderten Reiter, wo Sie es mithilfe der Schalter Vorheriges und Nächstes seitenweise durcharbeiten (Abbildung 6). Die Projektseite lagert in Form von Einzeldateien im angegebenen Verzeichnis und lässt sich jederzeit durch Öffnen der Datei index.html starten.

Abbildung 6: Im Webbrowser läuft nach dem Speichern automatisch das Projekt ab.

Abbildung 6: Im Webbrowser läuft nach dem Speichern automatisch das Projekt ab.

Das Konvertieren in das EPUB3-Format klappt noch nicht annäherungsweise befriedigend, sodass sich die generierten Dateien für EPUB-Reader kaum eigenen. Diese Exportoption sollten Sie daher nur für Inhalte ohne multimediale und interaktive Elemente nutzen. Möchten Sie das Projekt in einem Lernmanagementsystem weiterverarbeiten, sichern Sie die Daten im SCORM-Format, das die Interoperabilität zu Lernplattformen sicherstellt [3].

Fazit

Das Tool eXeLearning erlaubt es, auf einfache Art und Weise und ohne langwierige Einarbeitung interaktive Lehrmaterialien anzulegen, die Multimediaelemente und Spiele zur Auflockerung und Vertiefung des Gelernten anbieten. Die Software arbeitet stabil und verfügt über eine moderne und selbsterklärende Oberfläche ohne überflüssige Gimmicks.

Da die Software die Projekte webbasiert anlegt, lassen sie sich in jedem Webbrowser ohne Installation von Drittsoftware nutzen. Auch dem Einsatz in Lernmanagementsystemen steht dank einer entsprechenden Exportfunktion nichts im Weg. Daher eignet sich eXeLearning ideal für Pädagogen, die ihren Schülern ein neues Lernerlebnis vermitteln wollen. (tle)

Infos

  1. eXeLearning: https://exelearning.net

  2. eXeLearning herunterladen: https://exelearning.net/en/downloads/

  3. SCORM-Format: https://scorm.com

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