Der Hoster Operation Tulip stellt binnen Minuten eine Nextcloud-Instanz bereit und verbindet den Open-Source-Anspruch mit dem Versprechen des Datenschutzes.
In den letzten Jahren lassen sich bei der Datenspeicherung zwei gegenläufige Strömungen erkennen. Der Bedarf, Daten jederzeit und überall im Zugriff zu haben und sie per Filesharing tauschen zu können, verträgt sich im Allgemeinen schlecht mit dem Wunsch, in der Cloud gehostete Daten unter eigener Kontrolle zu behalten. Immer mehr Menschen fühlen sich nicht wohl mit dem Gedanken, ihre Daten großen Cloud-Anbietern wie Google, Microsoft, Amazon oder Dropbox anzuvertrauen.
Für Menschen mit einem IT-Hintergrund stellt das normalerweise keine Hürde dar: Sie mieten einen virtuellen oder realen Server und hosten ihre Daten selbst, mit Anwendungen wie Owncloud, Nextcloud oder Seafile. Manchmal genügt sogar schon ein Raspberry Pi im häuslichen Netz.
Instant-Nextcloud
Was aber tun, wenn eine solche Lösung aus finanziellen, zeitlichen oder Know-how-Gründen nicht infrage kommt? Hier springen Nextcloud-Hoster wie Operation Tulip in die Bresche. Der Markt ist groß, wird aber überschaubar, sobald man nach Anbietern sucht, die Open-Source-Prinzipien folgen und sich ethisches Handeln auf die Fahne schreiben.
Das in Schweden beheimatete Open-Source-Projekt Operation Tulip [1] hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Recht auf Datenschutz und Privatsphäre im Internet zu schützen – so steht es zumindest auf der Webseite zu lesen. Der Hoster möchte einen erschwinglichen Dienst auf der Grundlage von Nextcloud [2] bieten, der seine Anwender nicht elektronisch verfolgt oder persönliche Daten verkauft beziehungsweise mit anderen teilt.
Zudem hält der Anbieter seine Anwender an, eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu verwenden, um auszuschließen, dass die Daten virtuellen Wegelagerern in die Hände fallen. Für den Anspruch auf weitestmögliche Anonymität stehen Onion-Links zum Tor-Netzwerk bereit. Intern speichert der Dienst die ihm anvertrauten Daten mit der sehr leistungsfähigen verteilten Speicherlösung Ceph [3].
Noch Beta
Derzeit befindet sich der Dienst noch in der Beta-Phase und steht kostenlos zur Verfügung – ideal für einen Test. Das geplante Geschäftsmodell [4] von Operation Tulip sieht vor, jeweils 30 Tage der Nutzung im Nachhinein abzurechnen, es sei denn, der Kunde entscheidet sich danach gegen den weiteren Einsatz der Plattform. Wenn der Kunde nicht mehr zahlt, legt Operation Tulip das Konto zunächst still und öffnet es erst nach der Zahlung wieder. Der Preis pro Monat soll 4 Euro betragen. Mit dem Löschen eines Accounts werden alle Daten gelöscht.
Dem Dienst liegt Nextcloud zugrunde, zum Start benötigen Sie kein grundlegendes Wissen. Ein Internet-Anschluss sowie die Registrierung auf der Plattform, bei der Benutzername und Passwort genügen, führen in zwei Minuten zu einer direkt nutzbaren Nextcloud-Instanz mit 50 GByte Platz für Ihre Daten. Wenn Sie Nextcloud bereits kennen, können Sie sofort loslegen. Falls nicht, beginnen Sie mit dem Erkunden der Software.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Nextcloud-Instanz von Operation Tulip lediglich durch die in Gelb gehaltene Farbgebung (Abbildung 1) von einer selbst gehosteten Nextcloud, die in Blau daherkommt. Im Gegensatz zur selbst verwalteten Variante schottet Operation Tulip den Anwender weitestgehend von administrativen Aufgaben ab. Das zeigt sich an mehreren Stellen.

Abbildung 1: Falls Sie mehrere Instanzen von Nextcloud betreiben, erkennen Sie die von Operation Tulip sofort an der gelben Farbgebung.
So richtet der Dienst bereits einige für den Alltag wichtige Apps ein, die Sie bei einer Nextcloud-Installation zum Teil von Hand nachziehen müssten. Allerdings bleiben Sie auch auf diese Apps beschränkt, weitere können Sie derzeit nicht installieren.
Vorinstalliert sind neben den üblichen Apps wie Dateien, Fotos, Kontakte und Kalender auch eine E-Mail-App (Abbildung 2), das Kanban-Organisationswerkzeug Deck, ein Passwort-Safe, Notizen, News sowie erfreulicherweise die Bürosuite Collabora Online, für das die Konkurrenz teilweise Preisaufschläge verlangt.

Abbildung 2: Die E-Mail-App erlaubt das Einbinden Ihrer E-Mail-Konten und damit das Lesen, Beantworten und Verfassen von Nachrichten direkt aus der Nextcloud heraus.
Administrativ freigestellt
Dass Operation Tulip Sie von administrativen Aufgaben freistellt (oder, je nach Sichtweise, davon ausschließt), zeigt ein Klick auf das Symbol ganz rechts in der gelben Leiste. Hier fehlen einige bei Nextcloud üblicherweise selbstverständliche Menüpunkte. Dazu zählt etwa Apps, denn wie gesagt lassen sich derzeit keine weiteren Apps nachinstallieren. Außerdem fehlt der Menüpunkt zum Einrichten weiterer Nutzer, die sich mit Operation Tulip derzeit nicht anlegen lassen.
Öffnen Sie die Einstellungen , dann sehen Sie, dass Sie Nextcloud auch nicht aktualisieren können. Daneben fehlt die Möglichkeit, per SSH oder FTP auf die Instanz zuzugreifen, was bei einem schiefgelaufenen Update unverzichtbar wäre.
Doch nun zu dem, was Operation Tulip neben den eingebundenen Apps bereits jetzt zu bieten hat. Daten lassen sich auf verschiedene Weise der Nextcloud-Instanz hinzufügen. Sie ziehen sie entweder direkt aus Ihrem Dateimanager in das Backend im Webbrowser oder verbinden sich mit Ihrer Nextcloud per WebDAV. Alternativ verwenden Sie den Nextcloud-Client (Abbildung 3), den die von Ihnen verwendete Distribution anbietet. Gibt es dort keine aktuelle Version des Clients, so greifen Sie am besten zu einem AppImage [5].

Abbildung 3: Der Desktop-Client von Nextcloud erlaubt Ihnen unter anderem, festzulegen, welche Dateien er synchronisiert und unterhalb welcher Dateigröße er das ohne Nachfrage erledigt.
Desktop-Client
Nutzen Sie den Desktop-Client bereits für eine andere Nextcloud-Instanz, können Sie die Cloud von Operation Tulip direkt dort einbinden (Abbildung 4). Dazu geben Sie als Adresse http://cloud.operationtulip.com in den Client ein. Nach einem Klick auf Weiter melden Sie sich bei der Instanz an und legen einen lokalen Ordner fest, der die synchronisierten Daten aufnimmt. Wann immer Sie Daten in diesem Ordner ablegen oder löschen, lädt der Client den neuen Stand in die Cloud und synchronisiert ihn auf andere Geräte.

Abbildung 4: Verwenden Sie bereits einen Desktop-Client, lässt sich Operation Tulip dort einbinden, sodass Sie alle Nextcloud-Instanzen zentral im Blick behalten.
Der Desktop-Client steht auch in Mobilversionen für Android und iOS bereit (Abbildung 5). Um Kalender und Kontakte mit Android-Geräten zu synchronisieren, installieren Sie auf dem mobilen Gerät die App DAV5x und erstellen dort ein neues Konto. Die Verbindung findet per URL und Benutzername statt. Als URL geben Sie https://cloud.operationtulip.com/remote.php/dav an. Diese Art der Synchronisation geht in beide Richtungen.

Abbildung 5: Operation Tulip unterstützt die bei Nextcloud gut gepflegten Clients für den Desktop sowie für Android und iOS.
WebDAV
Auch Ihr Desktop lässt sich permanent mit der Nextcloud verbinden. Die Dateimanager der Desktop-Umgebungen Gnome, KDE, XFCE, LXQt und LXDE erlauben Verbindungen per WebDAV, ebenso der Mailclient Thunderbird [6] und die Kontact-Suite [7] unter KDE (Abbildung 6). Wie Sie die Verbindung mit den Dateimanagern Nautilus (unter Gnome) und Dolphin (unter KDE Plasma) einrichten, lesen Sie im Kasten “WebDAV-Zugriff”.

Abbildung 6: Im Dateimanager sehen Sie links die Einbindung verschiedener Instanzen im Desktop-Client und rechts die von Operation Tulip per WebDAV.
WebDAV-Zugriff
In der Seitenleiste von Nautilus wählen Sie Andere Orte. Im sich daraufhin öffnenden Fenster geben Sie unten bei Mit Server verbinden den URI aus der zweiten Zeile von Listing 1 ein. In Dolphin tippen Sie in der Adresszeile den URI aus der letzten Zeile des Listings ein.
Listing 1
Integration per WebDAV
### Nautilus davs://cloud.operationtulip.com/remote.php/dav/files/User/ ### Dolphin webdav://cloud.operationtulip.com/remote.php/dav/files/User/
Zusammenarbeit
Nextcloud entwickelt sich immer mehr in Richtung kollaboratives Arbeiten weiter. Gerade diese Funktionalität schränkt Operation Tulip derzeit ein, da Sie keine eigenen User anlegen können. Über einen Umweg gelingt das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten aber trotzdem.
Dazu müssen die Personen, die Dokumente zusammen bearbeiten möchten, jeweils ein Konto für Operation Tulip erstellen und können dann Dateien, Ordner, Kalender und andere Dienste oder Dokumente miteinander teilen (Abbildung 7). Sie müssen die Benutzernamen der Personen kennen, mit denen Sie zusammenarbeiten wollen.

Abbildung 7: Operation Tulip erlaubt das Teilen von Dokumenten. Für kollaboratives Arbeiten müssen derzeit noch alle Teilnehmer eine eigene Instanz einrichten.
Nach dem offiziellen Start des Diensts – oder mit einer selbst verwalteten Nextcloud – erstellen Sie einfach zusätzliche Benutzer, um diese native Funktion zu verwenden.
Ausblick
Im direkten Gespräch mit den Entwicklern erfuhren wir etwas über die Pläne für die Zukunft des Projekts. In der derzeitigen Beta-Phase geht es in erster Linie um die Sicherheit, Redundanz und eine sichere Backup-Strategie der Plattform. Sobald der Dienst in die Bezahlphase eintritt, soll es jedoch einige Erweiterungen geben, sowohl hinsichtlich der App-Auswahl als auch bezüglich des dann bei Bedarf vergrößerbaren Speicherplatzes.
Darüber hinaus soll es auch Nextcloud-Instanzen unter eigener Verwaltung geben. Diese verhalten sich dann wie eine selbst installierte Nextcloud, mit allen Rechten und Pflichten. Darüber hinaus plant Operation Tulip, den Dienst auch kleinen und mittleren Unternehmen anzubieten, die sich bei den großen Anbietern in den USA wegen des CLOUD Acts [8] nicht wohlfühlen und die lieber den Regeln der DSGVO unterliegen.
Alternativen
Alternativen zu Operation Tulip, die ebenfalls den Open-Source-Gedanken verfolgen, sind unter anderem The Good Cloud [9] aus den Niederlanden und Indiehosters [10] aus Frankreich. Der deutsche Anbieter Hosting.de agiert professionell, legt aber den Fokus nicht auf Open Source.
Fazit
Operation Tulip eignet sich für Menschen, die schnell und ohne Vorwissen eine Möglichkeit für Backups und Synchronisation benötigen. Der in der Beta-Phase befindliche Cloud-Dienst eignet sich besonders für einen Test einer betreuten Nextcloud-Instanz, da derzeit noch keine Kosten entstehen. Ab wann die Beta-Phase endet und der Dienst 4 Euro pro Monat kostet, konnten uns die Entwickler noch nicht sagen; Sie haben also noch Zeit. Die zur Verfügung gestellten 50 GByte Speicherplatz genügen für einen Test, die zur Nutzung bereitstehende Bandbreite erfordert aber Geduld beim Hochladen der Daten. Das kollaborative Arbeiten gerät in der Beta-Phase noch etwas umständlich, ist aber durchaus machbar. (jlu)
Infos
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Operation Tulip: https://Operation%20Tulip.com
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Nextcloud: https://de.wikipedia.org/wiki/Nextcloud
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Geschäftsmodell: https://Operation%20Tulip.com/pricing/
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AppImage: https://www.appimagehub.com/p/1238338
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Thunderbird: https://www.techrepublic.com/article/how-to-connect-thunderbird-contacts-to-nextcloud/
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Kontact: https://docs.nextcloud.com/server/latest/user_manual/de/pim/sync_kde.html
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CLOUD Act: https://de.wikipedia.org/wiki/CLOUD_Act
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The Good Cloud: : https://thegood.cloud
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Indiehosters: https://indiehosters.net





