Vorbericht zum Linux Presentation Day 2021.1

Aus LinuxUser 05/2021

Vorbericht zum Linux Presentation Day 2021.1

© katakym / 123RF.com

Linux zum Anfassen

Unter dem Motto “Linux zum Anfassen und Ausprobieren” bringt der LPD zweimal jährlich Interessenten das freie Betriebssystem näher – beim LPD 2021.1 zum ersten Mal online.

Der Linux Presentation Day (kurz: LPD [1]) gründete sich 2015 in Berlin als Reaktion auf den Ausfall des Linux-Tags. Die Veranstaltung hat es sich zu Aufgabe gemacht, interessierten Anwendern das freie Betriebssystem näher zu bringen. Dabei ist das Motto “Linux zum Anfassen und Ausprobieren” Programm.

Bei den in vielen deutschen Städten an zwei Stichtagen im Jahr stattfindenden Veranstaltungen kann der Besucher einfach hereinspazieren, sich Linux auf unterschiedlichen Geräten anschauen, es ausprobieren und damit herumspielen – oder auch den jeweiligen Veranstaltern Löcher in den Bauch fragen. Ob Ein- oder Umsteiger, für jeden findet sich etwas. Das soll Einstiegshürden abbauen und jedem Besucher abschließend klarmachen, dass Linux kein Betriebssystem nur für Nerds ist, sondern sich wie jedes andere OS nutzen lässt. Selbstredend liegt ein Schwerpunkt darauf, die Vorzüge eines freien Betriebssystems herauszustellen, von den Vorteilen für die Privatsphäre einmal ganz abgesehen.

Die Veranstalter – in der Regel die lokalen Linux User Groups (LUGs) – agieren dabei relativ unabhängig, werden aber von der zentralen LPD-Organisation möglichst weitgehend unterstützt. Das erfolgt zum Beispiel durch Plakate und Flyer, Pressemitteilungen, das Zusammenbringen von Leuten, den Austausch von Informationen und vieles andere mehr. Aktuell versucht die LPD-Orga, die LUGs besser zu vernetzen, um Synergien nutzbar zu machen und sicherzustellen, dass nicht jeder das Rad wieder neu erfinden muss.

2019 ging die LPD-Orga auf eine neue Gruppe über, um den Linux Presentation Day weiter voranzubringen. In diesem Zug entstand auch ein neues, viereckiges Logo (Abbildung 1), das einige weitere Dienste markiert. Der LPD wuchs und gedieh – und dann kam Covid-19 und legte alles lahm.

Abbildung 1: Das neue LPD-Logo. Quelle: L-P-D.org

Abbildung 1: Das neue LPD-Logo. Quelle: L-P-D.org

LPD online

Nachdem die Pandemie die verlässliche Planung von Präsenzveranstaltungen unmöglich machte, entschloss sich das LPD-Orga-Team, 2021 den Linux Presentation Day erstmals online anzubieten. Um nicht die Fehler anderer Veranstalter zu wiederholen und um alles etwas zu entzerren, werden die Vorträge dazu als vorproduzierte Videos bereits eine Woche vor dem eigentlichen Termin freigeschaltet. Zu jedem Video nennt die LPD-Website die jeweiligen Zeitpunkte und gibt an, zu welchem davon die losgelöste Fragestunde (Q&A) stattfindet (Abbildung 2). Das Ganze ist in Kanälen organisiert, die dann über das Open-Source-Webkonferenzsystem BigBlueButton verfügbar sind.

Abbildung 2: Im LPD-Programm finden Sie die Themen und Zeitpunkte der einzelnen Vorträge sowie der zugehörigen Frage-und-Antwort-Sessions (Q&A).

Abbildung 2: Im LPD-Programm finden Sie die Themen und Zeitpunkte der einzelnen Vorträge sowie der zugehörigen Frage-und-Antwort-Sessions (Q&A).

Neben den Video- und Q&A-Kanälen bietet die LPD-Orga den Veranstaltern, LUGs und anderen interessierten Gruppen die Möglichkeit, Meeting-Kanäle zu buchen, um sich in Zeiten der Einschränkungen trotzdem einem Publikum zu präsentieren. Dahinter steht die Idee, dass Interessierte im LPD-Online-Fahrplan sehen können, welche Gruppe in ihrer Region existiert, um mit dieser Kontakt aufzunehmen. Später kann sich dieser Kontakt dann ins reale Leben fortsetzen. Daneben sind themenspezifische Kanäle möglich, um interessante Aspekte ausgiebig zu diskutieren. Generell nimmt die LPD-Orga aber auch gern weitere Ideen und Anregungen entgegen.

Mehr über den LPD-Online gibt es auf der Webseite L-P-D.org [2], wo sich auch das Vortragsprogramm [3] findet. Mitmachen kann wie immer jeder, ob als Veranstalter, Vortragender, Unterstützer, Helfer oder in anderer Funktion. Dazu meldet man sich einfach auf der entsprechenden Mailing-Liste [4] an und nimmt so Kontakt auf. Daneben lassen sich über die LPD-Webseite auch Vorträge und Vorstellungskanäle buchen [5].

LEO weiß die Details

Einen kleinen Blick auf den Umfang des LPD gibt Linux-Events.org oder kurz LEO [6]. Über dieses mittlerweile recht umfangreiche Werkzeug verwaltet der LPD seine Veranstaltungen, es steht aber grundsätzlich jedem Interessierten mit Open-Source-Hintergrund zur Verfügung.

Primär zeigt LEO die nächsten Veranstaltungen auf einer Karte (Abbildung 3), damit Interessierte die Standorte besser lokalisieren beziehungsweise direkt die Veranstaltungen für den eigenen Standort anzeigen können. Viele Veranstalter bieten die Möglichkeit, hier direkt Kontakt aufzunehmen. Daneben lassen sich über den enthaltenen Exporter gezielt Abfragen stellen, wie etwa “Welche LUGs gibt es noch im Umkreis?” [7]. Das Resultat lässt sich dann immer auch aktuell auf der eigenen Webseite einbinden [8].

Abbildung 3: Wie sich auf der LEO-Webseite erkennen lässt, wuchs der ursprünglich rein deutsche LPD über die Jahre zur europaweit stattfindenden Veranstaltung.

Abbildung 3: Wie sich auf der LEO-Webseite erkennen lässt, wuchs der ursprünglich rein deutsche LPD über die Jahre zur europaweit stattfindenden Veranstaltung.

Daneben enthält LEO eine umfassende Liste [9] von LUGs auf der ganzen Welt – viele davon leider noch unbestätigt (in Grau dargestellt), aber es werden täglich mehr. Jede LUG kann dazu einfach einen neuen Eintrag erstellen.

Ein eigener Eintrag auf LEO als LUG oder Linux-relevante Gruppe ist nur ein erster Schritt zur besseren Vernetzung. Man kann auf der Webseite auch ein Kontaktformular schalten, um Interessierten die Verbindungsaufnahme zu erleichtern. Die eigene E-Mail-Adresse bleibt dabei aus Datenschutzgründen unsichtbar.

Ein zweiter, wichtiger Schritt besteht dann darin, ein Konto im Fediverse [10] zu eröffnen, um sich auch mit anderen LUGs zu vernetzen. Ob das via Friendica, Hubzilla, Mastodon oder eine andere Plattform erfolgt, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, da sich alle untereinander austauschen können (siehe Kasten “Fediverse”).

Um auch gefunden zu werden, sollte man unbedingt in den jeweiligen Einstellungen die Stichworte (Tags) richtig setzen. Sie sollten wenigstens “Linux User Group”, “LUG” und den jeweiligen Ortsnamen enthalten. Auch die LPD-Orga lässt sich auf diesem Weg erreichen [11].

Fediverse

Beim Fediverse handelt es sich um ein Netzwerk vieler verteilter Server (Knoten) mit unterschiedlicher Software auf Open-Source-Basis, die trotzdem alle miteinander Daten und Nachrichten austauschen können, da sie dieselben Protokolle sprechen. Zu den vertretenen Diensten zählen unter anderem Friendica [12], Hubzilla und Mastodon.

Es gibt Server mit vielen Konten und welche mit wenigen. Etliche Betreiber ermöglichen es jedermann, dort ein Konto anzumelden, um am Fediverse teilzunehmen. Die Programme bedienen dabei so ziemlich jede Nachfrage, vom Social Networking über Blogs und Kurznachrichtendienste bis hin zu Audio- und Video-Servern. Man kann diese Server-Software auch selbst hosten.

Der größte Vorteil des Fediverse: Es handelt sich um ein verteiltes System. Es gibt also keine Algorithmen, keine Werbung (außer man abonniert sie) und keine Spionage. Geht das Vertrauen in einen Anbieter verloren, kann man mit seinen Daten auf einen anderen Dienst umziehen, bei einigen davon sogar sehr komfortabel. Kurz: Eine wirklich freie Alternative zu den bekannten Datenkraken.

Mitmachen!

Wie eigentlich immer läuft im Vorfeld der Veranstaltung langsam die Zeit davon. Auch wenn es bei Erscheinen dieses Artikels nicht mehr lange zum LPD 2021.1 ist, bleibt noch genügend Zeit, um sich aktiv zu beteiligen. Ob Sie nun einen Videovortrag (mit anschließender Fragestunde) anbieten, das LPD-Team bei der Orga unterstützen oder Ihre LUG präsentieren wollen, Veranstaltern Hilfe zum Videoschnitt geben können, oder, oder – jeder ist willkommen! Melden Sie sich einfach in der LPD-Public-Mailing-Liste an, und das Team bemüht sich, Ihren Beitrag noch im Programm unterzubringen.

Fazit und Ausblick

Auch in schwierigen Zeiten lässt sich der Linux Presentation Day nicht unterkriegen und versucht, weiterhin interessierte Anwender mit Linux-affinen Gruppen zusammenzubringen. Da jeder auf irgendeine Art mitmachen kann, liegt es auch ein Stück weit bei Ihnen, welchen LPD Sie haben wollen. Nur mit Ihrer Unterstützung, Ihrer Hilfe, Ihren Ideen und Ihrem Engagement kann der LPD wachsen und sich weiterentwickeln.

Zum Schluss möchte das LPD-Orga-Team sich schon einmal bei allen Veranstaltern, Helfern und Unterstützern bedanken, die den LPD erst ermöglichen. Allen Teilnehmern wünschen wie einen Happy LPD! (jlu)

Infos

  1. Linux Presentation Day: https://L-P-D.org

  2. Über den LPD-Online: https://l-p-d.org/lpd-online

  3. LPD-Online-Programm: https://l-p-d.org/fahrplan

  4. LPD-Mailingliste: https://l-p-d.org/streams

  5. LPD-Kanäle anmelden: https://l-p-d.org/call4papers

  6. LEO: https://linux-Events.org/_LPD

  7. Beispiel – LUGs im Umkreis: https://bs-lug.de/lugs_list

  8. Beispiel – LUG-Liste: https://bs-lug.de/lugs_list

  9. Übersicht der LPD-Veranstaltungen: https://linux-events.org/SL_LUGs

  10. Übersicht Fediverse: https://fediverse.party

  11. LPD im Fediverse: https://hubzilla.l-p-d.org/channel/public

  12. Friendica: https://friendi.ca

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