Der Datentausch zwischen Android-Geräten und Linux-PCs klappt eher schlecht denn recht. Wir stellen die praktikabelsten Lösungen vor.
Smartphones – und in geringerem Maß auch Tablets – sind inzwischen für die meisten Menschen ständige Begleiter. Da sie ihre Geräte für alle möglichen Aufgaben einsetzen, sammeln sich schnell große Datenbestände auf den Speichermedien an. Doch vor allem beruflich sollte das Smartphone keine Insellösung sein, sondern es ermöglichen, Daten mit dem Büro-PC zu synchronisieren, um produktiv damit zu arbeiten. Wir haben uns angesehen, inwieweit Smartphones und Tablets mit Android und Linux-PCs dieselbe Sprache sprechen.
Protokollarisches
Obwohl das auf Mobilgeräten weitverbreitete Android dank Linux-Kernel gewisse Ähnlichkeiten mit dem freien Betriebssystem aufweist, bereitet ein Datenaustausch häufig erhebliche Probleme. Anwender klagen über abbrechende Verbindungen, nicht erkannte Geräte oder nicht übertragbare Dateien. Dieses unbefriedigende Verhalten bei kabelgebundenen Datentransfers entsteht durch unterschiedliche Protokolle, die beim Zugriff auf und beim Transfer von Daten zum Einsatz kommen.
Das war nicht immer so: Linux-Rechner erkannten Geräte mit frühen Android-Versionen häufig als USB-Massenspeicher und banden sie einfach ins System ein. Dazu war es lediglich nötig, das USB-Speichermedium zu aktivieren, was über eine Berührung der entsprechenden Schaltfläche am Android-Gerät gelang. Der Nachteil dieser Lösung: Linux-Nutzer konnten nur externe Massenspeicher auslesen, die sich im Android-Gerät befanden, wie etwa MicroSD-Karten.
Seit Android 4.1 gestatten die Mobilgeräte Datenübertragungen meist nur noch über MTP [1] oder PTP [2]. Das Media Transfer Protokoll MTP, eine Erfindung von Microsoft und Canon, will gewährleisten, dass beim simultanen Zugriff auf die Daten durch das Android-Gerät und den Linux-PC keine Inkonsistenzen auftreten. Außerdem erlaubt es MTP, auch auf Datenbestände im internen Speicher des Android-Geräts zuzugreifen. Das ältere Picture Transfer Protokoll PTP zielte als direkter Vorläufer von MTP ursprünglich primär auf Digitalkameras ab.
Da unter Linux beide Protokolle eher unüblich sind, gilt es, vorab die entsprechenden Bibliotheken ins System zu integrieren. Aufgrund gerätespezifisch unterschiedlicher Parameter müssen die Distributionen diese Bibliotheken zudem permanent aktualisieren, damit sie mit den neuesten Android-Geräten kooperieren.
Paketdienste
Schon seit geraumer Zeit stecken in den Software-Repositories aller gängigen Linux-Distributionen die Libmtp-Pakete, an denen die Entwickler seit 2006 arbeiten. Da deren Umfang und Bezeichnungen von Distribution zu Distribution variieren, empfiehlt es sich, über die Paketverwaltung des jeweils genutzten Linux-Derivats danach zu suchen. Einen distributionsspezifischen Überblick über vorhandene Libmtp-Pakete liefern verschiedene Webseiten im Internet. Einige Linux-Distributionen installieren die Bibliotheken auch bereits vor.
Nach dem Einspielen der MTP-Bibliotheken müssen Sie, abhängig von der verwendeten Arbeitsumgebung, entweder das Paket gvfs oder kio-mtp installieren, damit die Distribution die MTP- und PTP-Laufwerke in das entsprechende virtuelle Dateisystem einbindet. Danach erkennen die Dateimanager das jeweilige Android-Gerät und hängen die dazugehörigen Laufwerke ein. Besteht zwischen Linux-Rechner und Mobilgerät eine USB-Verbindung, so erscheint auf dem Android-Bildschirm eine Meldung, die um Erlaubnis für die Freigabe der Datenträger bittet. Nach einer Bestätigung taucht das Android-Gerät als USB-Device auf.
KDE-Nutzer greifen auf das Gerät über den System-Tray zu, wo eine Benachrichtigung der Laufwerksanzeige wartet. Sie schlägt meist vor, die Inhalte im Dateimanager anzuzeigen oder einen Bildbetrachter zu öffnen. Dabei kommt es vor, dass KDE die Option, Inhalte im Dateimanager anzuzeigen, doppelt einblendet. In diesem Fall redet Linux sowohl über MTP als auch PTP mit dem Android-Gerät. Im Dateimanager sehen Sie die Laufwerksbezeichnung camera: für PTP, während die Angabe mtp: auf MTP verweist.
Im Test fiel zudem auf, dass ein unter Android 9 (“Pie”) arbeitendes Sony-Xperia-XA2-Smartphone zwar über beide Protokolle kommunizierte, Inhalte des Massenspeichers und der MicroSD-Karte aber nur via PTP auf den Linux-PC schob. Beim Öffnen via MTP blendete der Dateimanager Dolphin lediglich eine Fehlermeldung ein (Abbildung 1).
Solche Irritationen entstehen aufgrund der teils schlampigen Umsetzungen der MTP-Spezifikation durch die Hardware-Hersteller. Häufig müssen die Entwickler der Libmtp eigene Parameter für neue Smartphone- oder Tablet-Modelle in die Bibliothek einbinden und diese permanent aktualisieren, damit das jeweilige Gerät mit Linux funktioniert.
Als weiteres Manko ergibt sich oft eine geringe Übertragungsgeschwindigkeit beim Datentransfer: Mitunter dauerte es im Test mehrere Sekunden, hochauflösende Fotos vom Android-Gerät zu laden und in einem Bildbetrachter auf dem Linux-PC anzuzeigen.
Nicht berücksichtigt
Neben den vorgestellten Lösungen, um Android- und Linux-Systeme zu koppeln, kommen auch noch verschiedene Remote-Desktop-Lösungen infrage, etwa NoMachine, Anydesk oder Teamviewer. Da diese aber nicht auf den Dateitransfer zwischen Android- und Linux-Geräten fokussieren und meist eine zusätzliche externe Infrastruktur brauchen, fallen sie aus dem Test. Auch die Datenübertragung per Bluetooth lässt der Artikel außen vor. Zum einen funktioniert damit die Datenübertragung nur sehr langsam, und Verbindungen brechen ab. Zum anderen eignet sich Bluetooth als Nahbereichstechnologie nicht für das Verknüpfen von Geräten über größere Distanzen.
Gmtp
Deutlich zuverlässiger als über die herkömmlichen Dateimanager kommunizieren unter Linux verschiedene grafische Werkzeuge auf Qt- oder GTK-Basis mit den Android-Geräten. Das Standard-Tool für GTK-basierte Oberflächen heißt Gmtp [3]. Es wartet in den Repositories aller gängigen Linux-Derivate. Die Installationsroutine legt einen entsprechenden Starter für Gmtp in der Menühierarchie des Linux-Desktops an.
Auf dem Android-Gerät brauchen Sie keine App zu installieren, es muss aber per USB-Kabel am PC hängen. Nach dem Start präsentiert Gmtp eine schlichte Oberfläche, die auf den ersten Blick erkennen lässt, dass ihr Hauptzweck im Datentransfer besteht. Neben einer oben angebrachten horizontalen Menü- und Schalterleiste weist das Programmfenster einen großen, anfangs leeren Bereich auf, um die Datenbestände zu visualisieren.
Im ersten Schritt stellen Sie eine Verbindung zum Android-Gerät her. Dazu klicken Sie auf den Schalter Verbinden oben links im Programmfenster. Sobald Sie auf dem Smartphone den Datenzugriff erlauben, öffnet die Software auf dem PC ein überlappendes Fenster. Darin geben Sie über ein Auswahlfeld an, ob Sie auf den internen Speicher oder den externen Massenspeicher des Android-Geräts zugreifen möchten. Im Folgenden zeigt die Software im Hauptfenster die im ausgewählten Speicher vorhandenen Daten in einer Ordnerhierarchie an (Abbildung 2).
Mithilfe der Schaltflächen Hinzufügen, Löschen und Download verwalten Sie nun Dateien und Ordner wie auf dem lokalen System. Die Buttons Playlisten und Album Cover dienen dazu, Audiodateien zu verwalten und zu vervollständigen. Teilweise kann das Werkzeug auch die Aufgaben eines Audioplayers beim Organisieren von Musiksammlungen übernehmen.
Über den Schalter Einstellungen geben Sie Nutzer dagegen primär Verzeichnispfade für den Up- und Download an, um für das angeschlossene Gerät eigene Pfade zu erzeugen und die Dateien nicht in der herkömmlichen Ordnerhierarchie suchen zu müssen. Auch der Akkuladestand des Smartphones oder Tablets erscheinen in diesem Dialog auf dem Desktop-Rechner. Dank der USB-Verbindung lädt der PC die angebundenen Android-Geräte auch gleich auf, was die Anzeige berücksichtigt.
Treten Probleme auf, ermitteln Sie deren Ursache über den Dialog Eigenschaften, den Sie rechts im Programmfenster erreichen. Hier finden Sie zahlreiche Informationen zum Mobilgerät, darunter alle unterstützten Dateiformate, wodurch sich Inkompatibilitäten ermittelt lassen. Auch über die vorhandenen und belegten Speicherkapazitäten informiert das Eigenschaftsfenster (Abbildung 3).

Abbildung 3: Über den Dialog Eigenschaften ermitteln Sie die technischen Spezifikationen der Android-Hardware.
Über die Menüleiste stellt Gmtp weitere Funktionen bereit: Unter Bearbeiten gibt es die Option, den Speicher des angeschlossenen Mobilgeräts zu formatieren. Über Datei | Umzug nach verschieben Sie komplette Ordnerhierarchien. So überträgt Sie beispielsweise eine auf dem PC gesicherte Musiksammlung in einem Rutsch auf das Smartphone. Gmtp zeigt dazu in einem überlappenden Fenster die Ordnerhierarchie des Zielmediums an und erlaubt es, Ordner mit der Maus zu verschieben.
Haben Sie alle Arbeiten erledigt und möchten das Mobilgerät vom Rechner entkoppeln, klicken Sie auf Trennen. Das Mobilgerät signalisiert die Trennung, sobald der PC das Dateisystem ausgehängt hat.
KDE Connect
Bei KDE Connect [4] handelt es sich um ein Werkzeug zur drahtlosen Kommunikation via WLAN zwischen Linux-Rechner und Android-Mobilgerät. Um es zu nutzen, müssen Sie das entsprechende Paket auf dem Linux-Rechner sowie eine App auf dem Smartphone installieren. Letztere findet sich sowohl im Google Play Store als auch im F-Droid-Store.
Auf dem KDE-Desktop gibt es in den Systemeinstellungen die Option KDE-Connect. Über sie koppeln Sie das Smartphone an den PC an. Verwenden Sie keinen Qt-basierten Desktop, sondern eine auf GTK aufbauende Arbeitsoberfläche wie Gnome, XFCE oder LXDE, können Sie KDE Connect dennoch aus den Paketquellen installieren. Allerdings landet es dann als eigener Starter KDE-Connect-Anzeige in der Menühierarchie; die Einstellungsdialoge öffnen sich in einem eigenen Fenster.
Läuft KDE Connect auf dem PC und erkennt das Smartphone diesen im Netzwerk, erscheint ein Dialog und fragt nach, ob Sie die Geräte koppeln wollen. Bestätigen Sie das, erscheinen die jeweiligen Kommunikationspartner in den Fenstern (Abbildung 4).
Auf dem Desktop-PC warten im Einstellungsdialog zugleich gerätespezifisch zahlreiche Module, die es erlauben, beim Koppeln mehrere Funktionen auszuführen. Die Module (de-)aktivieren Sie, indem Sie Häkchen vor dem jeweiligen Listeneintrag setzen oder entfernen. Auf dem Bildschirm des Android-Geräts finden Sie dagegen nur wenige Optionen: Neben der Möglichkeit, Dateien vom Mobilgerät auf den PC hochzuladen, erlaubt die Option Ferneingabe, den Computer vom Android-Gerät aus fernzusteuern.
Entscheiden Sie sich für die letztgenannte Möglichkeit, öffnet sich auf dem Smartphone oder Tablet ein Fenster mit einer Tastatur und einem freien Bereich, der die Simulation von Mauseingaben erlaubt. Bewegen Sie die Finger auf dem Display, bewegt sich auch die Maus auf dem entfernten Linux-Desktop. Ein zwei- oder dreimaliges Klicken simuliert einen Mausklick mit der linken beziehungsweise rechten Taste. KDE Connect führt zudem Befehle, die Sie auf dem Smartphone eingeben, auf dem entfernten Rechner aus.
Die Option Medienkontrolle erlaubt es, auf dem PC eine zu KDE Connect kompatible Abspielsoftware wie etwa Amarok zu steuern. Dazu muss der Mediaplayer dort jedoch bereits laufen. Die Fernbedienung für Präsentationen sperrt den Computerbildschirm hingegen, um von Android aus eine auf dem PC laufende Präsentation zu steuern (Abbildung 5).
Erfreulich ist, dass all diese Funktionen dank der Kommunikation via WLAN keinerlei Verkabelung erfordern. Dabei kooperiert KDE Connect in der Android-Variante selbst mit betagten Versionen des Google-Betriebssystems: In unserem Test mit einem Android-4.0-Tablet reagierte KDE Connect genauso zuverlässig wie auf einem modernen Smartphone mit Android 9. Sie dürfen sogar mehrere Geräte mit dem PC koppeln, jedoch besteht nur für jeweils eines davon eine aktive Verbindung.
Suchfunktion
Ist KDE Connect auf dem PC aktiviert, legt es im System-Tray ein entsprechendes Icon an. Sie rufen die Anwendung dann nicht mehr über den Menüeintrag auf, sondern per Rechtsklick auf das Icon im Tray. Daraufhin öffnet sich eine Liste der angeschlossenen Android-Geräte. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über einen der Einträge und wählen die Option Ring device, dann gibt das fragliche Android-Gerät ein Tonsignal aus. Diese Funktion dient dazu, ein verlegtes Smartphone oder Tablet zu finden, das sich in Hörweite befindet.
Im selben Menü lassen sich auch Dateien an das Android-Gerät übertragen. Die Option Send file ruft einen externen Dateimanager auf den Plan, in dem Sie die zu transferierenden Daten auswählen.Über das Hamburger-Menü oben rechts im KDE-Connect-Hauptfenster unterbrechen Sie die Verbindung mit dem PC wieder: Die Option Verbindung trennen beendet die aktive Sitzung, woraufhin das Android-Gerät auch aus dem Kontextmenü des KDE-Connect-Icons im System-Tray verschwindet.
Eine neue Verbindung etablieren Sie vom PC aus ebenfalls über einen Klick auf dieses Icon, die Auswahl von Configure und – im gerätespezifischen Dialog – Verbindung anfragen. Auf dem Android-Gerät verwenden Sie dann im KDE-Connect-Fenster die Option Kopplung anfordern, die im gerätespezifischen Bereich wartet.
GSConnect
Bei GSConnect [5] handelt es sich um ein für die Gnome-Shell entwickeltes Pendant zu KDE Connect (Abbildung 6). Der Funktionsumfang beider Lösungen entspricht sich in etwa. GSConnect bringt einen Assistenten mit, der in zwei Stufen eine Verbindung zu Android-Geräten aufbaut. Auf Smartphone oder Tablet setzen Sie dabei KDE Connect oder Zorin Connect ein, um eine Verbindung zu etablieren und Daten zu übertragen. GSConnect funktioniert jedoch nicht, wenn auf dem Computer auch KDE Connect installiert ist.

Abbildung 6: Auch wenn es ähnliche Funktionen wie KDE Connect aufweist, zielt GSConnect auf die Gnome-Shell ab.
Zorin Connect
Beim Ubuntu-Derivat Zorin OS übernimmt das integrierte Werkzeug Zorin Connect das Anbinden von Android-Geräten. Es erscheint optisch und funktional auf den ersten Blick als ein Klon von GSConnect oder KDE Connect. Von KDE Connect unterscheidet es sich lediglich durch den zweistufigen Assistenten, der beim Aufruf der Software erscheint. Im Verbindungsfenster weist die Software allerdings darauf hin, dass es neben den Apps für Mobilgeräte auch Addons für die Browser Firefox und Chrome gibt, die einige Funktionen der Apps enthalten.
Die Zorin-Entwickler haben die Einstellungsoberfläche von Zorin Connect im Vergleich zu KDE Connect grundlegend überarbeitet und benutzerfreundlicher gestaltet: So rufen Sie verschiedene Konfigurationsoptionen kategorisiert auf und modifiziert sie meist per Schieberegler. Die Modulansicht erscheint erst nach der Verbindungsaufnahme. Zorin Connect bildet dabei alle Funktionen von GSConnect ab.
Da Zorin Connect mit KDE Connect vollständig kompatibel ist, können Sie damit auch in einer gemischten Umgebung Daten austauschen, in der beide Werkzeuge auf verschiedenen Geräten zum Einsatz kommen. Zorin Connect unterstützt zudem die Fernsteuerungs- und Präsentationsmodi von KDE Connect.
Außerdem antworten Sie mithilfe von Zorin Connect auf SMS-Nachrichten. Benachrichtigungen, die auf dem Smartphone erscheinen, lassen sich auch auf dem Linux-Rechner anzeigen. Auf dem PC steuern Sie den Dienst über ein kleines Icon im System-Tray, über dessen Kontextmenü Sie auch die Einbindung des Smartphones lösen.
Wifi File Transfer
Eine weitere Möglichkeit, Daten zwischen Linux-PCs und Android-Geräten zu transferieren, bieten verschiedene Android-Apps, die Anwenderdaten im Webbrowser verfügbar machen. Manche der Dienste sind allerdings kostenpflichtig und setzen ein entsprechendes Konto beim jeweiligen Anbieter voraus. Teilweise angebotene kostenlose Grundversionen begrenzen häufig das Datenkontingent für Übertragungen. Die Android-App Wifi File Transfer [7] kommt dagegen komplett ohne Registrierung und Fremdanbieter aus. In der Grundvariante erlaubt sie allerdings nur eine maximale Dateigröße von 5 MByte beim Upload einzelner Dateien. Die kostenpflichtige Pro-Version hebt diese Beschränkung auf.
WiFi File Transfer startet nach dem Aufruf auf dem Android-Gerät einen eigenen schlanken Webserver und teilt Ihnen in einem gesonderten Fenster eine IP-Adresse und Port-Nummer mit, über die Sie den Server erreichen (Abbildung 7). Dazu müssen sich Android-Gerät und Linux-Computer im selben Netzwerk befinden – im Büro ist das nicht zwangsläufig der Fall, zu Hause hingegen meist schon. Tippen Sie auf den Start-Button, läuft der Dienst los. Sie greifen dann vom PC aus auf die Datenträger des Android-Geräts zu, indem Sie die angezeigte URL im Browser aufrufen.
Im Browser arbeiten
Es spielt keine Rolle, ob das Android-Gerät neben dem internen einen externen Massenspeicher nutzt, denn der Webbrowser zeigt beide Speicherarten mit der kompletten Menühierarchie an. Wifi File Transfer verbindet sich bei Bedarf sogar mit mehreren Android-Geräten simultan. Die zeigt der Linux-PC jeweils in eigenen Reitern im Webbrowser an und gestattet auch den parallelen Zugriff auf alle Datenbestände. Da die Software zudem selbst auf betagten Android-Systemen tadellos arbeitet, erlaubt sie auch den Datenaustausch mit älteren Android-Versionen.
Die einzelnen Verzeichnisse und deren Inhalte zeigt die Software in einer Listenansicht an (Abbildung 8). Dabei verwalten Sie Anwender die Daten, indem Sie rechts neben jedem Listeneintrag eine der Funktionen auswählt. Die Dateien lassen sich auf diese Weise herunterladen, löschen, umbenennen und kopieren. Bei Bedarf verpacken Sie ganze Verzeichnisse in ein ZIP-Archiv, indem Sie ganz rechts die Option zippen auswählen. Über den Reiter Mediengalerie listet Wifi File Transfer zudem vorhandene Fotos in einer Vorschauansicht in Kachelform auf. Die Bilder laden Sie dann direkt über einen entsprechenden Link auf den Linux-PC herunter.
Upload
Um Daten vom Linux- auf das Android-System zu transferieren, nutzen Sie die rechts im Browserfenster eingeblendete Option Dateien zum Gerät übertragen. Über den Schalter Durchsuchen wählen Sie dann im Dateimanager des Linux-Desktops einzelne Dateien aus und schieben sie auf das Mobilgerät.
Für das Hochladen kompletter Ordner auf das Android-Gerät steht rechts im Fenster die Schaltfläche Ordner auswählen bereit. Klicken Sie darauf und wählen einen Ordner aus, erscheinen dieser und die darin enthaltenen Dateien in Listenform im Browserfenster. Einzelne Dateien schließen Sie vom Upload aus, indem Sie den Link Entfernen rechts hinter dem Dateinamen anklicken. Ein Klick auf den Schalter Upload starten lädt Ordner und Dateien auf das Android-Gerät. Den Fortschritt beim Datentransfer zeigen grüne Häkchen, die vor jeder erfolgreich übertragenen Datei erscheinen.
Sicherheit
Arbeiten potenziell mehrere Personen an dem Linux-PC, der über Wifi File Transfer Daten mit einem Android-Gerät austauschen soll, empfiehlt es sich, den Zugriff auf das Android-Gerät zu schützen. Dazu bietet die Android-App in ihrem Einstellungsdialog einige Optionen an, wie das Ändern der Port-Nummer, das Aktivieren einer sicheren Datenübertragung per SSL sowie den Einsatz eines Passworts, um den Zugriff auf das Android-Gerät abzusichern. Vergeben Sie ein Passwort, dann fragt der Webbrowser auf dem Linux-PC zuerst danach, bevor er den Zugriff auf die Android-Dateien freigibt (Abbildung 9).
Fazit
Nach wie vor ist das Anbinden von Android-Geräten an einen Linux-PC nicht frei von Überraschungen. Grundsätzlich verrichteten alle besprochenen Applikationen im Test ihren Dienst. Geht es aber darum, moderne Mobilgeräte über die Protokolle PTP und MTP einzubinden, treten ohne erkennbaren Anlass immer noch teils gravierende Probleme auf. Erschwerend kommt hinzu, dass die Übertragungsraten bei Kopiervorgängen über die Dateimanager der Linux-Systeme größtenteils bescheiden ausfallen.
Aber auch Desktop-spezifische Applikationen wie KDE Connect, GSConnect und Zorin Connect haben ihre Tücken: So stecken in ihnen einige relativ nutzlose Funktionen. So funktionierte beispielsweise die Maussteuerung des Linux-PC vom Tablet aus nur sehr träge. Ein Verbindungsaufbau kam teilweise nur dann zustande, wenn wir die IP-Adressen der Zielgeräte manuell eingaben. Besser gefiel im Test die webbasierte Lösung auf Basis von Wifi File Transfer. Wer damit aber Videos oder auch nur größere Bilder übertragen möchte, der muss zur kostenpflichtigen Variante greifen.
Einzig Gmtp konnte als Standalone-Anwendung für Linux-Rechner komplett überzeugen: Hier verzichtet die Oberfläche auf überflüssige Gimmicks und Spielereien, auch das Pairing der beteiligten Geräte klappt problemlos. Zudem gaben die Übertragungsraten beim Datentransfer im Test keinerlei Anlass zur Klage. (kki/jlu)
Infos
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PTP: https://de.wikipedia.org/wiki/Picture_Transfer_Protocol
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KDE Connect: https://community.kde.org/KDEConnect
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GSConnect: https://github.com/andyholmes/gnome-shell-extension-gsconnect/wiki
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ZorinOS 5.1: Erik Bärwaldt, “Fliegender Wechsel”, LU 03/2020, S. 20, https://www.linux-community.de/44021
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Wifi File Transfer: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.smarterdroid.wififiletransfer&hl=de












