Cambrinary unterstützt Kommandozeilenarbeiter dabei, Worterklärungen schnell aufzurufen, ohne dazu einen Browser bemühen zu müssen.
Jeder, der in der IT arbeitet oder sich zu Hause mit Linux beschäftigt, weiß, dass Englisch weltweit als Standardsprache der Informationstechnik gilt. Wer es nicht als Muttersprache erlernt hat, der muss ab und zu einen Begriff im Wörterbuch zur Erklärung oder Übersetzung nachschlagen.
Wie das in wenigen Sekunden ohne viel Aufwand im Terminal klappt, zeigen wir am Beispiel von Cambrinary, der Umsetzung der Webseite des Cambridge International Dictionary of English [1] auf die Kommandozeile. Das Cambridge Dictionary bietet rund 140 000 Definitionen aus dem geläufigen britischen und amerikanischen Umgangs- und geschäftlichen Sprachgebrauch.
Cambrinary [2] unterstützt aktuell die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Japanisch. Die Integration des russischen Wörterbuchs funktioniert derzeit nicht, soll aber wieder unterstützt werden, sobald die Webseite es erlaubt. Das Programm liefert dabei Erklärungen zu einzelnen Wörtern sowie zu aus mehreren Wörtern kombinierten Begriffen. Falls vorhanden, liefert es auch Synonyme zum eingegebenen Suchwort.
Unter der Haube verwendet die Anwendung Python und setzt dabei mindestens Python 3.5 voraus. Die Installation erfolgt via Pip, einem Paketverwaltungsprogramm für Python-Pakete aus dem Python Package Index (PyPI). Bei Letzterem handelt es sich um den zentralen Python-Paket-Pool, der weit über 200 000 Pakete umfasst.
Flott installiert
Das zur Installation von Paketen aus PyPI benötigte Paket heißt bei allen großen Distributionen python3-pip. Fehlt die 3 im Namen, handelt es sich um ein Paket für Python 2.x. Solche Packages sollten Sie grundsätzlich meiden, da Python 2 sein Lebensende erreicht hat und alle Distributionen es gerade aus ihren Repositories entfernen.
Um Cambrinary direkt aus PyPI zu installieren, spielen Sie nach der Installation des Python-Paketmanagers zunächst die Unterstützung für den Paketindex per pip install pypi-install ein. Danach lässt sich das Wörterbuch direkt mit dem Befehl pip3 install cambrinary integrieren.
Alternativ laden Sie das Cambrinary-Archiv von GitHub herunter und starten aus dem entpackten Archiv heraus mittels pip3 install . die Installationsroutine. Achten Sie dabei auf den Punkt am Ende des Kommandos.
Im Pfad
Das Setup installiert das Programm im Verzeichnis ~/.local/bin/, das einen Teil der Systemd-Dateihierarchie abbildet und gemeinhin im Suchpfad liegt. Sollten Sie bei der Eingabe von cambrinary -h auf der Kommandozeile die Meldung erhalten, der Befehl sei unbekannt, müssen Sie den Pfad zur Umgebungsvariablen PATH hinzufügen, da Sie sonst ständig den absoluten Pfad mit angeben müssen.
Dazu tragen Sie in die Datei ~/.profile im Home-Verzeichnis die Zeilen aus Listing 1 ein. Wenn Sie schon einmal dort sind, empfehlen wir zur Vereinfachung der Nutzung das Setzen eines Alias, der die Eingabe von cambrinary auf beispielsweise cam verkürzt. Dazu tragen Sie zusätzlich die Zeile alias cam='cambrinary' ein.
Listing 1
# set PATH so it includes user's # private bin if it exists if [ -d "$HOME/.local/bin" ]; then PATH="$HOME/.local/bin:$PATH" fi
Nach dem Speichern aktivieren Sie den Alias vorübergehend in der aktuellen Terminalsitzung mit dem Befehl source ~/.profile, der die Datei neu einliest. Alternativ melden Sie sich kurz aus dem System ab und wieder neu an.
Schnell erlernt
Die Bedienung von Cambridge birgt keine großen Geheimnisse. Als Parameter stehen neben dem obligatorischen -h für die Hilfe lediglich -w, -t und -s zur Wahl. Wollen Sie die Wortbedeutung eines englischen Begriffs nachschlagen, so kommt der Parameter -w zum Einsatz (Abbildung 1):
$ cambrinary -w Begriff

Abbildung 1: Das -w im Befehl steht für word. Die einfachste Abfrageform von Cambrinary erläutert lediglich englische Begriffe.
Geht es um die Erläuterung eines deutschen Begriffs, so gesellt sich das -t hinzu (Abbildung 2):
$ cambrinary -w Planet -t german

Abbildung 2: Mit dem Parameter -t, gefolgt von Namen einer unterstützten Sprache weisen Sie Cambrinary an, beispielsweise deutsche Begriffe zu erklären. Die Erklärung selbst erfolgt jeweils in Englisch.
Hier unterstützt das Wörterbuch allerdings wesentlich weniger Begriffe als im Englischen. So erklärt Cambrinary beispielsweise “democracy”, nicht aber “Demokratie”.
Cambrinary erlaubt zudem die Eingabe mehrerer Begriffe. Allerdings arbeitet das Programm die Suchbegriffe lediglich nacheinander ab, ohne dabei auf die Bedeutung als zusammengezogener Begriff zu achten. Das zeigt sich etwa bei der Eingabe des Suchbegriffs “last word”, den das Programm lediglich als aufeinanderfolgende Suchen nach last und nach word interpretiert (Abbildung 3). Theoretisch gäbe es im Cambridge Dictionary einen passenden Eintrag zum Begriff “Letztes Wort” [3], den Cambrinary jedoch zunächst ignoriert.

Abbildung 3: Cambrinary nimmt auch mehrere Begriffe gleichzeitig an und arbeitet sie hintereinander ab. Es erklärt aber nicht eine eventuell vorhandene Bedeutung als zusammengesetzter Begriff.
Um zusammengesetzte Begriffe zu erkennen, müssen Sie diese mit einem Bindestrich verbinden. Das funktioniert etwa beim englischen Begriff “kick-off” oder eben mit “last-word” aus dem vorstehenden Beispiel.
Zu guter Letzt dient der Parameter -s zur Anzeige von Synonymen, falls solche existieren.
Fazit
Das erst seit einem halben Jahr entwickelte Cambrinary erleichtert das Nachschlagen englischer Begriffe über die Webseite des Cambridge Dictionary im Terminal und erspart den Weg über den Browser. Das Nachschlagen von Begriffen aus dem Deutschen und weiteren unterstützten Sprachen ist derzeit von eingeschränktem Nutzen, da selbst geläufige Begriffe oft nicht vertreten sind.
Die Planung der Projekts für die weitere Entwicklung sieht unter anderem die Möglichkeit vor, eingegebene Begriffe und deren Erläuterung in eine Datei umzuleiten. Zudem soll als nächste Sprache Spanisch unterstützt werden; darauf könnte Türkisch folgen. Haben Sie oft mit unterschiedlichen Sprachen zu tun, sollten Sie das Programm daher weiter im Auge behalten.
Infos
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Cambridge Dictionary: https://dictionary.cambridge.org/
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Cambrinary: https://github.com/xueyuanl/cambrinary
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“The last word”: https://dictionary.cambridge.org/us/dictionary/english-german/the-last-word?q=last+word





