Tuxedo Computers bietet mit dem neuen Tuxedo Book XP1610 satte Leistung für Poweruser und Gamer.
Linux-Notebooks liegen im Trend. Der bayerische Notebook-Ausrüster Tuxedo Computers hat uns freundlicherweise sein neuestes Notebook zum Test bereitgestellt. Wer beim Namen Tuxedo Book XP1610 allerdings Assoziationen mit Windows XP hegt, liegt völlig falsch: Die Buchstaben XP stehen in diesem Fall für die Stichworte extreme Leistung und professionelle Ansprüche. Die Zahl 1610 verweist auf den eher ungewöhnlichen Formfaktor von 16,1 Zoll, der zwischen den üblichen 15,6 und 17,3 Zoll liegt.
Wir unterzogen das Tuxedo Book XP1610 [1] mehrere Tage lang einem kurzen Alltagstest. Man sieht dem Rechner in seinem Gehäuse aus Vollaluminium schon von außen seine Leistungsreserven an, denn die gesamte Unter- und Rückseite dienen der Abfuhr jener Wärme, die insbesondere die dedizierte Grafikkarte erzeugt. Das Gerät wiegt bei Abmaßen von 380 x 252 x 19,9 mm rund 2 Kilogramm und geht damit noch als tragbar durch.
Als Prozessor bringt es eine Intel-CPU des Typs Core i7 9750H mit sechs Kernen aus der aktuellen 9. Generation “Coffee Lake Refresh” mit. Sie verfügt über 12 Threads und ebenso viele MByte Cache, arbeitet mit einem Grundtakt von 2,6 GHz und leistet im Turbo-Modus bis zu 4,50 GHz. Die als Standard verbauten 8 GByte DDR4-Hauptspeicher arbeiten mit 2,666 Mhz, das RAM lässt sich in mehreren Schritten bis auf 64 GByte aufrüsten. Der Einsatz von mindestens zwei Modulen erlaubt deren Verwendung im Dual-Channel-Modus.
Grafikpower satt
Neben der mit der CPU ausgelieferten Intel UHD-Graphics 630 bietet das XP1610 bereits in der Grundausstattung eine dedizierte Nvidia-Grafikkarte GeForce GTX 1660 TI mit 6 GByte Speicher, die auf der besonders auch für Gamer interessanten Turing-Architektur [2] basiert. Genügt die von dieser GPU gebotene Grafikleistung den Ansprüchen nicht, kann der Käufer auf eine GeForce RTX 2060, 2070 Max-Q oder 2080 Max-Q ausweichen.
Den GPUs steht ein mattes Full-HD-IPS-Panel mit 144 Hz zur Ausgabe der Bilder zur Verfügung. Das matte Display bietet mit 16,1 Zoll beziehungsweise 40,89 cm rund 1,8 cm mehr Bildschirmdiagonale als der übliche 15,4-Zoll-Formfaktor. Bei einer Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Bildpunkten zeigt es sich gefühlt sehr gleichmäßig ausgeleuchtet. Die Helligkeit beträgt nach Herstellerangaben mindestens 300 cd/m2 bei einem Kontrast von 1000:1 und einem Blickwinkel von 89 Grad. Der maximale Öffnungswinkel der stabil wirkenden Display-Scharniere liegt bei etwa 140 Grad.
Speicher nach Maß
Daten kann das XP1610 auf Kapazität und Geschwindigkeit unterschiedlichen Medien speichern, denen als Anschlusspunkte zwei M.2-Slots und ein 2,5-Zoll-Einschub zur Verfügung stehen. In der untersten Ausbaustufe kommt eine 250 GByte fassende, als M.2-Steckkarte ausgelegte Samsung 860 EVO zum Zug, die SATA III unterstützt.
Gegen Aufpreis stehen Modelle mit bis zu 2 TByte Kapazität zur Wahl. Etwas mehr Geschwindigkeit bieten Varianten mit NVMe-Schnittstelle über PCIe, die als Samsung 970 EVO Plus in denselben Kapazitäten zur Verfügung stehen. Am oberen Ende des Leistungsspektrums liegt beim XP1610 die Samsung 970 Pro NVMe mit 512 oder 1024 GByte Speicherplatz.
Nach draußen
Verbindung zur Außenwelt nimmt das XP1610 kabelgebunden über einen RTL8168-Chip von Realtek oder per WLAN mit dem Intel Dual AC 9260 auf, der die WLAN-Standards 802.11 ac/a/b/g/n im Dual Mode bietet und zudem Bluetooth 5 unterstützt. Für den Datentransfer per USB bietet das Notebook zwei USB-Ports 3.0 Typ-A, wobei der linke auch eine Power-Off-Ladefunktion bietet, sowie zwei USB-Anschlüsse 3.1 Typ-C Gen2 und einen DisplayPort 1.4 über USB-C (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auf der linken Seite bietet das XP1610 neben einem Auslass für die Abwärme der Grafikkarte und dem Netzstecker auch HDMI, USB-C- und USB-3.1-Ports.
Die Power-Off-Ladefunktion erlaubt das Laden von beispielsweise Smartphone-Akkus auch bei völlig ausgeschaltetem Notebook. Das Tuxedo Book XP1610 kann über seine Anschlüsse gleichzeitig vier Displays ansteuern, beim Einsatz von Daisy Chaining [3] lässt sich die Zahl der Monitore noch erhöhen. Daneben unterstützt es HDMI 2.0 inklusive Verschlüsselung via HDCP [4] und Mini-DisplayPort 1.4 über USB-C auch für G-Sync-fähige Monitore. Diese von NVidia entwickelte Technologie sorgt dafür, dass die GPU Spiele nahezu ruckel- und verzögerungsfrei auf den Monitor bringt. Außerdem sind 2-in-1-Audio, ein 9-in-1-Kartenleser, eine nicht näher bezeichnete Full-HD-Webcam sowie ein Kensington-Lock vorhanden.
Unter Strom
Der 4-Zellen Lithium-Ionen-Akku leistet 62 Wh und soll laut Hersteller rund sechs Stunden Energie liefern. Diese Angabe bezieht sich auf den Leerlauf des Geräts bei minimaler Display-Helligkeit, mit deaktivierter Tastaturbeleuchtung, deaktiviertem WLAN und Bluetooth sowie ohne jegliche angeschlossenen Geräte. Bei einer Mischnutzung mit Intel-Grafik und reduzierter Bildschirmhelligkeit hält der Akku in der Praxis knappe vier Stunden. Beim Spielen verringert sich die Laufzeit weiter, dann sollte am besten eine Steckdose in der Nähe sein.
Zur Lebensverlängerung des Akkus selbst bietet Tuxedo bei seinen Notebooks eine nützliche Zusatzfunktion. Häufig wird Anwendern dazu geraten, im dauerhaften Netzbetrieb den Akku zu entfernen, um diesen zu schonen. Das kann man sich bei Tuxedo-Notebooks schenken, da es im BIOS unter Advanced Options | Advanced Chipset Control den Punkt FlexiCharger gibt. Dort stellen Sie ein, ab und bis zu welchem Ladezustand das System den Akku laden soll. Auf diese Weise verhindern Sie das kontinuierliche Be- und Entladen des Akkus und schonen ihn damit.
Im Bedarfsfall gelingt ein Austausch des Akkus aber trotzdem problemlos: Statt ihn zu verkleben, hat der Hersteller ihn mit zwei Schrauben gesichert, sodass er nach dem Abnehmen der Bodenplatte (Abbildung 2) genauso zugänglich ist wie alle anderen Komponenten des XP1610 (Abbildung 3).

Abbildung 2: Die Bodenplatte sowie die Rückseite des XP1610 bieten der Abwärme der CPU und der Nvidia-Grafik genügend Austrittsmöglichkeiten.

Abbildung 3: Nach dem Lösen einiger Schrauben lässt sich die Bodenplatte komplett entfernen, um Komponenten auszutauschen oder das Gerät zu reinigen. Die Garantie bleibt dabei erhalten.
Das XP1610 erwärmt sich beim Betrieb mit Nvidia-Grafik auf der Unterseite relativ stark. Dank der vielen Öffnungen zur Wärmeabfuhr hat die Lüfterregelung aber relativ leichtes Spiel, und selbst unter Volllast lässt sich nur ein gleichmäßiges Rauschen vernehmen – das ist für ein Notebook dieses Kalibers gut gelöst. Wie das mit einer der optional angebotenen stärkeren Nvidia-Karten ausschaut, konnten wir nicht beurteilen.
Regenbogen
Die Tastatur bietet eine Hintergrundbeleuchtung in sieben wählbaren Farben und verfügt über eine Tux-Supertaste. Beim Hochfahren wechselt die Tastatur durch alle verfügbaren Farben. Der gewählte Schriftsatz für die Tastaturkappen gefällt in seiner Schlichtheit (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Tastatur eignet sich auch für Vielschreiber. Das Design der Kappen wirkt schlicht und sauber, auch Tux findet seinen Platz. Für die Hintergrundbeleuchtung stehen sieben Farben zur Wahl.
Die Qualität der Tastatur kann auch Vielschreiber zufriedenstellen, der Druckpunkt gefiel uns besser als auf einem zum Vergleich herangezogenen aktuellen Thinkpad E580. Das Touchpad mit seiner 10,5 mal 6 cm großen Bedienfläche aus Glas bietet Multi-Gesten- und Scroll-Funktion inklusive zweier Maustasten und erlaubt eine präzise Steuerung des Mauszeigers. Auch hier verfügen beide Tasten über einen angenehmen Druckpunkt.
Ubuntu Budgie
Beim Betriebssystem setzt Tuxedo wie gehabt auf Tuxedo Budgie als Standard. Dabei handelt es sich um ein angepasstes Ubuntu 18.04 mit dem auf GTK3 beruhenden Budgie-Desktop von Solus. Das aktuelle Hardware Enablement (HWE) von Ubuntu ist bereits eingespielt. Alternativ können Sie auch das jeweils aktuelle Ubuntu LTS oder OpenSuse Leap 15.1 mit KDE, Gnome oder XFCE ordern. Windows Home oder Pro gibt es gegen Aufpreis solo, als Dualboot oder in einer virtuellen Maschine.
Das auf Benutzerfreundlichkeit hin optimierte Tuxedo Budgie bietet von Haus aus Annehmlichkeiten wie Night Light und einige zusätzliche Applets (Abbildung 5). Nach dem Hochfahren belegt es rund 800 MByte Hauptspeicher. Neben den üblichen Verdächtigen Firefox, Thunderbird und LibreOffice umfasst die Software-Ausstattung auch MPV zum Anschauen von Videos, als Editoren sind Gedit und GVim an Bord.

Abbildung 5: Tuxedo Budgie bietet als Desktop-Umgebung eine Auswahl an Applets, die den Funktionsumfang bei Bedarf sinnvoll ergänzen sollen.
Tuxedo WebFAI
Möchten Sie auf eines der anderen von Tuxedo unterstützten Betriebssysteme wechseln, hilft dabei ein USB-Stick mit Tuxedo WebFAI [5], der zum Lieferumfang eines jeden Tuxedo-Notebooks gehört. Er basiert auf der Debian-Software Fully Automatic Installation (FAI) [6] und installiert das jeweils gewünschte Betriebssystem im Auslieferungszustand. Auf diese Weise gelingt ein problemloser Wechsel zwischen den von Tuxedo unterstützten Distributionen.
Den Wechsel zwischen der Intel- und der Nvidia-GPU nehmen Sie im Menü unter Systemverwaltung | Nvidia X Server Settings im Unterpunkt Prime Profiles vor (Abbildung 6). Im Terminal lautet der entsprechende Befehl sudo prime-select GPU. Der Aufruf sudo prime-select query zeigt, welche Karte gerade aktiv ist. In jedem Fall müssen Sie sich neu anmelden, um den Wechsel zu vollziehen. Betreiben Sie externe Monitore am XP1610, hängen diese direkt an der Nvidia-Grafikkarte.

Abbildung 6: In den Nvidia X Server Settings nehmen Sie Einstellungen zur Grafikkarte vor und schalten bei Bedarf von der stromsparenden Intel-GPU auf die leistungsfähigere Nvidia-Karte um.
Fazit
Das Tuxedo Book XP1610 zählt nicht gerade zu den günstigen Notebooks: Die Preise beginnen bei 1589 Euro für die Standardausführung und steigen schnell, wenn Sie eine der anderen Grafikkarten wählen. So liegen die Zusatzkosten für eine Nvidia GeForce RTX 2080 Max-Q etwa bei 790 Euro. Somit bietet sich das XP1610 einerseits für betuchte Gamer an, die eine mobile Plattform bevorzugen, und andererseit als Business-Notebook für aufwendige Bild- und Videobearbeitung, CAD, KI und Deep Learning. Wir konnten weder bei der Verarbeitung noch hinsichtlich der gebotenen Leistung den geringsten Makel entdecken; lediglich die doch sehr kurze Akku-Laufzeit stört etwas.
Infos
- XP1610: https://www.tuxedocomputers.com/de/Linux-Hardware/Linux-Notebooks/15-16-Zoll/TUXEDO-Book-XP1610.tuxedo
- Turing: https://www.nvidia.com/de-de/geforce/turing/
- Daisy Chaining: https://de.wikipedia.org/wiki/Daisy_Chain
- HDCP: https://de.wikipedia.org/wiki/High-bandwidth_Digital_Content_Protection
- WebFAI: https://www.tuxedocomputers.com/de/TUXEDO-WebFAI.tuxedo
- FAI: https://wiki.debian.org/FAI





