RAW-Konverter Darktable 2.6 mit vielen Neuerungen

Aus LinuxUser 04/2019

RAW-Konverter Darktable 2.6 mit vielen Neuerungen

© Stefano Garau, 123RF

Licht ins Dunkel

Sechs Monate und mehr als 1600 Commits nach Erscheinen von Darktable 2.4.4 später stellen die Entwickler das Major-Release 2.6 vor, das viele wichtige Neuerungen mitbringt.

Die Funktionen von Darktable [1] gehen über die Anforderungen eines einfachen RAW-Konverters hinaus. Zahlreiche seiner Werkzeuge, Tools oder Module genannt, erfüllen bereits seit Version 1 Aufgaben einer klassischen Bildbearbeitung. Zudem vermag Darktable bereits seit Längerem Bilder über Sidecar-Files mit Stichworten zu versehen und geografisch zu verorten.

Eine Besonderheit von Darktable stellt der feste Workflow dar, in dem Sie die Werkzeuge immer in derselben Reihenfolge anwenden, unabhängig davon, wann Sie sie aktivieren. Die Ergebnisse fallen daher immer identisch aus, sofern Sie die gleichen Werkzeuge mit denselben Optionen verwenden.

Dabei legen die Entwickler selbst bei grundlegenden Werkzeugen noch immer Hand an. So führt die neue Version 2.6 ein Modul namens Filmic ein (in der deutschen Lokalisierung heißt es filmisch), das die Basiskurve ersetzen kann (Abbildung 1). Sie finden es nach dem Laden eines Bilds in der Helligkeitsgruppe.

Abbildung 1: Der <span class="ui-element">logarithmische Former</span> steuert die grundlegende Belichtungskurve, die <span class="ui-element">filmische S-Kurve</span> definiert die an klassisches Filmmaterial angelehnten Eigenschaften. <span class="ui-element">Ziel</span>/<span class="ui-element">Anzeige</span> legt die Ausgabe fest und wendet ein Ausgabeprofil an. <span class="ui-element">Mischoptionen</span> stellt ein, wie Darktable die bearbeitete/erzeugte Ebene mit dem Originalbild verrechnet.

Abbildung 1: Der logarithmische Former steuert die grundlegende Belichtungskurve, die filmische S-Kurve definiert die an klassisches Filmmaterial angelehnten Eigenschaften. Ziel/Anzeige legt die Ausgabe fest und wendet ein Ausgabeprofil an. Mischoptionen stellt ein, wie Darktable die bearbeitete/erzeugte Ebene mit dem Originalbild verrechnet.

Die Basiskurve gehört mit zu den grundlegenden Modulen: Sie korrigiert die Helligkeitscharakteristika des Sensors und kommt so gut wie immer zum Einsatz. Für jeden Sensortyp gibt es spezielle Kurven, die etwa die Ausgabe ins JPEG-Format steuern.

Installation

Sie finden Darktable in den Paketquellen der meisten Distributionen. Für die neueste Version fügen Sie beispielsweise unter Ubuntu das PPA ppa:pmjdebruijn/darktable-release hinzu. Alternativ kompilieren Sie den Quelltext [7]. Es gibt auch Varianten für Windows und Mac OS X [8].

Filmisch

In der Regel gleichen Sie die Belichtung von Bildern vorab anhand der Basiskurve ab. Sie basiert auf vom Hersteller ermittelten oder den Darktable-Entwicklern gesammelten Erfahrungswerten, um eine möglichst gut auf den Sensor abgestimmte Belichtungskurve zu erzeugen.

Das neue Modul Filmic von Aurélien Pierre geht anders vor: Es wendet eine parametrisierte (logarithmische) Belichtungskurve auf die RGB-Werte an und stellt so die primäre Kurve ein, die etwa den Charakteristika der Sensoren entspricht. Anschließend bietet es die Möglichkeit, eine S-förmige Gradationskurve anzuwenden, die Sie bei Bedarf über die Parameter im Dialog einstellen. Auf diese Weise simuliert das Modul das Verhalten von klassischen Filmen. Dabei entsättigt es selektiv die Randwerte der Luminanz (Schatten und Glanzlichter), um Farbreste in diesen Bereichen zu restaurieren. Zu guter Letzt wendet es optional noch ein Ausgabeprofil und einen Überblendmodus auf die Bilder an.

Im Bereich logarithmischer Former finden Sie mehrere Regler. Über mittel graue Luminanz passen Sie die mittlere Helligkeit des Bilds an, ein typischer Wert wäre etwa 18 Prozent. Für LDR-Bilder (6 bis 9 Blendenstufen) empfiehlt es sich, Werte von 12 bis 18 Prozent zu wählen, für HDR-Bilder (9 bis 15 Blendenstufen) Werte von 2 bis 12 Prozent. Werte über 20 Prozent weisen auf deutlich überbelichtete Bilder hin.

Die weiß relative Belichtung gibt die Belichtungsstufen zwischen mittlerem Grau und reinem Weiß an. Typische Werte bewegen sich zwischen 2 bis 3 Blendenstufen bei einem mittleren Grau von 18 Prozent und bis zu 7 Blendenstufen bei dunkleren Grauwerten. Die schwarz relative Belichtung entspricht den Stufen zwischen mittlerem Grau und völligem Schwarz. Bei einem mittleren Grau von 18 Prozent sind -6 bis -12 Blendenstufen typisch, ein dunklerer Grauwert erfordert bis zu -4 Stufen.

Die beiden Werte entsprechen dem, was ein Belichtungsmesser anzeigt. Wie Sie die Parameter am einfachsten kontrollieren, erläutert der Kasten “Schieberegler in Darktable”.

Schieberegler in Darktable

Im Filmic-Modul gibt es mehrere Möglichkeiten, die Schieberegler einzustellen. Entweder verwenden Sie das kleine Dreieck am Regler selbst oder wählen über das Pipetten-Werkzeug einen Bereich, den die Software analysiert und als Eingabe verwendet.

Alternativ klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Schieberegler, woraufhin ein neues Diagramm erscheint (in Abbildung 2: rechts). Dort bewegen Sie die Maus ganz an den unteren Rand und stellen dann die Werte fein abgestuft ein.

Abbildung 2: Viele Einstellungen in den Bereichen <span class="ui-element">logarithmischer Former</span> und <span class="ui-element">filmische S-Kurve</span> steuern das grundlegende Verhalten des Filmic-Moduls. Die Werte lassen sich &uuml;ber logarithmische Kurven, die Sie &uuml;ber die rechte Maustaste erreichen, besonders genau einstellen.

Abbildung 2: Viele Einstellungen in den Bereichen logarithmischer Former und filmische S-Kurve steuern das grundlegende Verhalten des Filmic-Moduls. Die Werte lassen sich über logarithmische Kurven, die Sie über die rechte Maustaste erreichen, besonders genau einstellen.

Der Sicherheitsfaktor kommt im Zusammenhang mit Auto-Tune Level für automatische Einstellungen zum Einsatz. Letztere Funktion erlaubt es Darktable, die Werte für die ersten drei Parameter indirekt aus dem Bild zu bestimmen. Aktivieren Sie diese Schaltfläche, blendet die Software einen Rahmen im Bild ein, dessen Inhalt sie analysiert. Sie dürfen diesen Rahmen verschieben und die Größe anpassen. Das macht es leicht, durch die Auswahl unterschiedlicher Bildbereiche verschiedene Aspekte der Beleuchtung intuitiv anzupassen.

Dabei sollten Sie Bildbereiche auswählen, die sowohl Schatten als auch Glanzlichter enthalten. Im Diagramm über den Schiebereglern sehen Sie die ermittelte Kurve. Zusätzlich beeinflussen Sie durch Sicherheitsfaktor den Verlauf der Kurve beziehungsweise die Lage der Kontrollpunkte auf ihr. Das ändert unter Umständen die Stimmung, also den Gamma-Wert. Abbildung 3 zeigt die Wirkung, wenn Sie die Messbereiche unterschiedlich wählen.

Abbildung 3: Mit <span class="ui-element">Auto-Tune</span> d&uuml;rfen Sie die Messbereiche manuell ausw&auml;hlen, was gro&szlig;en Einfluss auf das Ergebnis hat.

Abbildung 3: Mit Auto-Tune dürfen Sie die Messbereiche manuell auswählen, was großen Einfluss auf das Ergebnis hat.

Der Schalter Chrominanz erhalten kommt unauffällig daher, hat aber weitreichende Auswirkungen: Er stellt sicher, dass Farben erhalten bleiben. Das führt in den Glanzlichtern allerdings manchmal zu übersättigten Farben. Testen Sie also, ob sich diese Einstellung wirklich für das aktuelle Bild eignet. Manchmal erhalten Sie bessere Ergebnisse, wenn Sie diese Option deaktivieren und mit den anderen Einstellungen die Sättigung im Bild manuell steuern.

Konstruktionsbedingt komprimiert Filmic sowohl den Dynamik-Bereich als auch den Gamut (durch das Entsättigen der Lichter und Schatten). Dabei bleiben die mittleren Tonwerte (“Mitten”) weitgehend erhalten, während in den Lichtern und Schatten eine stärkere Kompression erfolgt. Für viele Bilder, insbesondere Portraits, ist dieses Verhalten erwünscht; bei anderen, etwa Fotos von Landschaften und Sonnenuntergängen, muss man das explizit berücksichtigen.

Insgesamt erzeugt Filmic eine Belichtung, wie sie bei klassischen Filmen erfolgte und wie sie noch heute bei den eingebauten Belichtungskurven in den Kameras für JPEGs zum Einsatz kommt. Unter filmische S-Kurve beeinflussen Sie die Nachbelichtung bei diesem Modul durch zusätzliche Einstellungen.

Über Kontrast steuern Sie die Steilheit im linearen Teil der Belichtungskurve. Mit Breite legen Sie fest, wie weit sich dieser Teil erstreckt. Schatten und Spitzlichter abgleichen definiert die Breite der Randbereiche. Größere Werte erlauben mehr Details in den Lichtern und das Erhalten der Schatten, reduzieren aber die Mitten.

Sättigung wirkt zusammen mit Kontrast. Ohne die Option Chrominanz erhalten empfiehlt sich ein Wert von 100 Prozent, ansonsten laut Entwickler Werte zwischen 11 und 55 . Wichtig ist für die Belichtung die unter Vorsatz getroffene Auswahl. Hier passen Sie die Belichtungskurve an, um etwa kontrastreichere oder feiner getonte beziehungsweise optimiert belichtete Bilder zu erhalten.

Im dritten Bereich Ziel/Anzeige stellen Sie ein, wie die Ausgabe der Bilddaten erfolgt. Dabei lässt Filmic Sie nochmals viele Parameter anpassen: schwarz Luminanz stellt den Schwarzpunkt ein, mittelgraues Ziel steuert den mittleren Grauwert ein. Mit weiß Luminanz definieren Sie den Weißpunkt und Ziel-Power-Faktor modifiziert den Gamma-Wert. Normalerweise sind die Parameter unter Ziel/Anzeige vorab richtig eingestellt; Sie sollten sie nur verändern, wenn Sie besondere Effekte wünschen und genau wissen, was Sie tun.

Dasselbe gilt für die Mischoptionen. Hier stehen die üblichen, für viele Module gleichartigen Optionen zum Verrechnen der über das Modul erzeugten Ebene mit dem Originalbild bereit. Sie definieren Masken – gezeichnet oder durch Parameter – und einen Überblendmodus, der den Ebenenmodi von Gimp entspricht. Manchmal wirken diese Einstellungen Wunder, oft verschlechtern sie das Ergebnis eher.

Filmic arbeitet mit allen anderen bei Darktable aktivierten Modulen zusammen. In schwierigen Belichtungssituationen, etwa bei mehreren verschiedenfarbigen Lichtquellen, erweist sich das Entsättigen über Sättigung und das nachträgliche Sättigen mit Color Balance (Modul Farbkurven) als probate Methode, dennoch gute Ergebnisse zu erzielen. Mithilfe von Masken lassen sich sogar unterschiedliche Bildbereiche getrennt voneinander mit verschiedenen Modulen bearbeiten.

Filmic wurde nach dem Vorbild des gleichnamigen Blender-Moduls entwickelt, verfügt aber über zusätzliche Features. Erfreulicherweise hat der Entwickler dieses Moduls die Ideen und weiterführende Informationen in einem Blog dokumentiert [2].

Insgesamt erweist sich das neue Filmic-Modul als ausgesprochen leistungsfähig, insbesondere für schwierige Bilder mit hohen Kontrastumfängen. Es benötigt aber eine gewisse Einarbeitung, um gute Ergebnisse zu erzielen. Dann geht die Arbeit mit diesem Modul aber viel einfacher und intuitiver von der Hand als mit den Standard-Modulen. In der Praxis erweist es sich als wichtig, vor dem Einsatz von Filmic die Basiskurve zu deaktivieren.

Retuschen

Mit Retouch oder Retusche präsentieren die Entwickler in Darktable 2.6 ein zweites wichtiges Modul. Es erweitert das Werkzeug zum Fleckenentfernen (Klonwerkzeug) und nutzt Wavelets beziehungsweise Wavelet-Ebenen für die Korrekturen, analog zu jenen, die GIMP durch Wavelet zerlegen erzeugt.

Bei Wavelets handelt es sich um Funktionen, die Bilddetails in jeweils einer Größe entsprechen und sich auf separate Ebenen auslagern und bearbeiten lassen. Das erlaubt, Korrekturen nur auf den tatsächlich betroffenen Ebenen vorzunehmen, und lässt alle anderen unversehrt. Als Ergebnis erhalten Sie mit etwas Übung quasi unsichtbare Korrekturen.

Der Funktionsdialog (Abbildung 4) gliedert sich in vier Abschnitte: Wavelets zerlegen steuert das Erzeugen der Wavelet-Ebenen, Retusche-Werkzeuge legt die anstehenden Aktionen fest. Formen definiert die Stellen, an denen die Aktionen ausgeführt werden, und Mischoptionen entspricht den Überblendoptionen der anderen Module. Damit Sie alle Einstellungen im Dialog sehen, sollten Sie die Breite der Panels in den Einstellungen unter Breite der Seitenleisten in Pixeln mit etwa 400 Pixeln vorgeben.

Abbildung 4: Das neue Modul <span class="ui-element">Retusche</span> verwendet einen besonders breiten, komplexen Dialog. Links sehen Sie die Darstellung als Wavelet-Ebene, rechts die Gesamtbild-Ansicht.

Abbildung 4: Das neue Modul Retusche verwendet einen besonders breiten, komplexen Dialog. Links sehen Sie die Darstellung als Wavelet-Ebene, rechts die Gesamtbild-Ansicht.

An oberster Stelle im Dialog stellen Sie unter Wavelets zerlegen die Anzahl der zu verwendenden Wavelet-Ebenen ein. Links in dem Diagramm erscheinen die Ebenen mit den feinen Details, rechts die mit den groben Strukturen. Zwei kleine Markierungen steuern das Anlegen der Wavelet-Ebenen: Mit dem oberen kleinen Dreieck legen Sie fest, bei welcher Detailgröße die Wavelet-Ebenen beginnen; mit dem unteren Dreieck, definieren Sie, wie viele Wavelet-Ebenen Darktable insgesamt erzeugt.

Die kleinen Kästchen repräsentieren die Wavelet-Ebenen. Weiß kennzeichnet die Residual-Ebene, die quasi nur Farben und fast keine Strukturen enthält. Ein kleines rotes Kästchen in einem der Felder der Wavelet-Ebenen zeigt die gerade aktive Ebene an. Ein schmaler grüner Farbbalken am oberen Rand eines Kästchens zeigt eine bearbeitete Wavelet-Ebene an. Das erste, leere Kästchen am linken Rand zeigt die Kombination der Wavelet-Ebenen, also das Gesamtbild; auch dieses Feld können Sie zum Bearbeiten verwenden.

Was sich auf den Wavelet-Ebenen (im Darktable-Jargon “Skalen”) wo befindet, zeigt Darktable an, sobald Sie den ersten Button (Wavelet Skala anzeigen) unter den Skalen betätigen. Dort erscheinen auch alle auf der aktuellen Wavelet-Ebene vorhandenen “Formen” (zum Bearbeiten markierte Bereiche).

Sobald Sie den Schalter Wavelet Skala anzeigen aktivieren, ändert sich die Anzeige fundamental (Abbildung 5). Unter Vorschau einer einzelnen Skala erscheint ein weiterer Schieberegler mit drei Buttons. Dabei handelt es sich um ein einfaches Level-Werkzeug. Am rechten Rand des Schiebereglers können Sie mit dem Knopf automatisches Level Darktable die richtigen Einstellungen selbsttätig ermitteln lassen. Falls Ihnen Darktable dann nur eine einheitlich graue Fläche zeigt, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder enthält die Wavelet-Ebene keine Details – zoomen Sie mit dem Mausrad, um das festzustellen –, oder die Belichtung in der Wavelet-Ebene ist so ungünstig, dass sich nichts erkennen lässt. Dann helfen der Button automatisches Level oder die drei Regler, um das zu ändern.

Abbildung 5: Abh&auml;ngig von der gew&auml;hlten Wavelet-Ebene zeigt Darktable graue oder leicht farbige Bilder, die jeweils eine Detailgr&ouml;&szlig;e im Originalbild repr&auml;sentiert. Die drei Schieber steuern die Belichtung dieser Ebene.

Abbildung 5: Abhängig von der gewählten Wavelet-Ebene zeigt Darktable graue oder leicht farbige Bilder, die jeweils eine Detailgröße im Originalbild repräsentiert. Die drei Schieber steuern die Belichtung dieser Ebene.

Die weiteren Schalter unterhalb der Wavelet-Skalen dienen dazu, die Formen der aktuellen Skala zusammenzuführen, zu kopieren und auszuschneiden, die kopierten Formen in die aktuelle Skala einzufügen, die Formen (und deren Wirkungen) temporär zu deaktivieren sowie Masken, Werkzeuge oder Wirkungen anzuzeigen oder zu verstecken. Mit den ersten beiden Buttons lassen sich also Formen zwischen mehreren Wavelet-Ebenen austauschen.

Was Sie auf diesen Wavelet-Ebenen machen, legen die Einstellungen unter Retusche-Werkzeuge fest. Vier Möglichkeiten gibt es bisher: Heilen entfernt Bildteile und passt gleichzeitig die Helligkeit des eingefügten Materials an. Klonen dient zum Entfernen von Bildteilen ohne Anpassen der Helligkeit (siehe Kasten “Heilen oder Klonen?”). Weichzeichnen verwenden Sie zur Rauschentfernung, der Radius lässt sich einstellen. Über Füllen können Sie Transparenz (löschen) oder Farbe einfüllen. Das verwendete Retusche-Werkzeug lässt sich noch ändern, beispielsweise Klonen gegen Heilen austauschen, solange Sie das Modul nicht verlassen.

Heilen oder Klonen?

Das Werkzeug Heilen funktioniert ebenso wie die Klonwerkzeuge analog zu den Pendants in Gimp. In vielen Situationen erspart das Anwenden des richtigen Werkzeugs zusätzliche Arbeit. Beide Tools nehmen Bildmaterial von einer durch den Bearbeiter definierten Quelle und fügen es im Zielgebiet ein. Dabei verwendet Darktable weiche Übergänge zu den umgebenden Bildteilen.

Beim Heilen analysiert Darktable zunächst das Zielgebiet in Bezug auf die dort vorhandenen Helligkeiten und passt das Quellmaterial entsprechend an. Denken Sie dabei etwa an Farbverläufe, wie sie der Himmel zeigt. Wollen Sie dort Spots entfernen, also etwa durch Schmutz auf dem Objektiv verursachte Flecken, ist es oft ausgesprochen mühselig, ein geeignetes Quellgebiet für eine wirklich unsichtbare Retusche zu finden. Das gilt insbesondere, wenn Ihnen nur ein Klonwerkzeug zur Verfügung steht, wie etwa Fleckenentfernung. Mit Heilen gelingt die Operation dagegen schnell und vor allem unauffällig.

Klonen empfiehlt sich immer dann, wenn es darum geht, eine Stelle im Bild weg- oder überzustempeln. In diesem Fall wollen Sie oft gar nicht, dass das Werkzeug die Umgebung berücksichtigt, weil diese mit angepasst werden muss. Bei texturierten Hintergründen – etwa Wald, Stein- oder Grasflächen – produziert das Klonen oft bessere Ergebnisse. Als Bearbeiter passen Sie sowohl das Quell- wie auch das Zielgebiet noch während der Arbeit an. Fassen Sie dazu die Linien mit der Maus und ändern Sie gegebenenfalls durch Drehen des Mausrads die Größe.

Wo Sie die aktive Wavelet-Ebene bearbeiten, definieren Sie durch sogenannte Formen im gleichnamigen Bereich. Dabei gibt es verschiedenste Möglichkeiten. So lassen sich Formen zum Beispiel mit einem weichen Pinsel erzeugen: Die Größe ändern Sie direkt mit dem Mausrad, zusammen mit der Umschalttaste steuern Sie die Härte und zusammen mit [Strg] die Deckkraft.

Kreise erzeugt der zweite Button. Das Mausrad ändert dabei die Größe; zusammen mit [Umschalt]+ beziehungsweise [Strg] stellen Sie Randbreite und Deckkraft ein. Analog erzeugt der nächste Button Ellipsen, deren genaue Form sich über Kontrollpunkte einstellen lässt.

Der folgende Button erzeugt freie Formen mit der Gummiband-Methode, die rechte Maustaste beendet das Setzen von Kontrollpunkten. Der letzte Button erlaubt, bereits vorhandene Formen erneut zu bearbeiten und zu verändern. Eine nicht mehr benötigte Form entfernen Sie wieder, indem Sie sie mit der rechten Maustaste anklicken.

Der Einsatz von Wavelet-Ebenen ermöglicht Ihnen ein sehr fein abgestuftes Bearbeiten. Aber auch das Gesamtbild lässt sich durch Aktivieren des ersten Kästchens in der Wavelet-Ebenen-Auswahl direkt bearbeiten. Die vier zur Verfügung stehenden Werkzeuge eröffnen also einen weiten Raum für Manipulationen.

Pinsel versus Form

Viele Anwender verwenden in Darktable am liebsten den Pinsel. Er arbeitet schnell, weich und mit etwas reduzierter Deckkraft. Diese Stärken stellen gleichzeitig auch seine Schwächen dar. Sie passen hervorragend zum Heilen-Werkzeug, wo es oft darum geht, kleine Manipulationen vorzunehmen. Beim Stempeln erweist sich die reduzierte Deckkraft hingegen oft als Problem. Hier eignen sich eher Kreise, Ellipsen und freie Formen als Klonwerkzeug.

Normalerweise gehen Sie beim Entfernen kleiner Bildbereiche folgendermaßen vor: Sie entscheiden, wie viele Wavelet-Ebenen Sie verwenden wollen, und beginnen damit, die feinste betroffene Ebene zu ermitteln und zu bearbeiten. Der Button Wavelet-Skala anzeigen macht das möglich; automatisches Level hilft dabei, die richtige Darstellung zu erhalten. Dann bearbeiten Sie die aktuelle und die folgenden Ebenen der Reihe nach (hin zu gröberen Details) oder wechseln auf das Gesamtbild.

Idealerweise nutzen Sie dabei die Möglichkeit, auf unterschiedlichen Wavelet-Ebenen verschiedene Quellgebiete zu verwenden: Das ermöglicht deutlich bessere Ergebnisse als das Verwenden identischer Bereiche auf allen Ebenen. Lassen Sie Ebenen unverändert, die keine Strukturen enthalten. Abbildung 6 zeigt ein Anwendungsbeispiel für das Modul. Achten Sie dabei besonders auf das unsichtbare Entfernen der Lampe am rechten Rand.

Abbildung 6: Das Originalbild (oben) enth&auml;lt drei deutlich st&ouml;rende Bereiche. Mit dem Retuschewerkzeug markiert (Mitte), verschwinden die nicht gew&uuml;nschten Details im Ergebnis vollst&auml;ndig (unten).

Abbildung 6: Das Originalbild (oben) enthält drei deutlich störende Bereiche. Mit dem Retuschewerkzeug markiert (Mitte), verschwinden die nicht gewünschten Details im Ergebnis vollständig (unten).

Sie müssen nicht alle Veränderungen in allen gewünschten Wavelet-Ebenen manuell vornehmen: Darktable bietet eine Möglichkeit, die Bearbeitung für mehrere Ebenen identisch zu übernehmen. Dazu fassen Sie mit dem oberen und unteren Schieberegler im Bereich Wavelets zerlegen die gleichermaßen zu bearbeitenden Ebenen zusammen. Die Wavelet-Skala zeigt das an, indem sie die entsprechenden Ebenen farbig unterlegt (Abbildung 7). Alle Formen wirken nun gleichermaßen in den zusammengefassten Ebenen.

Abbildung 7: <span class="ui-element">Zusammenfassen</span> erlaubt das gleichzeitige Bearbeiten mehrerer Wavelet-Ebenen. Trotz der Verkn&uuml;pfung lassen sich aber auf den unterschiedlichen Wavelet-Ebenen weiter individuelle Korrekturen anbringen, was die kleinen gr&uuml;nen Striche anzeigen.

Abbildung 7: Zusammenfassen erlaubt das gleichzeitige Bearbeiten mehrerer Wavelet-Ebenen. Trotz der Verknüpfung lassen sich aber auf den unterschiedlichen Wavelet-Ebenen weiter individuelle Korrekturen anbringen, was die kleinen grünen Striche anzeigen.

Einen Vorteil verlieren Sie jedoch beim Zusammenfassen: Das Kopieren von Material vom gleichen Quellgebiet ins gleiche Zielgebiet auf allen Skalen fällt mehr auf als der Einsatz unterschiedlicher Quellgebiete auf verschiedenen Skalen.

Insgesamt ersetzt Retusche das Modul Fleckenentfernung vollständig. Die Entwickler haben die Fleckenentfernung dennoch nicht aus Darktable verbannt, weil dadurch ältere Rezepte zum Entwickeln von Bildern nicht mehr funktionieren würden. Für neue Fotos sollten Sie aber auf dieses Modul verzichten.

Auf Youtube finden Sie sowohl eine kurze Einführung in die Darktable-Retusche [3] als auch ein ausführliches Video zur Verwendung des Moduls [4].

Neue Verwaltungsmodule

Auf der Verwaltungsebene führt Darktable 2.6 einen neuen Duplicate Manager ein (Abbildung 8). Er unterstützt bisher nur wenige Aktionen und lässt sich entsprechend einfach verwenden: Mit den Schaltern am oberen Rand legen Sie schnell ein Duplikat des aktuellen Bilds an. Dabei erzeugt der linke Button Kopien mit allen Modifikationen des aktuellen Bilds, der rechte Duplikate des ursprünglichen, unbearbeiteten Bilds.

Abbildung 8: Der neue Duplikatmanager von Darktable&nbsp;2.6 erzeugt und entfernt Duplikate.

Abbildung 8: Der neue Duplikatmanager von Darktable 2.6 erzeugt und entfernt Duplikate.

Klicken Sie auf das kleine “x” neben der Duplikatnummer, bietet Darktable an, das entsprechende Duplikat zu entfernen. Im Bereich zwischen Vorschaubild und Duplikatnummer vergeben Sie einen Namen für das Duplikat. Die Duplikate sollten Sie als Varianten eines Bilds auffassen: Mit einem Doppelklick auf eine Vorschau schalten Sie so schnell zwischen zwei Versionen um beziehungsweise wechseln zur Kopie und entwickeln diese unterschiedlich weiter.

Kleine Neuerungen

Neben den drei großen, oben beschriebenen Änderungen gibt es eine Vielzahl kleiner Neuerungen, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Das Tonwerte-Werkzeug (Farbkurve) ergänzten die Entwickler um eine neue, logarithmische Einstellung.

Das erweiterte Modul Raw-Entrauschen unterstützt nun frequenzbasierte Einstellungen, wie sie auch der Equalizer verwendet (Abbildung 9). An den im Diagramm eingeblendeten Stützpunkten lässt sich das Entrauschen direkt steuern. Mit dem Mausrad legen Sie dabei die Größe der Frequenzbereiche fest, die Sie beeinflussen wollen. Sie entfernen das Rauschen, indem Sie die hohen Frequenzen (fein im Diagramm) in Richtung gleichmäßig verschieben.

Abbildung 9: Beim <span class="ui-element">Raw-Entrauschen</span> sowie dem <span class="ui-element">Entrauschen (Profil)</span> lassen sich Einstellungen nun frequenzbasiert vornehmen.

Abbildung 9: Beim Raw-Entrauschen sowie dem Entrauschen (Profil) lassen sich Einstellungen nun frequenzbasiert vornehmen.

Die Besonderheit bei den frequenzbasierten Werkzeugen liegt in der Möglichkeit, streng zwischen Rauschen und feinen Details zu unterscheiden. Mit entsprechend gut gewählten Einstellungen lassen sich auf diesem Weg feine Details erhalten, das Rauschen aber weitgehend entfernen. Gleiches gilt für das (schon früher sehr effektive) Modul Entrauschen (Profil), das nun auch frequenzbasiert arbeitet.

Das immer aktive Modul Eingabeprofil korrigieren haben die Entwickler um lineare Modi erweitert. Masken erhielten eine Vorschau, um Größe und Weichheit justieren zu können. Das Modul Farbbalance erhielt zwei neue Modi, die auf ProPhotoRGB und HSL basieren. Im Leuchttischmodus lassen sich nun einige Informationen direkt am Bild anzeigen, was sich als große Hilfe beim Auffinden von Bildern erweist. Sie aktivieren diese Darstellung mit der Option erweiterte Vorschaubild in den Einstellungen.

Ebenfalls im Leuchttischmodus gibt es neue Möglichkeiten, um Bilder zu sortieren. Die neue Version von Darktable erlaubt, das Seitenverhältnis, die Belichtungszeit, eine Gruppenzugehörigkeit und eine benutzerdefinierte Reihenfolge als Kriterium zu verwenden. Diese Reihenfolge lässt sich durch Drag & Drop im Leuchttischmodus erzeugen, indem Sie unter sortiert nach die Option benutzerdefinierte Sortierung auswählen.

Neue Skripte

Darktable lässt sich seit einiger Zeit weitgehend über Lua-Skripte steuern; eine Sammlung solcher Skripte finden Sie auf Github [5]. Das Repository gliedert sich in mehrere Teile.

Die Official Scripts stammen größtenteils direkt von den Darktable-Entwicklern selbst. Hier finden Sie etwa enfuse (Belichtungsreihen zu HDR-Bildern verschmelzen) oder selection_to_pdf (PDF aus mehreren Bildern erzeugen).

Unter Contributed Scripts listet das Repository Skripte einzelner (externer) Autoren, die ihre Skripte separat pflegen. Die wichtigsten und nützlichsten Mini-Programme fasst die Tabelle “Contributed Scripts” zusammen.

Beim Start wertet Darktable dazu die Datei luarc unter ~/.config/darktable aus. Dort aktivieren Einträge in der Form require "contrib/hugin" die gewünschten Funktionen. Mehr zu Lua-Skripten für Darktable finden Sie bei Interesse in der Online-Dokumentation der Anwendung [6].

enfuseAdvanced

Belichtungsreihen zu DRI oder DFF (Focus Stacking) verbinden

geoToolbox

Funktionen zu Geopositionen

gpx_export

GPX-Track aus Bildern mit Geotags erzeugen

hugin

Panoramen erstellen

image_stack

Belichtungsreihen zum Entfernen von Rauschen und flüchtigen Objekten

pdf_slideshow

Diashow erzeugen

video_mencoder

Video-Diashow erzeugen

Tools

Hilfsfunktionen

Example Scripts

Beispiele für eigene Entwicklungen

Fazit

Mit Darktable 2.6 ist den Entwicklern zweifellos ein großer Schritt nach vorn gelungen. Allein die beiden neuen Module Filmic und Retouch rechtfertigen schon den Umstieg. Hinzu kommen zahllose kleine Korrekturen und Erweiterungen, die Darktables Stellung als besten RAW-Konverter weiter ausbauen. 

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