Beim Aufsetzen komplexer webbasierter Dienste wie etwa Drupal oder Plone gilt es, viele Hürden zu nehmen. Bitnami erleichtert Ihnen diese Arbeit.
Eigentlich gilt Linux wegen seiner Stabilität und Leistungsfähigkeit als ideale Grundlage für den Server-Betrieb. Allerdings erfordern die Installation und das Einrichten der meist zahlreichen Komponenten eines Servers häufig viel Arbeit auf der Kommandozeile, was gerade Einsteiger eher abschreckt. Das Bitnami-Projekt [1] springt hier in die Bresche, indem es Komplettpakete mitsamt der benötigten Infrastruktur in sogenannten Stacks bereitstellt. Das macht selbst bei komplexen Serveranwendungen Installation und Konfiguration zu einem Kinderspiel.
Das Konzept
Das von den Unternehmen Bitrock [2] und Bitnami aus San Francisco gemeinsam entwickelte und gepflegte Projekt steht als freie Software unter der Apache-Lizenz. Die einzelnen Komponenten der Stacks setzen sich jeweils aus dem von Bitrock stammenden, grafischen Installationsprogramm und den einzelnen Server-Anwendungen zusammen. Dabei integriert Bitnami die häufig für den Einsatz von Webapplikationen benötigte LAMP-Umgebung (Linux-Apache-MySQL-PHP) bereits in die jeweiligen Stacks. Da das Projekt diese Komponenten bereits vorkonfiguriert mitliefert, entfallen aufwendige und zeitraubende Einstellungsarbeiten.
Bitnami liefert je nach Applikation nicht nur Stacks, sondern teils auch komplett vorkonfigurierte virtuelle Maschinen, die Sie als Appliance in einer Virtualisierungsumgebung starten. Bestimmte Anwendungen stellt Bitnami für größere Umgebungen auch in unterschiedlichen Cloud-Instanzen sowie als Docker-Container bereit. Zahlreiche weitere Apps bietet das Projekt kostenfrei zum Herunterladen an, etwa WordPress, Joomla, Mediawiki oder Ruby.
Welche Apps bereitstehen, entnehmen Sie einem Katalog auf der Webseite von Bitnami. Allerdings bietet Bitnami keine Desktop-Applikationen wie beispielsweise Flatpak oder Snap an, sondern ausschließlich komplexe Server- und Infrastruktur-Stacks [3]. Diese fasst der Katalog in unterschiedlichen Kategorien zusammen, sodass sich für viele Aufgaben mehrere Stacks finden. Da die Stacks ebenso wie die VM-Appliances autonom laufen, finden keine umständlichen und fehlerträchtigen Modifikationen an Ihrem Linux-System statt. Bitnami-Apps liegen meist in einem eigenen Verzeichnis unterhalb von /opt/.
Einrichten
Um einen Linux-Stack zu installieren, suchen Sie in Bitnamis App-Katalog die gewünschte Applikation aus und laden sie herunter. Das Paket versehen Sie anschließend mit Ausführungsrechten und rufen es per Mausklick auf. Der nun startende Installer fragt zunächst die Spracheinstellung ab, wobei sich die Routine per Auswahlfeld auf Deutsch umstellen lässt. Anschließend erscheint der eigentliche Installationsdialog für den Stack.
Im zweiten Schritt listet der Installer die Komponenten auf, die er in den Stack integriert. Hier empfiehlt es sich, alle Komponenten anzuwählen, da sich andernfalls die gewünschte Software unter Umständen nicht ordnungsgemäß nutzen lässt.
Nach einem Klick auf Weiter gelangen Sie in den Dialog zur Angabe des Zielpfads, in dem Sie den Stack installieren möchten. Voreingestellt legt Bitnami in /opt/ einen Unterordner mit dem Namen des angemeldeten Benutzers an. Dort erstellt es ein Unterverzeichnis mit dem Namen der Applikation. Sie können diesen Pfad nach Belieben verändern.
Danach fragt der Dialog den Benutzernamen und das Passwort für das Administrator-Konto des Stacks ab. Je nach Stack bietet Bitnami noch weitere wahlfreie Eingaben zur enthaltenen Software an: So geben Sie etwa beim WordPress-Stack oder einiger Foren-Software gleich den Namen ein. Im nächsten Schritt legen Sie fest, ob Sie das Benachrichtigungssystem per E-Mail aktivieren möchten – falls ja, müssen Sie danach noch die SMTP-Konfiguration für den Mail-Versand eingeben. Danach installiert Bitnami den Stack inklusive aller Komponenten auf Ihre Festplatte (Abbildung 1).
Nun erscheint ein kleines Willkommensfenster mit drei Reitern am oberen linken Rand. Im aktiven davon, Welcome, finden Sie unten rechts fünf untereinander angeordnete Schalter. Falls Bitnami die installierte Server-Applikation nicht selbsttätig startet, klicken Sie hier auf den Button Go to Application, um das jeweilige Programm mit den benötigten Basisanwendungen zu laden.
Gelingt das nicht, so läuft meist eine der Server-Applikationen noch nicht, die als Zusatzkomponente bei der Installation des Stacks mit konfiguriert wurde. Darüber gibt dann der Inhalt des Reiters Manage Servers Aufschluss. Meist handelt es sich dabei um das LAMP-System, wobei hier viele Server-Apps einen Apache-Webserver und eine MySQL-Datenbank voraussetzen (Abbildung 2).
Über die rechts neben der Server-Liste befindlichen Schalter starten, stoppen oder restarten Sie einzelne Dienste. Möchten Sie alle Dienste erneut starten, beenden oder erstmalig aktivieren, so nutzen Sie dazu die unten im Fenster nebeneinander angeordneten Schaltflächen. Zusätzlich nehmen Sie hier bei Bedarf durch einen Klick auf Configure grundlegende Änderungen an der Konfiguration des jeweiligen Servers vor. Dazu gehört etwa das Ändern der Port-Nummern, aber auch das Aufrufen der Fehler- und Zugriffsprotokolle. Über Open Conf File lässt sich darüber hinaus die Konfigurationsdatei des jeweiligen Diensts für Änderungen öffnen.
Verwaltung
Das manuelle Verwalten der Datenbank aus dem LAMP-Basissystem geschieht üblicherweise im Terminal. Bitnami integriert jedoch in seine Stacks das grafische Webfrontend PhpMyAdmin [4] zum bequemen Verwalten von MySQL-Datenbanken. Wünschen Sie es nicht, lässt es sich im Installationsdialog abwählen.
Um die Oberfläche zu starten, klicken Sie im Bitnami-Fenster auf den Schalter Open phpMyAdmin. Anschließend authentifizieren Sie sich und stellen beim Erstaufruf auch die deutsche Sprache für die Oberfläche ein. Danach öffnet sich im Webbrowser die Konfigurationsoberfläche (Abbildung 3). Darin lassen sich Tabellen anlegen, bearbeiten oder löschen, Datenbanken anlegen, verwalten oder löschen oder auch Datensätze anzeigen. Eine Benutzerverwaltung bringt PhpMyAdmin ebenfalls mit.
Eine umfangreiche Dokumentation in deutscher Sprache finden Sie auf den Webseiten des PhpMyAdmin-Projekts [5]. Daneben findet sich im Netz eine englischsprachige Anleitung im PDF-Format [6], die den aktuellen Entwicklungsstand der Software widerspiegelt.
Manuell
Da die einzelnen Bitnami-Stacks keine Starteinträge in den Menüs der gängigen Arbeitsoberflächen anlegen, ist es sinnvoll, manuell einen entsprechenden Starter anzulegen, mit dessen Hilfe Sie den jeweiligen Dienst bequem per Mausklick ein- und ausschalten.
Sie starten die Software manuell im Verzeichnis des jeweiligen Stacks mit einem Klick auf manager-linux-x64.run, worauf sich das Bitnami-Fenster öffnet. Mit einem passenden Menüeintrag machen Sie diese Applikation permanent verfügbar.
Möchten Sie den Stack ohne Zuhilfenahme des grafischen Frontends bedienen, geben Sie im jeweiligen Stack-Verzeichnis am Prompt den Befehl ./ctlscript.sh Parameter ein. Dabei übergeben Sie als Parameter entweder start, stop oder restart. Auf diese Weise aktivieren, deaktivieren oder restarten Sie jeweils alle Dienste. Der Parameter status gibt den jeweils aktuellen Status der einzelnen Komponenten aus.
Deinstallation
Um einen Stack zu deinstallieren, steht Ihnen im jeweiligen Verzeichnis die Routine uninstall zur Verfügung. Ein Klick darauf startet ein grafisches Frontend, das zunächst abfragt, ob Sie den Stack wirklich entfernen möchten. Sobald Sie das bestätigen, stoppt Bitnami zunächst alle laufenden Dienste des Stacks und deinstalliert ihn anschließend komplett. Dabei signalisiert die Routine über einen Fortschrittsbalken den Verlauf.
Virtuelle Maschinen
Zahlreiche Server liefert Bitnami auch als vorkonfigurierte virtuelle Maschinen im OVA- und VMDK-Format, die sich als virtuelle Appliance in Virtualbox, Vmware und KVM starten lassen. Solche VMs eignen sich besonders für den simultanen Einsatz mehrerer Dienste auf einem System, das über ein ausreichendes Leistungsspektrum verfügt.
Als weiterer Vorteil laufen die Appliances jeweils in einer abgeschotteten Umgebung, die den Betrieb deutlich sicherer gestaltet. Im Vergleich zu den Stacks fallen die VMs deutlich umfangreicher aus: Dateigrößen über 1 GByte sind keine Seltenheit, was daran liegt, dass die virtuellen Appliances auch stets ein komplett vorkonfiguriertes abgespecktes Betriebssystem mitbringen.
Nach dem Herunterladen der Appliance von der Projektseite integrieren Sie diese in Virtualbox über das Menü Datei | Appliance importieren. In einem mehrstufigen Dialog erfolgt anschließend der Import, wobei das Setup Ihnen auch die voreingestellten Ressourcen anzeigt. Die entsprechende Zuteilung modifizieren Sie bei Bedarf wie in einer manuell angelegten virtuellen Maschine jederzeit über den Dialog Ändern (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die VM-Apps liefert das Projekt ebenfalls schlüsselfertig aus. Sie müssen sie lediglich in die jeweilige VM laden.
Anschließend starten Sie die Appliance in Virtualbox wie ein manuell aufgesetztes System. Die Bitnami-Maschine fährt dabei zunächst ein Debian-9-System hoch und aktiviert dann die vorkonfigurierten Dienste. Danach zeigt Ihnen die virtuelle Maschine Zugangsdaten für den Zugriff auf die Server-Dienste per Webbrowser an, wie IP-Adresse, Benutzername und Passwort sowie die Credentials für die Konsole auf der virtuellen Maschine (Abbildung 5).
Anschließend melden Sie sich mit diesen Daten bei den Server-Diensten an und arbeiten damit wie auf einem dedizierten Server. Änderungen an der Konfiguration der Maschine oder eine Deinstallation nehmen Sie dabei über die Virtualbox-Dialoge vor.
Fazit
Komplexe Serverdienste lassen sich dank Bitnami auch zu Hause oder in einem kleinen Unternehmen schnell und unkompliziert aufsetzen. Anstelle umfangreiche Dokumentationen zu lesen, zahllose Pakete herunterzuladen und einzeln zu installieren sowie zu konfigurieren, benötigen Sie dazu lediglich einen einzigen Stack des Bitnami-Projekts. Als Basis dient entweder ein Linux-System oder eine virtuelle Umgebung wie Virtualbox oder Vmware. Veraltete Bibliotheken oder fehlende Abhängigkeiten gehören damit der Vergangenheit an. Die Stacks installieren Sie mit wenigen Mausklicks, in unseren Tests funktionierten sie stets zuverlässig. Bei Unklarheiten hilft die ausführliche Dokumentation weiter.
Infos
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Bitnami: https://bitnami.com
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Bitrock: https://bitrock.com/
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App-Katalog: https://bitnami.com/stacks
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PhpMyAdmin: https://www.phpmyadmin.net/
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Deutsche Dokumentation: http://docs.phpmyadmin.net/de/latest/
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Englische Dokumentation: https://media.readthedocs.org/pdf/phpmyadmin/latest/phpmyadmin.pdf









