Der Texteditor Haroopad vereinfacht das Schreiben von Dokumenten in Markdown deutlich. Er hat aber auch Schattenseiten.
Die Beschreibungssprache Markdown [1] hat sich in den letzten Jahren als cleveres und flexibles Werkzeug für das Erstellen von einer Vielzahl von Dokumententypen bewährt. Die Sprache kommt unter anderem beim Schreiben von technischen Dokumentationen, Blogposts oder Vortragsfolien zum Einsatz. So verwendet etwa Github [2] das Format, um die Beschreibung der einzelnen Projekte zu hinterlegen.
Mit einem entsprechenden Editor und passenden Tools lassen sich schnell produktiv Textdokumente erzeugen, bearbeiten, versioniert speichern und online publizieren – je nach Vorliebe auf einer GUI oder in der Kommandozeile. In der Shell zählen Pandoc [3], Asciidoc und Asciidoctor [4] zu den Programmen, die Markdown-Dokumente in HTML-Dokumente umwandeln. Gängige Vertreter der grafischen Fraktion sind beispielsweise Vim-GTK, Atom und Haroopad [5]. Besonders Letzterer erweist sich in der Praxis als sehr nützlich.
Der Name Haroopad bedeutet sinngemäß “Editor, der täglich genutzt wird”. Die Software hat auch das Potenzial dazu, dem Namen gerecht zu werden: Der Texteditor schickt sich an, den anderen Alternativen ein Stück vom Kuchen wegzuschnappen. Abbildung 1 zeigt den grundlegenden Aufbau von Haroopad: Links bearbeiten Sie den Quellcode, rechts sehen Sie das gerenderte Ergebnis nach der Übersetzung zu HTML.
Installation und Einrichtung
Haroopad stammt vom koreanischen Entwickler Rhio Kim und steht für Linux, Mac OS X und Windows als Binärpaket für 32- und 64-Bit-Systeme zur Verfügung. Für auf Debian basierende Distributionen wie Ubuntu oder Mint gibt es DEB-Pakete zur Installation über die Paketverwaltung. Im Test musste sich Haroopad auf einem 64-Bit-System mit Debian 9 “Stretch” beweisen.
Da Haroopad in den Paketquellen von Debian noch fehlt, laden Sie zunächst das passende DEB-Paket von der Projektwebseite herunter [6] und richten es mit den Kommandos aus Listing 1 auf dem Rechner ein. Dabei löst die Paketverwaltung automatisch eventuell fehlende Abhängigkeiten auf.
In der getesteten Version 0.13.1 von Haroopad fehlt allerdings die Abhängigkeit zum Paket libgconf-2-4, sodass Sie es von Hand einspielen müssen. Nach Abschluss der Installation starten Sie das Programm über seinen Eintrag im Anwendungsmenü oder über das Kommando haroopad aus einem Terminal heraus.
Listing 1
$ sudo apt install ./haroopad*.deb $ sudo apt install libgconf-2-4
Hilfen und Quellcode
Haroopad selbst basiert auf der Bibliothek Node-Webkit [10] und ist vollständig online dokumentiert [11] – allerdings bislang hauptsächlich auf Koreanisch. Das Binärpaket von Haroopad beinhaltet weder eine Manpage, noch besitzt Haroopad die üblichen Schalter wie --help. Um einen Blick auf den unter der GPLv3 lizenzierten Quellcode oder die Dokumentation zu werfen, klonen Sie am besten das Github-Repository auf die Festplatte.
Erste Schritte
Zum Ausprobieren tippen Sie einen beliebigen Text in der linken Fensterhälfte ein. Haroopad interpretiert die Eingabe umgehend und blendet die HTML-Übersetzung zeitnah im rechts angeordneten Ausgabebereich an.
Über den beiden Fenstern finden Sie eine Navigationsleiste mit den üblichen Einträgen zum Öffnen und Schließen von Dateien, der Suche anhand von Textmustern, dem Einfügen spezifischer Markdown-Elemente sowie dem Anpassen des Aussehens der Benutzeroberfläche von Haroopad.
Am unteren Rand gibt es weitere Bedienelemente (Abbildung 2). Neben dem Zugriff auf die Hilfe erhalten Sie dort statistische Informationen zum aktuellen Dokument, senden eine Spende an den Entwickler oder laden das Dokument direkt zu diversen Portalen hoch.
Über den Schalter Leerzeichen regeln Sie die Tabulatorweite des Editorfensters, über Spalte schalten Sie zwischen ein- und mehrspaltiger Anzeige um. Mittels des Zahnrad-Symbols ganz rechts wechseln Sie zwischen normaler Anzeige und dem Vollbildmodus hin und her.
Haben Sie das Dokument fertiggestellt, bietet Ihnen Haroopad mehrere Formate zur Ausgabe an. Dazu gehört neben dem E-Mail-Versand direkt aus dem Editor heraus (bislang aber nur von einer Google-Adresse aus) das Ablegen als HTML, wahlweise auch mit Stilvorlage (CSS). Im Test gelang das Exportieren allerdings nur über den Menüpunkt Datei |Speichern als und erzeugte eine HTML-Datei mit Stilvorlage (Abbildung 3).
Beobachtungen im Alltag
Schon an sich fällt das Schreiben von Markdown nicht schwer, aber Haroopad macht es noch ein Stückchen leichter. So offeriert der Editor das automatische Vervollständigen von Listen und stellt über das Menü Einfügen vordefinierte Textmodule für eingefügten Programmcode, Texthervorhebungen, Links oder Zitate bereit (Abbildung 4). Außerdem bietet er Unterstützung für unterschiedliche Markdown-Dialekte, darunter auch für jenen von Github. Bei Bedarf schalten Sie die Bedienung auf Tastenkombinationen von Vi(m) um.
Um die Arbeiten noch angenehmer zu gestalten, erlaubt Haroopad eine ganze Reihe von Anpassungen der Oberfläche. Das betrifft das Aussehen, die verwendete Schriftgröße im Editorfenster, die Einrückungstiefe sowie eine automatische Korrektur der Markdown-Syntax (Abbildung 5). Die Liste der verfügbaren Themes erweitern Sie, indem Sie Ihre eigenen CSS-basierten Layouts hinzufügen.
Auch beim Erstellen von mathematischen Gleichungen und LaTeX-Dokumenten hilft Haroopad weiter: Mithilfe von Mathjax [8], einer auf Javascript basierenden Darstellungsbibliothek, ermöglicht der Editor Typografie und modulare Ausgabe.
Fazit
Den eigentlich recht positiven Eindruck von Haroopad trüben eine Reihe von Details. Viele Komponenten benötigen Nacharbeit, insbesondere die koreanische Dokumentation und die zum Teil sehr eigenwillige deutsche Lokalisierung der Oberfläche.
Ob das geschieht, erscheint allerdings fraglich: Die letzten Änderungen im Github-Repository von Haroopad haben über fünf Jahre auf dem Buckel. Auf Twitter will der Entwickler “nicht versprechen, dass es in näherer Zukunft eine neue Version gibt” – auch diese Nachricht ist bereits 2 Jahre alt [9].
Auch die Wahl des Toolkits lässt keine reine Freude aufkommen. Auf Electron – oder wie hier NW.js – basierende Anwendungen belegen auf der Festplatte unnötig viel Platz und fügen sich nie wirklich gut in den Linux-Desktop ein. Zudem stammt die in den Paketen ausgelieferte NW.js-Laufzeitumgebung von Dezember 2014. Es lässt sich nicht ausschließen, dass man sich hier eine Sicherheitslücke ins System holt.
Infos
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Github: http://github.com
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Pandoc: Daniel Tibi, “Verwandlungskünstler”, LU 09/2018, S. 58, https://www.linux-community.de/41552
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Asciidoctor: http://asciidoctor.org
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Haroopad: http://pad.haroopress.com
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Pakete und Binaries: http://pad.haroopress.com/user.html#download
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Dokumentation: http://pad.haroopress.com/page.html
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Mathjax: https://www.mathjax.org
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Haroopad auf Twitter: https://twitter.com/haroopad/status/803657669697380352
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Node-Webkit: https://nwjs.io
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Haroopad-Repository: https://github.com/rhiokim/haroopad










