Private Cloud mit Nextcloud

Aus LinuxUser 09/2018

Private Cloud mit Nextcloud

© zakokor, 123RF

Familiäre Wolke

Die Urlaubsfotos füllen mehrere Platten, die Hälfte der Termine im Wandkalender lässt sich nicht mehr lesen? Da hilft eine kleine private Cloud mit Nextcloud weiter.

Die Cloud-Dienste von Google, Dropbox und Konsorten locken mit zahlreichen Funktionen und viel Speicherplatz. Allerdings bleibt dabei offen, auf welchen Servern die Dateien landen und was dort mit den gespeicherten Daten passiert. Schaltet zudem ein Betreiber seinen Dienst irgendwann ab, gehen die Daten verloren.

Es gibt also gleich mehrere gute Gründe, eine eigene Cloud zu betreiben. Die wiederum entsteht komplett kostenlos mit der Webanwendung Nextcloud [1]. Aufgrund des modularen Aufbaus lässt sich zudem der Funktionsumfang leicht erweitern.

Nextcloud speichert dann nicht nur Dateien, sondern verwaltet unter anderem auch Termine, merkt sich Kontakte, bietet ein komplettes Online-Büro und ermöglicht Videochats mit den Verwandten. In Familien hilft Nextcloud auf diese Weise unter anderem beim Austausch der Urlaubsfotos sowie bei der Planung von Geburtstagen und Arztterminen.

Anspruchslos

Nextcloud selbst verlangt lediglich einen Server mit mindestens 512 MByte Hauptspeicher. Als Basis für Ihre Cloud genügt also ein ausgemusterter PC oder ein Raspberry Pi. Soll auch der Zugriff aus dem Internet möglich sein, müssen Sie allerdings Ihren Router manuell entsprechend konfigurieren, gegebenenfalls einen DynDNS-Dienst einspannen und Ihre Systeme gegen Angriffe absichern.

Alternativ bietet es sich an, einen Server zu mieten: Einige Webhoster offerieren sogar für Nextcloud maßgeschneiderte Angebote. Das bietet gleichzeitig den Vorteil, dass bei einem Wohnungsbrand nicht auch der eigene Nextcloud-Server zu Asche zerfällt. Allerdings müssen Sie dann dem Webhoster vertrauen.

Insbesondere, wenn Sie Ihre Video- und Fotosammlung von Nextcloud verwalten lassen möchten, sollten Sie genügend freien Speicherplatz einplanen. Im Idealfall lässt sich nachträglich weiterer Speicherplatz hinzufügen beziehungsweise dazubuchen. Bei Bedarf bindet Nextcloud auch externe Speichergeräte und Cloud-Dienste ein.

So ließe sich etwa Nextcloud auf einem sparsamen Raspberry Pi installieren, während die Daten auf einem FTP-Server, einer angeschlossenen lokalen Festplatte, einem NAS (via SMB-Freigabe), einem per WebDAV erreichbaren Fileserver oder einem Cloud-Dienst wie etwa Dropbox landen.

Weiche Ware

Das unter der liberalen AGPL v3 lizenzierte Nextcloud setzt auf dem Server einen Webserver, eine Datenbank und PHP voraus. Alle unterstützten Komponenten führt die Tabelle “Voraussetzungen” auf. Die Installation von Nextcloud gelingt dann mit wenigen Handgriffen: Nach dem Entpacken des Quellcode-Archivs starten Sie einen grafischen Assistenten, der das System passend einrichtet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Installationsassistent möchte im Wesentlichen nur die Zugangsdaten für die Datenbank wissen.

Abbildung 1: Der Installationsassistent möchte im Wesentlichen nur die Zugangsdaten für die Datenbank wissen.

Auf einem angemieteten Server kann man dem Nextcloud-Webinstaller die Einrichtung überlassen. Dieser kleine Assistent lädt dort selbstständig Nextcloud herunter und installiert es. Ubuntu-Nutzer dürfen die Webanwendung über ein Snap installieren.

Scheuen Sie die Einrichtung, beziehen Sie über den Einzelhandel einen Mini-PC mit vorinstalliertem Nextcloud [2]. Einige NAS-Systeme erlauben zudem per Mausklick die nachträgliche Installation der Webanwendung. Abschließend stellen die Nextcloud-Entwickler vorgefertigte virtuelle Maschinen bereit, die sich aber primär an Unternehmen richten. Eine virtuelle Maschine für den Hausgebrauch bietet das Portal “Tech and Me” an [3].

Datenbank

MySQL- oder MariaDB-Datenbank ab Version 5.5, PostgreSQL 9 oder 10

PHP

PHP 7.0 oder 7.1 (auch möglich: PHP 5.6 und 7.2)

Webserver

Apache ab Version 2.4 mit den Modulen mod_php und php-fpm oder Nginx mit php-fpm

Zugriff!

Auf die laufende Wolke greifen sämtliche Familienmitglieder per Webbrowser zu (Abbildung 2). Ergänzend können Programme und Smartphone-Apps über Standardschnittstellen andocken – beispielsweise lassen sich die Dateien per WebDAV aus der Cloud herunterladen.

Abbildung 2: Nextcloud legt ein paar Beispieldokumente in der Cloud ab. Die übersichtliche Benutzeroberfläche lässt sich einfach bedienen.

Abbildung 2: Nextcloud legt ein paar Beispieldokumente in der Cloud ab. Die übersichtliche Benutzeroberfläche lässt sich einfach bedienen.

Für Mobilgeräte offerieren die Nextcloud-Entwickler eigene Android- und iOS-Apps, die den Zugriff auf die Dateien erleichtern. Für Windows, MacOS und den Linux-Desktop steht zudem ein Client bereit, der ähnlich wie bei Dropbox automatisch im Hintergrund ein Verzeichnis auf der lokalen Festplatte mit der Cloud abgleicht.

Abbildung 3: Nextcloud passt die Benutzeroberfläche an die Bildschirm- beziehungsweise Fenstergröße an ("Responsive Design").

Abbildung 3: Nextcloud passt die Benutzeroberfläche an die Bildschirm- beziehungsweise Fenstergröße an (“Responsive Design”).

In jedem Fall müssen Sie Ihren Familienmitgliedern über die eingebaute Benutzerverwaltung jeweils ein eigenes Benutzerkonto einrichten. Jedem Benutzer stellt Nextcloud wiederum eine eigene Cloud bereit, deren verfügbaren Plattenplatz Sie bei Bedarf einschränken dürfen.

Gestehen Sie beispielsweise dem Sohn nur 20 GByte Speicher zu, kann er den Server nicht mit seinen selbstgedrehten Skateboard-Videos auffüllen. Benutzer lassen sich zudem deaktivieren und so aussperren. Das kommt etwa dann gelegen, wenn der Filius endlich seine Hausaufgaben erledigen soll, anstatt heimlich Filme zu schauen.

Benutzer lassen sich in Gruppen zusammenfassen, was im privaten Bereich eher nur in Großfamilien sinnvoll ist. Es gibt aber eine Ausnahme: Mitglieder der Gruppe admin dürfen an allen Einstellungen drehen – und Sie somit auch aussperren. Sicherheitshalber legen Sie daher eine neue Gruppe für die Familie an und belassen nur sich selbst in der Gruppe der Administratoren.

Ab in die Cloud

Alle Benutzer können Dateien hochladen und, wie auf der Festplatte, in Verzeichnissen sortieren. Darüber hinaus dürfen sie Dateien und Verzeichnisse in ihrer eigenen Cloud umbenennen, verschieben, löschen und wieder herunterladen.

Gelöschte Dateien wandern zunächst in einen Papierkorb, aus dem sie sich bei Bedarf wiederherstellen lassen. Mehrere Dateien verpackt Nextcloud vor dem Herunterladen in ein ZIP-Archiv; ähnlich arbeiten auch kommerzielle Konkurrenten wie Dropbox oder Google Drive.

Textdateien, Fotos (Abbildung 4) und Videos öffnet Nextcloud direkt im Browser. Bei Videos klappt die Wiedergabe nur, wenn der Browser das Format unterstützt. In einem umfangreichen Dateibestand stöbert die Suchfunktion das passende Dokument auf.

Abbildung 4: Die Galerie präsentiert alle Fotos aus einem Verzeichnis mit kleinen Vorschaubildern, ein Klick auf ein Bild öffnet es in seiner ganzen Pracht.

Abbildung 4: Die Galerie präsentiert alle Fotos aus einem Verzeichnis mit kleinen Vorschaubildern, ein Klick auf ein Bild öffnet es in seiner ganzen Pracht.

Besonders wichtige Dateien lassen sich zu Favoriten erheben, die man dann schnell über eine entsprechende Ansicht erreicht. Des Weiteren dürfen Sie Dateien mit Schlagwörtern versehen (Abbildung 5). Eine spezielle Ansicht listet alle Dokumente mit einem entsprechenden Tag auf.

Abbildung 5: Benutzer dürfen in der ausklappbaren Seitenleiste eine Datei kommentieren. Auf diese Weise können die Familienmitglieder beispielsweise ihre Erinnerungen festhalten.

Abbildung 5: Benutzer dürfen in der ausklappbaren Seitenleiste eine Datei kommentieren. Auf diese Weise können die Familienmitglieder beispielsweise ihre Erinnerungen festhalten.

Die eingebaute Versionsverwaltung erkennt Änderungen und erstellt automatisch Backups der betroffenen Dateien. Per Knopfdruck springen Sie zu einer früheren Version zurück. Damit die Backups nicht den kompletten Speicherplatz vereinnahmen, löscht Nextcloud ältere Fassungen nach einiger Zeit. Zudem nutzt die Versionsverwaltung nie mehr als die Hälfte des verfügbaren Speichers. Um zusätzliche eigene Backups kommen Sie folglich nicht herum.

Dateien und Verzeichnisse können Sie für eine oder mehrere Nextcloud-Benutzer freigeben. Dabei dürfen Sie selbst entscheiden, ob der Empfänger die Datei bearbeiten und weiterleiten darf. Auf diese Weise überlassen Sie etwa der älteren Tochter einen ab 12 Jahren freigegebenen Film zur Ansicht, während er für den sechsjährigen Sohn tabu bleibt.

Alternativ oder ergänzend erzeugt Nextcloud einen Link, über den beliebige Personen die Datei herunterladen dürfen. Bei Bedarf schützt ein individuelles Passwort vor unbefugten Zugriffen, oder der Dienst blockiert den Zugriff zu einem vorgegebenen Zeitpunkt.

Abschließend können Sie Personen erlauben, Dateien in die Nextcloud hochzuladen. Das ist beispielsweise nützlich, wenn ein Freund der Familie seine eigenen Urlaubsfotos in die Nextcloud schieben soll. Alle geteilten Dateien behalten Sie in entsprechenden Ansichten übersichtlich im Auge.

Schlüsselmeister

Standardmäßig landen sämtliche Dateien und Daten unverschlüsselt auf dem Server. Nur auf explizite Anweisung chiffriert Nextcloud die hochgeladenen Dateien. Die Ver- und Entschlüsselung findet dabei auf dem Server statt. Wer auf ihn Zugriff erlangt, könnte folglich auch die Dateien öffnen.

Diese serverseitige Verschlüsselung soll vor allem Dateien auf externen Speichermedien beziehungsweise eingebundenen Cloud-Diensten schützen. Wer ganz sicher gehen möchte, muss eigenhändig weitere Verschlüsselungstechniken einrichten und beispielsweise das Dateisystem mit Dm-crypt chiffrieren.

Zukünftig soll Nextcloud eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten [4]. Dabei chiffriert bereits vor dem Hochladen in die Cloud der Client die Dateien. Da der Server nur die verschlüsselten Daten zu sehen bekommt, bleiben sie bei einem Einbruch für den Angreifer unlesbar.

Auf diese Weise deponieren Sie ruhigen Gewissens Ihre eingescannten Reisepässe, Kontoauszüge oder Arztbescheide auf dem Nextcloud-Server. Das aktuelle Nextcloud 13 enthält die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwar bereits, aber nur für Testzwecke. Erst im kommenden Nextcloud 14 soll die Funktion praxistauglich sein.

Aktualisierungen spielten Sie in den Grundeinstellungen per Mausklick ein. Über die dort ebenfalls angebotenen Statistiken und Diagramme bekommen Sie schnell heraus, ob die Nextcloud-Installation den kleinen Raspberry Pi überfordert oder ob Sie den Speicherplatz erweitern sollten.

Die Optik der Benutzeroberfläche lässt sich nur in Grenzen beeinflussen. Im Wesentlichen dürfen Sie das Logo gegen ein eigenes tauschen und die blaue Grundfarbe ändern. Weitergehende Änderungen sind zwar möglich, setzen aber umfassende Kenntnisse in HTML, CSS und Javascript voraus.

Aufgebohrt

Über Erweiterungen, die sogenannten Apps, lässt sich der Funktionsumfang über die Anforderungen an einen Cloud-Speichers hinaus aufbohren. Die Nextcloud-Entwickler betreiben dazu einen eigenen App-Store, der sich bequem aus Nextcloud heraus durchstöbern lässt (Abbildung 6). Ein Mausklick genügt, um eine App zu aktivieren.

Abbildung 6: Die von den Nextcloud-Entwicklern stammenden Apps sind im Store mit <span class="ui-element">Offiziell</span> gekennzeichnet.

Abbildung 6: Die von den Nextcloud-Entwicklern stammenden Apps sind im Store mit Offiziell gekennzeichnet.

Für den Heimbereich sind vor allem der Kalender, die Kontaktverwaltung und einige Multimedia-Apps interessant, die etwa einen Audioplayer nachrüsten. Die Kalender-App kann mehrere unabhängige Kalender verwalten und stellt Termine in den üblichen Tages-, Wochen- und Monatsansichten dar (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der Kalender markiert die aktuelle Uhrzeit mit einem roten Strich. Hier w&uuml;rde Nextcloud zudem zwei Stunden vor dem Zahnarzttermin akustisch Alarm schlagen.

Abbildung 7: Der Kalender markiert die aktuelle Uhrzeit mit einem roten Strich. Hier würde Nextcloud zudem zwei Stunden vor dem Zahnarzttermin akustisch Alarm schlagen.

Zu jedem Termin lassen sich Ort, Beschreibung und Teilnehmer hinterlegen. Darüber hinaus können Sie einen Termin als vorläufig oder abgesagt kennzeichnen. Wiederkehrende Termine, wie etwa das wöchentliche Fußballtraining des Filius, müssen Sie nur einmal vorgeben. Termine dürfen in unterschiedlichen Städten starten und enden, was die Urlaubsplanung oder Geschäftsreisen vereinfacht.

An einen Termin erinnert die Kalender-App bei Bedarf per E-Mail, mit einem Audio-Signal oder über ein Popup-Fenster. Komplette Kalender lassen sich im VCS/ICS-Format im- und exportieren. Zu jedem Kalender erzeugt die App auf Wunsch einen Link, den Sie bei Bedarf auch öffentlich zugänglich machen. Alternativ erfolgt der Zugriff via CalDAV – so lassen sich die Termine auch mit Smartphones synchronisieren. Des Weiteren dürfen Sie jeden Kalender mit ausgewählten Nextcloud-Benutzern und -Gruppen teilen.

Freundschaftspflege

Die Kontakte-App stellt ein einfaches elektronisches Adressbuch bereit. Neben der Adresse erfassen Sie gegebenenfalls unter anderem auch das Geschlecht, die Telefonnummer, das Geburtsdatum und den Verwandtschaftsgrad. Zu jeder Person lässt sich ein Foto hochladen. Nicht von der App vorgesehene Daten heften Sie als Notizen an den Kontakt an.

Kontakte dürfen Sie in Gruppen sortieren – so halten Sie etwa die Familienmitglieder der Müllers und der Maiers auseinander – und Adressbüchern zuordnen. Letztere müssen Sie allerdings etwas umständlich in einem kleinen Einstellungsfenster verwalten.

Einzelne Adressbücher teilen Sie bei Bedarf mit anderen Nextcloud-Benutzern und -Gruppen. Der Zugriff auf die Daten klappt via CardDAV, zudem im- und exportiert die App Kontakte im VCF-Format. Haben Sie auch die Kalender-App installiert, blendet sie per Mausklick die Geburtstage der Kontakte in den Kalender ein.

Für den privaten Einsatz interessant ist auch die App Collabora Online. Mit deren Hilfe lassen sich LibreOffice- und MS-Office-Dokumente direkt im Browser bearbeiten. Das setzt allerdings die nicht ganz triviale Installation des Collabora Online Servers voraus, der im Hintergrund die eigentliche Arbeit verrichtet [5]. Nach demselben Prinzip lässt sich auch das Büropaket Onlyoffice einbinden [6].

Besonders stolz sind die Nextcloud-Entwickler auf die App Talk: Über sie können Nextcloud-Benutzer miteinander chatten sowie Telefon- und Videokonferenzen führen. Obendrein dürfen die Teilnehmer ihren Bildschirm für die anderen Teilnehmer freigeben. Der Datenaustausch findet verschlüsselt statt, die Videochats laufen über das WebRTC-Protokoll.

Zwar richtet sich die App primär an Unternehmen, sie kann aber auch im privaten Bereich nützlich sein. So rufen Sie etwa im Urlaub die Daheimgebliebenen an, oder die jüngste Tochter beweist per Videochat, dass sie wirklich bei ihrer besten Freundin übernachtet.

Klienten

Den Nextcloud-Desktop-Client halten einige große Distributionen in ihren Repositories vor, für Nutzer von Ubuntu oder Debian gibt es eine PPA-Paketquelle [7]. Im Zweifelsfall greifen Sie zum AppImage der Nextcloud-Entwickler. Nach dem Start verlangt der Client lediglich die Angabe der Zugangsdaten und die zu synchronisierenden Verzeichnisse.

Danach verankert er sich im Panel, wo Sie über ein Kontextmenü die entsprechenden Ordner öffnen, die letzten Aktionen einsehen, die Synchronisation anhalten und die Einstellungen (Abbildung 8) aufrufen. Plugins für Caja, Dolphin, Nautilus und Nemo zeigen im jeweiligen Dateimanager mit zusätzlichen Symbolen den aktuellen Stand der Synchronisierung an.

Abbildung 8: Anwender d&uuml;rfen im Client die Down- und Upload-Bandbreite begrenzen. Damit verstopft der Client nicht eine eventuell d&uuml;rftige Internet-Verbindung.

Abbildung 8: Anwender dürfen im Client die Down- und Upload-Bandbreite begrenzen. Damit verstopft der Client nicht eine eventuell dürftige Internet-Verbindung.

Die Nextcloud-Clients für Smartphones stehen kostenlos in Apples App Store beziehungsweise bei Google Play bereit. Die Apps können allerdings im Wesentlich nur die Dateien verwalten und auf das Mobilgerät herunterladen. Bei Bedarf sichert die App geschossene Fotos und Videos automatisch auf den Nextcloud-Server. Das geschieht auf Wunsch erst beim expliziten Aufbau einer WLAN-Verbindung. Dateien und Verzeichnisse lassen sich vom Smartphone aus freigeben sowie an andere installierte Apps weiterreichen.

Angeflanscht

Sie können die Clients dazu zwingen, sich mit einem eigenen Passwort beim Nextcloud-Server anzumelden. Verliert dann der Filius sein Smartphone, erklären Sie das zugehörige Passwort einfach per Mausklick für ungültig. Entsprechende Nextcloud-Apps schützen zudem den Zugriff auf die Weboberfläche mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Für Outlook und Thunderbird stellen die Nextcloud-Entwickler Plugins bereit, die das jeweilige Programm an die Cloud andocken und den Dateiaustausch vereinfachen. Den vollen Funktionsumfang des Outlook-Addons erhalten Sie allerdings nur gegen eine monatliche Gebühr.

Thunderbird-Anwender finden unter den offiziellen Thunderbird-Addons die Nextcloud-Filelink-Erweiterung. Sie vereinfacht den Versand von großen Dateien, indem sie diese zunächst in die Nextcloud hochlädt und dann den zugehörigen Link in die E-Mail einfügt.

Auf die Kalender und Kontakte können Outlook, Thunderbird und Co. über CardDAV und CalDAV zugreifen. Outlook-Anwender benötigen dazu eine passende Erweiterung wie den CalDAV Synchronizer, in Thunderbird können der Lightning-Kalender und das Cardbook-Addon mit den Protokollen umgehen.

Alternative Owncloud

Wie Nextcloud richtet auch Owncloud eine private Filesharing-Cloud ein, lässt sich über Erweiterungen zu einer kleinen Groupware ausbauen und steht unter der AGPL v3 [8]. Beide Systeme tragen nicht nur einen ähnlichen Namen, sondern sind auch eng verwandt: 2016 verließen der Owncloud-Erfinder Frank Karlitschek sowie einige weitere Programmierer die Nürnberger Owncloud GmbH und entwickelten auf Basis des damals aktuellen Owncloud 9 den Konkurrenten Nextcloud.

Obwohl die Arbeiten an Nextcloud und Owncloud unabhängig voneinander verlaufen, ähneln sich beide Systeme noch stark. Bedienung und Optik gleichen sich weitgehend, viele Apps existieren in ähnlicher oder identischer Form sowohl für Next- als auch für Owncloud. Beide Entwicklerteams setzen allerdings unterschiedliche Prioritäten: Die Owncloud-Entwickler legen den Fokus auf die Dateiverwaltung, das Datei-Sharing und den Einsatz in Unternehmen; einige Zusatzfunktionen und Apps gibt es zudem nur gegen Gebühr.

Die Nextcloud-Entwickler wiederum bauen ihr System sukzessive zu einer Groupware aus. So gibt es beispielsweise die App Talk nur für Nextcloud. Darüber hinaus bekommen Sie mit Nextcloud einige Funktionen kostenlos, die Sie bei Owncloud bezahlen müssen.

Fazit

Mit Nextcloud entsteht schnell eine private Cloud, die Urlaubsfotos, Filme und andere Dokumente speichert. Über entsprechende Erweiterungen bohren Sie Nextcloud zu einer Groupware aus, die unter anderem den Familienkalender an der Wand ablöst. Der Funktionsumfang kann dabei zwar nicht mit spezialisierten Desktop-Anwendungen mithalten, für den Familienalltag erfüllt Nextcloud aber voll seinen Zweck. Konfigurationsarbeit steht allerdings an, wenn die Cloud aus dem Internet erreichbar sein soll. Insbesondere sollten Sie dann dafür sorgen, dass der Nextcloud-Server nur noch per HTTPS kommuniziert. 

Infos

  1. Nextcloud: https://nextcloud.com

  2. Liste mit Mini-PCs: https://nextcloud.com/devices

  3. Virtuelle Maschine mit Nextcloud: https://www.techandme.se/nextcloud-vm

  4. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Nextcloud: https://nextcloud.com/de/endtoend

  5. Collabora Online: https://nextcloud.com/collaboraonline

  6. Onlyoffice: https://api.onlyoffice.com/editors/owncloud

  7. Desktop-Clients: https://nextcloud.com/install/#install-clients

  8. Owncloud: https://owncloud.org

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