Miyo Linux richtet sich an Individualisten, die ihr ganz persönliches Linux nutzen möchten.
Gängige Distributionen packen meist eine große Anzahl an Programmen für den täglichen Einsatz mit auf die Festplatte. Viele davon kommen jedoch nur sehr selten oder nie zum Einsatz. Miyo Linux (“Make it your own”) dagegen beschränkt sich auf ein schlankes Minimalsystem, auf das Sie genau die Applikationen einspielen, die Sie auch wirklich benötigen.
Miyo Linux [1] basiert auf der Distribution Devuan [2], einem Debian-Fork, der statt Systemd weiter mit dem Initialisierungssystem SysVinit arbeitet. Zwar nutzt auch Devuan das DEB-Paketformat, ohne jedoch den enormen Softwarefundus des Ursprungssystem bieten zu können. Das resultiert vor allem aus der Tatsache, dass die Entwickler zahlreiche Pakete wegen vorhandener Abhängigkeiten zu Systemd umschreiben müssen.
Die grafische Oberfläche stellen X.org und der Fenstermanager Openbox [3] bereit. Seit mehr als 15 Jahren entwickelt, gilt Letzterer nach wie vor als überaus schlank und damit ressourcenschonend. Außerdem lässt sich Openbox sehr detailliert konfigurieren, entweder über ein grafisches Frontend oder über das Editieren der Konfigurationsdateien im XML-Format.
Nach dem Herunterladen des nur knapp 600 MByte großen ISO-Abbildes für 32- oder 64-Bit-Hardware transferieren Sie es entweder auf einen optischen Datenträger oder einen USB-Speicherstick, von dem Sie dann booten.
Lebendig
Vom Bootmedium aus öffnet Miyo Linux zunächst einen schlichten Grub-Bildschirm, der neben dem Start als Live-System auch die Option anbietet, das gesamte Betriebssystem in den Arbeitsspeicher zu kopieren und von dort aus zu nutzen. Das empfiehlt sich besonders für betagtere Rechner oder auch für den Start von einem langsamen optischen Datenträger aus.
Nach dem flotten Start begrüßt Sie Miyo Linux mit einem schlichten Desktop (Abbildung 1). Darauf platziert es lediglich zwei Icons für den Aufruf von Hinweisdateien sowie einen Starter für die Installation. Am unteren Bildschirmrand finden Sie zudem eine Tint2-Panelleiste. Ein Willkommensfenster macht mit dem Einstieg in das System vertraut.

Abbildung 1: Miyo Linux startet im Handumdrehen in einen schlichten Desktop mit Panelleiste und Willkommensfenster.
Anders als bei den meisten gängigen Distributionen finden Sie in Miyo Linux in der Panelleiste keinen herkömmlichen Menü-Button, sondern einen Starter für den Dateimanager PcmanFM. Der agiert in dem schlanken Devuan-Derivat nicht nur als Dateimanager, sondern auch – durch das Menü Applications repräsentiert – als Programmstarter.
Dazu befinden sich in den verschiedenen Unterordnern des Menüs Applications Skripte zum Aufruf der wenigen integrierten Applikationen. Dazu gehören beispielsweise Htop, Bleachbit, Gparted, aber auch der kleine Texteditor Leaflet. Ein Webbrowser fehlt ebenso wie sämtliche sonst allgegenwärtigen Boliden wie LibreOffice, Thunderbird, VLC oder Gimp.
TIPP
Bei Miyo Linux lauten voreingestellt sowohl der Name des Standardbenutzers, als auch dessen Passwort sowie das Root-Passwort miyo.
Einrichtung
Der Willkommensbildschirm ermöglicht über die Schalter Change Keyboard Layout und Network Connections das rudimentäre Anpassen des Systems zum Ausprobieren. Sofern Sie nicht per kabelgebundener DSL-Verbindung ins Netz gehen, ermöglicht der WLAN-Manager Wicd den Netzzugang. Dabei sticht positiv ins Auge, dass Miyo Linux bereits proprietäre Firmware-Dateien für gängige WLAN-Komponenten integriert und daher der drahtlose Internet-Zugriff sofort funktioniert (Abbildung 2).
Über den Starter Install MiyoLinux auf dem Desktop oder den gleichnamigen Button im Willkommensfenster rufen Sie den grafischen Installationsassistenten auf und packen das Betriebssystem auf die Festplatte. Der Installationsassistent Refracta [4] verzichtet weitgehend auf grafische Gimmicks und erfordert auch deutlich mehr Eigenarbeit vom Nutzer als beispielsweise Ubiquity oder YaST, geht dafür jedoch sehr zügig zur Sache. Zum Partitionieren greift er wahlweise auf Gparted oder Cfdisk zurück.
In einem kleinen Optionsdialog passen Sie zudem bestimmte, von den Voreinstellungen abweichende Konfigurationen durch Setzen oder Entfernen eines Häkchens an (Abbildung 3). Haben Sie bereits im Live-Betrieb den Internet-Zugang konfiguriert und mithilfe des integrierten Paketmanagers Synaptic einige Programme ins System eingepflegt, übernimmt der Einrichtungsassistent diese Applikationen. Damit ersparen Sie sich später eine erneute Installation. Der Paketmanager Synaptic listet rund 51?800 Pakete auf, etwa 10 Prozent weniger als Debian.
Angepasst
In den Applikationsordnern finden Sie auch nach der Installation nur die nötigsten Werkzeuge, um damit ein individuelles System zusammenzustellen. Miyo nimmt dabei auch Anleihen bei anderen Desktop-Umgebungen: So finden Sie mit dem Xfce-Power-Manager ein Programm zur Energiesteuerung des Systems, das mit passenden Einstellungen bei mobilen Computern die Akkulaufzeit deutlich erhöht.
Mit Gufw übernimmt Miyo zudem ein grafisches Werkzeug zur Konfiguration der Firewall aus dem Softwarefundus von Ubuntu. Dabei bleiben Sie nicht auf GTK-Anwendungen beschränkt: Aus Synaptic heraus lassen sich Applikationen aus beliebigen Desktop-Umgebungen inklusive KDE Plasma installieren, wobei die Paketverwaltung alle Abhängigkeiten automatisch nachzieht. Entsprechende Starter integriert Miyo anschließend in den einzelnen per PcmanFM aufzurufenden Unterordnern des Verzeichnisses Applications.
Voreingestellt spricht Miyo Linux in allen Dialogen Englisch. Für eine deutschsprachige Umgebung müssen Sie via Synaptic die Pakete task-german und task-german-desktop einrichten. Dabei zieht Synaptic insgesamt 59 Pakete nach und belegt etwa 390 MByte zusätzlichen Platz auf dem Massenspeicher. Dabei gelangt auch LibreOffice auf die Festplatte, immerhin mit deutscher Hilfe und Menüführung.
Auch anderen großen Standardprogrammen wie Firefox müssen Sie über die entsprechenden Lokalisationsdateien, die Synaptic gesondert auflistet, erst einmal Deutsch beibringen. Die ansonsten noch lückenhafte Lokalisierung vor allem der Konfigurationswerkzeuge verwundert bei einem noch recht jungen Projekt wie Miyo Linux nicht und dürfte sich im Lauf der Zeit noch verbessern.
Konfiguration
Openbox gilt als einer der am besten zu konfigurierenden Fenstermanager. Damit die Systemverwaltung sich nicht im manuellen Editieren von Textdateien erschöpft, haben die Entwickler von Miyo Linux zwei Konfigurationswerkzeuge ins System integriert, die gleich mehrere ansonsten einzelne Dialoge zusammenfassen. Im Unterordner Applications | Preferences finden Sie dazu Einstellmöglichkeiten zur Panelleiste Tint2, zu Maus und Tastatur, aber auch zum Erscheinungsbild und zum Energiemanagement.
Da sich weitere Einstelloptionen auf diverse Unterordner verteilen, wirkt die Sortierung der einzelnen Werkzeuge etwas verwirrend. Wesentlich einfacher konfigurieren Sie das System, indem Sie einen Rechtsklick in den Desktop ausführen. Im sich daraufhin öffnenden Kontextmenü wählen Sie die Option MiyoLinux Control Center aus. Das nun geöffnete Werkzeug gliedert die einzelnen Dialoge in den Reitern Appearance, Configuration Files, System und Miyo Accessories.
Dabei fassen die Dialoge nicht nur die bereits aus anderen Unterordnern im Applications-Menü bekannten Werkzeuge zusammen, sondern führen weitere Optionen ein. Unter System finden Sie den Language Selector, der eine teilweise Anpassung an die deutsche Lokalisierung gestattet, sofern Sie das nicht bereits manuell erledigt haben. Im selben Reiter befindet sich außerdem der MiyoLinux Panel Switcher, der per Mausklick das Tint2-Panel entweder durch das Xfce4-Panel oder ein LxPanel ersetzt. In beiden dient nicht PcmanFM über Skripte als Applikationsstarter, sondern es kommt eine herkömmliche Menühierarchie zum Einsatz (Abbildung 4).
Über die Dialoge Conky Controls und Compton Controls im Reiter Miyo Accessories lässt sich der Desktop mit diversen Effekten optisch aufwerten. Das System bringt dazu den Composite-Manager Compton mit, den Sie mit einem Klick auf die Schaltfläche On aktivieren. Damit schalten Sie diverse Desktop-Effekte ein, wie beispielsweise einen Schattenwurf um jedes Fenster oder auch das Abdunkeln inaktiver Fenster. Auf dieselbe Weise schalten Sie den Systemmonitor Conky ein und ab. Er blendet unten auf der Arbeitsoberfläche Daten wie Uhrzeit, Datum, RAM-, CPU- und HDD-Auslastung ein.
Aufgrund des schlanken Designs führt keiner der beiden Effekte zu merklichen Leistungseinbußen. Im Zusammenspiel mit einer individuellen Anpassung des Erscheinungsbilds verwandeln sie Miyo Linux jedoch in einen echten Hingucker.
Fazit
Das noch junge Miyo Linux zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in vermeintlich betagten Fenstermanagern wie Openbox steckt. Durch das geschickte Kombinieren zahlreicher schlanker Programme steht Openbox seinen großen Geschwistern in nichts nach. Zwar gibt es für den Fenstermanager weit weniger Zusatzprogramme als für Boliden wie KDE, Gnome oder XFCE, doch Miyo Linux integriert viele kleinere Tools dieser Umgebungen in Openbox.
Devuan sorgt zudem als solide Basis dafür, dass Miyo Linux durch Installation entsprechender Software auch auf betagter Hardware für die alltägliche Arbeit flüssig läuft. Für Anwender, die abseits ausgetretener Pfade ihr ganz persönliches Linux-System für ältere Computer nutzen möchten, bietet Miyo Linux damit eine interessante Alternative.
Infos
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Miyo Linux: https://sourceforge.net/projects/miyolinux/
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Devuan: https://devuan.org/
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Openbox: http://openbox.org/wiki/Main_Page
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Refracta Linux: https://www.ibiblio.org/refracta/









Thank you for looking at MiyoLinux…and thank you for pointing out something that I need to work on; which is, adopting the installed system environment to the locale chosen at installation. I will definitely see what I can do to improve that. Thank you again.
Respectively,
MiyoLinux
Hi, drop us a mail, if you would like to receive a dgital copy or a printed edition. And thanks for your response. Regards, Andreas