Dooble: Schlanker Browser mit Mehrwert

Aus LinuxUser 01/2018

Dooble: Schlanker Browser mit Mehrwert

© Computec Media GmbH

Sicher surfen

Der schlanke Browser Dooble bietet bei minimalem Ressourcenbedarf viele Sicherheitsmerkmale der großen Konkurrenten.

Heute braucht man über die Notwendigkeit, sich anonym im Internet zu bewegen, kaum noch zu sprechen. Vor einem Jahrzehnt sah das noch anders aus. Umso interessanter erscheint es da, dass schon ab 2008 eine Gruppe sicherheitsbewusster Entwickler einen ressourcenschonenden sicheren Browser entwickelte. Der auf QtWebkit aufsetzende Dooble [1] erlangte allerdings nur geringe Bekanntheit, obwohl er keine weiteren Abhängigkeiten aufweist und daher auf allen Plattformen laufen kann, die Qt5.9 unterstützen, selbst auf Handys.

Es koexistieren derzeit zwei aktuelle Varianten des Browsers: Die Version 1.56d beziehungsweise 1.56e mit vielen zusätzlichen Features für andere Systeme als Linux sowie die Version 2.1 als quasi nackter Browser. Letztere liegt seit Mitte November 2017 auf der Projektseite vor, auch in Form von DEB-Paketen für 64-Bit-Systeme [2].

Installation

Unter Debian und Ubuntu lassen sich die Dooble-Pakete für die amd64-Plattform mit dem Befehl dpkg -i Dooble.deb problemlos installieren. Das klappt auch unter Arch Linux mittels einer speziellen, im AUR bereitgestellten Dpkg-Variante. Auf RPM-basierten Distributionen gelingt die Installation mit Hilfsmitteln wie Alien.

Etwas mehr Aufwand erfordert die Installation von Dooble 1.56 aus den Quellen [3]. Nach dem Herunterladen und Entpacken des Quelltexts wechseln Sie in das dabei neu entstandene Verzeichnis Version 1.x/. Dort finden Sie unter Documentation/ die Datei COMPILING mit Details zum Übersetzungsvorgang. Wichtig ist der erste Schritt, in dem Sie mithilfe von Qmake die systemangepassten Makefiles erzeugen (Listing 1, Zeile 2). Anschließend übersetzt ein Aufruf von Make die Quelltexte und sorgt für das Linken. Dabei entsteht die Datei ./Dooble im Hauptverzeichnis. Prüfen Sie, ob alle benötigten Libraries vorliegen (Zeile 4). Der Hinweis auf eine fehlende Libspoton (Zeile 5) gibt keinen Grund zur Besorgnis: Diese Library wurde unter ./libSpotOn/ erzeugt. Das zum Start von Dooble 1.56 vorgesehene Skript (Zeile 6) berücksichtigt diesen Pfad.

Listing 1

$ cd Version 1.x/
$ qmake-qt5 -o Makefile dooble.qt5.pro
$ make
$ ldd ./Dooble
libspoton.so => not found
$ ./dooble.sh

Dooble 1.56

Die Dooble-Version 1.56 umfasst neben dem Webbrowser auch einen FTP-Browser, einen Dateimanager sowie einen rudimentären “Desktop”. Beim Aufruf startet der Browser mit einer Suchmaske, wobei die Meta-Suchmaschine Metager zusammen mit der dezentralen Suchmaschine Yacy zum Einsatz kommt. Die Verwendung von Metager, das hauptsächlich deutschsprachige Ergebnisse liefert, erregt regelmäßig den Unmut nicht deutschsprachiger Anwender und trägt sicher nicht zur weiteren Verbreitung von Dooble bei.

Die Besonderheit von Dooble 1.56 liegt in der Vielzahl zusätzlicher Funktionen: Unter anderem bringt Dooble einen eigenen Dateimanager sowie einen eigenen Desktop (Abbildung 1) mit, deren Nutzen sich unter Linux in Grenzen hält. Weitaus nützlicher erscheinen da der integrierte FTP-Browser sowie der Support für eine Meta- und eine verteilte Suchmaschine. Die weiteren Features von Dooble, wie Manager für Bookmarks, Cookies und Downloads, gelten heute als Standard für Webbrowser.

Abbildung 1: Ungewöhnlich bei Dooble sind der Desktop und der Dateimanager im Browser.

Abbildung 1: Ungewöhnlich bei Dooble sind der Desktop und der Dateimanager im Browser.

Dooble 2.1

Dooble 2.x beschränkt sich auf einen neuen Browser mit verbesserten Sicherheitstechniken, wie verschlüsselte Datenbanken, dem periodischen Löschen von Cookies sowie einem Blocker für ausgewählte Funktionen. Auch eine Rechtschreibprüfung ist mit an Bord, es entfallen jedoch die meisten der Zusatzfunktionen von Dooble 1.x.

Die betont schlichte Oberfläche und die Menüs beschränken sich auf das Wesentliche, alle Funktionen lassen sich auch über die Tastatur bedienen (siehe Tabelle “Tastenbindungen”). Zusätzliche Features lassen sich über Plugins nachrüsten, wovon es mehr als hundert gibt.

Kürzel

Funktion

[Strg]+[B]

Favoriten (Bookmarks) anzeigen

[Strg]+[D]

Downloads anzeigen

[Strg]+[F]

Text finden

[Strg]+[G]

Einstellungen öffnen

[Strg]+[H]

History anzeigen

[Strg]+[K]

Cookies anzeigen

[Strg]+[L]

neue URL öffnen

[Strg]+[N]

neues Fenster öffnen

[Strg]+[P]

Seite drucken

[Strg]+[Q]

Browser beenden

[Strg]+[S]

Seite speichern

[Strg]+[T]

neuen Reiter öffnen

[Strg]+[W]

Reiter schließen

[F11]

Vollbildanzeige

Einzelne Seiten beziehungsweise Domains lassen sich gezielt blockieren beziehungsweise Blockierungen auch wieder durch “Ausnahmen” rückgängig machen. Zum Blockieren dient der Button mit dem “Parkverbotsschild” rechts neben dem URL-Feld. Das geht zwar im Prinzip schnell und einfach, führt aber in manchen Fällen auch zu kaum auflösbaren Schleifen von Abhängigkeiten. Ein ähnliches Problem tritt auch bei bekannten und normalerweise unproblematischen Seiten auf, wie beispielsweise Sourceforge.com, das auch Dooble hostet. Dort machen ironischerweise Zertifizierungsfehler den Zugriff mit dem Browser auf seine eigene Projektseite unmöglich.

Dooble verwaltet viele Informationen in separaten Sqlite-Datenbanken. Über den Dialog Clear Items … im Menü Edit erhalten Sie Zugriff auf die dort gesammelten Einträge und können diese gezielt wieder löschen (Abbildung 2). Eine recht interessante Funktion findet sich im Cookie-Manager: Er ermöglicht, Cookies zwar anzunehmen, diese aber periodisch alle 15 Sekunden wieder zu löschen (Abbildung 3).

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Abbildung 2: Das gezielte Löschen von Informationen erledigen Sie über Clear Items ….


Abbildung 3: Dooble vermag Cookies automatisch zu l&ouml;schen, bevor sie Schaden anrichten k&ouml;nnen.

Abbildung 3: Dooble vermag Cookies automatisch zu löschen, bevor sie Schaden anrichten können.

Bei Downloads verhält sich Dooble 2.1 etwas ungewöhnlich: Voreingestellt speichert der Browser geladene Dateien direkt auf dem Desktop. Um das zu ändern, wählen Sie im Download-Manager unter Download Path mit Select ein anderes Verzeichnis aus. Anschließend landen ohne weitere Nachfrage alle Downloads dort.

Anstelle von klassischen Bookmarks setzt Dooble 2.1 auf “Favoriten”. Wie die anderen Meta-Informationen sammelt Dooble sie in einer Sqlite-Datenbank, wodurch viele Sortieroptionen zur Verfügung stehen.

Nutzerdaten, Cookies und Lesezeichen lassen sich über Einstellungen | Privacy mit einer Verschlüsselung schützen (Abbildung 4). In diesem Fall können Sie nur nach Eingabe des entsprechenden Passworts auf die in früheren Sitzungen gespeicherten Daten wieder zugreifen.

Abbildung 4: Eine begrenzte Anzahl von Einstellungen erlauben das Verhalten des Browsers, an einigen Stelle festzulegen.

Abbildung 4: Eine begrenzte Anzahl von Einstellungen erlauben das Verhalten des Browsers, an einigen Stelle festzulegen.

Fazit

In Sachen Sicherheit kann Dooble nicht mehr bieten, als auch bei anderen Webbrowsern heute üblich ist. Mit Platzhirschen wie Mozilla Firefox und Google Chrome kann Dooble in Sachen Funktionsvielfalt ohnehin nicht mithalten. Von daher liegt der eigentliche Wert der Software eher in der geringen Größe, dementsprechend niedrigen Ressourcenverbrauch und der relativ einfachen Bedienung. 

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