Wichtige CPU-Parameter grafisch im Terminal beobachten? Kein Problem mit S-tui, das die Aufgabe meistert und sogar die Ressourcen schont.
Möchten Sie mal eben nachsehen, warum der Rechner wieder lahmt und der Lüfter ohne Unterlass läuft? Treibt ein abgestürztes Programm die Last nach oben, oder macht ein Dienst etwas, das er nicht soll? Unter Linux üblich gibt es viele Wege, an die entsprechenden Informationen zu gelangen. Für detaillierte Auskünfte über den derzeitigen Zustand der CPU bietet sich etwa Corefreq [1] an. Mit seiner komplexen Ausgabe taugt es allerdings eher für erfahrene Anwender.
Weniger Aufwand erfordert das grafisch ansprechende und intuitive kleine Tool Stress Terminal UI [2]. Die Software, deren Name abgekürzt S-tui lautet, läuft – wie unschwer zu erraten – im Terminal. Dabei benötigt sie selbst nur minimale Ressourcen. Zur Anzeige der CPU-Werte wie Frequenz, Auslastung, Temperatur und Energieverbrauch benötigt sie keinen X-Server, sondern läuft in virtuellen Konsolen außerhalb von X.
Dementsprechend eignet sich das Tool für den Blick auf Rechner, zu denen Sie sich via SSH verbinden, oder virtuelle Server. Außerdem bietet das Programm, wie der Name bereits andeutet, einen Stresstest für die CPU an. Er setzt jedoch das zusätzliche Paket stress auf dem System voraus. Umgekehrt blenden Sie bei Bedarf auch einzelne Sektionen des Programms aus.
Unter Arch Linux installieren Sie S-tui bei Bedarf aus dem AUR, in den Paketquellen der meisten anderen Distributionen suchen Sie allerdings vergeblich nach dem Programm. Für Ubuntu existiert zwar ein PPA, das aber bei unserem Test nicht funktionierte.
Pip-Installation
Bei der Installation kommt daher der Python-Installer Pip (“Pip installs Python”) zum Einsatz. Ein eigener Python-Paketmanager mag auf den ersten Blick etwas übertrieben erscheinen, doch er erlaubt, künftig auf sichere Art Python-Pakete zu installieren, die die verwendete Distribution nicht oder nur in veralteten Versionen anbietet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Aufsetzen von Virtualenv und die Installation von S-tui über den Python-Installer Pip.
Die Betonung liegt hier bewusst auf sicher: Im Internet findet sich oft der Rat, Pip über das Paketmanagement zu installieren und von dort zu nutzen. Das genügt jedoch noch nicht, um Software mit Pip auf sichere Weise zu installieren – dazu bedarf es einiger zusätzlicher Schritte.
Die Pakete, die Sie mit Pip installieren, stammen aus dem Python Package Index PyPI [3], das anders als die Debian-Archive keinen strengen Auflagen in Bezug auf die Sicherheit unterliegt. Durch das Aufsetzen einer virtuellen Umgebung auf Basis eines Verzeichnisses umgehen Sie diese Probleme.
Es empfiehlt sich die Pip-Installationen in einer virtuellen Umgebung zu betreiben, die Python selbst anbietet. Dies ist nicht mit einer virtuellen Maschine wie Virtualbox zu verwechseln, handelt es sich bei Virtualenv doch um eine virtuelle Umgebung innerhalb eines Verzeichnisses im lokalen Dateisystem.
Drei Schritte in Python
Dazu installieren Sie zunächst das Paket python-pip oder python-pip3 (falls Sie Python 3 nutzen möchten) auf herkömmliche Weise über das Paketmanagement. Auf einem frisch aufgesetzten Ubuntu 17.10 “Artful Aardvark” schaufelt die Installation der Pip-Pakete rund 160 MByte auf die Festplatte.
Dann geht es daran, die virtuelle Umgebung aufzusetzen (Listing 1, Zeile 1). Dazu geben Sie pip install virtualenv in ein Terminal ein. Anschließend erstellen Sie an geeigneter Stelle im Home-Verzeichnis einen Ordner für das Projekt (Zeile 2). Dann wechseln Sie in den Ordner und befinden sich damit in Ihrem Arbeitsverzeichnis (Zeile 3).
Zunächst legen Sie hier die virtuelle Umgebung für den Arbeitsordner an (Zeile 4) und schalten sie scharf (Zeile 5). Ob das geklappt hat, sehen Sie am veränderten Prompt, der nun vorne ein (s-tui) zeigt.
Listing 1
$ pip install virtualenv $ mkdir -p ~/py-projekte/s-tui $ cd ~/py-projekte/ $ virtualenv s-tui (s-tui) $ source s-tui/bin/activate (s-tui) $ pip install safety (s-tui) $ safety check (s-tui) $ pip install s-tui
Um sicherzugehen, dass die virtuelle Python-Umgebung sauber bleibt, ziehen Sie das Paket Safety nach (Zeile 6) und führen es mittels safety check aus (Abbildung 2). Stimmt alles, erhalten Sie die Meldung No known security vulnerabilities found. Den Befehl safety check wiederholen Sie jeweils nach der Installation eines Pakets.
Anschließend installieren Sie den eigentlichen Hauptdarsteller (Zeile 7). Ist das erledigt, schließt ein deactivate die virtuelle Umgebung, und der Prompt kehrt zum gewohnten Aussehen zurück. Abschließend geben Sie noch apt install stress ein, falls Sie die CPUs auch einem Stresstest unterziehen möchten.
Klare Sache
Falls Sie S-tui in VirtualBox oder einer anderen virtuellen Maschine testen, wundern Sie sich nicht, wenn nur ein Teil der Anzeigen funktioniert: Die virtuellen CPUs der VMs unterstützen die Funktionen der Software nur teilweise. Rufen Sie das Programm im Terminal mit s-tui als User auf, so zeigt es in der Standardeinstellung drei oder – auf Laptops – vier Graphen an (Abbildung 3).

Abbildung 3: S-tui gewährt eine schnelle Übersicht über die wichtigsten Parameter der CPU auch ohne grafische Umgebung.
In der Seitenleiste schalten Sie die Verläufe von Frequenz, CPU-Verbrauch, Temperatur und Energieverbrauch bei Bedarf ab und wieder an. Zusätzlich steht Stress Operation zur Auswahl. Diese Funktion treibt zum Testen eines neuen Rechners die Last auf der CPU in die Höhe. Über den Punkt Stress Options nehmen Sie bei Bedarf auf den Stresstest Einfluss (Abbildung 4). Die Software gibt die Werte der CPU unten nochmals als Text aus.

Abbildung 4: Der zuschaltbare Stresstest reizt die CPU in allen Bereichen aus und treibt die Last in die Höhe
Fazit
Dank S-tui gelingt ein schneller Blick auf das Treiben auf einem System auch ohne ein “Dickschiff” wie Corefreq. Das effiziente Werkzeug läuft problemlos im Terminal nebenher, da es kaum Ressourcen verbraucht. So ist eine schnelle Übersicht nur eine Tastenkombination oder einen Mausklick entfernt. Die Installation erfordert derzeit zwar noch etwas Aufwand, doch dafür steht der erstellte Aufbau auch anderen Python-Apps zur Verfügung.
Glossar
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AUR
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Arch User Repository. Sammlung von ungeprüften Rezepten, die es ermöglichen, teils experimentelle Software im System zu installieren.
Infos
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Corefreq: https://github.com/cyring/CoreFreq
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Stress Terminal UI: https://github.com/amanusk/s-tui






