Viele Distributionen treiben rund um das Wallpaper einen hohen Aufwand. Doch der Desktop-Hintergrund muss keineswegs statisch bleiben: Komorebi bringt ihn mit Videos oder Animationen in Bewegung.
Gnome, KDE, XFCE und Konsorten: Kaum ein Linux-Desktop ähnelt dem anderen. Obwohl praktisch jede Desktop-Umgebung Themes und Skins für Fensterrahmen und Bedienelemente bietet, begnügen sich viele Anwender mit einem eigenen Wallpaper – so bekommt wenigstens der Hintergrund eine persönliche Note. Diese einfache Tuning-Möglichkeit bekommt nun mit Komorebi [1] eine ganz neue Dimension: Das Programm bietet interaktive Hintergrundbilder an und legt sogar Videos unter den Desktop.
Die Entwickler bezeichnen ihr Werk als “Linux Desktop Manager”. Das Programm übernimmt in der Tat den kompletten Hintergrund von der eigentlich genutzten Desktop-Umgebung und blendet bei Bedarf auch selbst die Desktop-Icons ein. Die im September 2017 veröffentlichte Version 2.0 enthält viele Neuerungen: So gibt es nun die Möglichkeit, Videos unter den Desktop zu legen oder auch eigene Wallpaper mithilfe eines Assistenten zu gestalten.
Installation
Aktuell findet sich Komorebi noch nicht in den Paketquellen der großen Distributionen. Sie müssen es also entweder selbst aus dem Quellcode kompilieren – die Homepage gibt dazu Hilfestellung – oder greifen auf die bei Github lagernden DEB-Pakete zurück [2]. Im Test mit Ubuntu 17.04 und Debian 9 ließen sich Letztere ohne Konflikte via Paketverwaltung einspielen (Listing 1).
Seit Komorebi 2.0 erstellen die Entwickler allerdings nur noch Pakete für 64-Bit-Systeme. Verwenden Sie noch eine 32-Bit-Distribution, müssen Sie das Programm daher auf jeden Fall selbst bauen. Unter Arch Linux gelingt das recht einfach über das Arch-User-Repository [3].
Listing 1
$ sudo apt install ./komorebi-2-64-bit.deb $ sudo apt install libgtop-2.0-10 gstreamer1.0-libav
Nach der Installation starten Sie das Programm über den Eintrag Komorebi im Anwendungsmenü. Zum Paket gehört auch der Wallpaper Creator, den Sie allerdings nur dann benötigen, wenn Sie eigene Hintergrundbilder erstellen möchten. Im Reiter Wallpapers zeigt Komorebi alle vorinstallierten Wallpaper an (Abbildung 1). Manche der Bilder sind statisch (beispielsweise City Lights) und werden nur mit einer sich fortlaufend aktualisierenden Zeit- und Datumsanzeige ergänzt, andere verändern sich entsprechend der Mausbewegung (Parallax-Sky). Bei einigen aber handelt es sich um Videos, die im Hintergrund laufen, wie bei Arial Mountain And Ocean (Abbildung 2).

Abbildung 1: Komorebi bringt eine Reihe von Beispielen von Haus aus mit: Sie demonstrieren, was die Anwendung alles kann.

Abbildung 2: Abgedruckt wirkt dieser Hintergrund nicht so wie auf dem Bildschirm: Stellen Sie sich einen Flug über die Insellandschaft vor.
Über den Reiter Preferences passen Sie gegebenenfalls das Datumsformat an und (de-)aktivieren die Anzeige von Icons auf dem Desktop. Komorebi folgt dabei den Vorgaben von Freedesktop.org und übernimmt den Inhalt des Ordners ~/Schreibtisch/ aus dem Home-Verzeichnis. Mit Hide schließen Sie das Anwendungsfenster, mit Quit Komorebi beenden Sie die komplette Anwendung. Das Hintergrundbild ändert sich dabei nicht, allerdings bleiben die Effekte dann aus.
Autostart
Damit Komorebi im Hintergrund die Zeitdarstellung aktualisieren kann, muss das System das Programm beim Start laden. Unter Gnome richten Sie diesen Autostart im Optimierungswerkzeug (“Gnome Tweaks”) im Reiter Startprogramme ein. Über das Plus-Zeichen am Ende der Liste fügen Sie Komorebi den automatisch zu ladenden Anwendungen hinzu (Abbildung 3). Unter KDE gelingt das via Systemeinstellungen | Starten und Beenden | Autostart. Im Test mit KDE Plasma 5.8.6 und Framework 5.28.0 auf Debian 9 funktioniert der Autostart jedoch nicht, wir mussten die Anwendung trotz aktiviertem Starteintrag manuell aufrufen.

Abbildung 3: Damit Komorebi automatisch bei der Anmeldung lädt, müssen Sie die Anwendung den Startprogrammen hinzufügen.
Genügt Ihnen die zusammen mit Komorebi installierte Wallpaper-Auswahl nicht, können Sie über den Wallpaper Creator eigene Hintergrundbilder integrieren. Dazu starten Sie das Programm aus dem Anwendungsmenü und geben dem neuen Hintergrund einen Namen. Weiter legen Sie fest, ob es sich um ein Bild oder ein Video handelt, und geben den Pfad zur Datei (oder auch zu einem Vorschaubild des Videos) an. Mit Next wechseln Sie zur zweiten Seite des Assistenten.
Dort erhalten Sie die Möglichkeit, den Parallax-Effekt zu aktivieren oder das ins Bild montierte Datum auszurichten (Abbildung 4). Über den Schalter Add Layer im Kopf der Anwendung fügen Sie weitere Bildebenen hinzu, die Komorebi dann durch Überblendungen animiert. Den Effekt sehen Sie etwa beim mitgelieferten Beispiel Abstract Light Lines, bei dem die Linien eines Kringels langsam die Farben wechseln.

Abbildung 4: Mit dem Wallpaper Creator lassen sich recht einfach eigene Animationen oder Videos für den Hintergrund erstellen.
Das Ergebnis legt der Komorebi Wallpaper Creator entsprechend dem für den Hintergrund vergebenen Namen als neuen Ordner im eigenen Home-Verzeichnis ab. Damit das Programm das Wallpaper nutzt, müssen Sie es von Hand mit Root-Rechten nach /System/Resources/Komorebi/ (falls Sie Komorebi als DEB-Datei installiert haben) oder im Fall von Arch Linux nach /usr/share/Komorebi/ schieben. Nach einem Neustart der Anwendung listet Komorebi das eigene Werk mit auf.
Bei Videos müssen Sie jedoch noch ein wenig Hand anlegen: Aufgrund eines noch nicht behobenen Bugs [4] (Stand Mitte September 2017) müssen Sie im Komorebi-Verzeichnis das Vorschaubild thumb.jpg in wallpaper.jpg umbenennen, sonst führt Komorebi das selbst erstellte Wallpaper-Video gar nicht erst auf. Bei der Wahl des Videoformats haben Sie weitgehend freie Hand. Im Test funktionierten MOV-Dateien einer Digitalkamera, mit Cheese aufgenommene WebM-Videos und von DVD gerippte Filme im MP4-Format gleichermaßen.
Einschränkungen
Viele Anwender präferieren einen möglichst schlanken Desktop ohne viel Drumherum. Zählen Sie zu dieser Gruppe, lassen Sie Komorebi am besten links liegen. Im Test beanspruchte die Anwendung je nach Wallpaper gut 5 Prozent der Prozessorleistung eines aktuellen Intel Core i7-7700T (Octa-Core-CPU, 2,9 GHz) und mehr als 800 MByte Arbeitsspeicher (Abbildung 5). Eine Anfrage unsererseits via Bugreport, ob sich der Ressourcenhunger der Anwendung etwas dämpfen ließe, blieb bislang ohne Antwort [5].

Abbildung 5: Die schicke Optik fordert ihren Preis: Je nach Komplexität des gewählten Hintergrunds belegt Komorebi reichlich RAM und CPU-Zeit.
Eine weitere Einschränkung stellt die fehlende Unterstützung von Wayland dar. Der Entwickler betont im entsprechenden Fehlerreport [6], dass Komorebi wahrscheinlich nie mit Wayland funktionieren wird. Bei einem aktuellen Gnome-System müssen Sie daher darauf achten, bei der Anmeldung eine Sitzung mit klassischem X11-Server zu starten. Zudem gibt es auch noch Schwierigkeiten bei der Darstellung auf Multi-Monitor-Systemen, wenn das zweite Display hochkant steht [7].
Fazit
Komorebi richtet sich keineswegs nur an Spielkinder und Desktop-Tuner, die mit Videos im Hintergrund beeindrucken möchten: Mit einem unaufdringlich animierten Bild oder einem Hintergrundvideo lässt sich zum einen der Arbeitsalltag ästhetisch bereichern, zum anderer kann man damit bei Präsentationen oder auf Messen die Blicke der Zuschauer einfangen.
Infos
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Komorebi: https://github.com/iabem97/komorebi
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DEB-Pakete: https://github.com/iabem97/komorebi/releases
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Eintrag im AUR: https://aur.archlinux.org/packages/komorebi
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Bug bei eigenen Video-Wallpapern: https://github.com/iabem97/komorebi/issues/41
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Ressourcenfresser: https://github.com/iabem97/komorebi/issues/70
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Kein Wayland-Support: https://github.com/iabem97/komorebi/issues/56
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Dual-Monitor-Bug: https://github.com/iabem97/komorebi/issues/15





