Endless OS richtet sich mit vielen Offline-Inhalten an Nutzer, die keinen oder nur unregelmäßig Internet-Zugang haben. Ein kostengünstiges Paket aus Hard- und Software erleichtert einkommensschwächeren Anwendern den Zugang zu Computern.
Weiße Flecken auf der Landkarte – das bedeutet im 21. Jahrhundert: Regionen, wo man entweder gar nicht oder nur stark eingeschränkt auf das Internet zugreifen kann. Selbst in den USA ist es in kleineren Städten und auf dem Land durchaus nicht unüblich, dass die Bewohner das Internet an manchen Tagen für Stunden nicht erreichen. Auch in Deutschland gibt es noch netztechnisch unterversorgte Gegenden, in denen man auf die Größe von Downloads achten muss oder nur über eine sehr langsame Anbindung verfügt.
Das kombinierte Hard- und Software-Angebot von Endless Computers [1] adressiert vorwiegend Bewohner von Schwellenländern. Nach Erfahrung der Entwickler verfügen diese bei gemäßigtem Wohlstand zwar über eine feste Wohnung mit Energieversorgung sowie meist einen Fernseher, oft jedoch fehlt der in der Gegenwart beinahe unerlässliche Computer. Um überhaupt Zugriff auf das Internet zu erhalten, gehen solche Menschen gemeinhin in einen Internet-Shop – somit amortisiert sich für sie eine Investition in das Konzept von Endless relativ schnell.
Darüber hinaus engagieren sich die Entwickler sehr in der Open-Source-Szene. So gehört Endless Computers nicht nur als beratendes Mitglied dem Gnome Advisory Board [2] an, sondern wirkt auch bei Debian Derivatives [3] mit. So sollen für Endless OS erstellte Anwendungen und Frameworks auch für Debian erscheinen.
Duales Konzept
Das zweigeteilte Konzept von Endless Computer umfasst unabhängig voneinander Hard- und Software. Das kleine Unternehmen, das sich 2011 über eine Kickstarter-Kampagne [4] gründete, unterhält Niederlassungen in San Francisco und Rio de Janeiro. In der Rubrik Hardware bietet das Unternehmen zwei selbst entworfene Mini-PCs in Kugelform an. Die kleinere Version davon kostet je nach Austattung 79 beziehungsweise 99 US-Dollar, die größere Variante 189 oder 229 US-Dollar.
Der kleinere Kugel-PC namens Endless Mini beherbergt eine Intel-Celeron-CPU mit 1,5 GHz Taktrate, 1 GByte RAM, 24 oder 32 GByte Flash-Speicher, drei USB-2.0-Anschlüsse sowie einen HDMI-Port, Ethernet und Audio. Das größere Endless One kommt mit einem auf 2,17 GHz getakteten Intel Celeron, 2 GByte RAM, einer 500-GByte-Festplatte, Gigabit-LAN und zwei USB-2.0-Anschlüssen sowie einem USB-3-Anschluss. Die PCs nutzen einen Fernseher mit HDMI-Eingang als Monitor, als System dient vorinstalliert Endless OS.
Bewährte Software
Als Software-Seite der Kombilösung dient das kürzlich in Version 3.0 erschienene Endless OS. Die Entwickler stellen es unabhängig vom Alternativ-PC auch als freie Software zum Herunterladen zur Verfügung. Es soll ein Betriebssystem für die ganze Familie sein und sowohl der Arbeit und Weiterbildung als auch für Erholung, Spiel und Spaß dienen.
Endless OS basiert auf Debian GNU/Linux 8 “Jessie” und einem angepassten Gnome-Desktop (Abbildung 1). Das Hauptaugenmerk der Entwickler lag darauf, dass sich das System auch ohne Internet-Verbindung sinnvoll nutzen lässt.

Abbildung 1: Die Interpretation der Gnome-Shell von Endless OS wirkt deutlich anders als man sie von Standard-Systemen kennt.
Dazu bringt die Distribution unter anderem bereits über 100 vorinstallierte Anwendungen mit, die kein Internet benötigen. Die Vollversion von Endless OS enthält zudem eine Offline-Version einer auf Wikipedia basierenden Enzyklopädie (Abbildung 2). Steuern lässt sich das System über ein App-Center, das – analog zur Smartphone-Bedienung – Apps und Apps-Bundles über große Icons zur Installation anbietet.
Die Logik dahinter lässt sich visuell leicht erfassen. Ein Menü, wie es Desktop-Umgebungen normalerweise zur Orientierung mitbringen, beschränkt sich hier auf den Zugriff auf die Einstellungen. Über einen Site-Specific-Browser [5] (SSB) lassen sich beliebige Webseiten oder Internet-Dienste direkt auf dem Desktop anlegen. Die so gestarteten Angebote verzichten auf viele Elemente aus der Browser-Umgebung und lenken die Konzentration eher auf die Inhalte. Nach Entwicklerangaben setzt der Einstieg in das System keinerlei PC-Kenntnisse voraus.
Unabhängig vom Netz
Das Unternehmen bietet komprimierte Endless-OS-Images in einer rund 2 GByte großen Basisversion und einer Vollversion mit etwa 13 GByte Umfang an. Das ausgepackte Image der Vollversion belegt rund 20 GByte Platz auf dem Massenspeicher, die kleinere Variante knapp unter 6 GByte. Die Vollversion kommt auf dem größeren der beiden PCs zum Einsatz.
Das Image lässt sich direkt auf einen USB-Stick transferieren und von dort aus starten. Um es in Virtualbox zu verwenden, muss man es vorab in ein VDI-Image umwandeln. Der Endless Installer for Windows erlaubt das Herunterladen der Images und setzt mindestens Windows XP voraus. Er erzeugt anschließend einen bootbaren USB-Stick. Die neue Version Endless 3.0 eignet sich auch zur Parallelinstallation neben Windows. Hier weist ein Youtube-Video den richtigen Weg [6].
Wir unterzogen beide Versionen von Endless OS einem Kurztest. Die kleinere Variante landete via Dd auf einem 8 GByte fassenden USB-Stick, das größere Image wandelten wir in eine VDI-Datei für Virtualbox um (siehe Kasten “VDI umwandeln”).
Beide Versionen starten problemlos von den jeweiligen Medien und unterscheiden sich lediglich im Umfang: So fehlt der kleinen Variante unter anderem die Enzyklopädie, die sich aber als Flatpak nachinstallieren lässt.
VDI umwandeln
Die folgende Beschreibung setzt ein installiertes Virtualbox voraus, das Oracle zur privaten Nutzung kostenfrei bereitstellt. In der Konsole wandeln Sie das Base-Image mithilfe des Befehls aus der ersten Zeile von Listing 1 um. Anschließend erweitern Sie den vorhandenen Platz des virtuellen Systems mit dem Aufruf aus der zweiten Zeile – im Beispiel auf 30 GByte. Danach erstellen Sie in Virtualbox eine virtuelle Maschine, fügen ihr das erzeugte Image als virtuelle Festplatte hinzu und starten das System.
Listing 1
$ VBoxManage convertfromraw eos-eos2.6-i386-i386.160602-041751.base.img Endless.vdi --format VDI --variant Standard $ VBoxManage modifymedium Endless.vdi --resize 30720
Gut aufbereitet
Die Oberfläche von Endless OS präsentiert leicht zugänglich Themenbereiche wie Wissenschaft, Soziologie, Gesundheit, Programmierung (Abbildung 3) und viele andere, die sich auch ohne Internet-Verbindung gut vertiefen lassen. Hinzu kommen Spiele und viele der von Gnome bekannten Apps (Abbildung 4).

Abbildung 3: Offline-Kurse für Programmiersprachen erlauben es jedem Interessierten, auch ohne Zugang zum Internet das Programmieren zu erlernen.

Abbildung 4: Bereits vorinstalliert bringt Endless OS eine Vielzahl an Programmen für die unterschiedlichsten Zwecke mit. GNOME Software dient als Anwendungsmanager.
Um den Einstieg ins System zu erleichtern, verbirgt Endless viele traditionelle Desktop-Elemente sowie das Paketverwaltungssystem vor dem Anwender. Das Prinzip, das hier zur Anwendung kommt, ähnelt stark jenem von Android oder iOS, bei denen das Betriebssystem aus einem nur lesbaren Image besteht, das es jeweils als Ganzes zu aktualisieren gilt.
Bei Endless OS kommt hierzu das aus der Gnome-Entwicklung bekannte OSTree [7] zum Einsatz. Damit lässt sich anhand einer Anleitung [8] aus den Debian-Binärpaketen ein Betriebssystem erstellen. Die Systemaktualisierung erfolgt bei Endless OS automatisch in Form eines atomaren und zurückrollbaren Updates.
Durchdacht
Oberhalb der Betriebssystemebene kommen die aus Debian-Quellen gebauten Pakete mit den Anwendungen als Flatpaks [9] zum Einsatz. Endless OS setzt als erste Distribution komplett auf dieses neue Paketformat. Ein eigener App-Store stellt die Applikationen bereit, über den Paketmanager GNOME Software lassen sie sich aktualisieren. Hierzu kommt das aktuelle Gnome 3.20 aus Debian “Unstable” zum Einsatz, da frühere Versionen von GNOME Software noch nicht in der Lage waren, mit Flatpaks umzugehen.
Dieses Verfahren entkoppelt die Aktualisierung des Betriebssystems komplett von den Updates für einzelne Anwendungen. Projektleiter Cosimo Cecci, selbst Gnome-Entwickler, sieht Endless OS als jene Distribution, die dem vor Jahren angedachten, aber nie zu Ende verwirklichten Gnome OS [10] am nächsten kommt. Technisch gesehen bleibt Endless OS unter der Haube sehr nah am Gnome-Original und unterscheidet sich davon lediglich durch eine andere Shell mit einem ganz eigenen User-Erlebnis.
Fazit
Sowohl bei der Umsetzung der Oberfläche und der Inhalte als auch hinsichtlich der darunterliegenden Technik zeigt Endless OS Außergewöhnliches. Unseres Wissens stellt es das erste dem Endanwender zugewandte Betriebssystem dar, das mit automatischen und zurückrollbaren Updates aufwartet – auch bei der Administration zeigt es sich als besonders auf die Zielgruppe zugeschnitten.
In vielen Schwellenländern stellen günstige Smartphones den ersten und für viele Nutzer auch einzigen Kontakt mit der IT dar. Deswegen erscheint es sinnvoll, das Bedienkonzept von Endless OS an die Bedienung von mobilen Betriebssystemen anzulehnen, um eine möglichst breite Akzeptanz zu erreichen. Ein PC mit gut 20 GByte sorgfältig aufbereiteten Inhalten für 100 bis 200 US-Dollar ist auch für Menschen in Schwellenländern ein seriöses Angebot, um in die Welt der Computer einzusteigen.
Infos
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Endless Computers: https://endlessm.com
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Gnome Advisory Board https://wiki.gnome.org/AdvisoryBoard
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Debian Derivatives https://wiki.debian.org/Derivatives/CensusFull
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Endless OS Kickstarter: https://www.kickstarter.com/projects/1381437927/endless-computers/description
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Dual-Boot Video-Tutorial:: https://www.youtube.com/watch?v=sl-7PWKwmfE
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OSTree-Builder: https://github.com/dbnicholson/deb-ostree-builder
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Flatpak: http://flatpak.org
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Gnome OS: https://wiki.gnome.org/GnomeOS






