Debian-Paketinstallation mit Apt-fast beschleunigen

Aus LinuxUser 01/2017

Debian-Paketinstallation mit Apt-fast beschleunigen

© Eugene Sergeev, 123RF

Paketbeschleuniger

Apt-fast beschleunigt unter Debian und dessen Derivaten die Software-Installation deutlich.

Das Kürzel Apt steht für Advanced Packaging Tool, ein Konsolen-Frontend für Debians Paketmanager-Backend Dpkg (“Debian Package”), das mit der Paketverwaltungsdatenbank ein Herzstück von Debian steuert. Mit Dpkg kann man zwar auch Pakete installieren, allerdings nur recht eingeschränkt – Apt ist, was das angeht, wesentlich schlauer. Es behält den Überblick über alle Abhängigkeiten und bezieht Pakete aus dem Debian-Archiv über die Paketquellen. Eine Alternative zu Apt bietet Aptitude. Das ältere Apt-get dagegen kommt immer mehr aus der Mode, da Apt mit kürzeren Befehlen die Funktionen von Apt-get und Apt-cache abbildet. Zudem wurde mit Apt die Ausgabe farbig und erhielt einen Fortschrittsbalken.

Langsame Spiegel

Unabhängig vom verwendeten Frontend nervt die oft unzureichende Geschwindigkeit des Downloads der Pakete von den in der Quellenliste eingetragenen Servern. Davon können insbesondere solche Anwender ein Lied singen, die Debian “Testing”, “Unstable” oder andere Rolling-Release-Distributionen einsetzen und somit oft mehrere Hundert MByte herunterladen. Abhilfe verspricht der Shell-Wrapper Apt-fast [1], den Sie sowohl mit Apt und Apt-Get als auch mit Aptitude einsetzen können.

Apt-fast verspricht, die Download-Zeiten von Paketen deutlich zu reduzieren, indem es einen Download-Manager zwischenschaltet, der mehrere parallele Verbindungen pro Paket ermöglicht. Das macht freilich nur Sinn, wenn die eigene Anbindung an das Internet schneller ausfällt als die der verwendeten Spiegelserver. Das müssen Sie je nach verwendeten Servern selbst ausprobieren. Wir haben auf einer 120-Mbit/s-Leitung anhand des relativ umfangreichen Downloads der Pakete zu LibreOffice getestet, wie lange Apt und Apt-fast auf einem jeweils frisch eingerichteten System brauchen.

Installation

Apt-fast wird bereits seit 2008 entwickelt und fand bei Ubuntu rege Verbreitung, da es hier ein PPA gibt. Die Installation lässt sich entsprechend schnell erledigen (Listing 1). Noch während der Installation nehmen Sie eine Erstkonfiguration vor (Abbildung 1), die allerdings der anschließenden manuellen Nacharbeit bedarf, um optimale Geschwindigkeit zu erzielen – dazu später mehr.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:saiarcot895/myppa
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get -y install apt-fast

Abbildung 1: Während der Installation von Apt-fast aus dem Ubuntu-PPA konfigurieren Sie unter anderem den zu verwendenden Paketmanager.

Abbildung 1: Während der Installation von Apt-fast aus dem Ubuntu-PPA konfigurieren Sie unter anderem den zu verwendenden Paketmanager.

Bei PCLinuxOS finden Sie Apt-fast im Paketarchiv. Unter anderen Distributionen installieren Sie es per Quick-Install-Skript direkt aus Github oder ziehen dort den Quellcode (auch auf Heft-DVD) und richten das Tool manuell ein (Listing 2). Die letzte Änderung fand vor rund drei Monaten statt – die Entwickler arbeiten also noch aktiv an dem Skript, auch wenn man davon ausgehen kann, dass sich an den Grundfunktionen nichts mehr ändert.

Listing 2

$ git clone git://github.com/ilikenwf/apt-fast.git
$ sudo cp apt-fast/apt-fast /usr/sbin/
$ sudo chmod +x /usr/sbin/apt-fast
$ sudo cp apt-fast/apt-fast.conf /etc
$ sudo chown root:root /etc/apt-fast.conf
$ sudo chown root:root /usr/sbin/apt-fast
$ sudo cp apt-fast/apt-fast.comp /etc/bash_completion.d/apt-fast
$ sudo chown root:root /etc/bash_completion.d/apt-fast
$ . /etc/bash_completion
$ sudo apt install aria2

Quick-Install

Das Quick-Install-Skript rufen Sie mit dem Kommando aus der ersten Zeile von Listing 3 auf. Der Befehl überträgt das Skript, macht es ausführbar und installiert zusätzlich den von Apt-fast verwendeten Download-Manager Aria2 im System (Abbildung 2). Anschließend richten Sie die Bash-Completion für Apt-fast ein (Zeile 2) und machen sie einsatzbereit (Zeile 3). Damit ließe sich das Tool im Prinzip bereits nutzen. Da wir Apt-fast aber die schnellsten Spiegelserver in unserer Umgebung zur Verfügung stellen wollen, installieren wir zusätzlich das Paket netselect-apt (Zeile 4).

Abbildung 2: Via Github lässt sich Apt-fast bequem per Quick-Install-Skript einrichten.

Abbildung 2: Via Github lässt sich Apt-fast bequem per Quick-Install-Skript einrichten.

Listing 3

$ sudo /bin/bash -c "$(curl -sL https://git.io/vokNn)"
$ sudo wget -O /etc/bash_completion.d/apt-fast https://raw.github.com/ilikenwf/apt-fast/master/completions
$ source /etc/bash_completion
$ sudo apt install netselect-apt

Schnelle Server finden

Die fünf schnellsten Server in unserer Umgebung haben wir mit dem Befehl sudo netselect-apt -t 5 ermittelt (Abbildung 3) und in die Konfigurationsdatei eingefügt. Gibt der Test bei Ihnen andere Server aus, verwenden Sie diese. Die geänderte Konfigurationsdatei namens apt-fast.conf kopieren Sie nach/etc/ und geben ihr mit sudo chown root:root /etc/apt-fast die passenden Zugriffsrechte.

Abbildung 3: Netselect wählt die schnellsten Server in der Umgebung aus.

Abbildung 3: Netselect wählt die schnellsten Server in der Umgebung aus.

Wenn Sie Apt-fast ständig verwenden möchten, legen Sie am besten in /etc/bash.bashrc einen Alias dafür an. Das erledigen Sie mit dem folgenden Befehl:

$ sudo echo "alias apt='apt-fast'" >> /etc/bash.bashrc

Nun können Sie Apt-fast nutzen, indem Sie beispielsweise apt install Paket oder apt dist-upgrade eingeben. Je nach Geschmack stellen Sie zusätzlich die Konfigurationsdatei von Apt-get auf das neuere Apt um und erhalten damit beispielsweise eine Fortschrittsanzeige.

Apt-fast.conf editieren

Dazu ersetzen Sie mit einem Editor Ihrer Wahl in der vorher kopierten apt-fast.conf in der Zeile #_APTMGR das apt-get mit /usr/bin/apt oder wahlweise auch mit /usr/bin/aptitude, falls Sie das bevorzugen. Entfernen Sie vor dem Speichern das Hash-Zeichen # vor der Zeile, um diese zu aktivieren. Wie Sie die Spiegelserver austauschen, erläutern Kommentarzeilen in der /etc/apt-fast.conf, die Sie auch in Abbildung 4 sehen.

Abbildung 4: Die Steuerdatei <code srcset=

/etc/apt-fast.conf enthält zahlreiche nützliche Konfigurationsbeispiele für Apt-fast.” width=”300″ height=”132″ /> Abbildung 4: Die Steuerdatei /etc/apt-fast.conf enthält zahlreiche nützliche Konfigurationsbeispiele für Apt-fast.

Nun können Sie Apt-fast mit den schnellsten Debian- oder Ubuntu-Servern in Ihrer Umgebung nutzen und Pakete parallel über mehrere Verbindungen herunterladen. Die Syntax ist mit jener von Apt-get identisch, nur dass Sie den Funktionen wie install, remove, upgrade und dist-upgrade nun apt-fast oder den dafür definierten Alias voranstellen.

Performance

Ob der Einsatz von Apt-fast sich bei Ihnen lohnt, lässt sich ohne Kenntnis der spezifischen Gegebenheiten an Ihrem Standort nicht vorhersagen. Beim Test mit einer 120-Mbit/s-Leitung und der Installation des Pakets LibreOffice, das auf einem frisch eingerichteten System den Download von rund 100 MByte an Daten verursacht, sparten wir mit der optimierten apt-fast.conf in mehreren Durchgängen zwischen ein Fünftel und der Hälfte der Download-Zeit ein. Dauerte das Herunterladen ohne Apt-fast zwischen 7 und 10 Sekunden, waren es mit Apt-fast auf einem identischen System meist um die 5 Sekunden.

Fazit

Ob sich der Aufwand lohnt, um Apt-fast zu installieren und zu konfigurieren, richtet sich nach den Geschwindigkeiten der verfügbaren Spiegelserver und den bei Ihnen anfallenden Download-Mengen. Bei Debian “Stable” lässt sich der Zeitgewinn eher vernachlässigen, bei Debian “Unstable” und anderen Rolling-Release-Distributionen auf Debian-Basis rechnet sich das schon eher.

Als Zugewinn nebenbei fällt die Installation des Download-Managers Aria2 an, mit dem sich auch außerhalb von Apt-fast alle Downloads beschleunigen lassen. Das Tool verfügt von Haus aus lediglich über eine Kommandozeilensteuerung [2], es gibt jedoch mit Webui-aria [3] auch eine grafische Oberfläche für den Browser.

Bei genauer Durchsicht der Komponenten von Apt-fast konnten wir keine negativen Auswirkungen einer Installation auf das Paketmanagement von Debian feststellen. Unsere einzige Kritik: Die Quick-Installation sollte der Entwickler nach /usr/local/bin/ verlegen, denn nach /usr/bin/ gehören eigentlich nur Pakete, die Dpkg verwaltet. Ansonsten gilt in Sachen Apt-fast: Wenn es hilft, spricht nichts dagegen. 

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