Qt-Desktop in Anlehnung an LXDE

Aus LinuxUser 12/2016

Qt-Desktop in Anlehnung an LXDE

Parallelen

LXQt verwirklicht einen schlanken Desktop auf der Basis von Qt5. Parallelen zu LXDE sind dabei keineswegs zufällig.

In Sachen Desktop steht L in der Regel für “light” – insbesondere im Fall der beiden leichtgewichtigen X11-Desktop-Umgebungen LXDE und LXQt. Eigentlich ist LXQt noch mitten auf dem Weg zu einer vollständigen Desktop-Umgebung, wie die derzeit aktuelle Versionsnummer 0.11.0 schon andeutet. Allerdings darf man sich davon auch nicht täuschen lassen: LXQt lässt sich durchaus bereits produktiv benutzen. Im Folgenden beleuchten wir den Stand seiner Entwicklung näher.

Aber erst einmal zurück auf Anfang: Dort steht das 2006 begonnene Desktop-Projekt LXDE [1], das antrat, einen leichtgewichtigen Desktop auf der Basis von GTK zu schaffen. Dessen Ressourcenhunger sollte nach Möglichkeit noch niedriger liegen als der des ohnehin schon schlanken XFCE.

LXDE und Razor-qt

Im Jahr 2010 traten einige russische Entwickler auf den Plan, die KDE und das Qt-Framework schätzten, aber gerne eine leichtgewichtigere Version genutzt hätten. Sie starteten auf Basis des damals aktuellen Qt4 das Projekt Razor-qt [2]. Die Entwicklung verlief aufgrund zeitlicher Restriktionen der Beteiligten vergleichsweise langsam.

Nach drei Jahren beschlossen die Entwickler von LXDE und Razor-qt schließlich, gemeinsam an der Umsetzung eines extraschlanken Qt-Desktops unter dem Namen LXQt [3] zu arbeiten. Das hatte den Vorteil, dass man Teile des bereits fertigen LXDE nicht neu schreiben musste, sondern sie von GTK nach Qt portieren konnte.

Im Mai 2014 erschien eine erste, in der Versionierung an Razor-qt angelehnte Veröffentlichung als LXQt 0.7.0. Mit der nächsten Ausgabe 0.8.0 erreichten die Entwickler Kompatibilität mit Qt5. Das wiederum eröffnete die Möglichkeit, in LXQt 0.9 (es setzte bereits Qt 5.3 voraus) einige bei der Entwicklung von KDE Frameworks 5 modularisierte Bibliotheken zu übernehmen, um LXQt-eigene Bibliotheken abzulösen.

So ersetzte das KWindowSystem die XfitMan von Razor-qt beim Handhaben von Fensterereignissen in den Modulen lxqt-panel, lxqt-runner, lxqt-session, lxqt-notificationd und lxqt-session – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur künftigen Kompatibilität mit Wayland.

Für LXQt 0.10.0, das Ende 2015 erschien, hatten es sich die Entwickler zum Ziel gesetzt, den Code zu “glätten”. Sie beseitigten mehr als 400 Fehler, fügten Dutzende Übersetzungen ein und integrierten die beiden Qt-Frameworks Solid und Libkscreen. Dabei ersetzte Solid die Liblxqt-mount, Kf5IdleTime übernahm Teile des Energiemanagements. Das Verwalten von Displays übernahm die Libkscreen – sie ist ebenfalls bereits mit Wayland kompatibel.

Mit Siduction

Wir haben uns das aktuelle LXQt 0.11.0 in der 64-Bit-Variante in einer Vorabversion von Siduction 2016.1.0 “Patience” angesehen. Die Kombination liegt nahe, denn Siduction-Entwickler Alf Gaida trägt gleichzeitig den Hut des LXQt-Release-Teams, sodass Siduction nah an der LXQt-Entwicklung sitzt.

Gleich nach dem Start belegt die neue LXQt-Version 258 MByte im Hauptspeicher. Die installierte Größe auf der Festplatte liegt bei 3,4 GByte. Bei der 32-Bit-Version fällt der Fußabdruck im Speicher noch geringer aus.

LXQt 0.11.0 lässt sich weitgehend individualisieren (Abbildung 1) und bringt Aktualisierungen und Erweiterungen an vielen Stellen. So kann der Dateimanager PcmanFM-Qt (Abbildung 2) jetzt ordnerspezifische Einstellungen speichern, die Adressleiste beherrscht Autovervollständigung. Das Menü am Kopf der Anwendung lässt sich verstecken. Auch das Panel am unteren Display-Rand werteten die Entwickler auf. So lässt es sich jetzt animiert verbergen und erlaubt das Gruppieren von Anwendungen.

Abbildung 1: LXQt 0.11.0 ermöglicht die klassischen Einstellungen für den Desktop, wie Fonts, Wallpaper und Icons.

Abbildung 1: LXQt 0.11.0 ermöglicht die klassischen Einstellungen für den Desktop, wie Fonts, Wallpaper und Icons.

Abbildung 2: Den Dateimanager PcmanFM-Qt haben die Entwickler um ordnerspezifische Einstellungen erweitert.

Abbildung 2: Den Dateimanager PcmanFM-Qt haben die Entwickler um ordnerspezifische Einstellungen erweitert.

Den Dialog zum Erstellen weiterer Leisten haben die Entwickler deutlich verbessert, das Menü bietet jetzt ein Suchfeld. Neu hinzu kommt in LXQt 0.11.0 die Anwendung Pavucontrol-Qt, die fast alle Mixer-Einstellungen von Pavucontrol für PulseAudio abbildet.

Fokus auf Qt-Anwendungen

Ansonsten bringt LXQt 0.11.0 in der Vorveröffentlichung von Siduction eine passende Auswahl an leichtgewichtigen Anwendungen mit, die wo immer möglich dem Qt-Fundus entstammen. Als Ergänzung kommen nützliche GTK-Werkzeuge hinzu, wie das Desktop-Wiki Zim oder Ceni oder Connman zur einfachen Konfiguration des Netzwerks – Letztere stammen noch von Sidux.

Als Standard-Fenstermanager dient XFWM4 von XFCE. Sagt Ihnen diese Wahl nicht zu, stellen Sie einfach unter LXQt-Systemeinstellungen | Sitzungskonfiguration einen anderen Window Manager Ihrer Wahl ein, wie zum Beispiel Openbox. Zum Anmelden dient SDDM.

Firefox lädt zum Stöbern im Internet ein, der Mailclient hört auf den Namen Trojitá (Abbildung 3). Das Panel am oberen Bildschirmrand – je nach Display-Größe lässt es sich auch seitlich anordnen – erstellt Plank.

Abbildung 3: Das <code srcset=

Configuration Center ermöglicht umfangreiche Einstellungen. Als Mailclient dient der schlanke, aber vielseitige Trojitá.” width=”300″ height=”152″ /> Abbildung 3: Das Configuration Center ermöglicht umfangreiche Einstellungen. Als Mailclient dient der schlanke, aber vielseitige Trojitá.

Fazit

LXQt erweist sich in der Praxis als angenehm zu bedienender Desktop, der besonders Freunde von Qt anspricht. Sein Footprint fällt nur wenig größer als der von LXDE aus – das prädestiniert LXQt auch dazu, das Leben älterer Rechner mit nur 1 GByte RAM und CPUs ab 1 GHz Taktrate zu verlängern. Der Desktop lässt sich in weiten Teilen an die Vorlieben des Nutzers anpassen.

Die LXDE-Entwicklung läuft fürs Erste auf der Basis von GTK+ 2 weiter. Ein Umstieg auf GTK+ 3, wie er gerade bei Maté erfolgte, ist derzeit noch nicht in Sicht, auch wenn sich der meiste Code bereits gegen GTK+ 3 bauen lässt. Zudem tritt LXQt an, um LXDE zu ergänzen; ersetzen will er es nicht. So werden beide nebeneinander ihre Anwender finden. 

Glossar

Wayland

Ein Display-Server für Linux, der mittelfristig den veralteten X-Window-Server ablösen soll.

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