Photoflow vereint RAW-Entwickler und Bildbearbeitung

Aus LinuxUser 12/2016

Photoflow vereint RAW-Entwickler und Bildbearbeitung

© Melissa Poe, 123RF

Alles im Fluss

Beim Bearbeiten von RAW-Bildern wiederholen sich die gleichen Arbeitsschritte immer wieder. Photoflow versucht, den Ablauf mithilfe eines speziellen Ebenenkonzepts zu vereinfachen.

Typische RAW-Konverter bearbeiten RAW-Bilder komplett zerstörungsfrei, neuhochdeutsch “non-destructive”: Sie berechnen aus dem digitalen “Negativ” zunächst ein “Positiv”, das man anschließend als Bitmap mit klassischer Bildbearbeitungssoftware wie Gimp weiterverarbeitet.

Für sehr viele Aufgaben erweist es sich als sinnvoll und nützlich, Ebenen einzusetzen. Sie speichern Bildteile und Zwischenergebnisse, lassen sich als Varianten verwenden oder helfen, Effekte zu verstärken oder abzuschwächen. Zusätzlich kommen oft noch Ebenenmasken zum Einsatz, um Bereiche einer Ebene unterschiedlich darzustellen oder sogar auszublenden.

Dabei übernehmen gängige RAW-Konverter eine Reihe der anfallenden Aufgaben. Zunächst lesen sie die RAW-Bilder ein und dekodieren sie, was heute dank Libraw [1] weitgehend problemlos gelingt, einer Bibliothek zum Import von diversen RAW-Formaten. Anschließend gilt es, die RAW-Daten zu “rastern”, dieser Prozess nennt sich Demosaicing [2]. Dazu gibt es heute eine ganze Reihe von Algorithmen, die im Detail durchaus unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Anschließend nimmt der RAW-Konverter normalerweise noch eine Reihe grundlegender Bearbeitungen vor, etwa den Weißabgleich, das Anpassen der Belichtung, ein elementares Entrauschen (“raw denoise”) oder das Nachschärfen. Als Ergebnis speichern diese Programme dann ein Bild im Format PPM, PNG oder TIFF.

Da die Abfolge der Bearbeitungsschritte bei RAW-Konvertern im Prinzip weitgehend feststeht, legen sich Programme wie Darktable auf einen statischen Workflow fest. Das bietet den großen Vorteil, dass sich so reproduzierbare Ergebnisse erzielen lassen. Rawtherapee oder Lightzone dagegen verwenden einen freien Workflow. Dafür zeigt Rawtherapee einen anderen Trend (und Vorteil, wie viele meinen): Die Software übernimmt viele Funktionen aus der klassischen Bildbearbeitung – insbesondere Gradationskurven, die sehr feine Farb- und Helligkeitsanpassungen ermöglichen.

Das zeigt, wie RAW-Konverter und klassische Bildbearbeitung immer stärker verschmelzen. Eine Weiterführung dieser Fusion würde bedeuten, dass das Speichern eines Bitmap-Zwischenbilds überflüssig wird und noch mehr Funktionen aus der Bildbearbeitung in den RAW-Konverter oder ein Kombinationsprogramm wandern.

Photoflow als Zwitter

Genau diese Art von Software stellt Photoflow [3] dar. Derzeit gibt es die Software in zwei Varianten: als Stand-Alone-Programm und als Gimp-Plugin. Letzteres funktioniert allerdings nur mit der Entwicklerversion Gimp 2.9, da es einige der modernen Features nutzt, die nur diese bereitstellt, etwa die hohen Farbtiefen.

Das relativ junge Photoflow-Projekt wurde erstmals Anfang 2015 angekündigt. Wundern Sie sich daher nicht, wenn Sie es noch nicht in den Paketquellen der von Ihnen genutzten Distribution finden. Derzeit steht der Versionszähler der Anwendung bei 0.26, die Version 0.27 befindet sich in der Entwicklung. Der Kasten “Installation” zeigt, wie Sie das Programm aus den Quellen installieren.

Mit jedem Update erhält diese Software momentan noch neue Funktionen. So kamen vor einiger Zeit noch Routinen hinzu, die eigentlich für das Bildbearbeitungsframework GMIC [4] entwickelt wurden, wie etwa das “Dream-Smoothing”. Zusätzlich verfügt Photoflow über eine Plugin-Schnittstelle, über die Sie das Programm um zusätzliche, komplexere Funktionen erweitern.

Photoflow verarbeitet und erzeugt Bilder mit Farbtiefen von bis zu 64 Bit (Gleitkomma) pro Farbkanal. Dazu lädt es RAW-, TIFF- und JPEG-Bilder einschließlich der EXIF-Tags und eingebetteter Farbprofile. Mittels Lensfun-Profilen lassen sich dabei automatische Objektivkorrekturen vornehmen. Ein ausgefeiltes Farbmanagement deckt alle Bearbeitungsschritte ab und erlaubt Farbraumkonvertierungen.

Zu den eher für Bildbearbeitungen typischen Funktionen zählen diverse Helligkeits- und Farbanpassungen, Weichzeichnen, Schärfen, Zuschneiden, Skalieren und Drehen sowie verschiedene Ebenenmodi und Ebenenmasken, einschließlich Ebenengruppen. Dabei bietet Photoflow Vorschauen in Echtzeit. Selbst Freihandzeichnungen gestattet das Programm.

Installation

Bei Arch Linux finden Sie Photoflow im AUR [10]. Die Installation unter Ubuntu und dessen Derivaten erfolgt über ein PPA (Listing 1), ähnlich wie bei Fedora [11]. Bei Debian fehlt Photoflow derzeit in den Repositories. Dort kompilieren Sie es manuell nach Anleitung [12]. Dazu klonen Sie das Git-Repo mit git clone https://github.com/aferrero2707/PhotoFlow.git. Anschließend wechseln Sie ins build-Verzeichnis und starten mittels bash ./build.sh die Übersetzung.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:dhor/myway
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install photoflow

Einstieg

Photoflow präsentiert sich beim Start betont schlicht (Abbildung 1). Als Erstes fordert die Software auf, ein Bild zu laden, idealerweise im RAW-Format. Derzeit fehlt dem Ladedialog allerdings eine Vorschaufunktion, ebenso funktioniert das Laden aus dem Dateimanager via Drag & Drop noch nicht. Sie müssen daher zuvor das gewünschte Bild mit einem anderen Bildbetrachter heraussuchen.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick präsentiert Photoflow eine schlichte und aufgeräumte Oberfläche.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick präsentiert Photoflow eine schlichte und aufgeräumte Oberfläche.

Im nächsten Schritt führt Photoflow automatisch das Demosaicing durch. Dabei erstellt es die Ebenen RAW developer und RAW loader. Sie finden diese im Ebenendock auf der linken Seite des Fensters. Oberhalb davon zeigt Photoflow das typische Histogramm. Ein Doppelklick auf eine der Ebenen fördert die dort versteckten Dialoge zutage (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der <code srcset=

RAW developer legt grundlegende Parameter des digitalen Negativs fest.” width=”300″ height=”207″ /> Abbildung 2: Der RAW developer legt grundlegende Parameter des digitalen Negativs fest.

Am oberen Rand des Photoflow-Fensters befinden sich eine Reihe von Buttons für elementare Dateifunktionen wie das Laden oder Speichern. Hier gibt es auch den bisher fast funktionslosen Button für die Programmeinstellungen.

Am unteren Rand finden Sie links zwei Buttons zum Laden und Speichern der Voreinstellungen, rechts Schalter zum Steuern der Ansicht und Vorschau. Das rot-gelb-grüne Ampelsymbol zeigt an, wie weit Photoflow anstehende Aktionen bereits ausgeführt hat. Die schwarze Lampe zeigt beim Klick darauf unterbelichtete Bereiche an, die weiße überbelichtete.

Die gesamte funktionale Steuerung von Photoflow erfolgt über eine kleine Schalterleiste an der linken Seite des Fensters (Abbildung 3). Dort legen Sie neue Ebenen an, mit denen Photoflow Aktionen ausführt.

Abbildung 3: Sämtliche Funktionen erreichen Sie über die Schalter in der linken Seitenleiste.

Abbildung 3: Sämtliche Funktionen erreichen Sie über die Schalter in der linken Seitenleiste.

Funktionen in der Seitenleiste

Funktion Anmerkungen
Neue Ebenengruppe Ebenengruppen anlegen (dürfen Masken erhalten)
Bild als neue Ebene einfügen importiert ein Bild als neue Ebene
Grundlegende Bearbeitungen Helligkeit/Kontrast/Sättigung/Farbton/Gamma
Gradationskurven analog zum Kurven-Werkzeug aus Gimp, wirkt auf RGB
Füllung füllt mit einer Farbe (und einem Ebenenmodus)
Verlaufswerkzeug sehr einfache Variante des gleichnamigen Werkzeugs aus Gimp
Entsättigen Leuchtkraft, Durchschnitt, Helligkeit, L von L*a*b
Freistellungswerkzeug entspricht Zuschneiden aus Gimp
Perspektivkorrektur einfache Perspektivkorrektur
Skalieren-und-Rotieren-Werkzeug Transformationswerkzeug
Pfadwerkzeug erzeugt geschlossene Pfade (Auswahlen)
Freihandwerkzeug für Freihandlinien
Klonstempel einfaches Stempelwerkzeug
Ebene löschen entfernt aktive Ebene

Interna

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Programm intern mit der VIPS-Library [5] arbeitet. Dieses Bildbearbeitungssystem – es handelt sich nicht um eine klassische Bildbearbeitung – gilt als extrem leistungsfähig und effizient. Das erklärt auch, warum die anderenorts oft stiefmütterlich behandelten Themen wie das Farbmanagement oder hohe Farbtiefen für Photoflow kein Problem darstellen: VIPS integriert die entsprechenden Funktionen.

Auch die enge Kooperation mit Gimp sticht hervor. In einem Video [6] beschreibt DrRaw (wohinter sich vermutlich der Entwickler verbirgt), wie diese Zusammenarbeit aussehen kann. Sie erlaubt zum einen eine Vorbearbeitung von RAW-Bildern – quasi als RAW-Konverter – zum anderen aber auch ein nachträgliches Bearbeiten einzelner Ebenen mit einer extern gestarteten Photoflow-Instanz.

Das ist zwar schon länger machbar, kam aber bisher selten zum Einsatz, etwa bei den LabCurves. Dieses nur noch schwer aufzutreibende, aber sehr praktische Programm finden Sie bei Interesse im GIMP Magazin 01/2017 [7] (ab 1. Dezember am Kiosk). In gewisser Weise arbeitet auch GMIC so, verwendet allerdings ein spezielles Plugin, das außerhalb von Gimp nicht läuft.

Viele Werkzeuge von Photoflow erhielten in der letzten Zeit neue Features oder änderten ihr Verhalten. Bisher funktionierte das Klonwerkzeug analog zu dem von Gimp – mit gedrücktem [Strg] und einem Klick auf die linke Maustaste nehmen Sie eine Farbe auf, mit einem herkömmlichen Mausklick setzen Sie diese wieder ab. In der Vorschauversion von Photoflow 0.27 funktioniert das jedoch nicht mehr. Dort müssen Sie zum Aufnehmen der Farbe [Strg]+[Alt] gedrückt halten. Ähnliches gilt für andere Werkzeuge, sodass es sich lohnt, im Blog von Photoflow [8] nach entsprechenden Informationen zu stöbern.

Scharfe Sache

Filter zum Schärfen – für die RAW-Entwicklung besonders wichtig – finden sich im Menü Detail (Abbildung 4), das sich beim Anlegen einer neuen Ebene öffnet. Der Filter für den lokalen Kontrast ist ein Highlight von Photoflow. Er sorgt allerdings eher für “Klarheit” in den Bildern, als sie zu schärfen. Dafür bietet er über einen Equalizer ganz hervorragende Möglichkeiten, die Wirkung in unterschiedlichen Helligkeitsbereichen separat zu steuern. Im Prinzip kommt hier eine unscharfe Maske zum Einsatz, allerdings mit relativ großen Radien.

Abbildung 4: Photoflow bringt eine Reihe von Filtern mit, um Details und Farben in importierten Bildern zu bearbeiten.

Abbildung 4: Photoflow bringt eine Reihe von Filtern mit, um Details und Farben in importierten Bildern zu bearbeiten.

Abbildung 5 zeigt den Filter mit seinen Parametern. In derselben Abbildung sehen Sie auch den Filter zum Schärfen. Er bietet derzeit zwei Varianten, die unscharfe Maske und das von Rawtherapee geerbte “RL Deconvolution”. Unter Sharpen method schalten Sie zwischen den beiden um.

Abbildung 5: Für das Verbessern des lokalen Kontrasts und das Schärfen bietet Photoflow brauchbare Filter.

Abbildung 5: Für das Verbessern des lokalen Kontrasts und das Schärfen bietet Photoflow brauchbare Filter.

Enthält das zu bearbeitende Bild viel Bildrauschen, hervorgerufen etwa durch hohe ISO-Werte, um die Belichtungszeit kurz zu halten, müssen Sie diese vor dem Schärfen minimieren. Das erledigen Sie mithilfe des Filters Rauschreduzierung, der die zwei von Rawtherapee entliehenen Filter Impulsrauschen und Nicht-lokales Mittel zusammenfasst. Sie müssen dafür eine oder beide Varianten zunächst explizit aktivieren.

Im Workflow von Photoflow erscheint dieser Filter nach dem Aktivieren an oberster Position, das Programm wendet ihn also zuletzt an. Das ergibt jedoch keinen Sinn, da das Schärfen die Rauschartefakte verstärkt: Der Rauschfilter muss also zwingend vor dem Schärfen zum Einsatz kommen. Das erreichen Sie, indem Sie die entsprechende Ebene im Ebenendock via Drag & Drop nach unten ziehen, direkt über RAW developer. Dabei zeigt sich, das es sich bei Photoflows “Ebenen” nicht um Ebenen im Sinne von Gimp handelt, sondern auch ganz wesentlich um Symbole für Filter. Jedes Verschieben stößt die gesamte Bearbeitung erneut an, was ziemlich viel Rechenzeit erfordert.

Die sehr wichtigen Gradationskurven funktionieren ebenfalls schon recht gut. Sobald Sie das Kurvensymbol in der Seitenleiste aktivieren, erscheint der Filter unmittelbar über dem RAW developer statt an oberster Position im Ebenenstapel. Die Gradationskurven wirken derzeit nur auf RGB, obwohl L (aus L*a*b) sicherlich interessanter wäre. Dafür lassen sich Gradationskurven mit Masken kombinieren. In Abbildung 6 kommen beispielsweise zwei Gradationskurven zum Einsatz, die jeweils über eigene Masken verfügen.

Abbildung 6: Die als Solarisationskurve aktivierten Gradationskurven wirken durch Masken begrenzt nur in Teilen des Bildes. Für beide Bereiche mussten zwei separate Instanzen der Gradationskurven verwendet werden.

Abbildung 6: Die als Solarisationskurve aktivierten Gradationskurven wirken durch Masken begrenzt nur in Teilen des Bildes. Für beide Bereiche mussten zwei separate Instanzen der Gradationskurven verwendet werden.

GMIC

Zum echten Highlight könnte sich die (bisher nur rudimentäre) Integration von GMIC in Photoflow entwickeln. Dabei aktivieren Sie den gewünschten Filter direkt beim Anlegen einer neuen Ebene. Ein Dialog zeigt die verfügbaren Filter, wobei es sich um eine sehr begrenzte Teilmenge der inzwischen fast 500 GMIC-Filter(varianten) handelt.

Photoflow bindet die GMIC-Filter jedoch nicht als Plugin ein, sondern recycelt die entsprechenden Teile des Quellcodes. Daher gibt es auch keine Vorschau für die GMIC-Filter, um deren Parameter zu ermitteln: Alle Einstellmöglichkeiten tauchen erst nach dem Aktivieren als Ebene auf (Abbildung 7).

Abbildung 7: Die Parameter von GMIC-Filtern erscheinen nach dem Aktivieren in einem eigenen Track neben dem Bildfenster.

Abbildung 7: Die Parameter von GMIC-Filtern erscheinen nach dem Aktivieren in einem eigenen Track neben dem Bildfenster.

Bisher ist es nicht möglich, einen einmal ausgewählten Filter noch zu ändern, lediglich seine Parameter lassen sich noch anpassen. Sie müssen stattdessen den unerwünschten Filter löschen (Ebene löschen) und einen neuen anlegen. Allerdings bietet Photoflow die Möglichkeit, die Wirkung eines Filters temporär zu deaktivieren. Das erfolgt über den linken Schalter im Stil eines Ein/Aus-Tasters in der Titelzeile der Filter (Abbildung 8).

Abbildung 8: In der Titelzeile der Werkzeuge beziehungsweise Filter gibt es eine Reihe von wichtigen Schaltern.

Abbildung 8: In der Titelzeile der Werkzeuge beziehungsweise Filter gibt es eine Reihe von wichtigen Schaltern.

Der erste Knopf (de-)aktiviert den Filter beziehungsweise das entsprechende Werkzeug, ohne es zu entfernen. Der zweite Button schaltet die Wirkung der Maske um. Deren Darstellung erfolgt nur im Erstellen-Modus, in dem sie sich auch anpassen lässt. Der dritte Schalter steuert die Ansicht des Filters.

Mit dem nächsten Button lassen sich die vorgenommenen Einstellungen auf die Standardwerte zurücksetzen. Der letzte der runden Buttons (“i”) stellt für Sie eine kurze Hilfe zum aktuellen Werkzeug bereit. Nur für einige der Werkzeuge gibt es hier hilfreiche Informationen. Der breite Schalter ganz rechts schließlich schaltet den Ebenenmodus um – analog zu GIMP, wo es allerdings deutlich mehr Modi gibt.

Praxis

In der Praxis bietet Photoflow noch keinen einheitlichen Workflow. Sie müssen eine Menge Tricks und nicht unbedingt einsichtige Verfahren kennen, um die einzelnen Filter und damit das Programm sinnvoll nutzen zu können. Ein typisches Beispiel dafür liefert die Arbeit mit (Ebenen-)Masken.

Zunächst wählen Sie das Werkzeug, das Sie mit einer Maske verwenden wollen. Stellen Sie es in etwa so ein, wie Sie es später einsetzen möchten. Dabei erscheint eine normale neue Ebene im Dock. Mit einem Doppelklick auf das weiße Feld neben dem Ebenennamen – das Ebenendock erscheint dann grau – aktivieren Sie den Maskenmodus (Abbildung 9).

Abbildung 9: Für Ebenenmasken bedarf es eines Doppelklicks auf das zunächst weiße Feld, das sich anschließend in eines mit einem Verlauf umwandelt.

Abbildung 9: Für Ebenenmasken bedarf es eines Doppelklicks auf das zunächst weiße Feld, das sich anschließend in eines mit einem Verlauf umwandelt.

Nun können Sie im Prinzip mit jedem Werkzeug eine Maske für die zuvor aktive Ebene erstellen. So richtig gut funktioniert das bisher allerdings nur mit dem Pfadwerkzeug. Das genügt zwar für viele Zwecke, bringt aber einige Beschränkungen mit sich. So darf das Pfadwerkzeug nur jeweils einen Pfad enthalten, der außerdem geschlossen sein muss.

In der linken Seitenleiste erscheint beim Anlegen der Maske ein neuer Reiter. Er trägt den Namen Deckkraft, gefolgt vom Namen des Werkzeugs in runden Klammern. Um wieder die normalen Ebenen im Ebenendock zu sehen, aktivieren Sie den Reiter Ebenen. Dieses Konzept erscheint etwas konfus, vermischt es doch Ebenen und deren Masken so, als wären es gleichwertige Objekte.

Hinzu kommt, dass derzeit für jede Ebenenmaske ein neuer, zusätzlicher Reiter erscheint, was die Übersicht weiter erschwert. Zudem können bei diesem Konzept im Prinzip mehrere Werkzeuge die Masken eines (primären) Werkzeugs erstellen. Welche Maske sich dann auf welche Weise auswirkt, lässt sich kaum noch durchschauen – ganz zu schweigen von der Möglichkeit, Masken für eine Maske zu erzeugen.

Für weitere Irritationen sorgt die grafische Oberfläche. So lassen sich numerische Werte bisher nur in manchen Fällen mit Schiebereglern einstellen, zudem müssen Sie die Eingabe von Zahlenwerten mittels der Eingabetaste abschließen. Diese Details lassen sich heute deutlich geschickter lösen und machen die Anwendung unnötig kompliziert.

Fazit

Photoflow hinterlässt einen sehr durchwachsenen Eindruck: Einerseits glänzt es mit der Grundidee, die bestehende Lücke zwischen klassischem RAW-Konverter und herkömmlicher Bildbearbeitung zu schließen. Damit gibt es die Richtung vor, in die sich diese Programme in Zukunft weiterentwickeln werden.

Auf der anderen Seite kann die konkrete Implementierung noch nicht überzeugen, von den Ebenen mit den eigentlich Filtern entsprechenden Aktionen bis hin zum konfusen Masken-Konzept. Die Entwickler sollten sich besser an bekannte und bewährte Vorgehensweisen halten und beispielsweise das Ebenenkonzept von Gimp übernehmen.

Auch grenzt sich Photoflow bislang zu wenig von guten RAW-Konvertern ab. So verfügt beispielsweise auch Darktable über Ebenen, Ebenenmodi (deutlich mehr als Photoflow) und Ebenenmasken, die zudem noch viel klarer definiert sind und sich einfacher anwenden lassen. Ähnliches gilt auch für Filter, sowohl in Sachen Leistung wie auch Integration.

Dennoch sollte man Photoflow auf dem Schirm behalten – die Anwendung steht ja, wie eingangs erklärt, noch am Anfang ihrer Entwicklung. Tipps und Hilfe zu Photoflow finden sich im Account von DrRaw auf Google+ [9] sowie auf der Homepage des Projekts. Allerdings befindet sich nur ein Teil dieser Anleitungen und Demos auf dem neuesten Stand. 

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