Arch Linux versorgt den Anwender stetig mit den neuesten Errungenschaften der Open-Source-Welt. Dass das System dabei dennoch stabil bleibt, spricht für das ausgeklügelte Paketmanagement.
Linux-Distributionen lassen sich in unterschiedliche Kategorien einsortieren. Oberflächlich gibt es etwa jene, die sich auf verschiedene Desktop-Umgebungen konzentrieren; andere richten sich eher an die Betreiber von Servern. Letztere verzichten von Haus aus auf eine grafische Oberfläche und bringen dafür vorkonfigurierte Netzwerkdienste mit. Unter der Haube gibt es zum Beispiel Unterschiede in der Paketverwaltung (in der Regel DEB- oder RPM-Pakete) und bei den entsprechenden Frontends.
Ganz unabhängig von der Wahl der vorinstallierten Software oder dem anvisierten Einsatzgebiet (siehe Tabelle “Für wen eignet sich Arch?”) gibt es Unterschiede im Release-Modell. Die meisten Distributionen veröffentlichen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen eine neue Ausgabe. Ubuntu-Versionen etwa folgen einem festen, halbjährlichen Zeitplan [1] aufeinander – beziehungsweise für LTS-Versionen mit verlängertem Support-Zeitraum alle zwei Jahre. Neue Debian-Ausgaben erscheinen entsprechend der Philosophie “Release When Ready” hingegen erst dann, wenn die Entwickler die Software für eine neue Version für reif halten und selbst kleine Fehler eine absolute Ausnahme darstellen [2].
Release-Modelle
In den klassischen Release-Modellen pflegen die Entwickler keine neuen Programme oder Updates bestehender Anwendungen in die Paketquellen der bereits veröffentlichten Ausgabe ein. Nur noch essenzielle, weil wichtige Funktionen betreffende Updates oder Sicherheitsfixes finden Aufnahme in die Paketquellen und somit auch den Weg zum User. Für die nächste Ausgabe der Desktop-Umgebung, eine neue Version von LibreOffice oder gar ein Update auf den brandneuen Linux-Kernel müssen Sie sich in der Regel bis zur nächsten Ausgabe der Distribution gedulden oder solche Updates von Hand oder aus alternativen Paketquellen installieren.
Der Grund für diesen recht konservativen Ansatz liegt darin, dem User eine möglichst stabile (im Sinne einer sich nicht verändernden) Umgebung zu bieten. Über die Paketverwaltung eingespielte Updates sollen nicht unerwartet bewährte Funktionen brechen. Neue Programmversionen könnten zudem neue Bugs mitbringen, daher portieren die Entwickler lieber die mit Sicherheitsupdates verbundenen Patches auf die in der Distribution enthaltene Versionen zurück. Ausnahmen bestätigen inzwischen jedoch die Regel: Aufgrund der schnellen Release-Zyklen und der hohen Brisanz von Bugs in Browsern aktualisieren die Distributoren Programme wie Firefox oder Chromium in der Regel regelmäßig.
Demgegenüber stehen Rolling-Release-Distributionen, die in steter Folge Updates bestehender Anwendungen oder auch komplett neue Programme in die Paketquellen einfügen. Zu dieser Riege gehören Linux-Klassiker wie Debian “Sid” oder Gentoo [3] sowie neuere Kandidaten wie Siduction [4] oder Netrunner “Rolling” [5]. Solche Distributionen verfügen weder über einen Release-Zeitplan noch gibt es Versionsnummern. Sogenannte Snapshots dienen lediglich als Installationsmedium oder als Live-System für Demonstrationszwecke. Wer einmal eine Rolling-Release-Distribution installiert, muss das System nie auf eine neue Version aktualisieren oder auf Support-Zeiträume achten.
Aufgrund der stetigen Updates gehört auch Arch Linux [6] in die Kategorie der Rolling-Release-Distributionen. Im Gegensatz zu Gentoo nutzt Arch ein binäres Paketformat, sodass langwieriges Kompilieren bei der Installation von Software nicht nötig ist. Die Handhabung eines Arch-Systems fällt daher im Alltag recht leicht. In der Praxis trudeln kleinere Programme innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen nach Veröffentlichung in den Paketquellen ein. Größere Brocken, wie eine Hauptversion einer Desktop-Umgebung oder eine komplett neue Bürosuite, brauchen hingegen in der Regel ein paar Tage bis Wochen: Arch ist daher nicht immer zwingend “bleeding edge”, aber auch nie wirklich veraltet.
TIPP
Die englischsprachige Wikipedia pflegt eine sehr ausführliche Liste aller bekannten und zahlreicher weniger bekannten Rolling-Release-Distributionen [25].
Besonderheiten
Hinter Arch-Linux steht eine mit den Begriffen “Einfachheit”, “Aktualität”, “Pragmatik”, “User-Fokus” und “Flexibilität” beschriebene Philosophie, die sich an vielen Stellen der Distribution wiederfindet.
Zur Einfachheit trägt bei, dass Arch möglichst unveränderten Quellcode nutzt, so wie ihn die Entwickler der in der Distribution eingebundenen Software-Projekte bereitstellen – sogenannte Vanilla-Software also. Eigene Experimente, wie etwa Ubuntus Unity-Desktop mit massiv veränderten Bibliotheken und Programmen aus dem Gnome-Fundus, gibt es in Arch nicht. Über eine alternative Paketquelle ließe sich der Unity-Desktop allerdings auch recht leicht unter Arch installieren.
Um der Aktualität Rechnung zu tragen, umfassen die Arch-Paketquellen soweit möglich stets die neusten Ausgaben der eingebundenen Programme – Rolling-Release eben. Ausnahmen bilden Bibliotheken oder Anwendungen, deren Änderung massiv die Stabilität des Systems beeinträchtigen könnte. In der Regel schaffen es jedoch auch umfangreichere Änderungen innerhalb weniger Wochen in die Paketquellen. Einmal installiert, halten Sie das System mit nur einem Kommando aktuell.
Die Free Software Foundation empfiehlt neben Trisquel oder gNewSense nur eine Handvoll von Linux-Distributionen, die ausschließlich freie Software beinhalten [7]. Andere Distribution, darunter alle gängigen von Debian über Fedora, OpenSuse und Ubuntu bis hin zu Arch Linux, möchte die Foundation nicht befürworten, da sie proprietäre Bestandteile direkt integrieren oder deren Installation zu sehr erleichtern [8]. Arch verfolgt hier einen pragmatischen Ansatz: Da sich der Anwender sein System sowieso komplett selbst zusammenbaut, steht es ihm frei, zu entscheiden, ob er unfreie BLOBs nutzt. Viele kommerzielle Anwendungen wie Steam als Spieleplattform oder AfterShot Pro zur Bildbearbeitung lassen sich direkt oder das AUR leicht installieren.
Zahlreiche Linux-Distributionen schreiben sich auf die Fahne, möglichst benutzerfreundlich zu sein und so eine möglichst große Masse an Interessenten anzusprechen. Arch möchte jedoch eher diejenigen User den Fokus stellen, die die Distribution aktiv unterstützen. Dieser Begriff prägt das elitäre Image von Arch, heißt für die User jedoch: Arch ist das, was man daraus macht. Wer schon bei anderen Distributionen seine Probleme mithilfe der Dokumentation, Wikis oder Foren löst, findet bei Arch dank der erstklassigen Dokumentation erst recht schnell zu einer Lösung.
Arch eignet sich für so gut wie jedes System und jede Aufgabe: Da die Installation nur ein Basissystem ohne grafische Umgebung einspielt, lässt sich Arch komplett individuell anpassen, ohne das System von unnötigen und unerwünschten Paketen befreien zu müssen. Ob nun ein möglichst schlankes Linux für den Raspberry Pi oder ein kompletter Desktop mit allem Drum und Dran: Arch ist das, was der User daraus macht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Egal ob wie hier Gnome oder KDE, XFCE und Exoten wie Enlightenment oder Awesome: Arch ist das was, Sie aus der Distribution machen.
Die zweite Direktive lautet je nach Auslegung “Keep it simple, stupid” beziehungsweise “Keep it simple [and] stupid”. Entsprechend des KISS-Prinzips funktionieren technische Systeme dann am besten, wenn man sie möglichst einfach hält, sodass sie sich im Schadensfall leicht reparieren lassen. Arch setzt dieses Prinzip um, indem praktisch die komplette Konfiguration über Textdateien erfolgt.
Geschichte und Zukunft von Arch
Arch Linux gibt es nicht erst seit gestern: Die Ursprünge der Distribution entstanden bereits im Jahr 2002, in dem der kanadische Entwickler und Sysadmin Judd Vinet die Distribution auf Basis eines Linux From Scratch mitsamt dem Pacman-Paketmanager aus der Wiege hob [26]. Obwohl Vinet 2007 aus dem Projekt ausstieg [27], nahm Arch über die Jahre immer weiter an Fahrt auf. Inzwischen kümmern sich unter der Leitung von “Arch Overlord” Aaron Griffin ein internationales Teams aus über 30 ehrenamtliche Entwickler um das Weiterbestehen der Distribution [28].
Hinter Arch steht nicht wie bei Ubuntu mit Canonical ein Unternehmen, dennoch steht die Distribution seit Jahren auf sicheren Füßen. Sicherheitsupdates und generell Anwendungsupdates finden schnell den Weg in die Distribution. Nachwuchs für die Riege der offiziellen Entwickler rekrutiert Arch aus der Reihen der Trusted Users [29]. Diese haben sich längere Zeit durch aktive Teilname am Bugtracking-Prozess, durch das Einpflegen von Patchen oder der Betreung von AUR-Paketen bewiesen.
Größere Änderungen wie etwa die Umstellung von SysVinit auf Systemd sind auch bei Arch nicht ganz unumstritten, aufgrund der Rolling-Release-Philosophie aber unausweichlich. Für die User ergeben sich bei solchen Umstellungen zwar manuell Nacharbeiten, die das Arch-Team allerdings im Rahmen der News und im Wiki gut aufarbeitet.
Installation
Die Installation etablierter Linux-Distributionen wie OpenSuse, Fedora, Debian oder Ubuntu fällt heutzutage selbst Einsteigern leicht, sofern denn die eingesetzte Hardware mit dem Linux-Kernel harmoniert. Im Rahmen der Distributionen entwickelte Installationsroutinen oder der Einsatz des distributionsunabhängigen Installer-Frameworks Calamares [9] machen die Linux-Installation ebenso unkompliziert wie die eines Windows-Systems. Arch Linux verzichtet jedoch auf derartigen Komfort: Wer es nutzen möchte, muss sich entweder durch die manuelle Installation hangeln (siehe Kasten “Arch Linux installieren”), auf Arch-Derivate wie Antergos [10] oder Manjaro [11] zurückgreifen oder Projekte wie Architect [12] nutzen, einen Arch-Linux-Installer (Abbildung 2).

Abbildung 2: Arch Linux besitzt keine Installationsroutine. Für eine einfachere Installation bieten sich Arch-Derivate oder wie hier auf Architect an.
Arch verzichtet ganz bewusst auf eine eigene Installationsroutine: Zum einen lernen zukünftige Arch-User auf diesem Weg schon viel über das System, zum anderen bietet diese Installationsmethode ein Maximum an Flexibilität. Beim Einspielen einer üblichen Distribution bleibt Ihnen als Anwender höchstens noch beim Partitionieren der Festplatten sowie bei den zu installierenden Desktop-Umgebungen eine Wahl – wenn überhaupt. Mit Arch hingegen bestimmen Sie von Anfang an, welcher Bootloader, welcher Display-Manager oder welcher Kernel zum Einsatz kommen. Ohne Zweifel überfordert dieses Vorgehen Einsteiger, und selbst Fortgeschrittene müssen beim Arch-Einstieg einige harte Nüsse knacken. Als Belohnung winkt jedoch ein auf die eigenen Anforderungen abgestimmtes System ohne jeglichen Ballast, das man, einmal eingerichtet, nie wieder neu installieren muss.
Arch Linux installieren
Für Arch Linux gibt es keine offizielle Installations-DVD mit einer Installationsroutine, wie man sie bei anderen Distributionen findet. Möchten Sie Arch installieren, müssen Sie sich dazu durch die Anleitung für Einsteiger im Arch-Wiki arbeiten [30]. Im Rahmen dieses Artikels verzichten wir bewusst auf eine Aufarbeitung dieser Handreichung, da sie sich aufgrund aktueller Entwicklungen in der Linux-Welt im ständigen Fluss befindet.
Paketmanagement
Schon bei der Installation des Basis-Systems von Arch kommen Sie mit dem Arch-Paketmanager Pacman in Kontakt. Aufgrund des Rolling-Release-Prinzips kommt ihm eine zentrale Rolle zu: Wie bei den von Debian, OpenSuse und Fedora bekannten Pendants Apt-get, Zypper und Dnf arbeiten Sie auch hier vornehmlich in der Konsole. Als Alternative gibt es jedoch in Form von Anwendungen wie Pamac oder aufgrund der Integration von PackageKit [13] (und somit von Programmen wie Gnome Software) grafische Aufsätze zur Paketverwaltung (Abbildung 3).

Abbildung 3: Unter Arch kümmert sich das Kommandozeilenwerkzeug Pacman um das Paketmanagement. Grafische Aufsätze wie Pamac oder Gnome Software bieten sich als Ergänzung an.
Die grafischen Pacman-Frontends beherrschen in der Regel die Suche nach sowie das Einspielen, Deinstallieren und Aktualisieren von Paketen. Für erweiterte Funktionen müssen Sie auf Pacman zurückgreifen. Generell lohnt es sich, wie bei Apt-get und Co. die grundlegenden Funktionen des Konsolen-Paketmanagers zu erlernen (siehe Tabelle “Pacman-Grundlagen”): Mit einigen wenigen Pacman-Kommandos kommen Sie oft schneller ans Ziel als mit grafischen Frontends.
Pacman-Grundlagen
| Befehl | Funktion |
|---|---|
pacman -Ss Begriff |
durchsucht die Paketdatenbank nach dem angegebenen Begriff |
pacman -S Paket |
installiert das Paket mitsamt Abhängigkeiten |
pacman -Sy |
aktualisiert die lokale Paketdatenbank |
pacman -Su |
installiert anstehende Updates der installierten Pakete |
pacman -Syu |
liest die Paketquellen neu ein und installiert alle verfügbaren Updates |
pacman -R Paket |
deinstalliert das Paket |
pacman -Rs Paket |
entfernt das Paket mitsamt nicht mehr benötigter Abhängigkeiten |
pacman -Rss Paket |
löscht das Paket mitsamt nicht mehr benötigter Abhängigkeiten und deren Abhängigkeiten |
Im Gegensatz zu Apt aus Debian und dessen Derivaten wie Ubuntu unterscheidet die Paketverwaltung von Arch nicht zwischen unterschiedlichen Programme wie Apt-get, Apt-cache oder Apt-key: Unter Arch arbeiten Sie in der Regel immer mit Pacman plus einer entsprechenden Option. Mit pacman -S chromium etwa durchsuchen Sie die Paketquellen etwa nach allem, was den Begriff “Chromium” im Paketnamen oder der Beschreibung trägt (Abbildung 4). Mit pacman -Ss chromium-bsu spielen Sie dann zum Beispiel das Spiel Chromium B.S.U. [14] ein (Abbildung 5).

Abbildung 4: In der Regel steuern Sie die Paketverwaltung am schnellsten über ein Terminal. Hier durchsuchen wir die Paketdatenbank.

Abbildung 5: Bei der Installation von Paketen zieht Pacman das gewünschte Programm mitsamt der benötigen Abhängigkeiten aus dem Netz.
Beim Umstieg von anderen Distributionen hilft Ihnen besonders der Rosettastein [15], ein Artikel im Arch-Wiki. Sein Name bezieht sich auf den aus vorchristlicher Zeit stammenden Stein von Rosette [16] gemeint, der dieselbe Inschrift in Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch trägt und somit erstmals Übersetzungen zwischen diesen Schriften ermöglichte. In ähnlicher Manier stellt der Arch-Rosettastein gebräuchliche Kommandos zur Paketverwaltung von Red Hat / Fedora, Debian / Ubuntu, Suse / OpenSuse, Gentoo und eben Arch Linux nebeneinander.
Neben den offiziellen Repositories gibt es auch inoffiziellen Paketquellen für Arch [17], die Sie über entsprechende Zeilen in der /etc/pacman.conf einbinden. Alternativ beinhaltet das sogenannte Arch-User-Repository (kurz AUR) eine Vielfalt an Paketen, die es bisher noch nicht in die offiziellen Paketquellen geschafft haben. Anders als Ubuntu-PPAs mit ähnlicher Funktion enthält das AUR selbst keine Software, sondern listet nur Kochrezepte (im Arch-Jargon PKGBUILDS) auf, die die Installation des jeweiligen Pakets aus dem Quellcode, anderen Paketformaten wie DEB oder RPM sowie binären Archiven beschreiben. Mit AUR-Helper-Programmen wie Yaourt oder Pacaur lassen sich diese Programme dann leicht installieren.
Alle Details der Paketverwaltung von Arch wie die Handhabung von Pacman, das Hinzufügen von Paketquellen sowie den Zugriff auf das AUR erklärt der Artikel “Guten Appetit” aus LinuxUser 09/2015 [18]. Sie finden den Beitrag auch auf der Heft-DVD dieser Ausgabe sowie online im Netz, sodass wir uns an dieser Stelle eine Reprise schenken. Wir konzentrieren uns im Folgenden vielmehr auf die alltägliche Praxis mit und die Besonderheiten von Arch.
Dos and Don’ts
Damit Arch zuverlässig funktioniert und der stetige Strom an Updates nicht das System beeinträchtigt, sollten Sie sich im Alltag mit Arch an einige Grundregeln halten, diese hauptsächlich die Paketverwaltung betreffen. Beim Rest gilt wie bei jeder anderen Linux-Distribution: Als Anwender besitzen Sie auf selbst verwalteten Systemen immer Root-Rechte; mit der vollen Kontrolle über das System geht aber auch entsprechende Verantwortung einher. Lesen Sie daher im Zweifel vor größeren Operationen nach, ob sich das angepeilte Vorhaben auch wie geplant umsetzen lässt.
Informieren Sie sich regelmäßig über größere Umbauarbeiten an Arch. Entsprechende Ankündigungen finden Sie direkt auf den Einstiegsseiten der deutschen oder englischen Arch-Community oder gesammelt in den Arch Linux News Archives [19]. Entsprechende Modifikationen kommen nicht alle Tage vor und geschehen auch nicht überraschend; allerdings gibt es immer wieder Änderungen, die ein Eingreifen des Users erforderlich machen. Dazu gehörten in der Vergangenheit zum Beispiel die Migration von SysVinit auf Systemd sowie die verschiedenen Iterationen des AUR, zuletzt zu einem auf Git basierenden System.
Das Motto “release early, release often” nimmt in der Welt der freien Software eine besondere Stellung ein. Aufgrund dieser Philosophie und des Rolling-Release-Prinzips stehen bei Arch binnen weniger Tagen oft 100 oder mehr Updates an (Abbildung 6). Zögern Sie nicht zu lange, sie einzuspielen, sonst besteht die Gefahr, dass sich Abhängigkeiten nicht mehr auflösen lassen. Sie müssen nicht zwingend täglich Updates einspielen, aber einmal wöchentlich sollten Sie sich schon aus Security-Gründen den Updates widmen. Das System verträgt durchaus auch einmal eine Update-Pause von mehreren Wochen, während der sich dann allerdings ein beachtliches Download-Volumen ansammelt.

Abbildung 6: Nach gut einer Woche sammeln sich zahlreiche Updates an. Im Beispiel aufgrund eines LaTeX-Updates müssen über 750 MByte geladen werden.
Wie die Paketmanagementwerkzeuge anderer Distributionen bietet auch Pacman die Option, Pakete von Updates auszunehmen. Dazu dienen die Einträge IgnorePkg and IgnoreGroup in der pacman.conf. Aufgrund der Aktualisierungshäufigkeit mag es verlockend erscheinen, ab und an einmal ein Update zu unterdrücken, etwa weil eine neue Programmversion noch einen Bug enthält oder eine gewünschte Funktion nicht mehr mitbringt. Um Probleme mit Abhängigkeiten zu vermeiden, unterstützt Arch jedoch eigentlich solchen partiellen Updates nicht [20]. Um Schwierigkeiten von vornherein aus dem Weg zu gehen, sollten Sie entweder alle Updates installieren oder mit allen Aktualisierungen eine Zeit lang pausieren.
Beim Einrichten oder Aktualisieren von Paketen gibt Pacman neben den üblichen Statusmeldungen auch immer wieder wichtige Hinweise aus (Abbildung 7). Werfen Sie deshalb nach jedem Update-Lauf einen Blick in die entsprechende Protokolldatei pacman.log, die Sie unter /var/log finden. Achten Sie dabei besonders auf Ausgaben wie warning: /Pfad/Datei installed as /Pfad/Datei.pacnew oder ... saved as /Pfad/Datei.pacsave. Sie treten in der Regel beim Update von Diensten auf, bei denen das aktualisierte Paket eine von der vorhandenen Version differierende Konfigurationsdatei enthält. Vergleichen Sie dann die .pacnew-Datei mit der aktuellen Konfigurationsdatei und übertragen Sie eventuelle Neuerungen. Eine .pacsave-Datei dagegen entsteht beim Entfernen eines Diensts oder Programms, dessen Konfigurationsdatei Sie angepasst hatten. Mithilfe der Sicherheitskopie stellen Sie den Dienst bei Bedarf schnell wieder her.

Abbildung 7: Achten Sie bei der Installation der Updates auf während der Aktion ausgegebene Hinweise und Warnungen des Paketmanagements.
Inoffizielle Paketquellen sowie das AUR unterliegen weder einer strengen Qualitätskontrolle noch einem intensiven Sicherheitscheck. Prüfen Sie daher besonders bei der Installation von Paketen aus dem AUR die PKGBUILD-Datei auf Fehler, Inkonsistenzen und bösartigen Code. In der Regel reicht ein Blick auf die source-Zeile der Datei aus. Sie sollte auf eine offizielle Adresse der zu installierenden Software zeigen (Abbildung 8) – egal, ob Quellcode, DEB- oder RPM-Paket oder einen Tarball mit Binaries. Auf solche Checks sollten Sie eigentlich auch bei Paketen aus dem OpenSuse Build Service oder aus Ubuntu-PPAs nicht verzichten.

Abbildung 8: Bei der Installation von Paketen aus dem Arch User Repository (kurz AUR) sollten Sie zumindest die Quelle der Daten überprüfen.
Insbesondere im englischsprachigen Arch-Wiki finden Sie weitere ausführliche Informationen zum Umgang mit Arch [21], Tipps zur Pflege der Systems [22] sowie Hinweise, um Ihr System gegen Angriffe zu härten [23]. Lassen sich sich von der Fülle der Dos und Don’ts nicht abschrecken: Der Aufwand für Wartung und Pflege eines Arch-Rechners unterscheidet sich kaum von jenem für die Instandhaltung anderer Systeme, besonders solcher mit kurzen Update-Zyklen.
Ansprüche und Erwartungen
Arch stellt nun seine Anwender den Anspruch, sich ein wenig in der Linux-Welt auszukennen. Wer noch nie etwas von den grundlegenden Komponenten eines Linux-Systems wie Kernel, X-Server, Alsa oder Cups gehört hat, dem fällt der Einstieg in die Arch-Welt mit Sicherheit ein wenig schwer. Auch die Erwartungen, die man als fortgeschrittener Linux-Anwender an “seine” Wunsch-Distribution stellt, gilt es anzupassen – auch Arch liest dem User die Wünsche nicht von den Lippen ab. Ein kleines Problem, das bei fast jeder anderen Linux-Distribution erst gar nicht auftritt, soll die Thematik verdeutlichen.
Nach der Installation der Arch-Basis und einer grafischen Desktop-Umgebung wie Gnome möchten Sie einen USB-Stick mit FAT formatieren. Nichts leichter als das: Sie stecken das Speichermedium an, starten ein Werkzeug wie Gnome Disks oder Gparted und bespielen den Datenträger mit dem gewünschten Dateisystem. Gnome Disks meldet nun aber sofort einen Fehler beim Formatieren des Datenträgers (Abbildung 9) mit weiteren, recht kryptischen Ausgaben. Auch über das Terminal lässt sich der Datenträger nicht umgehend mit einem DOS-Dateisystem formatieren (Listing 1).

Abbildung 9: Arch verlangt vom Anwender, mitzudenken: So lässt sich ein Datenträger beispielsweise erst dann mit FAT formatieren, wenn Sie die dafür nötigen Tools installiert haben.
Listing 1
$ sudo mkfs -t fat /dev/sdc1 mkfs: mkfs.fat konnte nicht ausgeführt werden: Datei oder Verzeichnis nicht gefunden $ sudo mkfs.vfat -F 32 /dev/sdc1 sudo: mkfs.vfat: Befehl nicht gefunden $ sudo pacman -S dosfstools $ sudo mkfs.vfat -v -F 32 /dev/sdc1 mkfs.fat 3.0.28 (2015-05-16) /dev/sdc1 has 65 heads and 62 sectors per track, hidden sectors 0x0800; logical sector size is 512, using 0xf8 media descriptor, with 4093952 sectors; [...]
Die Ursache dafür liegt in der Philosophie von Arch begründet, das System nicht von Haus aus mit allen denkbaren Tools und Programmen vollzustopfen: “Einfachheit” bedeutet für Arch eben nicht das Streben nach narrensicherer Bedienung, sondern entspricht dem Ziel, ein möglichst schlankes und einfaches System auszuliefern, das sich den eigenen Bedürfnissen entsprechend erweitern lässt. Nun muss aber nicht jeder DOS-Datenträger formatieren. Wer die Funktion benötigt, der installiert eben vorab über die Paketverwaltung das Paket dosfstools nach.
Zur Lösung dieses und ähnlicher Probleme müssen Sie also verstehen, was das System von Ihnen möchte, und im Zweifel ein wenig recherchieren, was entsprechend zu tun ist. Hier helfen zum einen Vorkenntnisse bezüglich der Komponenten eines Linux-Systems, zum anderen sollten Sie englischsprachige Texte zumindest verstehen können. Der deutschsprachige Teil des Arch-Wikis glänzt zwar mit guten Artikel und vielen Tipps, doch gegenüber den Artikeln der englischsprachigen Ausgabe hinkt die deutsche doch stark hinterher. Bei Fragen springt Ihnen die deutschsprachige Arch-Community [24] aber genauso hilfreich zur Seite wie die englischsprachige.
Kommentar: Plädoyer für Arch Linux
Ich verwende nun seit mehr als zwei Jahren primär Arch Linux auf allen meinen Systemen [31] – ob Notebook, Desktop, Server oder RasPi. Ursprünglich komme ich aus der Debian-Welt und war lange mit Ubuntu unterwegs. Der Grund für meinen Wechsel zu Arch liegt darin begründet, dass ich als Redakteur, Autor und Linux-Blogger auf aktuelle Anwendungen angewiesen bin, aber dazu nicht mit Basteleien die Stabilität meiner Systeme beeinträchtigen möchte.
Ubuntu lässt sich mit PPAs fast so aktuell halten wie eine Arch-Installation. Doch ein allzu zügelloser Einsatz von PPAs birgt die Gefahr, dass sich diese in die Quere kommen – und spätestens beim Upgrade auf die nächste Ubuntu-Generation ist viel Handarbeit angesagt. In der Regel muss man dazu sämtliche Software aus alternativen Paketquellen entfernen, soll das Update ohne Komplikationen durchlaufen. Unter Arch hingegen brauche ich meist gar nicht erst zu alternativen Paketquellen zu greifen: Als Rolling-Release-Distribution bleibt das System immer aktuell und so gut wie jede neue Software, ob quelloffen oder proprietär, lässt sich zur Not über das AUR installieren.
Planen Sie selbst den Umstieg auf Arch, dann empfehle ich Ihnen, sich dazu Zeit zu nehmen und erst einmal ein Testsystem oder einen etwas weniger wichtigen Rechner umzurüsten. Lernen Sie den Umgang mit Pacman und machen Sie sich mit den Grundlagen des Systems vertraut. Das dabei erlangte Wissen hilft Ihnen mit Sicherheit dabei, langfristig mit Arch zurechtzukommen. Zudem lässt sich vieles auf andere Distributionen übertragen.
Schneller klappt der Um- und Einstieg mit Arch-Derivaten wie Antergos oder Manjaro. Damit starten Sie jedoch auch immer mit einem deutlich umfangreicheren System, da die Distributoren von Haus aus versuchen, mit einer Standardinstallation so viele Anwendungsfälle wie möglich abzudecken. Als Alternative bietet sich mit Architect (siehe Artikel in diesem Schwerpunkt) eine menügesteuerte Installation an: So bleiben Sie komplett bei Arch, erleichtern sich jedoch die Installation.
Infos
[1] Ubuntu-Releases: https://wiki.ubuntu.com/Releases
[2] “Release When Ready”: https://wiki.debian.org/ReleaseWhenReady
[3] Gentoo: https://www.gentoo.org
[4] Siduction: http://siducation.org
[5] Netrunner: http://www.netrunner.com
[6] Arch Linux: https://www.archlinux.de
[7] Freie GNU/Linux-Distributionen: http://www.gnu.org/distros/free-distros
[8] Warum andere Systeme nicht befürwortet werden: http://www.gnu.org/distros/common-distros.de.html
[9] Calamares: https://calamares.io/
[10] Antergos: https://antergos.com
[11] Manjaro: https://manjaro.github.io/
[12] Architect, Arch Linux Installer: http://architectlinux.boardhost.com
[13] PackageKit: http://www.freedesktop.org/software/PackageKit
[14] Chromium B.S.U.: http://chromium-bsu.sourceforge.net
[15] Pacman-Rosetta: https://wiki.archlinux.org/index.php/Pacman/Rosetta
[16] Stein von Rosette: https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_von_Rosette
[17] Inoffizielle Arch-Paketquellen: https://wiki.archlinux.org/index.php/Unofficial_user_repositories
[18] Arch-Paketverwaltung mit Pacman und AUR: Christoph Langner, “Guten Appetit”, LU 09/2015, S. 20, https://www.linux-community.de/35328
[19] Arch Linux News Archives: https://www.archlinux.org/news
[20] Nur volle Updates: https://wiki.archlinux.org/index.php/System_maintenance#Partial_upgrades_are_unsupported
[21] Allgemeine Empfehlungen zu Arch: https://wiki.archlinux.org/index.php/General_recommendations
[22] Tipps zur Systemverwaltung: https://wiki.archlinux.org/index.php/System_maintenance
[23] Hinweise zur Sicherheit von Arch: https://wiki.archlinux.org/index.php/Security
[24] Deutschsprachige Arch-Community: https://bbs.archlinux.de
[25] “List of Rolling Release Software Distributions”: https://en.wikipedia.org/wiki/Rolling_release#List_of_rolling_release_software_distributions
[26] Interview mit Arch-Gründer Judd Vinet: http://distrowatch.com/dwres.php?resource=interview-arch
[27] Rücktritt von Judd Vinet: https://bbs.archlinux.org/viewtopic.php?id=38024
[28] Arch Linux Developers: https://www.archlinux.org/people/developers
[29] Trusted User: https://wiki.archlinux.org/index.php/Trusted_Users
[30] Anleitung für Einsteiger: https://wiki.archlinux.de/title/Anleitung_f%C3%BCr_Einsteiger
[31] “Linux und Ich wird ‘archiger'”: https://linuxundich.de/gnu-linux/mein-weg-zu-arch-linux-linux-und-ich-wird-in-zukunft-deutlich-archiger/







Hallo LinuxUser Community, ich bin etwas verwirrt weil in diesem Artikel unter Pacman-Grundlagen Befehl und Funktion die dazu gehörige ausführliche erklärung die dan kommt nicht zu dem obigen Pacman-Grundlagen passt . Mit pacman -S chromium etwa durchsuchen Sie die Paketquellen etwa nach allem, was den Begriff “Chromium” im Paketnamen oder der Beschreibung trägt (Abbildung 4). Mit pacman -Ss chromium-bsu spielen Sie dann zum Beispiel das Spiel Chromium B.S.U. [14] ein (Abbildung 5). Sollte es hier nicht genau umgekehrt heißen pacman -S “installiert” pakete nicht dursucht sie. Und mit pacman -Ss “durchsuchen” Sie die Paketquellen ??? sehe ich das Falsch ? Viele Grüße Ein… Mehr »
Hallo ArchAnhänger,
in der Tat, das ist im Artikel genau verkehrt herum beschrieben. In der Tabelle stehen aber die korrekten Befehle: “-S” installiert ein Paket, “-Ss” sucht nach einem Begriff. Ich gehe daher davon aus, dass es sich damals um einen Flüchtigkeitsfehler gehandelt hat.
Beste Grüße,
Tim Schürmann