Mit Texmacs erstellen Sie Präsentationen, deren Design nicht mit bunten Effekte glänzt, sondern stattdessen mit exzellenter Qualität in Bezug auf Typografie und Satz.
Präsentationen lassen sich heute weder aus Unternehmen wegdenken noch aus Schule, Wissenschaft oder Forschung. Ein Großteil der Slides entsteht dabei mithilfe von Büropaketen, die eine Vielzahl von Formaten, Animationen und anderen Funktionen bieten. Dabei läuft man stets Gefahr, die Folien mit optischen Elementen und Effekten zu überfrachten. Die lenken dann vom Inhalt ab oder überfordern durch die vielen Variationen die Aufmerksamkeit des Rezipienten. Das Motto “weniger ist mehr” sollte deshalb immer im Vordergrund stehen.
Alternativen bieten sich zwar in Form von LaTeX, erfordern jedoch gewisse Vorkenntnisse. Mithilfe grafischer Oberflächen, wie Kile, Texmaker [1] oder LyX [2] besteht zwar die Chance, schneller hinter die Vorteile beim Erstellen von Präsentationen mit dem Satzsystem zu kommen, aber ganz ohne grundlegende LaTeX-Kenntnisse geht es in der Regel nicht. Beim Programm LyX besteht immerhin die Möglichkeit, über das Internet Präsentationen herunterzuladen, die sich wiederum als Vorlage eignen.
Besser nutzen Sie aber das LaTeX-Modul beamer [3] für Ihre Präsentationen, das Sie weniger festlegt: Die Ausgabe erfolgt ins PDF-Format, das sich über ein entsprechendes Programm zum Anzeigen auf fast jeder Plattform verwenden lässt. An dieser Stelle kommt Texmacs [4] ins Spiel: Der Editor verspricht dabei Hilfe mit den komplexen LaTeX-Kommandos. Allerdings finden sich im Netz nur knappe Informationen zur Software. Das umfangreiche Handbuch, das dem Program selbst beiliegt, steht ebenfalls im Netz bereit. Über Hilfe | Handbuch | Laptop presentations lädt das Programm ein Dokument, dass Ihnen beim Ausarbeiten und Anzeigen einer Präsentation hilft.
Die Applikation eignet sich vor allem für wissenschaftliche Arbeiten und stellt konzeptionell eine Mischung aus LaTeX und Emacs dar. Die Möglichkeiten, die Texmacs bietet, sind so gut wie identisch mit denen von LaTeX. Der entscheidende Vorteil des Editors: Sie sehen sofort, was die eingegebenen Befehle bewirken.
Konfiguration
Die Installation fällt in der Regel leicht, da sich Texmacs in den Repositories der meisten Distributionen findet. Nach dem Einrichten des Programms auf der Platte lohnt es sich, in der nicht gerade aufgeräumt wirkenden Oberfläche ein paar Einstellungen vorzunehmen.
Unter Datei finden Sie den Punkt Seite einrichten. Hier stellen Sie die Voreinstellung der Vorschau, das Kommando zum Drucken ein. Unter Dokument ersetzen Sie im Untermenü Seite die voreingestellte Version Papyrus durch Papier. Bei Papyrus handelt es sich um ein Format für eine “unendliche” Seite, während Papier das Format DIN A4 und weitere Einstellungen übernimmt, die Sie zuvor über Seite einrichten vorgegeben haben. Schriftarten und Größen ändern Sie hier ebenfalls bei Bedarf ab.
Um eine Präsentation zu erstellen, wählen Sie unter Dokumente im Untermenü Stil den Punkt beamer aus. Dadurch ändert sich automatisch die Vorschau. Anders als bei LyX und anderen gängigen LaTeX-Editoren bedeutet dies aber nicht, dass sich auch die Schaltflächen in den Werkzeugleisten ändern. Die Software zeigt lediglich unter den vorhandenen Feldern eine zusätzliche Leiste mit Schaltflächen an, die sich direkt auf die gewählte Dokumentenklasse beziehen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Entsprechend der Dokumentenklasse zeigt das Programm einige zusätzliche Felder in einer neuen Werkzeugleiste an.
Die Dokumentenklasse sieht vor, dass jede Seite einen Titel enthält. Dazu nutzen Sie in der individuellen Werkzeugleiste die kleine Schaltfläche ganz rechts mit der gleichnamigen Aufschrift. Damit zeigt das Programm einen klar umgrenzten Raum am oberen Ende der Seite. Mit den Schaltflächen hinter Screens verlassen Sie die Umgebung – nach links oder nach rechts, also in Schreibrichtung.
Über [Eingabe] wechselt die Schreibmarke unter den Titel, und Sie haben die Möglichkeit, über den Menüpunkt Einfügen neue Umgebungen zu definieren, wie Listen, Aufzählungen, Formeln oder andere Elemente. Dazu bietet die Software unter Umständen jeweils neue Schaltflächen in der individuellen Werkzeugleiste.
Neue Folie
Am Ende einer Seite fügen Sie bei Bedarf eine weitere Folie ein. Dazu nutzen Sie die untere Werkzeugleiste. Neben dem Begriff Beamer zur Mitte hin klicken Sie auf die Schaltfläche neben dem Begriff Screen. Dadurch erweitert sich das Feld dahingehend, dass in der Spalte am Schluss Slide 1 steht. Hinter dem Begriff Beamer sehen Sie nun zwei kleine Schaltflächen, jeweils mit einem Pluszeichen. Diese weisen nach links sowie nach rechts. Klicken Sie auf die rechte, erscheint eine neue leere Folie, die nun den Namen Slide**2 trägt.
Mit Texmacs können Sie nicht nur Text eingeben, sondern bei Bedarf auch Bilder und Plots integrieren. Grafische Elemente wählen Sie unter Einfügen | Bild aus, wobei sich diverse Möglichkeiten eröffnen. Nutzen Sie Bild einfügen, zeigt die Software einen Dateimanager mit einer Auswahl der Bilder an, in dem Sie das entsprechende Bild auswählen. Je nach Desktop erscheinen neben oder über der Vorschau Eingabefelder, in denen die Software die Größe des Bilds in Pixeln voreinstellt. Diese Werte dürfen Sie zwar bearbeiten, jedoch reagiert die Software auf das Ändern eines Werts mit dem Anpassen des korrespondierenden – unter Umständen geht also die Proportion verloren (Abbildung 2).

Abbildung 2: Beim Einfügen eines Bilds haben Sie die Möglichkeit, die Größenangaben zu modifizieren. Allerdings erweist sich das proportionale Skalieren als etwas umständlich.
Löschen Sie allerdings den jeweils anderen Wert und geben nur einen davon an, dann klappt das proportionale Skalieren. Dabei versteht das Programm sich neben Angaben in Pixel auch auf metrische Angaben (Abbildung 3). Das funktioniert selbst nach dem Einfügen: Hier nutzen Sie die untere Symbolleiste, die bereits – in sehr kleinen Eingabefeldern – die Werte für Höhe und Breite des Bildes anzeigt, falls Sie beim Einfügen nichts verändert haben, oder den einzelnen Wert, wenn Sie etwas geändert haben.

Abbildung 3: Beim Skalieren eines Bildes versteht sich die Applikation neben Angaben in Pixeln auch auf metrische Angaben.
Über Einfügen | Bild besteht die Möglichkeit, mit Draw image eigene Zeichnungen direkt zu integrieren. Die Arbeitsweise erinnert an LatexDraw und lässt sich getrost als umständlich beschreiben. Einfacher klappt es mit einem Programm wie Xfig oder Inkscape, dessen Ergebnis Sie wiederum als Bild einfügen. Haben Sie Spaß am Experimentieren oder kennen sich mit LatexDraw aus, findet hier jedoch eine gute Lösung vor. Bei Tabellen fällt es ebenfalls nicht schwer, diese einzufügen und auszufüllen – das gelingt in Texmacs sogar einfacher als in LyX.
Haben Sie die Präsentation fertig gestellt, starten Sie mit [Strg]+[F9] den Vollbildmodus, und zwar genau an der Stelle, die Sie zuletzt bearbeitet haben. Vor und zurück gelangen Sie entweder über [F10] und [F11] oder über die Tasten für den Bildlauf. Sie beenden die Ansicht, indem Sie auf die rechte Maustaste klicken und über Ansicht den Präsentationmodus abwählen. Alternativ nutzen Sie erneut die Kombination [Strg]+[F9].
Ausgabe
Mit Texmacs erstellte Präsentationen führen Sie am besten auch mit diesem Programm Ihrem Publikum vor. Der Export in die Formate PDF oder Postscript funktioniert nicht unbedingt komfortabel: Die Software speichert jede Seite einzeln, wobei die fortlaufende Nummerierung verlorengeht. Außerdem tauchen alle Elemente sofort auf, auch jene, die Sie eigentlich sukzessive anzeigen möchten. Wollen Sie das Ergebnis als Ganzes weitergeben, setzen Sie die Teile gegebenenfalls per Pdftk zusammen.
Theoretisch existiert auch in Texmacs ein Workaround [5], um ein komplettes Dokument als PDF zu erstellen. Allerdings scheiterte im Test das Ausführen der entsprechenden Makros. Neueste Version der Software verfügen schon über entsprechende Bestandteile – allerdings setzt deren Einsatz voraus, dass Sie die Software aus Subversion auschecken und kompilieren.
Fazit
Office-Präsentationen fallen auf den ersten Blick sicher leichter, sind aber häufig für die Zuschauer unmissverständlich als solche zu erkennen. Mit Texmacs und LaTeX erstellen Sie dagegen professionelle Präsentationen, die aus der Masse hervorragen. Das Erlernen der Dokumentenklasse beamer fällt mithilfe von Texmacs relativ leicht. Im Gegenzug gilt es, eine Oberfläche zu meistern, deren Eigenheiten erst mit der Zeit logisch erscheinen. Dafür erhalten Sie andererseits die Möglichkeit, eine Präsentation aufzubauen, die dem Grundsatz “weniger ist mehr” sehr nahe kommt.
Es bleibt das lästige Problem, dass die Texmacs-Versionen, die sich derzeit in der freien Wildbahn befinden, nur über Makros das Erstellen einer Präsentation im PDF-Format erlauben. Laufen die neuesten Versionen des Programms erst einmal in die Repositories der Distributionen zu, steigt der Mehrwert des Programms enorm.
Infos
[1] LaTeX-Editoren im Vergleich: Christian Meyer, “Coole TeXnik”, LU 12/2007, S. 62, https://www.linux-community.de/14159
[2] Software für wissenschaftliche Texte: Karl Sarnow, “Von Meisterhand”, LU 10/2013, S. 52, https://www.linux-community.de/29929
[3] Slides mit der LaTeX-Klasse Beamer: Daniel Tibi, “In Szene gesetzt”, LU 02/2013, S. 82, https://www.linux-community.de/28145
[4] Texmacs: http://www.texmacs.org
[5] Workaround für den PDF-Export: http://www.texmacs.org/tmweb/miguel/snippet-beamer2pdf.en.html





