Flexget nimmt Ihnen beim regelmäßigen Herunterladen von Inhalten aus dem Internet viel Arbeit ab. Dabei lässt es sich mit Plugins bequem an die eigenen Bedürfnisse anpassen.
Für das Automatisieren von sich wiederholenden Vorgängen eignet sich ein PC ideal. Bringen unixoide Betriebssysteme gemeinhin bereits Werkzeuge wie Cron mit, um wiederkehrende Aufgaben wie etwa das Starten von Skripten zu bestimmten Zeiten zu übernehmen, gibt es auch viele spezialisierte Werkzeuge, die eine Automatisierung in anderen Bereichen übernehmen. Das Python-Tool Flexget [1] spezialisiert sich auf das automatisierte Herunterladen von Torrents, Usenet-Dateien, Podcasts, Comics, Filmen und Serien. Es nutzt dazu unter anderem RSS-Feeds [2], HTML-Seiten und CSV-Dateien als Quellen. An einer grafischen Oberfläche [3] arbeiten die Entwickler zwar, derzeit liegt sie aber nur in einer recht rudimentären Form vor.
Die meisten seiner Funktionen erhält Flexget über Plugins [4]. Die Software erfordert anfangs eine relativ aufwendige Konfiguration; haben Sie jedoch das Prinzip erst einmal begriffen und verschiedene Applikationen automatisiert, spart es viel Zeit. Wir demonstrieren als Beispiel im Folgenden den Download von Serienfolgen aus der ZDF-Mediathek.
Installation
Zuerst einmal gilt es aber, Flexget zu installieren. Prüfen Sie mit dem Aufruf python -V vorab, dass Python mindestens in Version 2.6 oder 2.7 auf dem System vorliegt. Für das Einrichten von Flexget bedienen Sie sich des Python-Tools Pip, das Sie dazu gegebenenfalls erst einmal installieren müssen (Listing 1). Flexget ziehen Sie anschließend mit dem Kommando pip install flexget (beziehungsweise unter Arch Linux mittels pip2 install flexget) auf den Rechner.
Listing 1
### Pip unter Debian/Ubuntu einrichten $ sudo apt-get update && sudo apt-get install python-pip ### Pip unter Arch Linux einrichten $ sudo pacman -S python2-pip
Mit dem Aufruf flexget -V überprüfen Sie den Erfolg der Installation sowie künftig die Aktualität des Programms. Die Ausgabe lautet in unserem Fall 1.2.324 You are on the latest release. Der Befehl pip install --upgrade flexget spielt gegebenenfalls vorhandene Aktualisierungen ein [5].
Konfiguration
Danach legen Sie mit der Kommandofolge aus Listing 2 eine Konfigurationsdatei an. Die Erweiterung .yml weist darauf hin, dass Flexget Konfigurationsdateien im YAML-Format [6] verwendet. Dabei handelt es sich um eine vereinfachte Auszeichnungssprache, die in die Programmiersprachen C, C++, Javascript, Actionscript, Perl, PHP, Java, Ruby, der .NET-Plattform und – in unserem Fall wichtig – für Python implementiert wurde.
Listing 2
$ cd ~/.config $ mkdir - p flexget $ cd flexget $ touch config.yml
Wichtige Gestaltungsmerkmale einer Konfiguration für Flexget stellen Doppelpunkte und Einrückungen dar. Die Einrückungen in YAML betragen immer genau zwei Leerstellen und definieren das Verhältnis der Einträge zueinander. Die Benutzung von Tabulatoren ist dabei tabu. Generell sollten Sie beim Anlegen der Steuerungsdatei peinlich genau auf eine korrekte Syntax achten, da Flexget praktisch keinerlei Fehler verzeiht (Abbildung 1).
Als Ausgangspunkt jeder Config-Datei dient eine Aufgabe, hier Task genannt. Eine Aufgabe definieren neben der Namensgebung vor allem die darin eingebundenen Plugins. Hiervon gibt es drei Arten:
- Input legt fest, wo Flexget nach Inhalten sucht.
- Filter bestimmt, welche Inhalte Sie von dort genau haben möchten.
- Output [7] definiert, wo die Software diese Inhalte speichert.
Eine einfache Config-Datei samt erklärenden Kommentaren zeigt das Listing 3. Ein weiterer Task aus Listing 4 lädt den Podcast “Linux Action Show” herunter. Das Kommando flexget --test execute führt die gewünschte Aktion probeweise erst einmal ohne Download durch – so prüfen Sie vorab die Config-Datei auf eventuelle Fehler. Das Kommando flexget execute startet das Herunterladen (Abbildung 2). Zum weiteren Verständnis hilft die hervorragende Dokumentation von Flexget weiter.
Listing 3
tasks: ZDF task: #Name des Tasks rss: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/rss/2078314?view=rss # Hier findet als Input das RSS-Plugin Verwendung series: #Filter für TV-Serien - Die Anstalt: - Das blaue Sofa: quality: 720p download: /home/ich/flexget/serien # Output-Plugin Download
Listing 4
tasks: Linux-Podcast: rss: http://feeds.feedburner.com/computeractionshowvideo all_series: yes only_new: yes download: /home/ich/Downloads/RSS
Über die einzelnen Plugins verfeinern Sie das Verhalten von Flexget nach Ihren Wünschen. Die Parameter, die ein Plugin zur Verfügung stellt, finden Sie im Wiki der jeweiligen Plugin-Seite. Haben Sie sich erst einmal etwas mit den verfügbaren Plugins vertraut gemacht, ergeben sich hier mannigfaltige Möglichkeiten des Feintunings. So bietet beispielsweise der Filter Series [8] eine Menge an Steuerungsmöglichkeiten, um genau das Gewünschte zu erhalten. Hier ist es sinnvoll, die Konfigurationsdatei schrittweise zu erweitern und sukzessive zu testen.
Mit Cron zeitsteuern
Nach dem Was folgt das Wann: Wie oft soll Flexget nach neuen Einträgen Ausschau halten? Bei den im Beispiel verwendeten ZDF-Serien genügt ein wöchentlicher Suchlauf. Möchten Sie die Ausführung nicht jedes Mal manuell anstoßen, hilft Ihnen ein Cronjob weiter.
Zunächst ermitteln Sie mittels which flexget den Pfad zum ausführbaren Teil von Flexget – unter Debian lautet der Pfad /usr/local/bin/. Nun öffnen Sie mit crontab -e die Eingabemaske für einen Cronjob. Falls Sie noch keinen Editor für das System festgelegt haben, wählen Sie hier Nano. Zu Testzwecken tragen Sie folgende Zeile ein:
@hourly /usr/local/bin/flexget --cron execute
Diese speichern Sie ab und erhalten dann eine Bestätigung über das Erstellen eines neuen Cronjobs.
Zum Testen eignet sich diese Methode ideal. Die Ausführung des Cronjobs überprüfen Sie bei Bedarf in der Protokolldatei von Flexget, die das Programm im selben Verzeichnis anlegt, in dem auch die Config-Datei liegt. Sollen jedoch mehrere Tasks zu verschiedenen Zeiten laufen, gibt es übersichtlichere Methoden der Konfiguration.
Flexget-Daemon
Dazu bietet Flexget die Möglichkeit, als Daemon permanent im Hintergrund mitzulaufen. Dabei setzen Sie dann für die zeitliche Steuerung statt eines Cronjobs das flexiblere Plugin Scheduler ein [9].
Der einfachste Weg, den Daemon mit dem System zu starten, führt wiederum über Crontab. Hier tragen Sie die folgende Zeile ein:
@reboot /usr/local/bin/flexget daemon start -d
Eine weitere Möglichkeit zum Steuern des Daemons besteht darin, ihn in Systemd, SysVinit oder andere Init-Systeme einzubinden, was das Wiki des Tools exemplarisch beschreibt [10].
Flexget lässt sich auch innerhalb von Bittorrent-Clients wie Transmission nutzen. Dazu müssen Sie jedoch zuerst das Paket transmission-daemon über die Paketverwaltung installieren. Dann richten Sie mit dem Kommando pip install transmissionrpc das nötige Frontend ein, um Torrent-Files an Transmission weiterzuleiten.
Eine sehr umfangreiche Konfiguration hierzu, die alle Möglichkeiten von Flexget ausschöpft, finden Sie im Blog von Eduardo Otubo [11]. Beachten Sie dabei, dass der Autor in seinen Konfigurationsbeschreibungen urheberrechtlich geschützte Inhalte einbindet (die sich aber leicht entfernen lassen).
Oberflächlich
Die noch in der Entwicklung befindliche und von den Entwicklern als experimentell deklarierte Weboberfläche richten Sie mit folgendem Aufruf ein:
$ pip install flexget[webui]
Danach lassen Sie sich erst einmal mittels des Befehls flexget webui --help die verfügbaren Einstellungen auflisten. Sie starten die Oberfläche mit folgendem Kommando:
$ flexget webui --username foo --password bar
Daraufhin sollte in Ihrem Webbrowser die Oberfläche mit einem Login-Dialog erscheinen. Ist das nicht der Fall, öffnen Sie manuell die Seite http://localhost:5050 (Abbildung 3).

Abbildung 3: Noch eher experimentell präsentiert sich die webbasierte Verwaltungsoberfläche der Software.
Fazit
Bei Flexget handelt es sich um ein komplexes System, das seit mehreren Jahren entwickelt wird und seine Funktionalität in eine große Zahl an Plugins auslagert, die zudem ständig steigt. Es eignet sich primär für Anwender, die regelmäßig Dateien aus dem Internet herunterladen und das gerne automatisieren möchten.
Der Einstieg gestaltet sich zeitintensiv. Bei ausreichendem Interesse steht unter Umständen eine monatelange Konfigurationsphase an, die Sie – von einer simplen Grundkonfiguration ausgehend – sinnvollerweise nach Bedarf erweitern. Der permanente Nachschub an Plugins erlaubt es darüber hinaus, die bestehende Konfiguration nochmals zu verfeinern. Flexget eignet sich übrigens auch zum Betrieb auf Mini-Rechnern wie dem Raspberry Pi.
Für Anwender, die sich lediglich eine befriedigende Lösung zum Herunterladen unterschiedlichster Dateien zusammenklicken möchten, eignet sich Flexget dagegen derzeit nicht. Die noch experimentelle Weboberfläche zur Konfiguration und Steuerung muss erst noch beweisen, was sie kann. Welche von den vielen Optionen sie später darstellt, bleibt abzuwarten. Erfahrungsgemäß dürfte sie aber hinter der manuellen Konfiguration zurückbleiben.
Die Dokumentation von Flexget fällt naturgemäß ebenso umfangreich aus wie das Tool selbst. Alle Plugins besitzen im Wiki eine eigene Seite, die sie mit allen Parametern samt Erläuterungen ausführlich beschreibt. Das Flexget-Kochbuch [12] hält darüber hinaus viele Beispiele für verschiedene Anwendungen vor. Ein Forum sowie ein IRC-Channel auf dem Freenode-Server bieten Unterstützung bei Problemen.
Infos
[1] Flexget: http://flexget.com
[2] RSS-Plugin: http://flexget.com/wiki/Plugins/rss
[3] Web-UI: http://flexget.com/wiki/Web-UI#no1
[4] Plugins: http://flexget.com/wiki/Plugins
[5] Upgrades: http://flexget.com/wiki/Upgrade
[6] YAML: https://de.wikipedia.org/wiki/YAML
[7] Download-Plugin http://flexget.com/wiki/Plugins/download
[8] Serien-Filter: http://flexget.com/wiki/Plugins/series
[9] Scheduler: http://flexget.com/wiki/Plugins/Daemon/scheduler
[10] Daemon: http://flexget.com/wiki/Daemon/Startup
[11] Transmission einbinden: http://www.otubo.net/2012/02/flexget-transmission-daemon-downloading.html
[12] Kochbuch: http://flexget.com/wiki/Cookbook







