Viele Anwender installieren für das kollaborative Arbeiten ihre eigene Cloud mit synchronisierten Datenbeständen. Dabei macht die chinesische Software Seafile dem Platzhirschen Owncloud zunehmend Konkurrenz.
Cloud-Dienste mit ihren zentralen Datenspeichern haben sich inzwischen auch im privaten Bereich fest etabliert. Sie ermöglichen nicht nur das ortsunabhängige Arbeiten mit stets synchron gehaltenen Daten auf verschiedenen Endgeräten, sondern auch das Teilen der eigenen Daten mit anderen Anwendern. Doch seit Edward Snowdens Enthüllungen über angloamerikanische Geheimdienste fragen sich viele Nutzer, ob ihre Daten, insbesondere bei US-Anbietern von Cloud-Diensten, gut und sicher aufgehoben sind. Vor allem für Unternehmen, aber auch für Privatpersonen mit ausreichenden eigenen Speicherkapazitäten bietet sich der Einsatz einer eigenen Cloud daher als sinnvolle Alternative an.
Neben der Software-Suite Owncloud [1] bemüht sich auch das in China entwickelte Programm Seafile darum, im boomenden Cloud-Markt Fuß zu fassen. Die Entwickler vertreiben Seafile unter der GPL v2 als freie Community-Variante. Sie beschränkt sich derzeit auf die Kernaufgaben eines Cloud-Diensts sowie einige Teamfunktionen. Dabei wendet das Projekt offensiv die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen Client und Server bei der Datensynchronisation an, die jegliches Ausspähen von Daten verhindern soll.
Da der Client die Daten verschlüsselt und nicht der Server, ist zudem ein Abgreifen von Inhalten auf diesem unmöglich. Der Seafile-Server steht für Debian 6 “Squeeze”, Ubuntu 14.04 und CentOS 6.5 in Form von Binärpaketen für 32- und 64-Bit-Architekturen bereit [2]. Außerdem gibt es noch Pakete für den Raspberry-Pi-Einplatinencomputer sowie Versionen für Windows.
Zwar bietet das Projekt den Seafile-Client für deutlich mehr Plattformen an, für Linux-Anwender offeriert es jedoch lediglich Binärpakete des grafischen Clients für Ubuntu ab Version 12.04. Sofern Sie auf Ihrem Arbeitsplatzrechner nicht Ubuntu oder eines seiner Derivate einsetzen, beschränkt sich die Auswahl auf den Terminal-Client.
Server installieren
Laden Sie zunächst den Seafile-Server als Tarball von der Projektseite herunter und entpacken Sie ihn. Wechseln Sie dann in das dabei neu entstandene Unterverzeichnis seafile-server-4.2.2 und starten Sie dort das Setup-Shellskript (Listing 1). Sie benötigen dafür keine Administratorrechte. Zunächst prüft die Routine, ob das System alle Voraussetzungen erfüllt. Da Seafile für seine Arbeit die SQLite3-Datenbank-Engine benötigt, sollten Sie diese zuvor mit apt-get install sqlite3 (Debian und Ubuntu) oder yum install sqlite (Red Hat oder CentOS) installieren. Zusätzlich benötigt der Server mehrere Python-Bibliotheken, die Sie gegebenenfalls ebenfalls aus den Software-Archiven der verwendeten Distribution einrichten.
Anschließend weisen Sie dem zu installierenden Server einen Namen und eine IP-Adresse zu. Im nächsten Schritt definieren Sie den Pfad, in dem der Server die gespeicherten Daten ablegt. Danach legen Sie die Ports fest, auf denen der Seafile-Server und der Dateiserver lauschen. Nach Abschluss des Setups beginnt die Routine mit dem Einrichten und Konfigurieren von Seahub. Hierbei handelt es sich um die webbasierte Administrationsoberfläche für den Seafile-Server, die auf dem aktuellen Django-Framework 1.5.12 basiert. Danach endet das Programm mit einer kurzen Auflistung der Einstellungen und der Befehlssyntax, mit denen Sie den Seafile- und den Seahub-Server bedienen.
Listing 1
$ tar -xzvf Seafile-Server-Archiv $ cd ./seafile-server-4.2.2 $ ./setup-seafile.sh
Start
Um den Seafile-Server zu konfigurieren, starten Sie diesen am Prompt aus dem Seafile-Installationsverzeichnis heraus zunächst mit dem Befehl ./seafile.sh start. Anschließend aktivieren Sie Seahub durch Eingabe von ./seahub.sh start. Seahub richtet jetzt das Administrator-Konto ein und fragt dazu die E-Mail-Adresse und ein Passwort für den Administrationszugriff ab. Danach startet die Software.
Im Anschluss beginnen Sie mit der Administration des Diensts, indem Sie im Webbrowser die IP-Adresse des Seafile-Servers, gefolgt von einem Doppelpunkt und der Portnummer von Seahub, eingeben. Der Seafile-Server fragt nun die Login-Daten ab und öffnet danach eine übersichtliche Konfigurationsoberfläche. Im Anmeldebildschirm stellen Sie zudem die Lokalisierung auf die deutsche Sprache um, indem Sie oben rechts auf den Button English klicken und dann Deutsch in der Auswahlliste anwählen (Abbildung 1).
Im nächsten Schritt richten Sie auf dem Server Benutzer ein, die den Server verwenden dürfen. Dazu klicken Sie oben mittig auf die Schaltfläche Organisation und anschließend links auf Mitglieder. Sobald Sie nun oben rechts auf die orangefarbene Schaltfläche mit dem Schraubenschlüssel-Symbol klicken, schaltet die Oberfläche in den erweiterten Administrationsmodus. Hier können Sie nun durch einen Mausklick auf den Schalter Benutzer hinzufügen einen neuen Anwender anlegen.
Gegebenenfalls erweitern Sie an dieser Stelle auch den Kreis der Administratoren, indem Sie auf die Schaltfläche Administratoren mittig oben im Fenster klicken und nach einem weiteren Klick auf den Button Admin hinzufügen einen neuen Verwalter erfassen (Abbildung 2). Nach dem Anlegen aller neuen Cloud-Nutzer schalten Sie aus dem erweiterten Modus zurück in die Standardoberfläche, indem Sie erneut oben rechts auf das orangefarbene Symbol klicken.
Die Seahub-Oberfläche erlaubt auch Anwendern ohne Administrationsrechte die Anmeldung am Server und das Arbeiten in der Cloud. Dabei unterstützt Seafile auch Drag & Drop zum Hochladen von Dateien und Ordnern. Beachten Sie, dass Anwender im Gegensatz zu Administratoren ausschließlich ihre eigenen Bibliotheken und Gruppen zu sehen bekommen. Admins dürfen darüber hinaus auch fremde Gruppen, Bibliotheken und ausgeschiedene Mitglieder über die erweiterte Administrationsoberfläche löschen.
Gruppen
Seafile erlaubt es, Anwender in Gruppen zusammenzufassen. Zunächst müssen Sie dazu eine oder mehrere solcher Gruppen anlegen. Klicken Sie dazu im Hauptfenster auf Gruppen und anschließend auf Neue Gruppe. Im sich nun öffnenden Fenster geben Sie den Gruppennamen ein und klicken danach auf Absenden. Die neue Gruppe erscheint anschließend in der Ansicht des Hauptfensters.
Um als Standard-Anwender neue Mitglieder in eine Ihrer eigenen Gruppen aufzunehmen, rufen Sie die betreffende Gruppe durch einen Klick auf den Eintrag Gruppen oben mittig in Ihrem Hauptfenster auf. Dann klicken Sie links unten auf Administrator. Sie können nun als Gruppenadministrator durch einen Klick auf den Button Mitglieder hinzufügen oben rechts in der Reiterzeile neue Mitglieder aufnehmen.
Bibliotheken
Seafile organisiert die Datenbestände in sogenannten Bibliotheken. Sie legen neue persönliche Bibliotheken an, indem Sie zunächst in der Spalte Persönlich links im Hauptfenster auf Bibliothek klicken und danach oben rechts auf den Button Neue Bibliothek. Im Dialog nehmen Sie nun die nötigen Eingaben vor. Die Software erlaubt hier auch das Chiffrieren der in der Bibliothek befindlichen Daten, das Sie durch Setzen eines Häkchens vor Verschlüsseln aktivieren. Anschließend vergeben Sie ein wahlfreies Passwort mit mindestens acht Zeichen Länge. Die Bibliotheken listet das Hauptfenster danach untereinander auf, wobei es verschlüsselte Sammlungen mit einem kleinen roten Vorhängeschloss als Symbol kennzeichnet.
Öffentliche Bibliotheken, die Sie über Organisation | Neue Bibliothek mit dem herkömmlichen Dialog anlegen, sind im Gegensatz zu den persönlichen Bibliotheken in der Cloud für jedermann zugänglich. Für die öffentlichen Bibliotheken lässt sich jedoch wie für deren private Pendants eine Verschlüsselung wählen und zusätzlich auch definieren, ob die Anwender in der betreffenden Bibliothek nur Leserechte besitzen oder auch Schreiben dürfen.
Freigaben
Im nächsten Schritt geben Sie die neu erfassten Bibliotheken frei und weisen sie auch verschiedenen Gruppen zu. Die Freigabe einer Bibliothek geschieht dabei zunächst auf Ebene der Benutzer. Klicken Sie dazu in der Ansicht Meine Bibliotheken im Startfenster auf die gewünschte Bibliothek. Daraufhin erscheint im Kopfbereich der Tabelle unter anderem der Schalter Freigeben. Ein Klick darauf öffnet ein überlagerndes Fenster, welches im Reiter Private Freigabe die Freigabe der entsprechenden Bibliothek für einzelne Anwender ermöglicht.
Sie tragen dazu im Eingabebereich lediglich die E-Mail-Adressen oder bereits angelegte Nutzer ein, für die Zugriff auf die Bibliothek bestehen soll. Möchten Sie mehrere Nutzer eingeben, so trennen Sie diese jeweils durch ein Komma und einen nachfolgenden Leerschritt voneinander. Darunter geben Sie in einem Auswahlfeld ein, ob die freigeschalteten Nutzer Lese- und Schreibrechte oder lediglich Leserechte für die betroffene Bibliothek erhalten.
Nach Rechtevergabe klicken Sie auf die Schaltfläche Absenden, um Benutzer und Bibliothek zu verbinden (Abbildung 3). Darüber gestattet es dieser Dialog auch, Bibliotheken für angelegte Gruppen freizugeben. Wählen Sie dazu aus dem Ausklappmenü unter Gruppen die gewünschte aus. Auch diese Freigabe erlaubt eine rudimentäre Rechtevergabe.
Klicken Sie anschließend im Hauptbildschirm oben auf Gruppen und wählen danach die gewünschte Gruppe an, zeigt die Software im Reiter Bibliotheken die für diese Gruppe freigegebenen Archive an. Ein Klick auf den orange eingefärbten Namen einer Bibliothek verzweigt in ein weiteres Listenfenster, in dem Sie die Inhalte dieser Bibliothek sehen. Dieser Einblick bleibt jedoch Nichtmitgliedern und auch dem Administrator verwehrt. Auf Ordner- und Dateiebene können Sie analog dazu ebenfalls Freigaben anlegen.
Schwätzchen
Seafile bietet ein Benachrichtigungs- und Diskussionssystem, das nach einem Klick auf die symbolisierte Glocke oben rechts die eingegangenen Nachrichten anzeigt. Befinden sich unter den Nachrichten auch solche, die im Rahmen einer Gruppendiskussion von anderen Mitgliedern der Gruppe abgeschickt wurden, so erscheint diese Nachricht bei allen anderen Gruppenmitgliedern. Ein Klick darauf öffnet den Diskussionsbildschirm, in dem Sie die letzten Beiträge angezeigt bekommen und bei Bedarf darauf antworten oder eine neue Diskussion beginnen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Seafile bietet auch eine Funktion, die es gestattet, mit anderen Nutzern in Verbindung zu treten. Diese soll laut Roadmap aber in absehbarer Zeit wieder aus der Software verschwinden.
Aufräumarbeiten
Mit der Zeit sammeln sich bei intensiv genutzten Clouds oft einige Gigabyte nicht mehr benötigter Dateien an. Um die Speicherkapazitäten nicht unnötig zu belasten, erlaubt Seafile nicht nur das Löschen einzelner Dateien, sondern auch kompletter Bibliotheken. Die obsoleten Datenbestände landen vorerst in einem Papierkorb, aus dem Sie die Daten dann endgültig entsorgen. Der Administrator darf zusätzlich auch Nutzerkonten unwiederbringlich löschen.
Client
Nach Abschluss aller Konfigurationsarbeiten auf dem Server empfiehlt sich die Installation des Clients auf den einzelnen Arbeitsstationen. Die Seafile-Entwickler stellen dazu für Linux zwei unterschiedliche Client-Applikationen bereit: Für Ubuntu, Debian und deren Derivate steht ein grafischer Client als DEB-Paket bereit. Benutzer anderer Distributionen müssen sich wie bereits erwähnt mit einem Terminal-Client ohne grafische Oberfläche begnügen.
Grafisch
Nach dem Herunterladen des grafischen Clients und dessen Installation finden Sie im Untermenü Internet der Desktop-Oberfläche den Eintrag Seafile. Bevor Sie den Client nutzen, müssen Sie ihn initialisieren. Das erfolgt mithilfe eines Assistenten, der nach dem ersten Aufruf der Software automatisch startet. Im ersten Schritt legen Sie einen lokalen Quellordner an, der die zu synchronisierenden Datenbestände speichert. Anschließend konfigurieren Sie die Verbindung zum Seafile-Server.
Nach Abschluss der Konfiguration öffnet der Seafile-Client ein Applet, das nur wenige Bedienelemente enthält und einen Überblick über die Einstellungen des angemeldeten Nutzers zeigt. Um Daten in die Cloud hochzuladen, klicken Sie auf Ordner auswählen im unteren Bereich des Fensters und wählen anschließend im geöffneten Dateimanager den gewünschten Ordner an. Optional versehen Sie diesen mit einem Passwort. Der Client lädt nach dem Einstellen aller Optionen die Daten auf den Server.
In der Seahub-Oberfläche des Servers sehen Sie als Administrator nach der Datensynchronisation die entsprechenden Bibliotheken sowie deren Besitzer und die Größe der übertragenen Dateien. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, im Systemadministrationsmodus Bibliotheken zu löschen oder an andere Benutzer zu übertragen. Diese Funktionen erreichen Sie, indem Sie rechts in der letzten Spalte Aktionen der Listenansicht auf die zeilenweise eingeblendeten Befehle klicken. Nach einer Sicherheitsabfrage landet die entsprechende Bibliothek je nach Auswahl im Papierkorb oder wird einem anderen Anwender zugewiesen.
Zur Synchronisation von Daten zwischen Client und Server bietet Seafile mehrere Optionen an: Haben Sie auf dem Server bereits zentral Daten in der Cloud abgelegt und soll er diese permanent abgleichen, so markieren Sie im Client-Applet auf Ihrem Arbeitsplatzrechner die gewünschte Bibliothek und klicken anschließend auf das kleine Wolken-Symbol oben links unter dem Benutzernamen. Der Client fragt nun nach einem Synchronisationsordner. Nach dessen Benennung legt die Software ihn lokal an. Hinter dem jeweiligen Bibliotheksnamen finden Sie nach erfolgreicher Synchronisation ein Häkchen in grünem Kreis (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die schlicht gehaltene Client-Komponente erlaubt neben der Mehrbenutzerbedienung auch eine komfortable Kontrolle über den Synchronisationsstatus.
Die Synchronisation zwischen Cloud und lokalem System stoßen Sie optional manuell an, indem Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Bibliothek klicken und aus dem Kontextmenü die Einträge Jetzt synchronisieren oder Diese Bibliothek erneut synchronisieren auswählen. Im gleichen Menü halten Sie die automatische Synchronisation auch an.
Arbeiten an einem lokalen Arbeitsplatz mehrere Anwender, die jeweils über eigene Konten in der Cloud verfügen, so können Sie mit einem Rechtsklick auf den aktuell angemeldeten Nutzer im Applet und anschließender Auswahl des Eintrages Ein Konto hinzufügen den gewünschten Anwender in den Seafile-Client auf diesem Computer integrieren.
Ihm steht dann der gleiche Funktionsumfang zur Verfügung wie dem ursprünglich angemeldeten Nutzer. Sie sollten jedoch in jedem Fall bei mehreren Nutzern an einem Client darauf achten, dass sich jeder Anwender am Ende einer Sitzung abmeldet, was durch einen Linksklick auf den Benutzernamen und anschließender Auswahl des Menüpunktes Ausloggen geschieht.
Auf Kommando
Für Distributionen, die nicht auf Ubuntu oder Debian basieren, bieten die Seafile-Entwickler lediglich einen Terminal-Client an. Sehr wahrscheinlich wird das Unternehmen auch künftig keine RPM-basierten Distributionen mit grafischen Clients versorgen. Mehr dazu lesen Sie im Kasten “Seafile-Client für RPM-basierte Distros?” Nutzer von Mandriva, Mageia und Rosa Linux können den grafischen Client von ALT Linux nutzen, der in der inzwischen nicht mehr ganz aktuellen Version 3.1.11 zum Download [3] bereitsteht.
Seafile-Client für RPM-basierte Distros?
Der Seafile-Client für Linux-Distributionen jenseits des Debian-Universums leidet an geringem Funktionsumfang, einer fehlenden grafischen Oberfläche und auch an einer umständlichen Konfiguration. Wir wollten deshalb im Rahmen einer Presseanfrage von Silja Jackson, Geschäftsführerin der Seafile GmbH in Wiesentheid, wissen, ob zumindest auch für RPM-basierte Distributionen ein grafischer Client geplant ist. Frau Jackson, die die deutschsprachigen Seafile-Seiten betreut und enge Kontakte zu den chinesischen Entwicklern pflegt, erklärte: “Da unsere Ressourcen begrenzt sind, müssen wir die Zeit der Entwickler dort investieren, wo für uns der Kosten/Nutzen-Wert passt. Das macht nicht immer Spaß, lässt sich aber einfach nicht vermeiden. Eventuell erklärt sich in der Zukunft jemand aus der Community bereit, die Verwaltung der Pakete für weitere Distributionen zu übernehmen. Dazu kommt noch, dass wir (das deutsche Team) aus Überzeugung fast ausschließlich mit Debian arbeiten und das chinesische Entwicklerteam Ubuntu einsetzt. Deshalb gab es für die Entwicklung von Paketen für andere Distributionen für uns bisher einfach keinen Grund.” Somit bleiben wohl auch zukünftig Anwender von Fedora, OpenSuse, Mageia, PCLinuxOS, aber auch beispielsweise von Slackware und seinen Derivaten, bei Seafile weitgehend außen vor.
Nach dem Herunterladen des textbasierten Clients entpacken Sie diesen und initialisieren ihn anschließend (Listing 2). Danach starten Sie die Software mit ./seaf-cli start. Da der Client eine größere Zahl an Parametern zur Bedienung kennt, empfiehlt sich auf jeden Fall zunächst die Lektüre des Handbuchs [4]. Damit Sie zum Start des Seafile-Clients zukünftig nicht mehr jedes Mal in dessen Verzeichnis wechseln müssen, setzen Sie nun einen symbolischen Link:
# ln -s `readlink -f seaf-cli` /usr/bin/
Um mit vorhandenen Bibliotheken auf dem Server zu arbeiten, müssen Sie beim textbasierten Seafile-Client die exakte ID der jeweiligen Bibliothek kennen. Diese ermitteln Sie, indem Sie die entsprechende Bibliothek in Seahub öffnen und die ID unterhalb des Verzeichnisses /repo/ lokalisieren (Abbildung 6). Anschließend können Sie die einzelnen Bibliotheken vom Server herunterladen (Listing 3, erste Zeile) oder synchronisieren (zweite Zeile).

Abbildung 6: Zum Verwenden des textbasierten Clients müssen Sie zunächst die ID der zu synchronisierenden Bibliothek ermitteln.
Um eine permanente Synchronisation anzustoßen, starten Sie den Seafile-Client als Daemon. Zum Ende einer Sitzung deaktivieren Sie ihn mittels seaf-cli stop. Einen Überblick über die Befehlssyntax des Programms erhalten Sie via seaf-cli -h. Sonderfunktionen wie das Hinzufügen eines neuen Kontos erlaubt der textbasierte Client nicht, sodass er sich – auch aufgrund des umständlichen Prozederes – zum Auffinden der jeweiligen Bibliotheks-ID nur für sporadische Einsätze eignet.
Listing 2
$ tar -xzvf seafile-cli_4.0.4_x86-64.tar.gz $ ./seaf-cli init -d Client-Verzeichnis $ ./seaf-cli start
Listing 3
$ seaf-cli download -l ID -s Server-URL -d Elternverzeichnis -u User -p Passwort $ seaf-cli sync -l ID -s Server-URL -d Verzeichnis -u User -p Passwort
Plattformübergreifend
Neben den Clients für PC-Betriebssysteme stellen die Entwickler von Seafile auch Apps für Android und Apple iOS bereit. Diese befinden sich allerdings noch in relativ frühen Entwicklungsstadien und besitzen noch nicht die volle Funktionalität der Client-Applikationen für Desktop-Computer.
Besonders gravierend sticht hier jedoch ins Auge, dass sich unter bestimmten Anwendungsszenarien passwortgeschützte Bibliotheken auf dem Seafile-Server ohne Eingabe des Passworts von Android- oder iOS-Geräten aus einsehen lassen [5]. Dieses monströse Sicherheitsloch macht Seafile für professionelle Anwender in heterogenen Umgebungen, die auch Tablet-PCs und Smartphones mit der Cloud nutzen möchten, nahezu unbrauchbar. Ein entsprechender Patch, der die Lücke schließt, steht derzeit noch aus.
Zukunft
Wie die Roadmap [6] zeigt, befindet sich Seafile nach wie vor in reger Entwicklung. Hier fällt bei genauerem Hinsehen auf, dass die Arbeit an der Cloud-Software offensichtlich keiner gesicherten konzeptionellen Grundlage folgt: So wird bereits für die in nächster Zeit zu erwartende Version 5 von Seahub eine neue Benutzeroberfläche angekündigt, die funktionell und optisch deutlich von der bisherigen abweicht [7].
Ein weiteres Ärgernis für viele Anwender stellt in diesem Kontext der geplante Wegfall der Kommunikationsoptionen dar. Darüber hinaus plant das Projekt, die Funktion des Wikis wieder einzustellen. Zumindest teilweise als Ersatz der Gruppendiskussionen soll zukünftig eine Kommentarfunktion auf Dateiebene Einzug halten. Ob und wann diese Neuerung kommen, steht jedoch derzeit noch offen.
Fraglich bleibt – nicht zuletzt wegen des unklaren Entwicklungsfortgangs – ob kommerzielle Cloud-Anbieter, die ihre Kunden professionell betreuen möchten, in nennenswertem Umfang Seafile als Lösung ihrer Wahl einsetzen werden. Das deutsche Startup Disk42 nutzt zwar für seinen in der Beta-Phase befindlichen Cloud-Dienst Seafile als Basis, entwickelt jedoch darauf aufbauend einen eigenen grafischen Client, der bereits für Ubuntu und dessen Derivate in einer Beta-Version vorliegt. Disk42 treibt diese Entwicklung nachdrücklich mit einer kürzlich auf der Plattform Indiegogo gestarteten Crowdfunding-Kampagne [8] voran.
Fazit
Seafile hinterlässt einen ambivalenten Eindruck. Während die Software beim Einsatz mit Linux-Servern und Windows-Clients funktionell ausgereift wirkt, enttäuscht die Applikation in einer reinen Linux-Umgebung auf der ganzen Linie. Insbesondere die kaum vorhandene Unterstützung von Distributionen mit RPM-Paketmanagement schränkt den Einsatz des Clients jenseits von Linux Mint, Debian oder Ubuntu stark ein. Zudem enttäuscht professionelle Anwender das fehlende verbindliche Konzept in der Software-Entwicklung.
Obendrein zeigt der grafische Linux-Client Sicherheitslücken, die unter bestimmten Umständen den Schutz persönlicher Anwenderdaten ad absurdum führen. Besonders befremdlich wirkt in diesem Zusammenhang auch das Bemühen der Programmierer, viel Zeit in die Entwicklung einer neuen Benutzeroberfläche zu investieren, während sie gleichzeitig gravierende Sicherheitslücken in den Apps für mobile Geräte nicht umgehend beheben.
Für experimentierfreudige Privatanwender bietet Seafile aber durchaus reizvolle Ansätze. Professionelle Anwender in heterogenen Umgebungen sollten sich jedoch genau überlegen, welche Anforderungen sie an einen Cloud-Dienst stellen, welche Hardware sie einsetzen wollen, und ob Seafile unter diesen Prämissen in der derzeitigen Form eine adäquate Lösung darstellt.
Infos
[1] Owncloud: https://owncloud.org/
[2] Seafile herunterladen: http://www.seafile.com/en/download/
[3] Alternativer Seafile-Client-Download: http://pkgs.org/search/seafile
[4] Handbuch zum textbasierten Seafile-Client: https://seacloud.cc/group/3/wiki/seafile-cli-manual/
[5] Seafile-Sicherheitsleck: https://forum.seafile-server.org/t/seafile-verschlusselung-unbrauchbar/550/18
[6] Seafile-Roadmap: https://www.seafile-server.org/seafile/roadmap/
[7] Seahub-Oberfläche: https://forum.seafile-server.org/t/new-web-interface-design-draft-1/745
[8] Crowdfunding-Kampagne von Disk42: https://www.indiegogo.com/projects/disk42-encrypted-cloud-storage-all-open-source







