Diagramme verdeutlichen auf einfache Weise komplexe Datenstrukturen. Fallen sie selbst zu komplex aus, hilft der Editor yEd beim Entwirren und Aufbereiten.
Diagramme und bildliche Darstellungen lockern trockene Referate und Vorträge nicht nur auf, sie machen sie oft verständlicher. Mancher Anwender plagt sich jedoch beim Entwurf von Zeichnungen und Graphen mit den gängigen Office-Suiten, ohne dabei ein wirklich ansprechendes Ergebnis zu erzielen. Viel einfacher und schneller geht es dagegen mit dem Diagrammeditor yEd.
Erste Schritte
Das knapp 65 MByte große Java-Programm liegt sowohl für 32- als auch 64-Bit-Systeme vor und bringt jeweils zusätzlich ein Shell-Skript mit [1]. Da das Skript selbst für die benötigte Laufzeitumgebung sorgt, benötigt das System keinerlei weitere Voraussetzungen. Um das Programm zu installieren, wechseln Sie in einem Terminal ins Verzeichnis mit dem Skript und tippen darin folgenden Befehl:
$ bash yEd-3.14.1_64-bit_setup.sh
Daraufhin startet die grafische Installation (Abbildung 1). Nach dem Akzeptieren der proprietären Freeware-Lizenz fragt die Routine den Pfad für die Installation ab, wobei sie das Verzeichnis /home/Benutzer/yEd/ vorgibt. Zwar platziert die Software keinen Starter in den Startmenüs der Desktop-Umgebung, bietet aber an, einen solchen auf dem Desktop abzulegen. Erfolgt das nicht automatisch, kopieren Sie die Datei yEd Graph Editor.desktop aus dem Programmverzeichnis dorthin.
Erster Start
Ein kleiner Dialog überlagert beim Start das eigentliche Hauptfenster. Aus ihm wählen Sie aus, ob Sie ein neues Dokument anlegen oder ein vorhandenes (beziehungsweise eines der Beispiele) öffnen möchten. Wollen Sie diesen Dialog bei künftigen Starts nicht mehr sehen, deaktivieren Sie die Checkbox neben Beim Start anzeigen.
Nach der Auswahl einer Funktion zum Editieren finden Sie im Hauptfenster mittig einen großen Bereich, in dem Sie ein Diagramm anlegen oder bearbeiten. Rechts gruppiert der Bereich Palette unterschiedliche Symbole, während darunter das Eigenschaften-Fenster quantitativ Auskunft über das in Bearbeitung befindliche Diagramm erteilt.
Links finden Sie nach dem Anlegen einer Grafik unter Übersicht und Nachbarschaft statistische Angaben. Das Programmfenster beinhaltet zusätzlich eine horizontale Leiste mit Schaltflächen am oberen Rand, die Sie einen schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen bieten. Darüber residiert eine herkömmliche Menüleiste.
Um ein erstes Diagramm anzulegen, wählen Sie aus einer großen Palette von nach Themen geordneten Symbolen. Die Anwendung bietet hier nicht nur geometrische Figuren an, sondern auch IT-Symbole oder Tabellen. Um ein Diagramm zu entwerfen, ziehen Sie einfach das gewünschte Symbol mit der linken Maustaste in den Bereich in der Mitte und legen es dort ab. Möchten Sie ein Symbol aus dem Diagramm entfernen, so klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen im Kontextmenü den Eintrag Entfernen.
Jedes Symbol können Sie in der Größe und den Proportionen verändern. Dazu klicken Sie mit der linken Maustaste auf das betreffende Element. Die Software zeigt nun mehrere Begrenzungspunkte rund um das Symbol und in den Ecken an. Mit dem Mauszeiger verschieben Sie diesen bei Bedarf, wobei dies das Element in seiner Größe ebenfalls entsprechend modifiziert.
Richtig verbunden
Je nach Richtung passt die Software jeweils die gesamte Größe des Symbols in der Horizontalen oder Vertikalen an. Haben Sie die Symbole in den Arbeitsbereich gezogen und entsprechend modifiziert, so verbinden Sie diese im nächsten Schritt miteinander. Dazu stellt yEd eine Reihe von Linien bereit, die Sie im Reiter Kantentypen finden.
Indem Sie einen der Einträge mit der linken Maustaste festhalten und auf eines der Symbole im Arbeitsbereich ziehen, setzen Sie den Anfangspunkt der Linie. Dann ziehen Sie die Linie zum Endpunkt über das gewünschten Symbol. Stellen Sie fest, dass Sie eine Linie falsch gezogen haben, so markieren Sie diese durch einen Klick mit der Maus, woraufhin sie in gelber Farbe erscheint. Durch eine Klick auf den Eintrag Entfernen im nun geöffneten Kontextmenü löschen Sie das Element aus dem Diagramm (Abbildung 2).

Abbildung 2: Diagramme legen Sie im großen WYSIWYG-Editor an. Dabei wählen Sie bei Bedarf aus einer großen Auswahl an Symbolen, die nach Themen geordnet sind.
Durch spezielles Formatieren der Verbindungen zeigen Sie zudem Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Elementen besonders auffällig an. Dazu markieren Sie mit der rechten Maustaste die zu bearbeitende Linie und wählen im sich öffnenden Kontextmenü den Eintrag Eigenschaften.
Nun legen Sie im Fenster für die Eigenschaften die Attribute für die Linie fest, wie etwa deren Stärke oder das Dekorieren mit Pfeilen an den Spitzen. Um eine Verbindung besser hervorzuheben, modifizieren Sie in diesem Dialog bei Bedarf die Farbe der Linie. Ein Eingabefeld ermöglicht es außerdem, kurze Anmerkungen zu machen, die Sie frei neben der Linie platzieren dürfen.
Schriftliches
Im nächsten Schritt beschriften Sie bei Bedarf die vorhandenen Symbole. Dazu klicken Sie zunächst mit der rechten Maustaste auf das zu bezeichnende Element und wählen im Kontextmenü den Eintrag Beschriftung hinzufügen. Der Editor öffnet nun über dem Symbol einen rot umrandeten Kasten, in den Sie den Text eingeben. Durch Drücken auf [Eingabe] platziert yEd die Zeichenfolge mittig zentriert über dem Element. Alternativ geben Sie den Text im kontextabhängigen Bereich Allgemein | Text ein.
Sie dürfen den Kasten mit dem Text frei am Element platzieren. Dazu klicken Sie mit der linken Maustaste außerhalb des dargestellten Symbols auf die Beschriftung, sodass die Software in den Editormodus schaltet. Diesen zeigt das Programm durch einen Rahmen mit doppelter Linie an. Nun bewegen Sie den Kasten, indem Sie ihn an die gewünschte Stelle ziehen.
Die Applikation blendet Hilfslinien ein, die es einfach machen, den Rahmen zum dazugehörigen Symbol zu justieren, also beispielsweise unter dem Element zentrieren. Anschließend klicken Sie mit der rechten Maustaste in den Rahmen und wählen im sich öffnenden Kontextmenü den Eintrag Eigenschaften. Der Editor öffnet nun ein weiteres Fenster mit den Schaltflächen zum Formatieren (Abbildung 3).

Abbildung 3: Bei Bedarf vergeben Sie ein neues Format für den Text, mit dem Sie ein Element beschriften.
Bei der Texteingabe über die Option Beschriftung hinzufügen stellt yEd die eingegebenen Inhalte ausschließlich einzeilig darstellt, was bei längerem Text unter Umständen sehr sperrig erscheint. Sie haben aber die Möglichkeit, im Dialog unter Allgemein | Text Zeilenumbrüche zu aktivieren, sodass sich die Länge der Eingabe dem Symbol anpasst.
Layout
Bereits einfache Diagramme wirken bei entsprechend vielen Knoten recht unübersichtlich, wenn Sie sie ohne eine Struktur anlegen. Um dieses Problem zu lösen, bietet das Programm verschiedene Möglichkeiten für ein automatisches Layout an. Haben Sie ein Diagramm fertiggestellt, ändern Sie das Layout durch Aufruf einer der Optionen im Menü Layout, das Sie in der Menüzeile am oberen Rand des Programmfensters finden.
Nach einem Klick auf eine der angebotenen Alternativen öffnet yEd ein Fenster, in dem Sie unterschiedliche Parameter einstellen. Zum Bestätigen klicken Sie auf OK unten links im Fenster. Das Programm ordnet danach die Inhalte gemäß den Vorgaben an. Da yEd sehr viele Optionen für das Layout und obendrein zu nahezu jeder dieser Optionen vielfältige zusätzliche Einstellungen der einzelnen Elemente bietet, lohnt es sich, mit den Alternativen zu experimentieren.
Um dabei wieder den Zustand vor der Modifikation des Diagramms herzustellen, klicken Sie im Menü Bearbeiten auf den ersten Eintrag Rückgängig. Das Programm zeigt im Editor anschließend wieder das ursprüngliche Schaubild. Fällt es für die komplette Darstellung zu groß aus, so passen Sie über die Zoom-Funktion die Größe an, damit Sie das Diagramm vollständig sehen. Der Schalter Zeigt den kompletten Graphen rechts oben in der Leiste mit den Schaltflächen erlaubt eine automatische Skalierung (Abbildung 4).

Abbildung 4: Ein unstrukturierter Graph (links) und das gleiche Diagramm automatisch strukturiert (rechts).
Sobald Sie über die Layout-Funktion eine passende Struktur gefunden haben, justieren Sie bei Bedarf die einzelne Elemente noch nach. Dazu bietet die Software eine Funktion, um den Arbeitsbereich mit einem Punktgitter zu hinterlegen. So lassen sich die einzelnen Symbole leichter ausrichten. Sie aktivieren das Gitter Sie durch einen Klick auf den gleichnamigen Schalter oben rechts in der Leiste.
Linienführung
Insbesondere bei größeren Graphen mit vielen, sich teilweise überkreuzenden Linien zwischen einzelnen Knoten geht für den Betrachter schnell die Übersicht verloren. Daher bietet das Programm eine Funktion zum automatischen Entflechten der vorhandenen Linien. Auch hier dürfen Sie wieder zwischen unterschiedlichen Modi wählen und so lange experimentieren, bis das Ergebnis Ihren Vorstellungen entspricht.
Sie erreichen dieses Tool über das Menü Layout | Kantenleger. Klicken Sie im entsprechenden Untermenü auf die gewünschte Linienführung und nehmen Sie anschließend im Dialog die nötigen Einstellungen vor. Hier legen Sie nicht nur die Mindestabstände zwischen einzelnen Linien fest, sondern definieren auch einen Abstand zwischen den Knoten und stellen ein, ob die Software die Textrahmen mit in die Justage einbezieht. Die Zahl der vorhandenen Schnittpunkt gehört ebenfalls zu den Parametern, die Sie in den Dialogen setzen.
Nach einem Klick auf OK nimmt die Software die Änderungen vor. Gerade bei aufwendigen Graphen sollten Sie das Ergebnis trotzdem noch kontrollieren: Meist ergeben sich im Kontext mit Beschriftungen an zentralen Knoten Überschneidungen von Linien und Beschriftungen. Hier empfiehlt es sich, den Textblock eines Knotens manuell zu verschieben (Abbildung 5).
Gewichtung
Vor allem bei Flussdiagrammen bietet es sich zur besseren Visualisierung an, besonders wichtige Knoten durch ein vergrößertes und farblich hervorgehobenes Symbol darzustellen. Der Betrachter erkennt dadurch auf einen Blick, welche Instanzen im Diagramm zentrale Funktionen erfüllen. Die Software verfügt deshalb über eine Funktion, die anhand der vorhandenen Verbindungen zwischen den Knoten diese gewichtet und dies anzeigt. Für das entsprechende Element ändert es zusätzlich die Größe. Sie veranlassen diese Berechnung über das Menü Werkzeuge | Zentralitätsmaß.
Im sich dazu öffnenden Dialog legen Sie nun fest, nach welchen Kriterien yEd rechnet: Zur Auswahl stehen die Anzahl der verbundenen Knoten oder alternativ unter anderem die Kantengewichtung, also die Relevanz der Verbindungen. Zusätzlich definieren Sie, ob die Applikation ein- und ausgehende Linien bei der Berechnung berücksichtigt oder nur eine der beiden Richtungen.
Wie yEd das modifizierte Diagramm anzeigt, stellen Sie im Dialog im Reiter Ergebnisanzeige ein. Hier dürfen Sie nicht nur die Farbe des zentralen und der entferntesten Elemente wählen, sondern können auch über den Dialog Größe bestimmen, wie groß das Programm das zentrale Element und wie klein demgegenüber die entfernten Knoten darstellt.
Außerdem zeigt yEd in der Voreinstellung die entsprechenden Faktoren an. Bei Bedarf deaktivieren Sie das durch Entfernen des Häkchens hinter der Option In Knotenbeschriftung anzeigen im Reiter Ergebnisanzeige. Insbesondere umfangreiche Diagramme fallen dann deutlich übersichtlicher aus (Abbildung 6).

Abbildung 6: Ein gewichtetes Diagramm zeigt auf den ersten Blick, welche Elemente besonders relevant sind.
Häufig lohnt es sich nicht, für einfachere Darstellungen eigene Diagramme zu entwerfen. Sofern in solchen Fällen Vorlagen bereitstehen, passen Sie diese mit wenig Aufwand an Ihren Bedürfnisse an. Im Programm finden Sie eine größere Zahl an Vorlagen im Menü Hilfe | Beispielgraphen. Diese sortiert yEd nach Typen und Darstellungsformen in Untergruppen.
Formate
Ein weiteres Highlight stellt die Vielfalt an Dateiformaten dar, die yEd unterstützt. So besteht die Möglichkeit, MS-Excel-Tabellen zu importieren und genealogische Daten im standardisierten GEDCOM-Format [2] einzulesen. Auch textbasierte GML-Dateien [3] für das Weiterbearbeiten als Graph bringen yEd nicht aus dem Tritt.
Nativ arbeitet die Software mit dem verbreiteten, XML-basierten GraphML-Format [4]. Da gängige Office-Programmen es dennoch häufig nicht direkt lesen können, bietet yEd verschiedene Export-Funktionen an: So unterstützt es unter anderem die Grafikformate BMP, GIF, JPEG und PNG. Für die direkte Wiedergabe der Diagramme am Beamer wandeln Sie diese bei Bedarf außerdem nach PDF um. Selbst Flash und Encapsulated Postscript schreibt die Software – das erlaubt es, die Diagramme mit sehr vielen anderen Applikationen zu nutzen.
Fazit
Egal, ob Sie nur gelegentlich einen Sachverhalt grafisch aufbereiten möchten oder ob Sie professionelle Diagramme mit verschiedensten Inhalten entwerfen wollen – der Editor yEd ist den meisten Aufgaben gewachsen. Das einfach zu bedienende Programm führt Sie schnell zu ansprechenden Ergebnissen. Dabei arbeitet yEd für ein Java-Programm erstaunlich agil und läuft zudem sehr stabil.
Infos
[1] yEd: http://www.yworks.com/en/downloads.html#yEd
[2] GEDCOM: https://wiki-de.genealogy.net/GEDCOM
[3] GML: http://www.opengeospatial.org/standards/gml
[4] GraphML: http://graphml.graphdrawing.org/








Schade das die Links die in den Artikeln angegeben sind nicht funktionieren oder auf Linux-User.de nicht existieren.
Für eine Computer oder Softwarezeitschrift finde ich das peinlich.
Und zum Tenor der Editorials passt die große Windows Werbung auch irgendwie nicht.
Bei mir funktionieren die Links. Können Sie ein Beispiel für einen Link geben, der bei Ihnen nicht funktioniert?
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