Zugriff auf die öffentlich-rechtlichen Mediatheken ohne Browser

Aus LinuxUser 04/2015

Zugriff auf die öffentlich-rechtlichen Mediatheken ohne Browser

© damedeeso, 123RF

Die Neunte

Auch wenn ARD, ZDF und Co. inzwischen mehrheitlich auf den Einsatz von Flash in ihren Mediatheken verzichten, erleichtert MediathekView weiterhin den Zugang zu den Online-Videotheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender.

Auch wenn es den Gebührenzahler nach wie vor ärgert, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ihre durch die Allgemeinheit finanzierten Beiträge nach nur sieben Tagen aus ihren Mediatheken depublizieren müssen: Dank des Puffers lässt sich auch ohne einen Videorekorder das Angebot verfolgen, ohne zu festen Zeiten vor dem Fernseher sitzen zu müssen.

In der Vergangenheit setzten die webbasierten Mediatheken von ARD, ZDF, ARTE und Co. gern auf das proprietäre Flash als Streaming-Technik und stellten damit besonders Linux-Anwender vor Probleme: Viele kritische Nutzer verweigern Adobes vor Sicherheitslücken nur so strotzendem Browser-Plugin aus Prinzip einen Platz im System, bei anderen läuft Flash mehr schlecht als recht.

Inzwischen deutet sich der Niedergang von Flash als Multimedia-Technologie im Web nicht nur an, er ist in vollem Gang. Adobe bietet die aktuelle Version von Flash für Linux inzwischen nicht mehr als eigenständiges Browser-Plugin an, sondern bündelt die entsprechende Erweiterung stattdessen nur noch mit Googles Chrome-Browser [1]. Auch auf der Seite der Webseitenbetreiber tritt Flash immer weiter in den Hintergrund. Die großen Videoportale wie Youtube, Vimeo oder Yahoo Screen sowie die Mediatheken von ARD, ZDF, 3sat und manchen Dritten setzen inzwischen auf HTML5.

Automatische Downloads

Nach wie vor braucht es aber nicht unbedingt einen Browser, um durch die Mediatheken der Öffentlich-rechtlichen zu stöbern. Die Java-App MediathekView [2] funktioniert bestens (Abbildung 1) und hat seit unserem letzten Artikel zu diesem Thema [3] eine Reihe von Updates spendiert bekommen. Die kommen insbesondere Anwendern mit langsameren Rechnern oder Nutzern von Internetanschlüssen mit nur geringer Bandbreite gelegen.

Abbildung 1: Mit MediathekView greifen Sie auf die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zu.

Abbildung 1: Mit MediathekView greifen Sie auf die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zu.

Als Java-Programm läuft MediathekView unter Linux und auch Mac OS X oder Windows. Seit der Version 8 sorgen Senderlogos in der Programmliste und ein extra Reiter für aktuelle Downloads für mehr Übersicht. Die Version 9 bindet die Mediatheken des Saarländischen Rundfunks und des Politik-Senders Phoenix ein (siehe Tabelle “Unterstützte Sender”) und erlaubt zudem, Downloads zu einem bestimmten Datum automatisch zu starten.

Arbeiten Sie mit einer sehr langsamen Internetanbindung, können Sie das Herunterladen der ausgesuchten Beiträge somit automatisch in der Nacht starten lassen (Abbildung 2). Dazu wechseln Sie in den Reiter Downloads und rufen die Funktion aus dem Menü Downloads | alle Downloads um xx:yy Uhr starten auf. Im Dialog geben Sie den entsprechenden Zeitpunkt an und lassen den Rechner auf Wunsch nach Ende des Datentransfers herunterfahren.

Abbildung 2: Um unter Tags Bandbreite zu sparen, startet MediathekView anstehende Downloads auf Wunsch zu einer programmierten Zeit.

Abbildung 2: Um unter Tags Bandbreite zu sparen, startet MediathekView anstehende Downloads auf Wunsch zu einer programmierten Zeit.

Unterstützte Sender

Sender Mediathek Livestream Zusätzliche Livestreams
3Sat + +
ARD + + ARD Tagesschau
ARTE.DE + +
ARTE.FR +
BR + + BR.alpha
HR +
KiKA +
MDR + +
NDR + +
ORF +
Phoenix +
RBB + +
SR +
SRF +
SRF.Podcast +
SWR + +
WDR + +
ZDF + + ZDF.info, ZDF.kultur, ZDF.neo, ZDF.heute
ZDF-tivi +

Die gängigen Distributionen führen MediathekView in ihren Paketquellen, allerdings bekommen Sie die aktuelle Version des Programms oft erst mit dem nächsten Upgrade der Distribution auf den Rechner. Möchten Sie nicht so lange warten, müssen Sie das Programm von Hand installieren. Rolling-Release-Distributionen wie Arch arbeiten prinzipbedingt ein wenig schneller.

MediathekView unter Ubuntu installieren

Viele Distributionen legen nur wenig Wert auf die Aktualität einer Mediathek-Anwendung, die sich lediglich an deutschsprachige Anwender richtet. Da macht auch Ubuntu keine Ausnahme: Selbst die aktuelle Entwicklerversion hinkt zwei Ausgaben (Stand: Ende Februar 2015) hinterher. Ältere Ubuntu-Versionen bekommen das Update sowieso nicht in die Paketquellen eingespielt. Daher müssen Sie das Programm für eine aktuelle Ausgabe von Hand installieren.

Laden Sie dazu MediathekView_9.zip von Sourceforge herunter [4] und spielen Sie das Programm gemäß Listing 1 auf dem System ein. Die gezeigten Befehle müssen Sie aus dem Verzeichnis ausführen, in dem das heruntergeladene Archiv liegt. Anschließend rufen Sie das Programm aus der Kommandozeile über mediathekview auf. Ein kleiner Assistent hilft Ihnen beim Einrichten der Anwendung.

Damit die an der Paketverwaltung vorbei installierte Mediathek-App auch in den Menüs der Desktop-Umgebung erscheint, legen Sie im Ordner /usr/share/applications mit Root-Rechten die Datei mediathekview.desktop an und fügen den Inhalt aus Listing 2 ein. MediathekView sollte daraufhin automatisch mitsamt einem passenden Icon im Anwendungsmenü erscheinen.

Beachten Sie, dass es seit Ubuntu 14.04 kein Ffmpeg mehr in den Paketquellen von Ubuntu gibt. Stattdessen nutzt die Distribution die von diesem Projekt abgespaltete Bibliothek Libav [5]. Installieren Sie daher bei aktuellen Ubuntu-Versionen die libav-tools und stellen sie im Einrichtungsassistenten oder später im Programm unter Einstellungen | Programme | FFmpeg als Pfad /usr/bin/avconv ein – dann sollte MediathekView auch unter Ubuntu 14.04 und neuer funktionieren.

Listing 1

### Abhängigkeiten installieren
# Bis Ubuntu 13.10...
$ sudo apt-get install openjdk-7-jre vlc flvstreamer mplayer ffmpeg
# Ab Ubuntu 14.04...
$ sudo apt-get install openjdk-7-jre vlc flvstreamer mplayer libav-tools
### MediathekView installieren
$ sudo mkdir /opt/mediathekview
$ sudo unzip MediathekView*.zip -d /opt/mediathekview
$ sudo ln -s /opt/mediathekview/MediathekView__Linux.sh /usr/local/bin/mediathekview

Listing 2

[Desktop Entry]
Version=1.0
Name=MediathekView
Name[de]=MediathekView
Categories=AudioVideo;Video;TV;
Comment=View streams from public German TV stations
Comment[de]=Schaue Sendungen von Mediatheken öffentlicher Fernsehsender
Exec=mediathekview
Icon=/opt/mediathekview/Info/MediathekView.svg
Keywords=stream;television;German;public;TV;video;audio;
Terminal=false
Type=Application

Installation unter Arch Linux

Unter Arch-Linux finden Sie die gerade aktuelle Version von MediathekView jederzeit im AUR [6]. Mit einem AUR-Helper wie Yaourt oder Pacaur fällt die Installation nicht weiter schwer (Listing 3). Arch-Derivate wie Antergos oder Manjaro bringen diesen von Haus aus mit, direkt unter Arch müssen Sie Yaourt einmalig von Hand installieren [7]. Damit sich MediathekView gleich im vollen Umfang nutzen lässt, sollten Sie die optionalen Abhängigkeiten VLC, Ffmpeg und Flvstreamer ebenfalls mit installieren.

Abbildung 3: MediathekView nutzt zum Abspielen der gestreamten Mediathek-Videos weiterhin den VLC-Mediaplayer.

Abbildung 3: MediathekView nutzt zum Abspielen der gestreamten Mediathek-Videos weiterhin den VLC-Mediaplayer.

Listing 3

$ sudo pacman -S vlc ffmpeg
$ yaourt -S mediathek flvstreamer

Fazit

Sollten Sie sich MediathekView schon länger nicht mehr angesehen haben, dann geben Sie dem Programm mal wieder eine Chance: Im Gegensatz zu den früheren Versionen lässt sich die aktuelle Ausgabe von MediathekView dank einer überarbeiteten Oberfläche komfortabler bedienen; auch die Zuverlässigkeit hat sich verbessert. Es fehlen zwar weiterhin Komfortfunktionen wie etwa Vorschaubilder zu den Sendungen, doch der Verzicht auf optischen Schnickschnack macht MediathekView andererseits angenehm schnell.

Genauso wie mit Kommandozeilenwerkzeugen wie Youtube-dl [8] bringen Sie mit MediathekView die Webvideos nicht nur auf den Bildschirm, sondern laden sie auf Wunsch auch auf die Festplatte. Per Automatik programmiert, verpassen Sie in Zukunft keinen Tatort mehr und haben immer die letzte Folge der Heute-Show auf der Festplatte. Haben Sie einem TV-Anschluss komplett abgeschworen, möchten aber dennoch ab und an auch Live-TV sehen, dann bietet Ihnen der Button Livestreams in der Seitenleiste einen einfachen Zugang zu den Streams der öffentlich-rechtlichen Sender. 

Infos

[1] Adobe Flash unter Linux im Griff: Christoph Langner, “Geflasht”, LU 12/2014, S. 62, http://linux-community.de/33723

[2] MediathekView: http://zdfmediathk.sourceforge.net/

[3] Freies Fernsehen mit MediathekView: Karsten Günther, “Aus der Anstalt”, LU 01/2014, S. 20, http://linux-community.de/30901

[4] MediathekView 9 auf Sourceforge: http://sourceforge.net/projects/zdfmediathk/files/Mediathek/Mediathek%209/

[5] Libav: http://www.libav.org

[6] MediathekView im AUR: https://aur.archlinux.org/packages/mediathek

[7] Yaourt installieren: https://wiki.archlinux.de/title/Yaourt#Installation_.C3.BCber_pacman_aus_dem_Repo_der_franz.C3.B6sischen_Arch_Linux_Gemeinde

[8] Youtube-dl: http://linuxundich.de/gnu-linux/youtube-dl-laedt-videos-von-zahlreichen-videoseiten-und-mediatheken-aus-dem-netz/

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3 Kommentare
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n00b
10 Jahre her

bitte für 16.04 updaten.

openjdk-7-jre lässt sich nicht installieren

bei
$ sudo ln -s /opt/mediathekview/MediathekView__Linux.sh /usr/local/bin/mediathekview

kommt immer

ln: failed to create symbolic link ‘/usr/local/bin/mediathekview’: File exists

n00b
10 Jahre her
Reply to  n00b

weiter passiert dann das:

mediathekview
. Proxy Authentication: not configured
Exception in thread “AWT-EventQueue-0” java.lang.UnsatisfiedLinkError: no splashscreen in java.library.path
at java.lang.ClassLoader.loadLibrary(ClassLoader.java:1867)
at java.lang.Runtime.loadLibrary0(Runtime.java:870)
at java.lang.System.loadLibrary(System.java:1122)
at java.awt.SplashScreen$1.run(SplashScreen.java:124)
at java.awt.SplashScreen$1.run(SplashScreen.java:122)
at java.security.AccessController.doPrivileged(Native Method)
at java.awt.SplashScreen.getSplashScreen(SplashScreen.java:121)
at mediathek.MediathekGui.initializeSplashScreen(MediathekGui.java:214)
at mediathek.MediathekGui.(MediathekGui.java:225)
at mediathek.Main$2.run(Main.java:175)
at java.awt.event.InvocationEvent.dispatch(InvocationEvent.java:311)
at java.awt.EventQueue.dispatchEventImpl(EventQueue.java:756)
at java.awt.EventQueue.access$500(EventQueue.java:97)
at java.awt.EventQueue$3.run(EventQueue.java:709)
at java.awt.EventQueue$3.run(EventQueue.java:703)
at java.security.AccessController.doPrivileged(Native Method)
at java.security.ProtectionDomain$JavaSecurityAccessImpl.doIntersectionPrivilege(ProtectionDomain.java:76)
at java.awt.EventQueue.dispatchEvent(EventQueue.java:726)
at java.awt.EventDispatchThread.pumpOneEventForFilters(EventDispatchThread.java:201)
at java.awt.EventDispatchThread.pumpEventsForFilter(EventDispatchThread.java:116)
at java.awt.EventDispatchThread.pumpEventsForHierarchy(EventDispatchThread.java:105)
at java.awt.EventDispatchThread.pumpEvents(EventDispatchThread.java:101)
at java.awt.EventDispatchThread.pumpEvents(EventDispatchThread.java:93)
at java.awt.EventDispatchThread.run(EventDispatchThread.java:82)

Pingu
9 Jahre her
Reply to  n00b

Hey,

ich hatte das gleiche Problem.
Ursache war bei mir ein installiertes OpenJDK. Offensichtlich gibt es zwischen MediathekView und OpenJDK Probleme.

Lösung war für mich das aktuelle Oracle Java 8 zu installieren.
Anschließend kannst du mit dem Befehl:

sudo update-alternatives –config java

die aktuell vom System genutzte Java Version von OpenJDK auf Oracle umschalten. Anschließend funktionierte bei mir MediathekView problemfrei.

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