Mit QuiteRSS komfortabel RSS-Feeds organisieren und lesen

Aus LinuxUser 04/2015

Mit QuiteRSS komfortabel RSS-Feeds organisieren und lesen

© Anan Chincho, 123RF

Alles im Blick

Wer nichts verpassen will, braucht viele Informationen. Dank QuiteRSS verlieren Sie im Meer der Nachrichten nicht den Überblick.

Ob Promi-News oder bleierne Fakten aus der Wirtschaft – die Schlagzahl an Nachrichten hat sich in den letzten Jahren rasant erhöht. Statt ganze Artikel zu lesen, beschränken sich viele Benutzer auf das Abonnement von News-Feeds, die neben einer Überschrift oft einen kurzen Text mit der Kernaussage des Beitrags liefern.

Dieser Nachrichtenstrom basiert auf einem XML-Format, das spezialisierte Programme wie QuiteRSS [1] grafisch ansprechend aufbereitet und so das Lesen einfach gestaltet (Abbildung 1). Die Software aktualisiert die Listen beim Erscheinen neuer Beiträge.

Abbildung 1: Die Oberfläche von QuiteRSS erinnert an einen Mailclient mit einer Seitenleiste und einem Bereich mit der Liste der News.

Abbildung 1: Die Oberfläche von QuiteRSS erinnert an einen Mailclient mit einer Seitenleiste und einem Bereich mit der Liste der News.

Der Begriff RSS-Reader greift allerdings etwas kurz: Neben RSS existiert seit Jahren das neuere Format Atom, das viele Reader ebenfalls unterstützen. Beiden Formaten liegt das Protokoll XMS zugrunde. Mehrere Feeds fassen Sie bei Bedarf im austauschbaren Format OPML [2] zusammen.

Den Alltag erleichtern

News-Aggregatoren gibt es in vielen Varianten und für viele Plattformen: Unter den stationär installierten Anwendungen wählen Sie zwischen solchen mit grafischer Oberfläche, wie QuiteRSS, Liferea [3] oder – besonders schlank – Yarssr [4], während für die Kommandozeile Newsbeuter [5] oder Canto [6], der Nachfolger von NRSS, bereitstehen. Möchten Sie lieber auf Java setzen, kommt RSSowl [7] ins Spiel.

Die meisten Browser unterstützen RSS entweder von Haus aus oder erlauben es, die Funktion über Erweiterungen nachträglich einzubauen. Darüber hinaus sind Mailclients wie Thunderbird, Evolution oder Sylpheed-Claws in der Lage, Feeds anzuzeigen. KDE bringt in seiner Kontact-Suite zu diesem Zweck die Software Akregator mit. Im Internet gibt es außerdem eine große Anzahl Online-Reader.

Großer Funktionsumfang

Bei QuiteRSS handelt es sich um eine Software, die auf einem lokalen PC läuft. Sie ist in C++ geschrieben und basiert auf dem Qt-Framework, was insbesondere Benutzer entgegenkommt, die auf KDE oder LXQt als Desktop setzen. Vom Funktionsumfang und der Handhabung her ähnelt es dem GTK-Pendant Liferea.

Im Jahr 2011 haben russische Entwickler mit der Arbeit an QuiteRSS begonnen, mittlerweile findet sich das Programm in den Repositories aller gängigen Distributionen. Zudem steht es für Windows und Mac OS X bereit, was es erleichtert, Feed-Listen jeweils über Export und Import im OPML-Format zwischen den Plattformen auszutauschen.

Darüber hinaus gibt es Pakete für FreeBSD und sogar für OS/2. Für Windows liegt zudem eine portable Version für USB-Sticks vor. Im Test kam Version 0.17.0 aus dem Unstable-Zweig von Debian zum Einsatz; die bei Drucklegung aktuelle Release hat die Versionsnummer 0.17.6. Die Arbeit an der Software schreitet voran, die Entwickler aktualisieren etwa im Rhythmus von einem Monat.

Das Programm geht sparsam mit den CPU- und RAM-Ressourcen um und erscheint somit für ältere Rechner geeignet. Während eines Tests von mehreren Tagen lief es nahezu fehlerfrei. Einzig vereinzelte Abstürze in der Version 0.17.0 unter Debian trübten das Bild. Da das Changelog bereits zur Version 0.17.5 beschrieb, dass die Ursache dort behoben sei, kam außerdem die Version aus dem Quelltext zum Einsatz. Dort trat der Fehler tatsächlich nicht mehr auf, ebensowenig bei der neuesten Version unter Arch Linux.

Nach der Installation über den Paketmanager der jeweiligen Distribution zeigt sich die Oberfläche, wie bei anderen Programmen dieser Art, von der Aufteilung her ähnlich wie bei einem Mailclient: Am linken Rand stehen oben die abonnierten Feeds, darunter in der Abteilung Kategorien in einem weiteren Fenster die Label, über die Sie bei Bedarf Nachrichten zusammenfassen.

Den größten Teil nimmt rechts ein Fenster mit den Nachrichten aus einem Feed ein. Im unteren Teil sehen Sie dank der integrierten Webkit-Engine die volle HTML-Ansicht der jeweiligen Seite. Wie bei den meisten Mailclients besteht die Möglichkeit, die Aufteilung der Oberfläche anzupassen und so das Programm entweder horizontal oder vertikal optimaler auf dem Monitor zu platzieren.

Abbildung 2: Der integrierte Browser mit Webkit als Rendering Engine erlaubt es, Webseiten direkt in QuiteRSS anzuschauen.

Abbildung 2: Der integrierte Browser mit Webkit als Rendering Engine erlaubt es, Webseiten direkt in QuiteRSS anzuschauen.

Ein kleiner, mittig am linken Rand des Fensters angebrachter Pfeil erlaubt das schnelle Ein- und Ausklappen der Liste mit den Feeds, um bei Bedarf das Nachrichtenfenster zu vergrößern. Um die Software aber optimal zu nutzen, empfiehlt es sich, als Nächstes die vielfältigen Einstellungen zu erforschen.

Konfiguration

Die entsprechenden Optionen verstecken sich hinter dem Unterpunkt Werkzeuge , alternativ rufen Sie sie über [F8] auf. Zunächst geht es um grundlegende Entscheidungen, etwa, ob Sie Nachrichten mit dem integrierten oder in einem externen Browser ansehen möchten (Abbildung 3). Bei Letzterem darf es sich um jeden auf dem System installierten Webbrowser handeln.

Abbildung 3: Bei Bedarf legen Sie fest, dass das Programm die Links zu den eigentlichen Webseiten an eine andere Software durchreicht.

Abbildung 3: Bei Bedarf legen Sie fest, dass das Programm die Links zu den eigentlichen Webseiten an eine andere Software durchreicht.

In den weiteren Reitern passen Sie bei Bedarf das Verhalten des Tray-Symbols an, das standardmäßig neue Feeds nach Anzahl sowie akustisch ankündigt (Abbildung 4). Wie oft die Applikation die einzelnen Feeds aktualisiert, legen Sie im Reiter Feeds | Allgemein fest; unter Feeds | Bereinigen konfigurieren Sie, wie lange das Programm die Einträge aufbewahrt und welche Algorithmen es beim Aufräumen anwendet.

Abbildung 4: Eine Benachrichtigung im Systray informiert über neue Nachrichten.

Abbildung 4: Eine Benachrichtigung im Systray informiert über neue Nachrichten.

Weitere Einstellungen betreffen das Aussehen des Programms: Hier passen Sie das Farbschema sowie die Schriftarten an Ihre Vorlieben an. Ein weiterer Reiter bringt Ihnen einige zeitsparende Tastenkombinationen zum Steuern des Programms näher.

Für ältere Rechner oder schwache Verbindungen ins Internet ist es unter Umständen sinnvoll, im Reiter Browser das Laden von Bildern zu deaktivieren. Von Fall zu Fall blockieren Sie diese Inhalte über ein Icon ganz rechts unten in der Oberfläche des Programms. Gleich daneben zeigt die Software – ein Alleinstellungsmerkmal von QuiteRSS – an, ob ein Adblocker aktiv ist, und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, diesen für einzelne Seiten abzuschalten, ohne in den Browser zu wechseln.

Einfach zu benutzen

Haben Sie die Software gemäß Ihren Wünschen konfiguriert, geht es an das Befüllen mit den Adressen der zu überwachenden Feeds. Zuerst sollten Sie klären, ob Sie die Feeds thematisch gruppiert in Ordnern unterbringen wollen, was bei größeren Sammlungen zu verschiedenen Themen immer Sinn ergibt.

Über den kleinen Haken neben dem Pluszeichen links oben erstellen Sie neben neuen Einträgen für Feeds zusätzlich Ordner, um die Feeds zu sortieren. Zum Einfügen eines neuen Eintrags genügt die Eingabe der URL der entsprechenden Seite, das Programm extrahiert daraus die Adresse (Abbildung 5). Alternativ navigieren Sie vorher auf der Webseite zur RSS-Adresse und nutzen diese dann direkt.

Abbildung 5: Zum Erstellen eines Eintrags für einen Feed genügen ein Name und die entsprechende URL.

Abbildung 5: Zum Erstellen eines Eintrags für einen Feed genügen ein Name und die entsprechende URL.

Haben Sie bereits mit einem anderen RSS-Reader gearbeitet – egal, ob lokal, im Netz oder als Bestandteil eines anderen Programms –, dann sollten Sie überprüfen, ob dieses Programm eine Funktion zum Export der Daten aufweist, die es ermöglicht, sämtliche dort abonnierten Feeds im OPML-Format zu speichern. Dann bestünde die Chance, die Daten über die Import-Funktion von QuiteRSS einzulesen.

Im Test übernahm das Programm in einem ersten Versuch eine Datei mit rund 400 Feeds klaglos binnen Sekunden und aktualisierte die Feeds in weniger als 30 Sekunden. Auch die rund zehnfache Feed-Menge bereitete dem Programm bei weiteren Probeläufen keinerlei Probleme. Allerdings machen solch große Datenmengen an anderer Stelle Schwierigkeiten: beim menschlichen Verarbeitungsvermögen. Mit einigen Optionen reduzieren Sie daher besser die Menge der neuen Nachrichten, die sich im Laufe der Zeit ansammeln (Abbildung 6).

Abbildung 6: Nimmt die Informationsflut überhand, reduzieren Sie die Menge mit einigen einfachen Optionen.

Abbildung 6: Nimmt die Informationsflut überhand, reduzieren Sie die Menge mit einigen einfachen Optionen.

Ansichtssache

Die Software bietet zwei Ansichten zum Darstellen der Inhalte. Zwischen diesen schalten Sie im Menü über Ansicht | Layout um. Die klassische Variante, als Standard voreingestellt, zeigt lediglich Überschriften, während der als Zeitung bezeichnete Stil einen meist kurzen Anriss dessen zeigt, was sich hinter der Überschrift verbirgt. Hier entscheiden Geschmack oder Gewohnheit.

Das Programm erlaubt das Öffnen von einzelnen News, Ordnern und Kategorien in Tabs. Diese Reiter erleichtern die Navigation enorm, wenn Sie mit vielen Feeds arbeiten und einige davon zum späteren Lesen zurückstellen möchten, ohne die derzeitige Arbeit zu unterbrechen. Um Beiträge automatisch in Kategorien zu ordnen, bietet es sich an, entsprechende Filter zu definieren (Abbildung 7)

Abbildung 7: Filter ordnen Nachrichten mit spezifischen Inhalten direkt einer bestimmten Kategorie zu.

Abbildung 7: Filter ordnen Nachrichten mit spezifischen Inhalten direkt einer bestimmten Kategorie zu.

Als besonders interessant empfundene News reichen Sie mittels der eingebauten Funktionen bei Bedarf direkt an die entsprechenden Kanäle der Social Networks oder in die klassischen Kommunikationskanäle durch (Abbildung 8). Genügen die vorhandenen Labels Ihren Ansprüchen nicht, erstellen Sie bei Bedarf unbegrenzt weitere und oder editieren bestehende, um den Fluss der Nachrichten zu kanalisieren.

Abbildung 8: Über die eingebauten Funktionen leiten Sie Nachrichten an Social Networks weiter und treiben so die Sau durchs Dorf.

Abbildung 8: Über die eingebauten Funktionen leiten Sie Nachrichten an Social Networks weiter und treiben so die Sau durchs Dorf.

Dynamisches OPML

Seiten wie Feedshare [8] oder die Initiative “OPML Reading Lists on the Net” [9] erlauben es, eigene Dateien zu teilen oder solche von anderen Anwendern, nach Themen sortiert, herunterzuladen. QuiteRSS kann jedoch derzeit weder OPML-Sammlungen direkt aus dem Netz laden noch solche Sammlungen ohne Nachbearbeiten aus einer lokalen Datei einlesen.

Hier zeigte sich durch den Vergleich der im Netz bereitgestellten Dateien mit einem von QuiteRSS erzeugten File, dass in den Dateien im Netz zwar das Format definiert ist, meist aber die XML-Spezifikation fehlt. Das lässt sich jedoch leicht nachholen: Weigert sich QuiteRSS, eine solche Datei zu laden, öffnen Sie diese in einem Texteditor und fügen als erste Zeile Folgendes ein:

<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>

QuiteRSS kann allerdings noch nicht mit dynamischen Listen [10] umgehen, die auf OPML basieren, wie etwa jenen des webbasierten Inoreader [11]. Wenn Sie eine solche Liste aus dem Netz importieren, sind die Elemente der Liste ab diesem Zeitpunkt statisch. Bei dynamischem OPML würde die Liste weiterhin mit den Änderungen an den Einträgen des jeweiligen Autors der Liste versorgt, sofern Sie das möchten.

Fazit

Das der GPLv3 unterliegende QuiteRSS zeichnet sich durch eine klare Benutzeroberfläche und ein weitgehend selbsterklärendes Bedienkonzept aus. Letzteres erleichtert insbesondere Einsteigern den Zugang zur Welt der Feedreader. Aber auch RSS-Profis bietet das Programm genügend Komfort und Vielfalt mit einer großen Anzahl an Kanälen und einem definierten Arbeitsablauf. Der integrierte Browser lädt Webseiten zügig.

Suchen Sie also einen RSS-Reader oder haben nach dem Wegfall von Google Reader noch keine neue Heimat gefunden, so bietet QuiteRSS eine überzeugende Alternative. Der Name entstand übrigens aus der Idee der Entwickler, das Programm sollte “quite fast” sein – das ist in beeindruckender Weise gelungen. 

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