Mit Slap Texte komfortabel im Terminal editieren

Aus LinuxUser 02/2015

Mit Slap Texte komfortabel im Terminal editieren

© Partha Dalal, 123RF

Sprunghaft

Mit dem Editor Slap navigieren Sie bequem selbst durch große Datenbündel. Dabei gerät die vielversprechende Software aber bisweilen etwas ins Straucheln.

Die Auswahl an Text-Editoren unter Linux scheint schier endlos: Ob schlicht für das Terminal oder mit aufwendiger grafischer Oberfläche, in der Regel findet sich für jeden Einsatzzweck der passende Editor. Während Einsteiger in der Regel zu einfachen, intuitiv bedienbaren Exemplaren wie Nano [1] oder Pico [2] greifen, um in der Konsole textbasierte Dateien zu bearbeiten, nehmen erfahrene Anwender dazu meist vielseitige Urgesteine wie Vim oder Funktionsmonster wie Emacs zur Hand.

Der Sprung von Ersteren zu Letzteren fällt alles andere als leicht: Häufig sind es vor allem die vielen Tastaturkürzel, die vor einem endgültigen Wechsel auf einen anderen Editor abschrecken. Mit Slap [3] findet derzeit jedoch ein Werkzeug immer mehr Anklang, das sich genau zwischen Editoren für Einsteiger und Fortgeschrittene platziert: Anstelle von vielen Hotkeys setzt es dabei auf die Maus und auf die Interaktion mit der Zwischenablage von Linux.

Jung und anders

Der Texteditor Slap ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Während andere Programme aus diesem Bereich bereits etliche Jahre auf dem Buckel haben und in der Regel auf den Schultern mehrerer Autoren oder gleich ganzer Communities liegen, handelt es sich bei Slap um ein Ein-Mann-Projekt des US-Amerikaners Daniel Kaplun [4]. Anders als Nano, Vim oder Emacs basiert Slap zudem auf der Skriptingsprache Javascript, die sonst eher in Webseiten oder Webapplikationen zum Einsatz kommt.

Die ersten Hinweise auf Slap stammen vom April 2014, als Daniel Kaplun unter dem Benutzernamen beardtree den ersten Commit auf Github vornahm [5]. Seitdem hat der Entwickler den Editor um zahlreiche Features und Kniffe erweitert. Damit hat sich Slap zu einer schlanken Alternative für Editoren wie Vim oder Emacs entwickelt, die gleichzeitig aber nicht ganz so mächtig ausfällt.

Installation

Slap liegt aufgrund seiner noch recht kurzen Entwicklungsgeschichte und vermutlich auch wegen des Javascript-Unterbaus momentan noch nicht als Paket in den Repositories der gängigen Distributionen. Stattdessen installieren Sie für das Werkzeug benötigte Bibliotheken vorneweg und ziehen den Editor dann über das Node.js Package Management System (NPM) nach.

Listing 1 zeigt, wie die Installation unter Ubuntu 12.04 und 14.04 aussieht. Alle Befehle führen Sie dabei als root aus; im Test kamen die 64-Bit-Varianten von Ubuntu zum Einsatz. In Zeile 5 kommt für den Download statt HTTPS das unsicherere HTTP zum Einsatz, da Curl unter Ubuntu das bei NPMJS hinterlegte SSL-Zertifikat nicht richtig erkennt. Slap steht auch für andere Distributionen bereit; Details zur jeweiligen Installation finden sich online [6].

Listing 1

$ apt-get update
$ apt-get install curl
$ curl -sL https://deb.nodesource.com/setup | sudo bash -
$ apt-get install nodejs xclip git
$ npm config set registry http://registry.npmjs.org/
$ npm install -g slap

Nach dem Ausführen der in Listing 1 beschriebenen Befehle starten Sie den Editor mit dem Kommando slap in einem Terminal. Optional geben Sie dem Befehl noch einen Dateinamen mit, wenn Sie bereits wissen, welche Textdatei Sie bearbeiten möchten.

Features

Obwohl Slap in der Konsole läuft, öffnet sich beim Aufruf eine bunte, in zwei Spalten gegliederte Oberfläche, die Sie bei Bedarf teilweise mit der Maus bedienen – für fortgeschrittene Anwender gewöhnungsbedürftig, erspart der Einsatz des Zeigegeräts Einsteigern das Erlernen zahlreicher und komplizierter Hotkeys.

In der linken Hälfte des Fensters befindet sich eine Art Navigation für Ordner und Dateien, während der rechte Bereich die geöffneten Dateien darstellt. Wie Sie in Abbildung 1 erkennen können, unterstützt Slap zudem Syntax-Highlighting für zahlreiche Skript- und Programmiersprachen.

Abbildung 1: Der Editor Slap besitzt ein farbiges Layout mit zwei Spalten.

Abbildung 1: Der Editor Slap besitzt ein farbiges Layout mit zwei Spalten.

Neben dem Hervorheben von Quellcode gibt es ansonsten kaum Hilfsfunktionen für leidenschaftliche Entwickler – lediglich ein Klammern-Matching und das automatische Einrücken bietet etwas mehr Übersicht beim Schreiben. Funktionen wie das automatische Vervollständigen bereits vorhandener Variablen- oder Klassennamen suchen Sie dagegen vergeblich.

Immerhin besteht die Möglichkeit, mithilfe regulärer Ausdrücke bereits geöffnete Dateien zu durchsuchen und Inhalte über die Zwischenablage von Linux zu teilen. Im Test funktionierte das Einfügen von Inhalten einer in Firefox geöffneten Webseite recht gut. Wie man das von jeder guten Anwendung erwarten darf, lässt sich die letzte Aktion wiederholen oder rückgängig machen.

Einstieg

Der Einstieg in Slap fällt leicht. Nach dem Öffnen erscheint auf der linken Seite die Navigation, die Sie komfortabel per Maus inklusive Unterstützung zum Scrollen bedienen. Wenn Sie allerdings Verzeichnisse mit vielen Dateien öffnen, verlangsamt sich das flüssige Scrollen manchmal bis zu einem nervenden Ruckeln. Die Fähigkeit, durch Drücken von Tasten zum entsprechenden Buchstaben zu springen, wie man es von anderen Anwendungen kennt, fehlt Slap bislang.

Eine weitere Schwäche offenbarte sich im Test, als wir im Hintergrund neue Dateien in das Verzeichnis abgelegten, das die Navigation gerade anzeigte: Slap erkannte diese nicht sofort, sondern zeigte sie erst an, nachdem wir in einen anderen Ordner und wieder zurück navigierten.

Sobald Sie eine Datei öffnen, erscheint deren Inhalt in der rechten Hälfte des Fensters. Im Test dauerte das Öffnen in einigen Fällen längere Zeit; insbesondere bei Dateien mit umfangreichen Quelltexten brauchte Slap mehrere Sekunden, bis das Syntax-Highlighting aktiv war.

Nach dem vollständigen Laden können Sie direkt mit dem Editieren loslegen. Ein Druck auf [F2] listet die am häufigsten benötigten Hotkeys auf (Abbildung 2). Die Tabelle “Hotkeys in Slap” listet diese und einige andere Tastenkombinationen zum Nachschlagen auf.

Abbildung 2: Mit <code srcset=

F2 blenden Sie eine kurze Liste häufig benötigter Hotkeys ein.” width=”300″ height=”225″ /> Abbildung 2: Mit F2 blenden Sie eine kurze Liste häufig benötigter Hotkeys ein.

Wenn Sie eine bereits vorhandene Datei geöffnet oder bereits viel geschrieben haben, bewegen Sie den Cursor über den Druck auf die linke Maustaste durch die Zeilen und Wörter. Alternativ helfen die Pfeiltasten in Kombination mit [Strg]. Möchten Sie an eine bestimmte Stelle in der Datei springen, hilft die Suche oder die Angabe einer Zeilennummer.

Möchten Sie hingegen eine bestimmte Zeile löschen, navigieren Sie mit den Hotkeys oder der Maus in die gewünschte Zeile und entfernen sie mittels [Strg]+[K]. Alternativ markieren Sie die gesamte Zeile mit der linken Maustaste und drücken zweimal [Entf]: Der erste Tastendruck löscht den Inhalt, der zweite die Zeile an sich.

TIPP

Haben Sie sich dazu entschlossen, Inhalte über Kopieren und Einfügen zu verwalten, helfen die bekannten Tastenkombinationen [Strg]+[C] sowie [Strg]+[V] weiter.

Schon nach wenigen Minuten sitzt die Bedienung, die sich zumindest in unserem Test durch einen ausgewogenen Mix aus Tastenkombinationen und Bewegungen mit der Maus auszeichnete. Das Editieren von Texten geht gut von der Hand, nervt aber teilweise, wenn es darum geht, lange Zeilen in den Editor einzufügen: In solchen Situationen erfolgt kein automatischer Zeilenumbruch, sodass Sie den Cursor bis zum Ende der Zeile bewegen müssen, um den vollständigen Inhalt zu sehen.

Hotkeys in Slap

Taste(n) Funktion
[F2] Hilfe einblenden
[Strg]+[Q] Schließt den Editor
[Strg]+[O] In die Navigation springen und eine Datei öffnen
[Strg]+[S] Datei speichern
[Strg]+[F] Suchfunktion starten
[Strg]+[G] Zur angegebenen Zeile springen
[Strg]+[links] Ein Wort nach links springen
[Strg]+[rechts] Ein Wort nach rechts springen
[Strg]+[oben] Eine Zeile nach oben springen
[Strg]+[unten] Eine Zeile nach unten springen
[Strg]+[A] Zum Zeilenanfang springen
[Strg]+[E] Zum Zeilenende springen
[Strg]+[M] Zur passenden Klammer springen
[Strg]+[W] Wort links vom Cursor löschen
[Strg]+[Entf] Wort rechts vom Cursor löschen
[Strg]+[K] Aktuelle Zeile löschen
[Strg]+[C] Ausgewählten Inhalt kopieren
[Strg]+[V] Zwischenablage an der aktuellen Stelle einfügen
[Strg]+[X] Markierten Inhalt ausschneiden
[F10] Navigation ein- oder ausblenden
[Einfg] In den Editiermodus wechseln

Konfiguration

Ähnlich wie man es von Vim kennt, existiert auch für Slap eine Konfigurationsdatei mit zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten. Wenn Sie den Editor häufiger verwenden, lohnt sich ein kurzer Blick in diese slap.ini (Abbildung 3), die Sie unter /usr/lib/node_modules/slap/ finden. Der Inhalt dieser Datei definiert nicht nur die Hotkeys, sondern auch die Farben für die Oberfläche und das Syntax-Highlighting.

Abbildung 3: Die Konfigurationsdatei von Slap bietet Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, um den Editor an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Abbildung 3: Die Konfigurationsdatei von Slap bietet Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, um den Editor an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Es empfiehlt sich jedoch nicht, diese Datei direkt zu editieren. Möchten Sie einige der Eigenschaften Ihren eigenen Vorlieben anpassen, ist es sauberer (und im Fall eines Updates sicherer), die nach dem ersten Aufruf von Slap angelegte Datei .slaprc in Ihrem Home-Verzeichnis zu bearbeiten. Öffnen Sie diese Datei einfach mit einem beliebigen Editor (hier bietet sich Slap an) und schreiben Sie die Werte hinein, die Sie verändern möchten. Achten Sie darauf, die persönliche Konfigurationsdatei genauso in Sektionen zu unterteilen, wie es in der Vorlage slap.ini der Fall ist.

Prinzipiell dürfen Sie alle Werte – also auch Hotkeys – nach Belieben Ihren Bedürfnissen anpassen. Ausnahmen bilden nur die in der Datei slap.ini vermerkten Kürzel und solche, die das Terminal womöglich abfängt. Die Abbildung 4 zeigt, wie eine beispielhafte Version der Slap-Konfiguration aussehen kann – im Bild ist die abgeänderte Konfiguration bereits aktiv.

Abbildung 4: Die persönlichen Anpassungen der Konfiguration sind hier bereits aktiv.

Abbildung 4: Die persönlichen Anpassungen der Konfiguration sind hier bereits aktiv.

TIPP

Kopieren Sie ausgewählte Inhalte von der systemweiten Konfiguration in die ~/.slaprc und passen Sie die Zeilen darin an. So kommen Sie schnell zur eigenen Konfiguration.

Fazit

Der freie Texteditor Slap geht mit seinem Javascript-Fundament ungewöhnliche Wege, bietet aber eine willkommene Abwechslung zu Textbearbeitungsprogrammen ohne Mausunterstützung. Die Mischung aus eingängigen Hotkeys und Mausunterstützung ermöglicht ein effizientes und komfortables Bedienen des Editors.

Die ausblendbare Navigation weiß im Großen und Ganzen zu gefallen, zeigt aber hier und da noch einige Schwächen. Auch an einigen anderen Stellen weist der noch recht junge Editor Verbesserungspotenzial auf: So leidet beim Bearbeiten großer Dateien die Performance merklich, und auch eine deutschsprachige Lokalisierung suchen Sie vergebens.

Obwohl der Autor mit einer Ähnlichkeit zu Sublime Text [7] wirbt (“sublime-like text editor”), fanden sich in den Tests nur wenige Ähnlichkeiten. Das Original gibt sich weitaus mächtiger, richtet sich jedoch vorrangig an Power-User und Entwickler.

In jedem Fall punktet Slap durch seine Anpassungsfähigkeit, weshalb sich der quelloffene Editor uneingeschränkt für Einsteiger und Fortgeschrittene empfiehlt – zumindest auf dem persönlichen Arbeitsplatz. Auf Servern allerdings hat die Software nichts zu suchen: Hier ärgern Sie womöglich nur den Systemadministrator, wenn Sie für einen Texteditor Javascript nachinstalliert haben möchten. 

Der Autor

Valentin Höbel arbeitet als Cloud Architect für den VoIP-Spezialisten NFON AG in München. Wenn er in seiner Freizeit nicht gerade am Kickertisch steht, wirft er einen Blick auf aktuelle Open-Source-Technologien.

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