Heute liest man Mails per IMAP. Mit Trojitá gelingt das flott, selbst bei Konten mit umfangreichen Ordnern.
Die großen Desktop-Umgebungen KDE SC und Gnome enthalten mit KMail und Evolution umfangreiche Mailclients mit Groupware-Funktionen. Ein Mailprogramm, das – wie Claws Mail und Sylpheed für GTK – nur Mails verwaltet, gab es im Qt-Umfeld bislang nicht. Jan Kundrát entwickelte ab 2006, basierend auf einem früheren Versuch in Python, im Rahmen einer Master-Arbeit schließlich Trojitá [1] als Qt/C++-Anwendung [2]. Er beschrieb die Hintergründe in einer Serie von Blog-Artikeln [3] – darunter, was ihn an anderen IMAP-Clients nicht gefiel und ihn bei der Arbeit an dem Projekt motivierte [4].
Dabei ging er darauf ein, warum er nicht einfach geholfen hat, KMail zu verbessern, das damals noch nicht auf Akonadi basierte [5]. Grund dafür war vor allem die Struktur der damaligen IMAP-Implementation, die zwar an zahlreichen Stellen genutzt wurde und immer noch im Einsatz ist, aber einige Mängel mit sich bringt. So unterstützt KMail bis heute nicht das von anderen IMAP-Clients bekannte Löschen von Mails via entsprechendem Flag [6].
Anders als Claws Mail und Sylpheed beschränkt sich Trojitá zudem auf IMAP, den Zugriff auf POP3-Konten unterstützt es nicht. Außerdem gibt es bislang keine Plugins, außer einem einzigen für das sichere Speichern von Passwörtern. Gerade diese Beschränkung macht es jedoch auch leichter, einen effizienten und schnellen Client zu entwickeln. Die Software enthielt ursprünglich Anpassungen für Ubuntu Touch, die Jan Kundrát im Oktober 2014 jedoch wieder entfernte [7], da die Touch-Entwickler mit Dekko ihren eigenen Fork verfolgen [8].
Das zentrale Versprechen der Entwickler liegt darin, dass Trojitá große Postfächer schnell öffnet und sowohl Hauptspeicher als auch CPU effizient nutzt. In Bezug auf die Bandbreite des Netzwerks soll es ebenfalls sparsam sein. Dazu implementiert das Programm eine ganze Reihe von fortgeschrittenen IMAP-Funktionen wie QRESYNC und CONDSTORE für schnelle Postfach-Synchronisation sowie CONTEXT=SEARCH für die Live-Suche [9].
Im Gegensatz zu Programmen, die als POP3-Clients anfingen, wurde Trojitá von Anfang an speziell als IMAP-Client konzipiert. Die letzte Release-Version 0.4 verspricht zudem weitere Optimierungen: Laut den Entwicklern synchronisiert sie große Postfächer bis zu zehnmal schneller und spart dabei maximal rund 40 Prozent Arbeitsspeicher ein [10]. Zu den besonderen Merkmalen des Programms gehört es, immer nur so viele Daten zu laden, wie die Benutzeransicht es erfordert. So öffnen Sie selbst Mailboxen mit 100?000 oder mehr Mails, ohne abzuwarten, bis die Software einen kompletten Index erstellt hat [11].
Installation
Die Entwickler stellen das Programm via OpenSuse Build Service [12] als Paket für Fedora, RHEL/CentOS, OpenSuse, Debian und Ubuntu sowie als Quelltext bereit [13]. Es gibt außerdem einen nächtlich aktualisierten Build [14], der gegenüber der Release-Version 0.4.1 eine ganze Reihe von Verbesserungen aufweist. Dank der Plattform-Unabhängigkeit von Qt läuft Trojitá auch unter Windows und Mac OS X; allerdings verweist die Webseite derzeit nur für Windows auf einen Installer.
Möchten Sie einen Blick auf den vollen Funktionsumfang werfen, greifen Sie am besten zum Nightly Build, da dieser anders als die Release-Version das verschlüsselte Speichern von Passwörtern via Qt Keychain ermöglicht [15]. Letzteres verwendet Gnome Keyring oder KWallet Manager für KDE und unterstützt darüber hinaus Windows und Mac OS X.
Allerdings liegt der Nightly Build nur in Englisch vor; lediglich die Release-Version verfügt über eine deutsche Übersetzung der Oberfläche. Die übersetzten Texte stammen aus einem anderen Repository, und der OpenSuse Build Service führt das Python-Skript, das diese lädt, derzeit nicht aus. Der Artikel bezieht sich daher im Folgenden auf die Bezeichnungen in der Oberfläche der englischen Version.
Für die Installation via Paketmanager klicken Sie auf der Website von OpenSuse Build auf das Logo der von Ihnen eingesetzten Distribution und folgen den Anweisungen. Für OpenSuse gelingt die Installation via One Click Install per Mausklick. Der Build Service liefert aber zusätzlich die Befehle für eine manuelle Installation.
Für Ubuntu 14.04 fügt die Zeile 1 aus Listing 1 den Release-GPG-Schlüssel zum APT-Schlüsselring hinzu. Zeile 2 konfiguriert das passende Repository. Dann installieren Sie via Paketmanager entweder das Paket trojita für die aktuelle Release oder trojita-nightly für den Nightly Build. Zum sicheren Speichern von Passwörtern installieren Sie zusätzlich das Paket trojita-plugin-qtkeychain.
Listing 1
$ wget -q -O- http://download.opensuse.org/repositories/home:jkt-gentoo:trojita/xUbuntu_14.04/Release.key | apt-key add - $ sudo sh -c "echo 'deb http://download.opensuse.org/repositories/home:/jkt-gentoo:/trojita/xUbuntu_14.04/ /' >> /etc/apt/sources.list.d/trojita-nightly.list"
Falls Sie später vom Nightly Build zur Release-Version wechseln wollen, deinstallieren Sie das Paket trojita-nightly vorab und richten erst dann die Release-Version ein. Hier fehlt den Paketen eine Konflikt-Angabe, die die gleichzeitige Installation beider Pakete verhindert. Gleiches gilt umgekehrt für den Wechsel von der Release zum Nightly Build.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Software direkt aus den Quellen zu bauen (siehe Kasten “Selbst kompilieren”), etwa, falls der Nightly Build einmal nicht auf dem aktuellen Stand ist.
Selbst kompilieren
Zunächst einmal laden Sie mit dem Kommando aus der ersten Zeile von Listing 2 den Trojitá-Quellcode herunter. Möchten Sie diesen später aktualisieren, gelingt das mit dem Kommando git pull. Debian- und Ubuntu-Anwender ziehen mit apt-get build-dep trojita die grundlegenden Abhängigkeiten zum Bauen nach. Die aktuellen deutschen Übersetzungen holen Sie mit python l10n-fetch-po-files.py aus dem Subversion-Repository mit den Übersetzungen.
Trojitá benötigt Cmake, Qt, Zlib und für das sichere Speichern von Passwörtern Qt Keychain. Bei Debian und Ubuntu installieren Sie hierfür die Pakete cmake, libqt4-dev, qt4-dev-tools für Qt Linguist, libqtwebkit-dev, zlib1g-dev und libqtkeychain-dev und ragel. Wechseln Sie nun in das Quelltext-Verzeichnis und konfigurieren Sie den Quelltext mit den Kommandos der Zeilen 2 bis 5 aus Listing 2.
Läuft Cmake fehlerfrei durch, so baut make -j4 die Quellen. Passen Sie dabei die Zahl hinter der Option -j nach Bedarf an die Zahl der Prozessorkerne im System an. Mit sudo make install landet das Programm dann in /usr/local. Im Test war erforderlich, anschließend sudo ldconfig aufzurufen, um dem System die neu installierten Bibliotheken bekannt zu machen.
Für Qt5 braucht es die Debian-Pakete qtbase5-dev, libqt5webkit5-dev, qt5keychain-dev, qttools5-dev sowie qttools5-dev-tools für die Qt5 Linguist Tools. Übersetzen Sie in diesem Fall mit cmake -DWITH_QT5=ON und löschen Sie gegebenenfalls vorher die Datei CmakeCache.
Wer indes in ein anderes Verzeichnis installieren oder andere Einstellungen verändern möchte, der ruft vor Cmake noch ccmake .. auf und passt die Einstellungen an.
Aufgrund eines Bugs in Qt 5.3.1 startete Qt mit dieser Qt-Version nicht. Mit Qt 5.3.2 startete Trojitá zwar, stürzte aber beim Klick auf eine Mail ab. Das von Qt5 verwendete Qt Webkit lud das Browser-Plugin für die Remote-Desktop-Lösung X2go in den Speicher, obwohl das ein Qt4-Plugin ist. Dieser Fehler wurde mittlerweile im Quelltext von Qt Webkit behoben [16]. Nach dem Entfernen des Pakets x2goplugin lief die Qt5-Version von Trojitá (Abbildung 1).
Da Cmake kein Make-Target zum Entfernen erstellt (uninstall), aber die Liste der installierten Dateien aufzeichnet, gelingt ein Entfernen mit cat install_manifest.txt | xargs sudo rm. Möchten Sie ein Debian-Paket bauen, greifen Sie auf die Anleitung in README.Debian zurück. Die erklärt, wie Sie anhand der Dateien für den OpenSuse Build Service, der Trojitá-Pakete baut, selbst eins erstellen. Im Test kam aber der Befehl dpkg-buildpackage -b mit der zusätzlichen Option -rfakeroot zum Einsatz.
Die Bau-Abhängigkeiten für das Paket stehen in der Datei debian/control unter Build-Depends. Der Befehl dpkg-buildpackage zeigt jedoch an, was noch fehlt. Die Option -b ist erforderlich, denn sonst sucht der Befehl nach einem Quelltext-Tarball, der bei einem Git-Checkout so nicht existiert. Obwohl das Paket die Version 0.3.90 im Dateinamen hat, baut dpkg-buildpackage eine (auch nicht ganz aktuelle) Version 0.4.1 vom 7. Juli 2014. Wer nicht tiefer in die Debian-Paketierung einsteigen möchte, ist mit der Version aus dem OpenSuse Build Service besser beraten. Denn die war zum Redaktionsschluss tagesaktuell.
Listing 2
$ git clone git://anongit.kde.org/trojita $ cd trojita $ mkdir build $ cd build $ cmake ..

Abbildung 1: Trojitá läuft zwar mit Qt5, für einen stabilen Betrieb sind jedoch einige Dinge zu beachten.
Konfiguration
Die Konfiguration des Mailclients fällt leicht: Sie finden alle Einstellungen unter IMAP | Settings. Im Reiter General geben Sie mit Add Ihren Namen und Ihre Mailadresse an. Sie haben die Möglichkeit, in Trojitá mehrere Identitäten zu verwenden. Setzen Sie hier Passwords auf Secure storage via QtKeychain, um die Passwörter verschlüsselt zu speichern. Wer HTML-Mails nicht mag, aktiviert noch Show plaintext e-mails instead of the HTML version.
Das Konto konfigurieren Sie unter IMAP (Abbildung 2). Das Programm erwartet die üblichen Angaben wie Server, Port, Benutzername, Passwort und Art der Verschlüsselung. Verwenden Sie bei Encryption den Eintrag Use encryption (STARTTLS) oder Force Encryption (TLS). Letzteres nutzt den IMAPS-Port 993, während Ersteres über den Standard-Port 143 via STARTTLS das Verschlüsseln anfordert.

Abbildung 2: Trojitá unterstützt ein IMAP-Konto mitsamt der üblichen Optionen zum Verschlüsseln der Kommunikation zwischen Client und Server.
Trojitá unterstützt im Gegensatz zu KMail oder Thunderbird derzeit nur ein Konto. Allerdings lässt es sich seit Trojitá 0.4 mit unterschiedlichen Profilen mehrfach starten. Dazu dient die Option --profilename, der Sie einen Namen für das Profil übergeben [8]. Das ist allerdings nicht der endgültige Ansatz für den Betrieb mehrerer Konten.
Trojitá kann einen IMAP-Server als lokalen Prozess starten, beispielsweise über SSH-Schlüssel und SSH-Agent via ssh mail.example.org dovecot --exec-mail imap den Server Dovecot. Möglich wäre auch ein lokaler Dovecot auf einem Laptop in Verbindung mit einem Programm zum Synchronisieren wie Imapsync.
Für das Versenden von Mails geben Sie unter SMTP Servername, Port und Art der Verschlüsselung an. Wer für STARTTLS den Port 25 nutzt, muss diesen extra anpassen, da das Programm von Port 587 als Standard ausgeht. Für authentifiziertes SMTP, wie es mittlerweile üblich ist, geben Sie hier noch den Benutzernamen und das Passwort an.
Unter Offline konfigurieren Sie, ob die Software Nachrichten und die Indizes für die Postfächer puffert, entweder dauerhaft oder für eine bestimmte Anzahl von Tagen. Der Puffer liegt in einer Sqlite-Datenbank in ~/.cache/flaska.net/trojita/imap.cache.sqlite und belegte auf einem Testsystem, auf dem das Programm Nachrichten für 30 Tage speicherte, im Betrieb 76 MByte.
Das Programm legt sowohl die Indizes für Ordner als auch komplette Mails im Cache ab. Der hilft vor allem den IMAP-Server und die Netzwerkverbindung zu entlasten oder unabhängig vom Netz Mails zu lesen. Dazu bietet Trojitá jedoch zusätzlich im Hauptmenü unter IMAP | Network Access die drei Optionen Offline, Expensive Connection (teure Verbindung) und Free Access (freier Zugriff).
Richtig reduziert
Beim Bedienen der Applikation fällt auf, wie sehr der Entwickler das Programm abgespeckt hat. Obwohl Trojitá über ein rudimentäres Register für häufig benutzte Adressen verfügt, ist es keine komplette PIM-Suite und will es gar nicht sein. Es folgt im Wesentlichen dem Aufbau vieler Mailclients: Menüleiste und eine Werkzeugleiste oben, links die Liste der Ordner und rechts untereinander die Liste der Mails und die Ansicht für den Inhalt einer Nachricht.
Über das Menü stellen Sie unter View | Layout alternativ auf das Layout Wide um (Abbildung 3), dass auf breiten Bildschirmen den Platz besser ausnutzt. Allerdings fällt es schwer, die Breite der Spalten für Betreff, Absender, Datum und Größe der Mail ordentlich zu regeln: Zwischen den Elementen Subject und From fehlt ein Anfasser zum Verschieben, die anderen arbeiten etwas merkwürdig. Es ist jedoch eine Mail-Liste mit zwei Zeilen pro Mail angedacht, wie man sie aus KMail kennt [17].

Abbildung 3: Die breite Ansicht von Trojitá eignet sich gut für moderne Laptops mit entsprechenden Displays. Allerdings gelingt es zurzeit nur schwer, die Breite der Spalten passend einzustellen.
In der Ansicht One at a time zeigt das Programm entweder die Liste der Ordner, die der Mails in einem Ordner oder eine einzelne Mail und spart so auf kleineren Laptops oder Mobilgeräten Platz. Trojitá sortiert neue Mails allerdings – etwas ungewohnt – unten in der Liste ein. Unter Sorting finden Sie verschiedene Möglichkeiten zum Ordnen der Nachrichten. Trojitá bietet dabei auch das Sortieren nach Threads, sofern Sie die Mails Show Messages In Threads als Baumstruktur nutzen.
Als sehr praktisch erweist sich die mit Quick Search überschriebene Leiste mit der Schnellsuche: Aus über 88?000 Mails im Ordner für die Linux-Kernel-Mailingliste fand Trojitá im Test binnen drei Sekunden die drei Release-Ankündigungen für die Linux-Werkzeuge util-linux heraus (Abbildung 4). Eine ordnerübergreifende Suche fanden wir beim Test allerdings nicht.

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Abbildung 4: Praktisch und schnell: Die Suchfunktion, hier in der AnsichtOne at a time beim Durchsuchen der Nachrichtenliste.Bei der Ansicht einer Nachricht gefallen die kompakte Darstellung der Kopfzeilen, die Möglichkeit, Tags zu vergeben, sowie die elegante Anzeige zitierter Texte [18] durch senkrechte Linien (Abbildung 5). Das Programm zeigt HTML-Mails standardmäßig formatiert an, die Anzeige von externen Bildern schalten Sie bei Bedarf zu. Eine Zoom-Funktion fehlt jedoch. Das führt dazu, dass auf einem Display mit hoher Auflösung HTML-Mails mit zu kleiner Schriftgröße kaum noch leserlich erscheinen. Außerdem fehlt eine Funktion, um Mailadressen via Kontextmenü ins Adressbuch zu kopieren.

Abbildung 5: Trojitá kürzt lange Quotes – praktisch bei Top-Postings – und erlaubt, Nachrichten mit Tags zu markieren.
Auch das Fenster zum Versenden von Mails präsentiert sich auf das Wesentliche reduziert: Oben links befinden sich Felder für die Absender-Identität und beliebig viele Empfänger. Wie KMail erstellt Trojitá nach Bedarf neue Felder zum Eingeben. Rechts daneben befindet sich ein Schalter zum Hinzufügen von Anhängen und eine Liste der Attachments, darunter der eigentliche Mailtext.
Ganz nach Bedarf können Sie mit New Thread einen neuen Dialog eröffnen oder nachträglich noch ändern, inwiefern die Mail an den Absender, an alle Empfänger oder an eine Mailingliste geht – praktisch, wenn Sie einmal wieder vergessen haben, gleich “Antworten an alle” zu wählen. Das Programm antwortet zudem intelligent: Auf Mailinglisten mit passenden Kopfzeilen gehen Mails standardmäßig nur an die Liste.
Performance
Wie steht es nun um die Performance und Effizienz, zwei der beworbenen Haupt-Merkmale des Programms? Im Test ließen wir die Software auf ein IMAP-Konto mit gut 200?000 Mails los, vor allem solche von Mailinglisten von Open-Source-Projekten. Den größten Ordner stellt dabei die Kernel-Mailingliste mit fast 100?000 Mails.
Das Konto stellte ein Dovecot-Server bereit, einer der schnellsten IMAP-MTAs, der seine Mails in einem Btrfs-Dateisystem auf einer Storage-Appliance von NetApp ablegte. Der Test beschränkte sich auf subjektive Eindrücke, da sich der Server die Infrastruktur mit anderen virtuellen Maschinen teilt. Das erschwert es, die Messungen zu reproduzieren. Zum Vergleich griffen wir per KMail 4.14.2 mit Akonadi 1.13 auf dasselbe IMAP-Konto zu.
Trojitá war direkt nach dem Konfigurieren des IMAP-Kontos einsatzbereit, der Zugriff auf große Ordner gelang im Handumdrehen. Hier hebt sich das Programm positiv vom Mitbewerber ab: Bei KMail war Akonadi nach dem Einrichten des Kontos erst einmal mit dem Laden aller Ordner-Indexe beschäftigt war, was mitunter eine gute Stunde oder länger dauerte.
Beim Zugriff auf den Ordner mit den Kernel-Mails zeigte Trojitá keine Schwächen; es lud nicht den kompletten Index des Ordners, sondern nur einen Teilbereich. Dabei lief das Programm zunächst im Modus Free Access mit einem Cache für 30 Tage. Das stellte sich beim schnellen Wechseln von Ordnern oder beim Scrollen in der Liste der Mails als Problem heraus: Hier lädt Trojitá mehr vom Index als das, was der Anwender im Moment sieht, um schneller auf Anfragen zu reagieren.
Allerdings beendete Trojitá im Test alte Anfragen nicht, sodass nach dem Wechseln von Ordnern oder dem Scrollen in der Liste der Nachrichten nach einer Weile durchaus Wartezeiten von zehn Sekunden bis hin zu einer halben Minute auftraten, während der IMAP-Server auf der Hardware den gemeinsam verwendeten Speicherplatz auslastete. Mit zugeschaltetem Threading, bei dem die Applikation mehr Kontext lädt, um die Zugehörigkeiten zu Gesprächsfäden zu zeigen, trat der Effekt noch ausgeprägter auf. Einmal gespeicherte Daten zeigte der Client jedoch zügig an.
Kurioserweise half die Option Expensive Access für eine teure Verbindung: Hier lädt Trojitá tatsächlich nur das, was der Anwender gerade sehen möchte. Damit aktualisierte das Programm die Anzeige stets binnen weniger Sekunden, selbst beim Scrollen im Ordner für die Kernel-Mailingliste. Wer also eine gute Verbindung zu einem schnellen IMAP-Server hat, fährt mitunter mit dieser Option besser.
KMail war nach dem ersten Scannen beim Zugriff auf Ordner und die darin enthaltenen Mails allerdings ebenfalls stets sehr rasch – es sei denn, Akonadi beschäftigte sich stark mit Aufgaben im Hintergrund, dann dauerte es mitunter etwas länger. Allerdings lief Akonadi ja auch ständig im Hintergrund, um sich mit dem IMAP-Konto abzugleichen und die Ordner-Indexe in der MySQL-Datenbank zu speichern. Bei großen Ordnern brauchte KMail etwas Zeit, bis es die Thread-Ansicht vollständig aufbaute. Währenddessen reagierte das Programm nur langsam.
Während sich Akonadi also bei einem spontanen Zugriff auf ein IMAP-Konto erst einmal geraume Weile mit dem Indizieren beschäftigt, geht Trojitá hier deutlich schneller an den Start. Dafür bietet KMail mit Baloo mittlerweile eine wirklich brauchbare und schnelle Volltextsuche über das komplette Konto und fixen Zugriff, wenn Akonadi ohnehin regelmäßig im Hintergrund läuft.
Ein Vergleich mit einem großen IMAP-Konto auf Exchange ergab kaum nennenswerte Fakten: Sowohl mit KMail als auch mit Trojitá gab es hier immer wieder Wartezeiten. Das liegt jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit an der IMAP-Implementation von Microsoft, die viele fortgeschrittene Befehle nicht unterstützt.
Fazit
Das Mailprogramm Trojitá gefällt durch seinen einfachen Aufbau und seine hohe Arbeitsgeschwindigkeit. Grundsätzliche Funktionen wie Threading, Nachrichtenanzeige und Suche in einem Ordner wirken schnörkellos und solide. Besonders gefiel im Test die elegante Anzeige des zitierten Texts. Wer einfach nur effizient Mails in einem umfangreichen IMAP-Konto lesen möchte, der ist mit Trojitá sicherlich gut beraten.
In Bezug auf Funktionen wie die Unterstützung mehrerer Konten, die Volltextsuche über den gesamten Bestand an Nachrichten, GPG-Unterstützung und Weiteres mehr kommt das Programm jedoch derzeit nicht an andere Clients wie KMail heran. In den aktuellen Versionen überzeugte aber auch das Duo KMail/Akonadi bei großen IMAP-Konten im Vergleichstest, wenn Akonadi ohnehin im Hintergrund lief.
Glossar
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STARTTLS
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Verfahren zum Einleiten des Verschlüsselns einer Kommunikation mittels Transport Layer Security (TLS). Dies leitet der Client bei IMAP mit dem gleichlautenden Schlüsselwort ein, bei POP dagegen mit
STLS.
Infos
[1] Trojitá-Webseite: http://trojita.flaska.net
[2] “IMAP E-mail Client” (Masterarbeit): https://projects.flaska.net/projects/trojita/files
[3] Jan Kundráts Trojitá-bezogene Blog-Artikel: http://jkt.flaska.net/blog/tags/trojita/
[4] “Introducing Trojitá, a Qt IMAP e-mail client”: http://jkt.flaska.net/blog/Introducing_Trojit____a_Qt_IMAP_e_mail_client.html
[5] “On Innovation, NIH, Trojitá and KDE PIM”: http://jkt.flaska.net/blog/On_Innovation__NIH__Trojita_and_KDE_PIM.html
[6] KDE-Bug 26986: https://bugs.kde.org/26986
[7] “Removal of the Ubuntu-Touch code from Trojitá git”: http://jkt.flaska.net/blog/Removal_of_the_Ubuntu_Touch_code_from_Trojita_git.html
[8] “One week in and Dekko has 41 users”: http://blog.dpniel.com/?p=31
[9] “Trojitá, a Qt IMAP e-mail client, and the Qt Developer Days”: http://jkt.flaska.net/blog/Trojita__a_Qt_IMAP_e_mail_client__and_the_Qt_Developer_Days.html
[10] “Trojitá 0.4 ‘Ukraine’ is released”: http://jkt.flaska.net/blog/Trojitá_0_4__Ukraine__is_released.html
[11] “Tagged pointers, and saving memory in Trojitá”: http://jkt.flaska.net/blog/Tagged_pointers__and_saving_memory_in_Trojita.html
[12] OpenSuse Build Service, Seite für Release-Version: http://software.opensuse.org/download.html?project=home:jkt-gentoo:trojita&package=trojita
[13] Trojitá herunterladen: http://trojita.flaska.net/download.html
[14] OpenSuse Build Service, Seite für Nightly Builds: http://software.opensuse.org/download.html?project=home:jkt-gentoo:trojita&package=trojita-nightly
[15] Qt Keychain: https://github.com/frankosterfeld/qtkeychain
[16] KDE-Bug 340061: https://bugs.kde.org/340061
[17] KDE-Bug 340309: https://bugs.kde.org/340309
[18] “Collapsing long mail quotes in pure CSS and other new features in Trojitá 0.3.92”: http://jkt.flaska.net/blog/Collapsing_long_mail_quotes_in_pure_CSS_and_other_new_features_in_Trojita_0_3_92.html





