Wer auf Datensicherheit und Privatsphäre Wert legt, der baut sich seinen Cloudspeicher meist selbst. Simpledrive bietet jedoch eine probate Alternative zu dieser aufwendigen Aktion.
Google Drive, Apple iCloud, Microsoft SkyDrive, Dropbox, Box oder Copy – zahlreiche Unternehmen betteln darum, Ihre Daten in einem Cloudspeicher lagern zu dürfen. Dabei bieten alle diese Dienste viel Leistung für wenig Geld, das Basis-Angebot mit Speicherplatz von bis zu 5 GByte gibt es oft kostenlos. Keine Frage: Der Nutzer ist hier nicht nur der Kunde, sondern auch die Ware.
Deswegen greifen auf Datenschutz und Privatsphäre bedachte Anwender auf quelloffene Lösungen wie Owncloud [1] oder Seafile [2] zurück, wie sie bereits in vielen Firmen und Unis zum Einsatz kommen. Dabei laufen die Open-Source-Alternativen auch bestens auf gehostetem Webspace oder einem Raspberry Pi.
Simpledrive [3] offeriert eine weitere Alternative zu den großen kommerziellen Anbietern. Das in PHP geschriebene Programm benötigt neben einem Webserver mit entsprechender Unterstützung lediglich MySQL. Ein entsprechender Webspace lässt sich günstig mieten; noch besser aufgehoben sind die Daten aber zu Hause oder im Büro auf einem eigenen Server mit SSL-Zertifikat: So wandern die auf Simpledrive abgelegten Daten verschlüsselt durchs Internet.
Installation
Die Installation von Simpledrive erfolgt entweder über das Entpacken des ZIP-Pakets direkt ins Datenverzeichnis des Webservers oder, auf einem ausgewachsenen Linux-System auf Debian-Basis, entsprechend Listing 1 über ein DEB-Paket. Für Ubuntu 14.04 stellt der Entwickler zudem ein PPA mit der aktuellen Version bereit (Listing 2).
Nach der Installation gilt es, einen Hauptbenutzer einzurichten und Simpledrive mitzuteilen, wo das Programm seine Datenbank findet. Das erledigen Sie per Webbrowser unter http://IP/Simpledrive. Dabei steht IP für die IP-Adresse des Servers, Simpledrive für den Installationspfad. Anschließend melden Sie sich mit den hinterlegten Daten am noch leeren Simpledrive an.
Listing 1
$ sudo dpkg -i simpledrive*.deb $ sudo apt-get install -f
Listing 2
$ sudo add-apt-repository ppa:paranerd-development/simpledrive $ sudo apt-get update $ sudo apt-get install simpledrive
Dateimanagement
Für Simpledrive gibt es bisher keinen Desktop-Client, das Befüllen des Datenspeichers geschieht daher via Browser. Die Inhalte des Datenspeichers zeigt Simpledrive in einem Gitter an. Über das Gitter-Icon rechts unten schalten Sie zwischen verschiedenen Ansichten um, darunter auch eine übersichtlichere Liste. Eine Vorschau zeigt Simpledrive nur für gebräuchliche Bildformate wie PNG oder JPG an, PDFs oder Videos müssen ohne Thumbnail auskommen.
Neue Ordner und Dateien legen Sie über das Kontextmenü links oben unter New | File oder Folder an. Bestehende Dateien und Ordner öffnen Sie mit einem Klick auf den Namen. Klicken Sie lediglich auf das Icon, dann markieren Sie das Objekt (Abbildung 1). Ein Rechtsklick öffnet dann ein Kontextmenü, um die ausgewählten Objekte zu löschen, zu zippen oder herunterzuladen. Zum Verschieben einer Datei in einen anderen Ordner ziehen Sie sie einfach auf das gewünschte Ziel – dies klappt auch bei einer Auswahl von mehreren Dateien.
Eine ganze Reihe von Dateien lassen sich auch direkt im Simpledrive-Frontend betrachten: So zeigt die Web-App unter anderem JPG- und PNG-Bilder sowie PDFs direkt im Browser an. In Ordnern mit mehreren Bildern lässt sich eine Diashow starten. OGG- oder MP3-Musikdateien spielt Simpledrive ebenso direkt im Browser ab wie Videos im OGV- und MP4-Format.
Textdateien und ODT-Dokumente, also solche im Open Document Format von Libre- und OpenOffice, bearbeiten Sie mit Simpledrive direkt im Browser. Für Letzteres greift Simpledrive auf WebODF [4] zurück; beim Javascript-Editor für Textdateien (Abbildung 2) dagegen handelt es sich um eine Eigenentwicklung des Simpledrive-Initiators Kevin Schulz.
Listing 3
$ sudo mount -t davfs http://IP/Simpledrive/webdav.php /mnt/WebDAV
Administration
Das Übersichtsfenster in den Settings zeigt grundlegende Informationen zur Simpledrive-Installation an, wie etwa den noch zur Verfügung stehenden Speicherplatz. Zudem geben Sie hier unter Upload max die maximale Dateigröße für Uploads an oder erzwingen per Force SSL das Umleiten auf eine verschlüsselte Verbindung. Für Letzteres müssen Sie jedoch auch den Webserver entsprechend konfigurieren und ein SSL-Zertifikat einspielen.
Simpledrive verwaltet bei Bedarf die Daten mehrerer Benutzer. Beim Einrichten legen Sie automatisch den ersten User mit Admin-Rechten an, weitere Konten erzeugen Sie unter Settings | Show accounts | Create user. Die hochgeladenen Daten legt Simpledrive für jeden Account getrennt im Installationsverzeichnis unter Simpledrive/documents/Benutzer ab.
Android-App
Um auch von unterwegs auf die von Simpledrive gespeicherten Daten zuzugreifen, spielen Sie auf Ihrem Smartphone die Simpledrive-App für Android [5] ein (Abbildung 3). Damit übertragen Sie Daten zwischen Handy und Cloudspeicher. Die App betätigt sich nebenbei auch als Bildbetrachter und MP3-Audioplayer für die in der Cloud abgelegten Daten.
Beim Einrichten der App gilt es, den Pfad zur Simpledrive-Installation komplett mitsamt dem Protokoll http:// oder https:// einzutragen. Anderenfalls quittiert die Simpledrive-App jeden Verbindungsversuch mit einer Fehlermeldung.
Fazit
Hinsichtlich des Leistungsumfangs kann sich Simpledrive nicht mit Konkurrenten wie Owncloud messen: Es verschlüsselt nicht, lässt Protokolle wie CalDAV oder CardDAV vermissen und bietet keinen Desktop-Client, der die Daten fortwährend zwischen Computer und Cloudspeicher abgleicht. Immerhin unterstützt es WebDAV, sodass sich das Fehlen eines Clients verschmerzen lässt.
Die strikte Beschränkung aufs Wesentlichste bietet jedoch auch Chancen: Simpledrive arbeitet im Browser zügig und erlaubt sogar das Editieren von Text- und ODT-Dokumenten, wenn es auch kein kolloboratives Arbeiten kennt. Als schlanker, selbstverwalteter Onlinespeicher taugt Simpledrive aber allemal.
Infos
[1] Owncloud: http://owncloud.org
[2] Seafile: http://seafile.com
[3] Simpledrive: http://simpledrive.org
[4] WebODF: https://github.com/kogmbh/WebODF
[5] Android-Client zu simpleDrive: https://play.google.com/store/apps/details?id=org.simpledrive
[6] Davfs2: http://savannah.nongnu.org/projects/davfs2







