Mit Jajuk behalten Sie nicht nur die Musiksammlung im Blick, sondern bringen mit dem virtuellen DJ jede Party zum Kochen.
Sammlungen jeder Art tendieren dazu, mit wachsendem Bestand unübersichtlich zu geraten. Audiophile Zeitgenossen, die mehrere tausend Musikstücke auf der Festplatte verwalten, kennen das Problem des ungeordneten Durcheinanders. Wer dann einen bestimmten Titel für die anstehende Party sucht, hat meist ein Problem. Abhilfe schafft hier das äußerst umfangreiche Programm Jajuk [1]: Mit der Java-Software bringen Sie Ordnung in die Sammlung. Obendrein glänzt die Software noch durch die zusätzlichen Funktionen eines virtuellen DJs, der das manuelle Zusammenstellen von Wiedergabelisten überflüssig macht.
Jajuk bringt einen leistungsfähigen, auf Mplayer basierenden Audioplayer mit. Außerdem eignet sich das Programm als Abspielsoftware für Internet-Radios. Über das Internet integriert die Applikation zudem Inhalte von Media-Plattformen wie Last.fm in die Software. Das ermöglicht es, Informationen über Künstler, Alben und Titel abzurufen. Durch die Unterstützung für unterschiedlichste Formate und deren Tags sind Sie außerdem nicht auf eine bestimmte Plattform festgelegt. Das ermöglicht Sammlungen mit gemischten On- und Offline-Inhalten.
Auf die Platte
Die Entwickler bieten die Java-Applikation als vorbereitetes RPM- und DEB-Paket an. Die aktuelle Version 1.10.7 mit dem aussagekräftigen Codenamen “Gute Laune” erhalten Sie über die Website des Programms.
Die Voraussetzungen für den Betrieb gestalten sich äußerst moderat: Neben dem Java-Runtime-Environment (JRE) mindestens in Version 1.6 geben die Entwickler als minimale Bildschirmauflösung 1024 x 768 Pixel an. Außerdem erfordert Jajuk als Backend zum Abspielen der Titel den Mplayer, der sich in den Repositories aller gängigen Distributionen findet. Zum Abruf von Online-Inhalten sollte zudem ein Internet-Zugang vorhanden sein.
Die Verfügbarkeit der Java-Laufzeitumgebung prüfen Sie im Terminal durch Eingabe des Befehls java -version. Jajuk arbeitet sowohl mit OpenJDK als auch mit Oracles Laufzeitumgebung zusammen. Gegebenenfalls installieren Sie die entsprechende Version des OpenJDK aus dem Repository nach oder beziehen alternativ gemäß den Hinweisen der Entwickler die Oracle-Variante aus dem Web [2].
Haben Sie die Java-Umgebung ins System integriert, bleibt nur noch, das entsprechende Archiv zu installieren. Die Routine legt dabei je nach Distribution unter Multimedia oder Unterhaltungsmedien einen Starter an.
Erster Start
Beim ersten Start geben Sie zunächst Quellen- und Arbeitsverzeichnis an. Ersteres bezeichnet den Pfad, in dem Sie die Musikdateien auf der Festplatte gesichert haben, Letzteres dagegen, wo die Software Daten ablegt. Danach sticht sofort das zunächst verwirrende Fenster des Programms ins Auge.
Jajuk kennt drei immer an der gleichen Stelle angeordnete Gruppen von Bedienelementen: das am oberen Bildschirmrand horizontal angeordnete Menü, am linken Bildschirmrand eine aus neun Schaltflächen bestehende Schnellwahlleiste und unten horizontal zwei Gruppen mit Bedienelementen für den Audio-Player. Den größten Teil des Programmfensters dagegen nimmt der Info-Bereich ein, der je nach Auswahl links unterschiedliche Listen präsentiert. Diese Ansichten dürfen Sie beliebig miteinander kombinieren, wobei jede sich als Unterfenster innerhalb des Programmfensters öffnet.
Im ersten Schritt empfiehlt es sich, die Grundeinstellungen der Software vorzunehmen. Dazu wechseln Sie in die Einstellungen, indem Sie links in der Leiste auf Konfiguration klicken. Die Software öffnet wieder drei Unterfenster, in denen Sie das Quellverzeichnis bei Bedarf modifizieren und CD-Daten einlesen. Wichtiger ist jedoch das Fenster Einstellungen, das verschiedene Reiter präsentiert (Abbildung 1).

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Abbildung 1: Im FensterEinstellungen besteht die Möglichkeit, Jajuk sehr detailliert anzupassen.Neben unzähligen Möglichkeiten zum Anpassen der gesamten Optik des Programms sowie der Anzeige der Namen von Titel und Album stellen Sie hier im Reiter Sound die Dauer von Überblendungen und bei Bedarf einen Audio-Normalizer ein. Dieser sorgt dafür, dass die Lautstärke beim Abspielen von Titeln verschiedener Alben gleich bleibt.
Im Reiter Netzwerk deaktivieren Sie gegebenenfalls den Zugriff auf das Internet oder hinterlegen die Daten für einen Proxy. Haben Sie die Software fertig konfiguriert, speichern Sie die Modifikationen durch einen Klick auf die Schaltfläche Übernehmen unten rechts.
Perspektiven und Bäume
Die Applikation unterteilt die Listen in Perspektiven, für die Sie jeweils wählen, welche Unterfenster Sie auf der Oberfläche sehen. Während Sie nicht benötigte ausblenden, wie etwa ein normales Fenster durch einen Klick auf die Schaltfläche zum Schließen oben rechts in der Titelleiste, fügen Sie eine neue Ansicht über Fenster | Ansicht anzeigen hinzu.
Die gewünschte Ansicht wählen Sie aus der sich öffnenden Liste. Wechseln Sie danach durch einen Klick auf einen der Buttons links in der vertikalen Leiste die Perspektive, so bleiben die neu aktivierten Ansichten in der jeweiligen Perspektive erhalten. Da das Programmfenster in den Standardeinstellungen durch sehr viele Ansichten zuweilen etwas überladen wirkt, lohnt es sich, die Anzeige zu entschlacken und somit übersichtlicher zu gestalten.
Das Programm stellt unterschiedliche Ansichten in Form eines Baums bereit, um einen besseren Überblick über die Kollektion zu ermöglichen. In der Perspektive Titel links in der Leiste öffnet sich ein Bereich Titel Baum, in dem Sie alphabetisch sortiert sämtliche Titel nach unterschiedlichen Kriterien gruppiert sehen. Standardmäßig gruppiert das Tool die Titel nach Genre. Bei Bedarf ändern Sie das im Auswahlfeld oben. Dadurch entsteht bei großen Musiksammlungen bereits ein erheblich besserer Überblick (Abbildung 2).

Abbildung 2: Insbesondere bei großen Sammlungen sorgt die Ansicht als Baum für einen besseren Überblick.
Editieren
Gelegentlich müssen Sie die Daten zu einem Musikstück bearbeiten. Bei allen gängigen Audioformaten befinden sich Metadaten in den gespeicherten Dateien. Diese enthalten unter anderem Informationen über Interpret, Titel, Name des Albums und Jahr, in dem der Song oder das Album erschienen ist.
Jajuk setzt beim Abruf von Daten aus dem Internet auf die gängigen Datenbanken. In diese schleichen sich aber gelegentlich Fehler ein. Sie korrigieren solche fehlerhaften Daten lokal, indem Sie mit der rechten Maustaste auf den betreffenden Titel klicken und im Kontextmenü die Option Eigenschaften auswählen. Es öffnet sich ein Fenster mit dem Editor, in dem Sie alle Korrekturen und Ergänzungen vornehmen (Abbildung 3).
Ebenso einfach durchsuchen Sie den Bestand nach doppelt vorhandenen Titeln und entfernen diese. Dazu klicken Sie im Menü auf Tools | Doppelte Titel finden. Die Software zeigt die Dubletten mitsamt des Pfads an und bietet unten im Fenster mit den Schaltflächen Löschen oder Alle doppelten Titel auswählen die Möglichkeit, entweder mehrfach vorhandene Stücke gleich zu löschen oder diese zuvor in eine Playlist zu übernehmen. Damit gehen Sie sicher, dass es sich um Dubletten handelt.
Wiedergabelisten
Haben Sie das Programm Ihren Wünschen gemäß konfiguriert und den Bestand geordnet, bietet es sich an, Wiedergabelisten anzulegen. Dazu klicken Sie links in der Leiste auf den Knopf Playlists. Jajuk öffnet drei Fenster, von denen Sie das Fenster Playlists rechts mit Titeln füllen. Dazu wählen Sie aus dem links angezeigten Fenster Dateibaum einzelne Titel oder ganze Alben und ziehen diese mit der Maus ins rechte Fenster unten in die Liste.
Haben Sie die Playliste vervollständigt, speichern Sie diese im M3U-Format ab, indem Sie im Fenster Playlists auf die Schaltfläche Speichern unter… klicken, den Pfad zum Speichern auswählen und einen Dateinamen vergeben. Die Liste rufen Sie anschließend auf, indem Sie im Fenster Playlists die gewünschte Wiedergabeliste mit einem Rechtsklick markieren und aus dem sich öffnenden Kontextmenü die gewünschte Aktion aussuchen.
Bleibt das Fenster mit den Abspiellisten trotz korrekt abgelegter Playlist leer, haben Sie ein falsches Verzeichnis als Quelle vorgegeben. Um das richtige zu konfigurieren, wechseln Sie nach Konfiguration | Quellenassistent und wählen im Fenster Schnell eine Quelle anlegen den entsprechenden Pfad.
Die in diesem Verzeichnis liegenden M3U-Dateien erscheinen anschließend oben im Playlist-Fenster, während Sie unten die einzelnen Titel der Liste sehen. Bei mehreren Quellverzeichnissen listet die Software diese links im Fenster Dateibaum auf, sodass Sie komfortabel zwischen den Ordnern und M3U-Listen wechseln.
Beim nachträglichen Editieren der Wiedergabelisten sollten Sie einzelne Musikstücke nicht via Kontextmenü über Löschen entfernen, sondern die Option Titel entfernen wählen. Letztere entfernt lediglich den Eintrag aus der Liste, während Löschen die Datei von der Festplatte putzt.
Bewertungen
Mit einem integrierten Bewertungssystem eröffnet Jajuk die Möglichkeit, Favoriten selbst in großen Sammlungen schnell zu finden. Der Algorithmus misst dabei nicht nur, wie häufig Sie einen Titel auswählen, sondern obendrein, ob Sie den Titel komplett abspielen oder die Wiedergabe vorzeitig abbrechen.
Aus diesen Messungen resultiert eine Skala von einem bis zu vier Sternen, die die Software für jeden Titel anlegt. Außerdem dürfen Sie jeden Titel mit einer persönlichen Wertung versehen, die in das endgültige Rating einfließt. Dazu setzen Sie in einer beliebigen Perspektive unten rechts im Fenster ein entsprechendes Smiley.
Umgekehrt schließen Sie bei Bedarf einzelne Titel aus dem Bewertungssystem aus. Das veranlassen Sie in den meisten Perspektiven über die Schaltfläche mit dem Stoppzeichen unten rechts. Dadurch schließt die Software den Titel aus, er bleibt aber nach wie vor in den Listen.
Möchten Sie die am besten bewerteten Titel einer Sammlung abspielen, ohne diese in einer neuen Kollektion zusammenzufassen, klicken Sie unten links im Programmfenster auf die Schaltfläche mit dem Herz-Symbol. Alternativ starten Sie das Abspielen aller Favoriten über das Menü Smart | Spiele die besten Titel.
Internet-Radio
Jajuk spielt Musik aus externen Quellen wie Audio-CDs oder MP3-Playern ab, wenn Sie diese ins System einbinden. Darüber hinaus unterstützt die Software Radiostationen aus dem Internet. Viele Internet-Radios haben die Entwickler bereits vorkonfiguriert. Um eine Station auszuwählen, klicken Sie unten rechts im Programmfenster neben dem Radio-Symbol auf das kleine Dreieck. Aus der sich öffnenden Liste wählen Sie eine Station.
Um die Wiedergabe des Programms zu starten, klicken Sie anschließend auf das rote Radio-Symbol. Um die Einträge für die vorkonfigurierten Stationen zu editieren oder neue hinzuzufügen, wählen Sie zunächst die Ansicht Titel links im Hauptfenster. Anschließend finden Sie mittig im Fenster den Reiter Internet-Radios, der alle Stationen samt Herkunftsland und Genre als Liste zeigt. Die Ansicht filtern Sie bei Bedarf wie bei den meisten Listen nach Kriterien, die Sie oben über der Liste auswählen.
Möchten Sie eine neue Radiostation hinzufügen, so klicken Sie oben links über der Liste auf die Schaltfläche mit dem Plus-Zeichen. Im folgenden Dialog geben Sie die entsprechenden Daten ein und speichern den Eintrag. Sollten Sie bei Auswahl einer Station kein Signal erhalten, so liegt das oft daran, dass diese gerade nicht auf Sendung ist. Manche Sender weisen in einem kurzen Hinweis auf die Sendezeiten hin (Abbildung 4).
Party-Time
Für eine Party generiert Jajuk auf Wunsch Wiedergabelisten für externe Geräte wie Heimkino-, HiFi-Anlagen oder MP3-Player. Um solche Listen zusammenzustellen, klicken Sie auf Tools |Party zusammenstellen. Ein Assistent hilft nun in wenigen Schritten bei der Auswahl der Kriterien und Titel. Als Kategorien kommen dabei Genre oder die Bewertung infrage, aber auch das Speichervolumen, was insbesondere bei begrenzter Kapazität auf dem externen System nützlich ist. Abschließend kopiert die Software die Dateien und die neue Playlist im M3U-Format an den gewünschten Ort.
Virtueller DJ
Jajuk bietet außerdem die Funktion eines virtuellen DJs, der auf einer Party für die richtige Stimmung sorgt. Um diesen zu aktivieren, klicken Sie unten links im Programmfenster auf das kleine Dreieck neben der Schaltfläche mit dem Plattenspieler-Symbol und wählen anschließend DJs verwalten. Alternativ finden Sie diese Funktion im Menü Konfiguration.
Wieder leitet Sie ein Assistent durch die Konfiguration des virtuellen DJs, der zunächst abfragt, ob Sie einen entsprechenden Algorithmus anlegen, editieren oder löschen möchten. Bei Bedarf legen Sie Übergänge zwischen einzelnen Genres fest und definieren die Anteile der zu spielenden Genres.
Danach benennen Sie die Routine und definieren Überblendungen. Außerdem geben Sie an, welche Bewertungsstufen von Musiktiteln in die Wiedergabeliste des DJs einfließen. Im letzten Schritt wählen Sie aus dem internen Bestand die zu berücksichtigenden Genres aus, wobei die Software selbst hierzulande wenig bekannte Stile kennt, wie etwa K-Pop oder MPB (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Musikverwaltung Jajuk kennt eine stattliche Anzahl von Genres, darunter selbst hierzulande wenig bekannte.
Mit einem Klick auf Fertig übernehmen Sie die Einstellungen in die Liste, die Sie nun unten im Programmfenster durch einen Klick auf das Dreieck neben dem Plattenspieler-Symbol abrufen. Der virtuelle DJ erstellt nun anhand der definierten Kriterien im Zufallsmodus eine passende Wiedergabeliste. Wenn Sie im Laufe der Zeit neue Musik in den Bestand aufnehmen und anschließend den DJ erneut aufrufen, aktualisiert dieser seine Playlist.
Fazit
Jajuk macht mehr, als einfach nur Musik zu verwalten: Neben dem Empfang von Internet-Radio und dem Abspielen von Audiodateien – wobei Sie hier wie bei vielen Playern Favoriten definieren und Wiedergabelisten anlegen dürfen – überzeugt die Funktion des virtuellen DJs, der nach einigen frei wählbaren Vorgaben eine variable Wiedergabeliste zusammenstellt. Damit weist das Programm ein pfiffiges Alleinstellungsmerkmal auf.
Die gut lokalisierte Software arbeitet stabil und für eine Java-Applikation erstaunlich schnell. Die anfangs gewöhnungsbedürftig erscheinende Oberfläche dürfen Sie sehr detailliert konfigurieren. Haben Sie sich erst einmal eingearbeitet, ersetzt sie gleich mehrere Tools aus dem Audio-Bereich.
Glossar
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K-Pop
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Korean Popular Music. Sammelbegriff für koreanischsprachige Popmusik, die sich aus einer Reihe von Strömungen zusammensetzt.
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MPB
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Música Popular Brasileira. Pop-Musik aus Brasilien, wobei damit nicht dem Geschmack der Masse angepasste Musik gemeint ist, sondern Stücke, die traditionelle Elemente aufnehmen und mit anderen Stilrichtungen verbinden.
Infos
[1] Jajuk: http://jajuk.info/index.php/Download
[2] Installation von Oracles Java-JRE: http://jajuk.info/index.php/Category:Installation_Guides







