Das Aufsetzen eines Servers mit verschiedenen Diensten entwickelt sich leicht zur Geduldsübung. Der Zentyal-Server erleichtert die Prozedur durch eine eingängige Oberfläche und leichte Bedienbarkeit.
Auch im heimischen Umfeld mit nur wenigen Computern oder im Home Office ergibt der Einsatz eines dedizierten Servers durchaus Sinn. Doch viele Anwender scheuen die umständliche Installation und das Konfigurieren einzelner Dienste per Kommandozeile.
Einfacher geht es mit dem Zentyal-Server (http://www.zentyal.org), dessen Community-Variante kostenlos als etwa 640 MByte großes ISO-Image zum Download bereitsteht. Mithilfe einer webbasierten Oberfläche klappt hier die Serverkonfiguration im Handumdrehen.
Auf die Platte
Der aus Spanien stammende Zentyal-Server ist seit Jahren im Ubuntu-Umfeld kein Unbekannter: Ursprünglich setzte er als reine grafische Oberfläche auf Canonicals Servervariante auf. Inzwischen bietet das Unternehmen den Server als eigenständiges Produkt in 32- und 64-Bit-Varianten an.
Die aktuelle Version 3.5 basiert auf Ubuntu 14.04 LTS, für das Canonical fünf Jahre Updates zusichert. Zentyal eignet sich als Server und Gateway für kleine bis mittlere Unternehmen und SOHO-Anwender, wobei die Software explizit heterogene Umgebungen unterstützt. Dank Samba 4 integriert sich die Distribution auch als Domain-Controller ins Microsoft-Umfeld, zudem bringt sie einen Ersatz für den Exchange-Server mit.
Aus dem Bootmenü des Systems wählen Sie zwischen verschiedenen Optionen. Während der normale Modus das System weitgehend automatisch installiert, erlaubt der expert mode eine bessere Kontrolle der Installation. In beiden Fällen geleiten Sie einige optisch etwas angestaubt wirkende Dialoge durch das Setup.
Da nicht alle Komponenten auf der Zentyal-CD Platz finden, baut bereits der Installer eine Verbindung ins Internet auf. Er lädt dabei eine stattliche Anzahl zusätzlicher Pakete nach und richtet diese vollautomatisch ein. Dazu enthält das ISO-Image proprietäre Firmware-Treiber, die den Betrieb auch unfreier WLAN-Karten gewährleisten sollen. Nach nur wenigen Minuten Zeitaufwand, einem einzigen Warmstart und anschließender automatischer Konfiguration der Kernkomponenten steht das Grundsystem zum Einsatz bereit.
Setup
Zentyal öffnet nach dem Login einen Openbox-Desktop mit minimaler Softwareausstattung und startet Firefox mit einem Authentifizierungsbildschirm, um mit der Administration des Servers zu beginnen. Nach dem Login erscheint eine grafisch aufbereitete Konfigurationsseite.
Im oberen Bereich finden Sie vier Symbole mit den Bezeichnungen Gateway, Infrastructure, Office und Communications, die jeweils Gruppen von Diensten zusammenfassen. Um zu sehen, welche Module sich dahinter verbergen, klicken Sie unter dem jeweiligen Symbol auf More info, was eine Auflistung einblendet.
Unter den Servergruppen im Bereich Modules listet Zentyal einzelne Dienste auf. Ein Klick auf eines der Gruppensymbole oben im Fenster verändert im unteren Segment jeweils die Farbe der zu dieser Gruppe gehörigen Dienste. Die dann mit Grün hinterlegten Buttons zeigen an, dass sie zur Installation vorgesehen sind (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die unterschiedlichen Dienste gliedert Zentyal übersichtlich als Module. Eventuelle Abhängigkeiten zu anderen löst es selbstständig auf.
Zusätzlich zu den Vorgaben der Servergruppen wählen Sie einzelne Dienste per Mausklick an oder ab. Neben Grundmodulen wie der Firewall, einem DHCP-Server sowie Druck- und Dateiservern bietet Zentyal auch spezielle Dienste für größere IT-Infrastrukturen, wie ein Intrusion-Prevention-System, einen Radius-Server zur sicheren Authentifizierung oder ein Modul zum Management unterbrechungsfreier Stromversorgungen. Zu den Sicherheitsdiensten zählen ein Filter für Webinhalte und ein Antivirus-Modul. Um Windows-Rechner nahtlos zu integrieren, stellt die Distribution unter anderem einen Samba-Server bereit. Zu guter Letzt bringt Zentyal ein Backup-Modul mit, das bequeme Datensicherungen gestattet.
Nach Anwahl der gewünschten Module klicken Sie unten rechts auf Installieren. Das System wechselt nun in einen Bestätigungsbildschirm, der nochmals alle zur Installation vorgesehenen Dienste auflistet. Hier erscheinen auch solche, die der Installer als Voraussetzung für andere mitzieht (Abbildung 2).

Abbildung 2: Auch bei der Installation neuer Dienste greift die Distribution dem Anwender mit einer grafischen Oberfläche unter die Arme.
Sie bestätigen die Auswahl mit OK unten rechts. Während des Einrichtens der gewünschten Applikationen informiert ein Fortschrittsbalken über den aktuellen Stand. Nach der Installation konfiguriert das System die neuen Dienste automatisch und graut derweil das Browserfenster aus, sodass keine Navigation möglich ist. Nach Abschluss der Konfiguration finden Sie die neuen Dienste und Module in der Menüspalte links im Browserfenster, nach den verschiedenen Servergruppen unterteilt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Setup installierter Dienste listet Zentyal in einer Leiste rechts neben dem Hauptfenster auf.
Hand anlegen
Erfordert ein Dienst eine manuelle Konfiguration oder besteht aus mehreren Prozessen, zeigt ein Klick auf das jeweilige Modul die dazugehörigen Untergruppen an. So stehen unter Firewall beispielsweise die Gruppen Paketfilter, Portweiterleitung und SNAT bereit. Da die Firewall je nach Anwendungsszenario eine unterschiedliche Konfiguration erfordert, sollten Sie hier die vorhandenen Filter durchsehen und gegebenenfalls zusätzliche definieren. Nach einem Klick auf die Untergruppe Paketfilter zeigt Zentyal im rechten Bereich des Browsers in Form aussagekräftiger Grafiken vier mögliche Wege, den Datenverkehr zu regeln (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die integrierte Firewall stellt auch Einsteiger bei der Konfiguration nicht vor unüberwindliche Hürden.
Durch Anklicken von Regeln festlegen unter jeder Gruppe beginnen Sie damit, die jeweilige Kategorie zu konfigurieren. Die bereits vorgegebenen Regeln stellen nur ein absolutes Minimum dar und enthalten keine detaillierten Filter. Die Definition von Filterregeln geschieht bei Zentyal in einer Tabelle, deren Spaltenaufbau sich eng an die Iptables-Syntax anlehnt, diese aber vereinfacht darstellt. Grundkenntnisse in der Funktionsweise von Firewalls und detailliertere Kenntnisse von Iptables erweisen sich hier als vorteilhaft.
Für das Hinzufügen einer neuen Regel klicken Sie in der Tabellenansicht auf Neuen Eintrag hinzufügen. In der daraufhin erscheinenden Ansicht stellen Sie über Dropdown-Menüs die gewünschten Regeln zusammen. Im einzigen freien Eingabefeld Beschreibung hinterlegen Sie optional einen Hinweis zur neuen Filterregel. Abschließend übernehmen Sie diese via Hinzufügen, woraufhin sie in der Tabelle erscheint.
Um den Dienstestatus zu verwalten, wechseln Sie in die Gruppe Core links oben und klicken darin auf Status des Moduls. Zentyal öffnet nun rechts im Fenster eine Listenansicht der vorhandenen Module, die in der letzten Spalte Status eine Checkbox zeigt. Durch Setzen des Häkchens beim gewünschten Dienst aktivieren Sie diesen. Hängt der Dienst von einem weiteren Modul ab, so signalisiert die Software in einer gesonderten Meldung, dass sie dieses Modul ebenfalls startet. Um die Änderungen zu übernehmen, klicken Sie abschließend oben rechts im Fenster auf die gelb eingefärbte Schaltfläche Änderungen speichern (Abbildung 5).
Überwachung
Bei der Problemlösung insbesondere in größeren Netzen oder bei vielen aktivierten Diensten leisten Monitoring und Logdateien eine wertvolle Hilfe. Zentyal bietet dazu zwei Optionen: Ein Monitoring-Modul liefert aussagekräftige grafische Darstellungen zum Betriebszustand des Systems, Log-Dienste überwachen die aktiven Servermodule.
Sowohl das Logging als auch das Monitoring stellt die Distribution als gesonderte Module über die Komponentenauswahl bereit. Nach einem Neustart finden Sie links in der Core-Liste den Eintrag Wartung und darin die Optionen Überwachung und Logs. Ein Klick darauf öffnet rechts im Fenster die Protokolldateien der unterschiedlichen Dienste.
In der Spalte Vollständiger Bericht klicken Sie auf den mit einem Zahnrad versehenen Button des jeweiligen Dienstes. Zentyal verzweigt nun in ein Fenster, aus dem heraus Sie die jeweilige Log-Datei durch einen Klick auf Anzeigen einsehen. Im darüber befindlichen Feld wählen Sie den gewünschten Dienst aus. Um die Anzeige einzuschränken, legen Sie im darunterliegenden Bereich Benutzerdefinierte Abfrage unterschiedliche Kriterien fest. Nach dem Justieren der Anzeige-Einstellungen klicken Sie darunter auf den Button Suchen, woraufhin die Software einen modifizierten Bericht anzeigt.
Die Gruppe Überwachung hält dagegen grafisch aufbereitete Informationen zur Hardware des Systems vor. Diese aktualisiert das System nahezu in Echtzeit und zeigt die Auslastung wichtiger Systemkomponenten. Die Grafikanzeigen grenzen Sie durch Anwahl einer der Schaltflächen oben im Fenster zeitlich ein. Das Segment Festplattenüberwachung unter Wartung zeigt die Belegung des Massenspeichers in einer Kreisgrafik an. Gegebenenfalls wechseln Sie die Ansicht durch das Aktivieren der gewünschten Partition in der darüberliegenden Device-Angabe.
Aktualisierung
Zentyal bietet ein einfach zu handhabendes Prozedere, um den Server stets auf dem aktuellen Stand zu halten: Beim Systemstart ermittelt es bereitstehende Aktualisierungen und listet sie in der Übersicht des Eingangsbildschirms auf. Da Serversysteme jedoch selten neu starten, finden Sie zur täglichen Nutzung links im Programmfenster unter Core die Softwareverwaltung. Sie enthält unter anderem den Eintrag Systemaktualisierungen.
Ein Klick darauf öffnet eine Liste aller bereitstehenden Aktualisierungen, ein vorangestelltes Symbol kennzeichnet sicherheitsrelevante Updates. Um Pakete auf den aktuellen Stand zu bringen, setzen Sie hinter der jeweiligen Komponente in der Spalte Aktualisieren ein Häkchen. Abschließend starten Sie die Aktualisierung durch einen Klick auf Aktualisieren (Abbildung 6).

Abbildung 6: Das System listet alle bereitstehenden Aktualisierungen auf, aus denen Sie die gewünschten anwählen.
Fazit
Mit dem Zentyal-Server gehören Konfigurationsprobleme beim Einrichten eines Servers und beim Nutzen verschiedener Dienste der Vergangenheit an. Das System gefällt durch hohe Stabilität, einfachste Administration und die vielen, unkompliziert einzurichtenden Dienste. Dabei punktet der Zentyal-Server auch in heterogenen Umgebungen. Als einziges Manko sticht die teilweise noch nicht deutsch lokalisierte Oberfläche ins Auge.







Heute, 30. Oktober 2014, ist Zentyal 4.0 erschienen!
Sieht gut aus….!