Bessere Schriften ohne grünes Antialiasing

Aus LinuxUser 11/2014

Bessere Schriften ohne grünes Antialiasing

© Timea Cseke, 123RF

Marsmännchen

Die Darstellung von Schriften überzeugt in Arch Linux out-of-the-box nur wenig. Per Patch lässt sich besseres Antialiasing nachrüsten. Dabei gilt es jedoch, ein paar Fallstricke zu beachten.

Wer bereits Erfahrungen mit etablierten Distributionen wie Ubuntu oder Fedora gesammelt hat und zum ersten Mal Arch Linux installiert, der stört sich mit Sicherheit anfangs an der verbesserungswürdigen Darstellung von Schriften auf dem Bildschirm. Die Fonts erscheinen dünn und abgemagert, es fehlt an einer ordentlichen Kantenglättung, Antialiasing und feinem Subpixel-Rendering.

Ubuntu und die meisten anderen Distributoren sorgen mit eigenhändigen Patches an der für die Schriftdarstellung verantwortlichen Bibliothek Freetype [1] beziehungsweise durch Implementation bestehender Verbesserungen wie Infinality [2] schon von Haus aus für ein besseres Schriftbild – allerdings zu Lasten von Problemen in manchen Anwendungen.

Freetype selber verzichtet (zum Teil aus lizenzrechtlichen Gründen) darauf, diese Patches in den eigenen Code zu übernehmen. Und da Arch ungern am Upstream-Code herumdoktert, muss der Anwender eben eigenhändig für ein besseres Schriftbild sorgen. Die Arch-Community macht diese Aufgabe mit entsprechend vorbereiteten Paketen und AUR-Einträgen leicht. Zudem finden sich im Arch-Wiki ausführliche Tipps und Hinweise für die Installation der Infinality- und Ubuntu-Patches auf dem System [3].

Fontrendering

Für Einsteiger stellt sich nun aber die Frage, welcher Patch auf den Rechner gehört. Aufgrund der sehr gut gelungenen Darstellung sollten Sie mit den Infinality-Patches beginnen. Infinality zeichnet sehr saubere Schriften auf den Bildschirm und lässt sich als Binärpaket auch sehr einfach mittels einer zusätzlichen Paketquelle installieren, ohne zwingend das AUR bemühen zu müssen. Das Arch-Wiki beschreibt die Installation ausführlich [4], wenn auch nur in Englisch.

Die mit den Ubuntu-Patches bestückte Freetype-Bibliothek [5] bekommen Sie nur via AUR (Listing 1). Die Wahl des AUR-Helpers liegt bei Ihnen, wir nutzen in unserer Arch-Ecke Pacaur [6]. Versuchen Sie die Pakete über die Infinality-Patches zu installieren, dann wirft die Paketverwaltung die Alternative automatisch vom Rechner, sodass Konflikte unterbleiben. Abbildung 1 stellt die Vorher/Nachher-Schriftdarstellung innerhalb des Chrome-Browsers gegenüber, Abbildung 2 die in einem Gnome-Terminal.

Listing 1

$ pacaur -S freetype2-ubuntu fontconfig-ubuntu cairo-ubuntu

Damit sämtliche Anwendungen und die Desktop-Umgebung die Einstellungen übernehmen, loggen Sie sich nach dem Umstellen des Renderings am besten einmal aus und melden sich wieder neu an. Ein Neustart des Rechners ist nicht nötig.

Abbildung 1: Das Fontrendering von Arch im Original und mit Patches von Infinality und Ubuntu im Vergleich.

Abbildung 1: Das Fontrendering von Arch im Original und mit Patches von Infinality und Ubuntu im Vergleich.

Abbildung 2: Die Unterschiede im Antialiasing treten besonders im Browser und Terminal hervor.

Abbildung 2: Die Unterschiede im Antialiasing treten besonders im Browser und Terminal hervor.

Grünliches Antialiasing

In das Fontrendering der grafischen Umgebung einzugreifen, birgt jedoch ein gewisses Risiko: Sollten alle Stricke reißen, stehen Sie ohne eine GUI da. Merken Sie sich daher den Wiki-Artikel zum Fontrendering [3]. In diesem finden Sie nützliche Hinweise bei Fehlern – und vor allen Dingen auch das Kommando, um wieder zum originalen Fontrendering von Arch zu wechseln (Listing 2).

Listing 2

$ sudo pacman -S --asdeps freetype2 cairo fontconfig

Aber nicht nur die gesamte Desktop-Umgebung lässt sich mit dem falschen Fontrendering aus dem Tritt bringen, auch in einzelnen Anwendungen treten eventuell Probleme auf. Besonders ärgerlich zeigt sich das bei Gimp 2.8. Hier verursacht der Infinality-Patch einen grünlich glühenden Rand um Schriften, der dann auch mit in gespeicherte Grafiken wandert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Antialiasing mittels Infinality-Patches erzeugt in Gimp ein grünlich eingefärbtes Schriftbild.

Abbildung 3: Das Antialiasing mittels Infinality-Patches erzeugt in Gimp ein grünlich eingefärbtes Schriftbild.

Zur Lösung des Problems werfen Sie die Infinality-Patches vom Rechner und weichen auf das Ubuntu-Fontrendering aus – oder Sie deaktivieren das Subpixel-Rendering gezielt für Gimp. Bearbeiten Sie für Letzteres entweder mit einem mit Root-Rechten gestarteten Editor global die /etc/gimp/2.0/fonts.conf oder editieren Sie die ~/.gimp-2.8/fonts.conf eines Benutzers. In beiden Fällen fügen Sie den Inhalt aus Listing 3 ein.

Listing 3

<fontconfig>
  <match target="font">
    <edit name="rgba" mode="assign">
      <const>none</const>
    </edit>
  </match>
</fontconfig>

Fazit

Nehmen Sie sich für die Gestaltung des Schriftbilds Zeit. Anders als Ubuntu oder andere gängige Distributionen liefert Arch nicht von Haus aus einen perfekt gestalteten Desktop – es gilt, selbst ein wenig Hand anzulegen. Dafür bietet Ihnen Arch die Möglichkeit, die Schriftdarstellung an Ihre Wünsche anzupassen. Achten Sie jedoch auf Marsmännchen – zu grün soll es auf dem Desktop ja auch nicht werden. 

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDF
LinuxUser 11/2014 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben