Webbrowser Pale Moon als Alternative zu Firefox

Aus LinuxUser 11/2014

Webbrowser Pale Moon als Alternative zu Firefox

Im Mondschein

Ein neuer Browser mit altbekannter Technik: Der entschlackte Firefox-Ableger Pale Moon bleibt mit vielen liebgewonnenen Extensions kompatibel.

Firefox gehört zwar noch immer zu den beliebtesten Webbrowsern, doch stark verkürzte Releasezyklen und eine zunehmende Trägheit selbst auf leistungsstarken Systemen haben dem Ansehen des einstigen Shooting-Stars geschadet. Auch die neue Bedienoberfläche mit einer stark an Chrome angelehnten Optik bewegt so manchen Anwender dazu, sich von der Software abzuwenden.

Doch die Alternativen konnten bislang nicht vollständig überzeugen: Zwar gibt es unter Linux sehr viele schlanke und schnelle Browser mit ausgereiftem Bedienkonzept, doch Firefox hat vor allem aufgrund seiner vielen Erweiterungen in Sachen Datenschutz und Sicherheit unumstritten die Nase vorn. Einige der Addons stehen zwar auch für andere Browser bereit, jedoch längst nicht alle: So bleibt beim Einsatz von Opera, Seamonkey, Midori und Konsorten stets ein ungutes Gefühl.

Das muss nicht sein: Mit Pale Moon [1] geht nun unter Linux ein neuer Browser an den Start, der auf dem Quellcode älterer Firefox-Versionen basiert, den die Entwickler jedoch nachhaltig entschlackt haben. Damit läuft Pale Moon nicht nur schneller als das Original, sondern bleibt weitgehend zu den Firefox-Extensions kompatibel.

Technisches

Das Programm gibt sich in Sachen Hardware wählerisch: So arbeitet der Browser nur auf Prozessoren mit mindestens SSE2-Befehlssatz. Systeme mit älteren Pentium-III-Prozessoren und Athlon-CPUs der ersten Generationen von AMD eignen sich nicht. Da auch Intels Celeron-Prozessoren gewissen technischen Einschränkungen unterliegen, geben die Entwickler eine Übersicht, welche Prozessoren problemlos kooperieren [2].

Um die Lade- und Ausgabegeschwindigkeit von Webseiten gegenüber Firefox zu verbessern, entfernten die Entwickler eine ganze Reihe von Zusatzfunktionen, die Firefox sukzessive fest integriert hat. So gibt es keine automatischen Updates, und das manuelle Update aus der Software heraus wurde komplett deaktiviert. Dafür bringt der Browser wieder einen Download-Manager mit, der bei Firefox aus Gründen der Vereinfachung entfiel. Die Unterschiede der beiden Browser listet das Pale-Moon-Projekt detailliert auf [3].

Pale Moon einrichten

Lediglich PCLinuxOS führt Pale Moon derzeit bereits in den Repositories, unter allen anderen Distributionen nutzen Sie den auf der Projektwebsite zum Herunterladen angebotenen Installer [4]. Nach dem Herunterladen des Archivs entpacken Sie es in ein beliebiges Verzeichnis und starten die Einrichtungsroutine dort mit dem Befehl pminstaller.sh. Das Skript fragt, sofern Sie ohne Root-Rechte angemeldet sind, zunächst Ihr Passwort ab.

Anschließend wählen Sie in der Auswahl die Option Install Pale Moon aus. Daraufhin müssen Sie eingeben, welche Version der Software Sie installieren möchten – aktuell ist das Release 24.7.2. Nun ermittelt die Routine selbstständig, ob ein 32- oder 64-Bit-Linux läuft und welche Fähigkeiten die CPU des Rechners aufweist. Danach lädt der Installer die entsprechende Version aus dem Netz herunter und richtet sie ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ungewöhnlich, aber einfach: Die Installation von Pale Moon erledigen Sie über ein Shell-Skript.

Abbildung 1: Ungewöhnlich, aber einfach: Die Installation von Pale Moon erledigen Sie über ein Shell-Skript.

TIPP

Schneller klappt die Installation, indem Sie die aktuellste Version (auch auf Heft-DVD) als Binärarchiv direkt von der Projektwebsite herunterladen und beispielsweise nach /opt/palemoon/ entpacken. Sie rufen den Browser dann ohne weitere Konfigurationsarbeiten direkt mit /opt/palemoon/palemoon auf.

Konfiguration

Nach der Installation finden Sie im Untermenü Internet des Desktops den Starter Pale Moon Browser — Webbrowser. Ein Klick darauf startet die Applikation mit englischer Lokalisierung in der für Firefox bis zur Version 29 typischen Oberfläche. Um dem Browser Deutsch beizubringen, laden Sie das dazugehörige XPI-Paket herunter, das Sie als Extension mit einem Mausklick in den Browser einbinden [5].

Anschließend rufen Sie durch Eingabe des Befehls about:config in der Adresszeile die interne Konfigurationstabelle des Browsers auf. Hier suchen Sie den Eintrag general.useragent.locale und ändern dessen Standardwert von en-US auf de. Nach einem Neustart der Software greift die deutsche Lokalisierung (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Lokalisierung gestaltet sich etwas umständlicher als bei Firefox.

Abbildung 2: Die Lokalisierung gestaltet sich etwas umständlicher als bei Firefox.

Pale Moon ist nun grundsätzlich einsatzbereit. Bei Bedarf bauen Sie ihn mit Erweiterungen und Themes aus. Allerdings kooperieren nicht alle Plugins, die für Firefox bereitstehen, auch mit Pale Moon. Das liegt daran, dass dieser einige Funktionen von Firefox nicht beinhaltet. Im Test fiel zudem auf, dass das Programm wegen der in Firefox ab Version 29 genutzten Australis-Oberfläche einige Erweiterungen fehlerhaft anzeigt.

So erscheint bei Einsatz der Extension Privacy Badger – sie hilft dabei, Canvas-Fingerprinting einen Riegel vorzuschieben – kein entsprechendes Info-Symbol in der Adressleiste. Das verhindert, dass Sie per Mausklick sehen, wer bei Aufruf einer Webseite Ihr Surfverhalten mittels eines elektronischen Fingerabdrucks auszuspähen versucht.

Kommandeur

Um Pale Moon detailliert zu justieren, stellen die Entwickler mit der Extension Pale Moon Commander einen Dialog zum Einstellen fortgeschrittener Optionen bereit. Sie erhalten das Addon online [6] und installieren es wie eine herkömmliche Erweiterung. Nach einem Neustart des Browsers finden Sie im Menü Extras den Eintrag Advanced options…. Er führt zu einem kleinen Fenster mit mehreren Gruppen und verzweigenden Reitern, die eine sehr einfache grafische Konfiguration des Browsers ermöglichen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das gibt es bei Firefox nicht: der Pale-Moon-Commander im Einsatz.

Abbildung 3: Das gibt es bei Firefox nicht: der Pale-Moon-Commander im Einsatz.

Der Pale-Moon-Commander vereint dabei viele Optionen, die Sie sonst mühsam aus der endlosen Konfiguration der Software zusammenstellen müssten. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Falsche Einstellungen führen schnell zu einem nicht mehr nutzbaren Browser. Einige Einstellungen sollten Sie aber auf jeden Fall entsprechend der Hardware im System anpassen: So empfiehlt es sich, im Menü Network im Reiter HTTP die Timeout-Zeiten im Bereich HTTP timings zu verkürzen, falls Sie den Internetzugriff primär via UMTS/HSPA abwickeln. Anderenfalls machen bei schlechter Signalstärke lange Timeout-Werte das Surfen zur Qual.

Im Menü Performance empfiehlt es sich, einen Blick in die Optionen des Reiters Cache zu werfen. Je mehr Arbeitsspeicher das System besitzt, desto größer wählen Sie die Werte im Bereich Memory Cache und reduzieren diese im Bereich Disk Cache. Bei Einsatz einer langsamen Festplatte und intensiver Nutzung des Internets treten sonst Engpässe auf, wenn der Browser gespeicherte Inhalte von der Festplatte anstelle aus dem schnellen Arbeitsspeicher lädt.

Sicherheitsbewusste Anwender nehmen im Menü Security noch einige Modifikationen vor, wobei es sich empfiehlt, sowohl die Cookie-Einstellungen als auch die Einträge im Segment Referers zu prüfen. Stellen Sie nach erfolgter Konfiguration fest, dass der Browser zu restriktiv arbeitet und einige Seiten und Inhalte nicht mehr korrekt wiedergibt, dann setzen Sie Pale Moon auf die Werkseinstellungen zurück. Dazu klicken Sie im Menü Other im Reiter Reset auf die Schaltfläche Reset All Preferences.

Fazit

Pale Moon eignet sich ideal für sicherheitsbewusste Anwender, die einen schnelleren Browser in klassischer Optik suchen, bei den Addons aber gegenüber Firefox keine Abstriche in Kauf nehmen wollen. Da Pale Moon auf dem Quellcode von Firefox basiert und dessen traditionelles Interface weitgehend übernimmt, bleiben viele Erweiterungen mit der Alternative kompatibel. Obendrein ermöglicht der Browser durch den Commander eine detaillierte Konfiguration. Aus technischer Sicht hat Pale Moon also durchaus das Zeug, Firefox als Standardbrowser abzulösen. 

Glossar

SSE

Streaming SIMD Extensions. Die von Intel entwickelte Befehlssatzerweiterung beschleunigt Programme durch Parallelisierung auf Befehlslevel.

Infos

[1] Pale Moon: http://www.palemoon.org

[2] Übersicht über die Funktionen: http://www.palemoon.org/technical.shtml#CPUsupport

[3] Übersicht über die Unterschiede zu Firefox: https://docs.google.com/spreadsheets/d/1CT9YLUjMyb5Xf8HHcQ66lVh-SALb7cWTmUKgeJOvk00/pubhtml

[4] Pale Moon herunterladen: http://sourceforge.net/projects/pm4linux/

[5] Sprachpakete herunterladen: http://www.palemoon.org/langpacks.shtml

[6] Pale-Moon-Commander: http://www.palemoon.org/commander.shtml

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