Möchten Sie Ihren Briefkopf mit einem schönen keltischen Knotenmuster verzieren? Per Hand eine mühselige Arbeit, lässt es sich mit Knotter in wenigen Minuten gestalten.
Wenn Linux-Anwender an Vektorgrafiken denken, kommt ihnen sofort Inkscape in den Sinn. Anders als das allumfassende Werkzeug verhält sich Knotter (http://knotter.mattbas.org): Dabei handelt es sich um ein Programm, das sich auf das Erstellen keltischer Flechtmuster spezialisiert (Abbildung 1). Die Anwendung setzt der Kreativität kaum Grenzen und stellt verschiedene Knotenkonzepte bereit, um vielfältige Muster zu gestalten.
Installation
Knotter steht in der Version 0.9.6b zum Download bereit. Trotz des Beta-Status erwies sich die Software im Test als voll funktionsfähig und stabil. Installationspakete im DEB-Format für Distributionen wie Ubuntu oder Linux Mint stehen bei Sourceforge zum Herunterladen bereit. Sie installieren sie anschließend per Doppelklick darauf.
Steht für die von Ihnen genutzte Distribution kein geeignetes Paket zur Verfügung, dann übersetzen Sie Knotter aus den Quellen. Laden Sie diese dazu herunter und entpacken den Tarball. Öffnen Sie danach im neu entstandenen Verzeichnis eine Konsole und tippen Sie darin ./configure.sh && make. Anschließend richten Sie die Software mit Root-Rechten via make install auf dem System ein.
Erste Schritte
Nach dem Start öffnen Sie unter Edit | Preferences die Programmeinstellungen. Auf manchen Systemen wirkt Knotters Oberfläche auf den ersten Blick etwas altbacken. Das ändern Sie, indem Sie auf den untersten Button Interface klicken und unter Widget Style zum Beispiel Clearlooks auswählen. Zwar gibt es zum Ändern der Lokalisierung einen Menüpunkt Language, jedoch steht derzeit kein deutsches Sprachpaket zur Verfügung. Daher müssen Sie im Moment mit der englischen Programmoberfläche vorliebnehmen.
Im Test unter Ubuntu 14.04 funktionierten zudem die Tooltipps nicht. In solchen Fällen blenden Sie zum besseren Verständnis die Texte zu den Schaltern ein, indem Sie im Abschnitt Toolbars unter Toolbar Button Style den Eintrag Text Beside Icon aktivieren.
Ihre ersten Knotenmuster beginnen Sie mit dem Werkzeug Edge Chain, das Sie in der Werkzeugpalette auf der linken Seite auswählen. Anschließend setzen Sie mit Mausklicks einzelne Punkte auf der Bearbeitungsfläche und erzeugen so das Muster. Nach dem Erstellen mehrerer Punkte gestaltet die Software automatisch die ersten Knoten und Linien (Abbildung 2). Um das Muster zu verändern, setzen Sie auf einer Linie zwischen zwei Punkten noch einen weiteren.

Abbildung 2: Es genügt, zwei Punkte auf der Arbeitsfläche zu definieren, um bereits ein einfaches Linienmuster zu erzeugen.
Das entstandene Muster bearbeiten Sie im Anschluss mit den anderen Werkzeugen weiter. Mit Toggle Edges entfernen Sie beispielsweise einzelne Kanten zwischen zwei Punkten, ohne zur Kante gehörende Knotenpunkte zu verlieren. Mit der Undo-Funktion ([Strg]+[Z]) machen Sie Arbeitsschritte rückgängig.
Möchten Sie zwei bisher nicht miteinander verknüpfte Knoten verbinden, markieren Sie diese zunächst mit der Auswahlfunktion und verknüpfen sie im Anschluss mit Connect. Alternativ verschmelzen Sie mit Merge mehrere Punkte zu einem oder löschen ausgewählte Punkte via Erase.
Knoten- und Kanteneigenschaften
Nach den ersten Versuchen mit den Werkzeugen stellen Sie vermutlich fest, dass es am Anfang gar nicht so leicht fällt, ein schickes Muster zu generieren. Um Ihre ersten Flechtbänder zu verfeinern, bietet Knotter einige Einstellungsmöglichkeiten an, angefangen mit den Eigenschaften für die Knoten und Kanten. Diese finden Sie auf der rechten Seite des Programmfensters.
Nach Anwahl eines Knotens am Ende beziehungsweise in der Ecke eines Musters ändern Sie die dortige Form des Musters über die Auswahlliste Shape unter Selected Nodes (Abbildung 3). Über die weiteren Eigenschaften steuern Sie die Rundung (Curve), den Winkel (Angle) und die Distanz (Distance) der Musterecke zum Punkt.
Das Einstellen der Kanteneigenschaften gestaltet sich ähnlich. Auch hier verändern Sie, diesmal unter Selected Edges, für eine ausgewählte Kante die Bodenrundung (Curve). Type erlaubt es, die Linien an der Kante zu verändern. Sie bestimmen, ob diese sich überhaupt berühren sollen oder ob Knotter sie sogar voneinander trennt.
In der Verlaufshistorie (Action History) protokolliert Knotter jeden einzelnen der Bearbeitungsschritte. Das erlaubt es, jeden einzelnen davon per Mausklick wiederherzustellen und an diesem Schritt die Arbeit erneut fortzusetzen. Aber Achtung: Die anderen Bearbeitungsschritte gehen dabei verloren, wenn Sie ab einem bestimmten ausgewählten Punkt erneut anfangen.
Um den Gestaltungsprozess zu unterstützen, zeigt der Arbeitsbereich standardmäßig ein Raster, das Ihnen hilft, symmetrische Muster zu erstellen. Es lässt sich sowohl ausblenden als auch den eigenen Bedürfnissen anpassen. Die zugehörige Bearbeitungsfunktion öffnen Sie über View | Dialogs | Configure Grid. Der Dialog Configure Grid öffnet sich dann auf der rechten Seite des Programmfensters im Abschnitt der Action History.
Über die Checkbox neben Enable Grid aktivieren oder deaktivieren Sie die Hilfslinien. Via Size legen Sie die Größe der einzelnen Rasterquadrate fest. Da ein aufwendiges Knotenmuster oft viele Details enthält, ist es durchaus sinnvoll, das Grundmuster des Rasters zu ändern. Dazu finden Sie unter Shape zwei verschiedene Dreieckraster, die Sie alternativ einstellen.
Um Ihr Muster weiter zu verschönern, stellen Sie noch einen individuellen Hintergrund ein. Das erledigen Sie über Background, dessen Einstellungen sie im gleichen Abschnitt wie die Action History finden. Darin legen Sie optional eine Hintergrundfarbe oder Bilddatei als Hintergrund fest.
Mit Format
Knotter speichert seine Grafiken im eigenen Format .knot ab. Wahlweise lassen sich die Knotenbilder auch als XML sichern. Um die erstellten Kunstwerke weiterzuverwenden, bietet Knotter eine Exportfunktion an, die Sie über File | Export oder mittels [Strg]+[E] aufrufen.
Im Dialog Export Image, der sich daraufhin öffnet, wählen Sie, ob Sie das Knotenmuster als verlustfrei skalierbare Vektorgrafik exportieren oder es in einem der Rasterformate PNG, JPG oder BMP abspeichern wollen (Abbildung 4). Unabhängig davon erlaubt der Export das Einstellen zweier wesentlicher Parameter, welche die Ausgabe konkret beeinflussen.

Abbildung 4: Über die Exportfunktion speichern Sie Ihre Entwürfe entweder als Vektorgrafik oder in einem Rasterformat wie PNG ab.
Über Include Graph in output binden Sie die roten Punkte und die blauen Linien, die Knotter für das Bearbeiten des Musters anzeigt, in den Export ein. Verwenden Sie im Knotenmuster eine Hintergrundgrafik, berücksichtigt das Aktivieren von Include background image dieses.
Für den Export als SVG-Grafik müssen Sie keine weiteren Angaben machen. Es genügt, auf den Button Export SVG zu klicken und einen Speicherort sowie einen Dateinamen anzugeben. Wegen eines Bugs müssen Sie die Dateiendung .svg manuell an den Dateinamen hängen, sonst funktioniert der Export nicht. Dasselbe Problem betrifft auch Rastergrafiken: Dort müssen Sie ebenfalls je nach gewünschtem Dateiformat die entsprechende Dateiendung mit angeben.
In Version 0.9.5 kam es unter OpenSuse allerdings zu einem bemerkenswerten Phänomen: Während Inkscape die gespeicherte SVG-Datei anstandslos öffnete, quittierte Knotter den Versuch mit der Fehlermeldung Error while reading.
Der Export in ein Rastergrafikformat erlaubt einige zusätzliche Einstellungen. Zunächst empfiehlt es sich, die Eigenschaft Antialiasing zu aktivieren, sodass der Exportfilter die Kanten der Grafik glättet. Unter Background legen Sie einen Hintergrund für das Knotenmuster fest. Sofern dieser transparent erscheinen soll, achten Sie darauf, dass Sie in der Folge ein Dateiformat auswählen, das Transparenzen unterstützt – bei Knotter kommt hier nur PNG infrage.
Zu guter Letzt legen Sie noch die Größe des exportierten Bilds manuell fest. Den Export starten Sie dann über Export Image.
Funktionserweiterungen
Über eine Plugin-Schnittstelle lässt sich Knotter um zusätzliche Funktionen erweitern. Unter Plugins | Other finden Sie einige interessante Tools, deren Ergebnisse meist recht überraschend ausfallen. Das zeigt sich auch in den jeweiligen Menüs, denn die dort dargestellten Einstellungen informieren Ungeübte kaum darüber, wie das Resultat dieser Funktion wohl ausfallen könnte.

Abbildung 5: Dank verschiedener Plugins bietet Knotter zusätzliche Funktionen an, die ein problemloses Erstellen auch umfangreicherer Formen und Figuren erlauben.
Das Menü Plugins | External enthält eine Schnittstelle zu anderen Anwendungen. Hier konfigurieren Sie unter Set up external programs Bearbeitungsprogramme für Raster- und Vektorgrafiken. Standardmäßig definiert Knotter hier Gimp und Inkscape als externe Tools, unabhängig davon, ob sich diese Anwendungen auch tatsächlich auf dem System befinden. Über die anderen Einträge im Menü External-Menü starten Sie die dort definierten Anwendungen direkt aus Knotter heraus.
Unter Plugins | Insert verbergen sich Funktionen, die auf den ersten Blick aus der Menüleiste von Inkscape stammen könnten, wenngleich sie unter Knotter ganz andere Ergebnisse erzeugen. Wenn Sie zum Beispiel einen Stern oder eine Spirale generieren, erscheinen diese im Knotter-Stil als Knotenobjekte. So erstellen Sie mit den darin enthaltenen Funktionen nette Startmuster, die Sie auf Wunsch weiter bearbeiten. Darüber hinaus finden Sie hier auch eine Funktion, um Text einzufügen.
Die Einstellungen zu den Erweiterungen erreichen Sie unter Plugins | Configure Plugins. Über die Settings aktivieren oder deaktivieren Sie die Plugins oder ändern deren Verhalten. Die wenigen nicht aktivierten Plugins bieten keinen Mehrwert, da Knotter ihre Funktion schon enthält. Die Möglichkeit, zusätzliche Plugins aus dem Internet herunterzuladen, bietet die Software zwar prinzipiell, allerdings stehen bislang derzeit noch keine neuen Erweiterungen zur Verfügung.
Fazit
Die Frage nach dem Sinn einer Software wie Knotter lässt sich relativ leicht beantworten: Zunächst einmal bietet sie einen feinen Spaß für zwischendurch und – auch für die Kleinen – einen prima Zeitvertreib an regnerischen Herbsttagen. Aber auch produktive Anwendungsfälle bieten sich an. Wie wäre es mit einem Flechtmuster in Ihrem Briefkopf? Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Zudem fällt auf, dass die Entwickler die Software auch als Nischenanwendung gut umgesetzt haben. Die wesentlichen Funktionen lassen sich sehr gut intuitiv bedienen, wenn auch die ganzen Einstellungsmöglichkeiten frei nach der Methode “Versuch und Irrtum” funktionieren. Hier ist nicht immer ganz klar, welche Optionen zu welchem Ergebnis führen.







