Equinox Desktop Environment für Minimalisten

Aus LinuxUser 10/2014

Equinox Desktop Environment für Minimalisten

© Lassedesignen, 123RF

Flotter Unterbau

Das Equinox Desktop Environment setzt voll und ganz auf das FLTK-Toolkit. Dadurch reichen schon 128 MByte RAM für den Betrieb – ideal für Fans schlanker Hardware.

Wer mit viel Herz und Liebe ältere Hardware pflegt, begibt sich meist gerne auf die Suche nach einer Desktop-Umgebung oder einem Fenstermanager, der noch das letzte Quentchen an Geschwindigkeit aus den musealen Schätzchen holt. Neben den bekannteren Vertretern der Zunft, wie LXDE oder Razor-qt, gehört außerdem das Equinox Desktop Environment [1] in diese Kategorie.

Im Jahr 2000 initiiert, erlebte das Projekt den ersten Release 2003. Bis heute lebt es aktiv weiter. Der erste Zyklus der Entwicklung basierte auf einer eigenen Version von FLTK namens eFLTK. Schon das Aussehen der frühen Versionen erinnert dabei stark an die Oberfläche von Windows 98 (Abbildung 1). Mit Equinox 2.0 vollzog das Projekt den Schritt hin zu den originalen FLTK-Bibliotheken [2], was den Aufwand beim Warten reduzierte.

Abbildung 1: Die Equinox-Version aus dem Jahr 2008 erinnert stark an das Design von Windows 98.

Abbildung 1: Die Equinox-Version aus dem Jahr 2008 erinnert stark an das Design von Windows 98.

Das Design des aktuellen Equinox 2.1 reicht noch bei Weitem nicht an die aktuellen flachen Elemente der anderen Toolkits heran. Es erscheint aber trotzdem unaufdringlich und wirkt mit seinem eigenen Charme. Dabei bewegt sich EDE auf der Grenze zwischen Desktop-Umgebung und Fenstermanager.

Als einziger Desktop auf einem Debian-Unterbau installiert, belegt EDE nach dem Hochfahren um die 90 MByte des bei alter Hardware so kostbaren Hauptspeichers. Somit reichen bereits etwa 128 MByte RAM, um die Software ohne größere Verzögerungen zu betreiben.

Dabei bringt EDE nach der Installation keine zusätzlichen Applikationen wie Dateimanager oder Werkzeuge für die Systemkonfiguration mit, wohl aber einige Programme, über die Sie das Verhalten und das Aussehen der Oberfläche beeinflussen.

Die Bibliothek Edelib enthält die Funktionalität zum Zeichnen eines Fensters, für die Kommunikation via D-Bus und das Laden von Icons und Themen. Das Projekt hält sich an die Leitlinien von Freedesktop.org [3] und harmoniert somit gut mit dem restlichen Linux-System.

Installation

Um EDE zu installieren, bieten sich verschiedene Wege an: Die Webseite des Projekts [4] nennt als Erstes die Möglichkeit, die Software aus dem Quellcode zu erstellen und liefert dazu gleich eine detaillierte Anleitung [5] mit (siehe Kasten “Installation unter Debian”). Die Desktop-Umgebung per Netinstall einzuspielen, funktionierte zum Zeitpunkt des Tests allerdings nicht.

Installation unter Debian

EDE finden Sie bisher noch nicht in den Paketquellen von Debian, allerdings stellen die Entwickler auf ihrer Homepage DEB-Pakete bereit [10], die für Wheezy, Jessie und Sid funktionieren. Die fünf benötigten Pakete laden Sie zunächst aus dem Repository [11] herunter und wechseln dann im Terminal in den Ordner mit den heruntergeladenen Dateien. Dort spielen Sie dann die Pakete mit dem Aufruf dpkg -i ede*.deb ein, dafür benötigen Sie selbstverständlich Root-Rechte.

Falls eine der wenigen Abhängigkeiten von EDE fehlen sollte, holen Sie diese mit apt-get install -f nach. Spätestens nach einem Neustart steht EDE beim Login zur Wahl. Ohne Display-Manager sparen Sie nochmal einiges an Speicher. Dazu erstellen Sie im Home-Verzeichnis die Datei .xinitrc wie folgt:

echo "exec startede" > ~/.xinitrc

Künftig starten Sie EDE dann als Benutzer mit startx aus der virtuellen Konsole heraus.

Für einige Distributionen existieren Archive für das jeweilige Paketmanagement. Arch, ArchBSD und Slackware stellen direkt Pakete bereit. Für Debian und Alpine gibt es Paketquellen. Wenn Sie EDE einfach einmal ausprobieren möchten, bietet sich die Live-CD auf der Basis von Ubuntu 12.04 an. Dabei bringt EDE gleich eine Reihe von praktischen Anwendungen mit [6].

Spartanisch

EDE bringt außer einer Leiste am unteren Bildschirmrand keine anderen Elemente mit. Die Leiste unterteilt sich von links nach rechts in das Menü (Abbildung 2), eine Befehlszeile, vier als Main, Web, E-Mail und Music betitelte virtuelle Desktops, die Fensterleiste und den Systemabschnitt für Applets.

Abbildung 2: Selbst das Menü von Equinox erinnert noch stark an die Zeiten von Windows 98.

Abbildung 2: Selbst das Menü von Equinox erinnert noch stark an die Zeiten von Windows 98.

Letzterer beinhaltet neben einem kleinen Monitor für die Last von CPU und Speicher, einen Regler für die Lautstärke, eine Anzeige für den Ladezustand eines Akkus oder den Netzbetrieb. Ein Umschalter erlaubt es, die Belegung der Tastatur zu ändern. Darüber hinaus zeigt das Panel noch Uhrzeit und Datum (Abbildung 3). Bei Bedarf klappen Sie die Leiste mittels des Pfeils ganz rechts ein.

Abbildung 3: Im Live-System Rem-EDE, das auf Ubuntu 12.04 basiert, greifen Sie bei Bedarf auf die Werkzeuge zur Konfiguration des Grundsystems zurück.

Abbildung 3: Im Live-System Rem-EDE, das auf Ubuntu 12.04 basiert, greifen Sie bei Bedarf auf die Werkzeuge zur Konfiguration des Grundsystems zurück.

EDE kommt selbst ohne so elementare Tools wie einen Bildschirmschoner. Wer allerdings sein System gerne selbst zusammenstellt, den wirft dies kaum aus der Bahn. Zu den einzig austauschbaren Komponenten gehört bei EDE der standardmäßig genutzte Fenstermanager Ede-wm, der auf dem Quellcode von PekWM [7] basiert. Da er seine Arbeit aber unauffällig verrichtet, besteht dazu kaum Anlass.

Rund um das FLTK-Toolkit sind bisher noch kaum Anwendungen entstanden. Einen passenden Dateimanager für EDE finden Sie etwa in XFE [8], oder – noch reduzierter und ohne grafische Oberfläche – der Midnight Commander [9]. So stellen Sie ein an die eigenen Wünsche und Gegebenheiten angepasstes System zusammen. Für den nächsten Milestone EDE 2.2 steht unter anderem ein mit FLTK gebauter Dateimanager namens eFiler auf dem Programm.

Fazit

EDE ist eine sehr schnelle und vor allem schlanke Desktop-Umgebung, die sich als ideale Grundlage eignet, um ein System selbst zusammenzubasteln. Durch den Einsatz von FLTK wirken selbst ältere Systeme sehr agil. Allerdings existieren derzeit nur wenige Tools, die auf diese Bibliotheken aufbauen. Das zwingt im Augenblick dazu, andere Toolkits wie GTK oder Qt parallel zu betreiben. 

Glossar

FLTK

Fast Light Toolkit. Das Fulltick ausgesprochene GUI-Toolkit erlaubt den Aufbau von Oberflächen, die besonders schnell auf Eingaben reagieren.

Der Autor

Ferdinand Thommes lebt und arbeitet als Linux-Entwickler, freier Autor und Stadtführer in Berlin.

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