Loops & Co. bearbeiten mit Giada

Aus LinuxUser 03/2014

Loops & Co. bearbeiten mit Giada

© Colin Broug, sxc.hu

Klopfzeichen

Loops und Effekte gehören zum Handwerkszeug des modernen DJs. Diese Kunst beherrscht Giada perfekt.

Hinter Giada verbirgt sich ein kleines Stück Musik-Software, das sich für vielfältige Zwecke eignet. Hauptsächlich zur Arbeit mit Loops konzipiert, macht es aber auch als Drum-Einheit eine gute Figur und erleichtert die Integration in andere Projekte über VST und MIDI.

Das Programm verfolgt das Rezept “einfache Oberfläche, geringe Systembelastung, maximale Möglichkeiten”. Beim ersten Start macht sich das bemerkbar: Sie sehen mehr oder weniger einen grauen Kasten mit ein paar wenigen Bedienelementen – eine Oberfläche, die ganz anders wirkt, als die vieler anderer Musikprogramme (Abbildung 1). Aber sobald Sie sich mit Giada vertraut gemacht haben, fällt der Umgang damit in der Regel leicht.

Abbildung 1: Giadas Benutzerschnittstelle weicht optisch stark von jener anderer Programme ab, erweist sich aber in Bezug auf die Funktionalität durchaus als durchdacht.

Abbildung 1: Giadas Benutzerschnittstelle weicht optisch stark von jener anderer Programme ab, erweist sich aber in Bezug auf die Funktionalität durchaus als durchdacht.

Installation

Die Drum-Applikation steht auf der Projekt-Website http://www.giadamusic.com für Linux, Windows und Mac OS X bereit. Für Linux gibt es DEB-Pakete, die sich unter anderem für Ubuntu und Derivate eignen, und zwar sowohl als 32- als auch als 64-Bit-Variante. Die Entwickler bezeichnen die 64-Bit-Variante allerdings als experimentell. Dies bestätigte sich im Test: Derzeit neigt die Software noch zu Hängern und Abstürzen. Benutzer anderer Distributionen weichen auf die Installation aus dem Quellcode aus. Eine Suche in den gängigen RPM-Ressourcen ergab, dass dort überwiegend ältere Giada-Versionen vorliegen, deren Einsatz sich nicht unbedingt empfiehlt.

Erste Töne

Starten Sie Giada, finden Sie den bereits angesprochenen grauen Kasten auf dem Bildschirm, den einige Kästchen und Symbole zieren. Um den ersten Sound zu laden, klicken Sie auf Add new channel und anschließend auf Sample channel. Andernfalls erzeugen Sie einen Midi-Kanal für entsprechende Signale.

Über einen rudimentären Datei-Dialog öffnen Sie nun die gewünschte Audiodatei, die in einem unkomprimierten Format vorliegen sollte, wie WAV oder AIFF. MP3-Dateien eignen sich nicht für den Einsatz mit dem Programm.

Bevor Sie darangehen, die nächsten Segmente zu importieren, lohnt es sich, den neuen Sound und die Verbindung zum Audiosystem zu testen. Dazu spielen Sie die importierten Daten ab, indem Sie auf das ganz links stehende Quadrat neben dem Sound klicken, in Giada-Sprechweise: auf den Kanal.

Der erste Beat

Oberhalb der Kanäle sehen Sie einen Balken mit vier Kästchen, die einzelne Beats im jeweiligen Takt repräsentieren. Darüber sitzt das Steuerpult mit der Schaltfläche für Play/Pause und einem, der die Position auf den ersten Beat zurücksetzt. Der Kreis signalisiert die Aufnahme für Ereignisse, der Punkt die Audio-Aufnahme.

Mit Giada sind Sie aber nicht auf die standardmäßig konfigurierten vier Beats beschränkt. Über die Konfiguration des Sequenzers oberhalb der Beat-Anzeige stellen Sie die Taktung und eben auch die Anzahl der Beats für die Sequenz ein. Dies geschieht entweder in Zahlenwerten über ein Eingabefeld oder mittels der beiden Schalter hinter der Anzeige, mit der Sie bei Bedarf im laufenden Betrieb die Anzahl der Schläge anpassen.

Wählen Sie etwa die Einstellung 16/4, stehen vier Takte mit vier Schlägen bereit. Auf Wunsch offeriert Giada auch ein Metronom. Sie aktivieren es, indem Sie den unscheinbaren Schalter betätigen, der auf OFF steht.

Loops und Kanäle

Weit mehr Einstellungen bieten die einzelnen Kanäle beziehungsweise Loops. Die Funktionen und Steuerelemente sind direkt in der jeweiligen Anzeigenreihe untergebracht. Die Lautstärke eines Kanals regeln Sie mit dem unscheinbaren Kreis am Ende der Reihe. Das Kästchen an erster Stelle der Zeile dient zum Starten des Loops.

Ein Rechtsklick auf den Namen des Kanals öffnet das Menü. Über Set key ordnen Sie hier dem Kanal eine beliebige Taste auf der Tastatur zu, nicht etwa einem angeschlossenen Audio-Keyboard. Über diese Taste starten Sie den Loop.

Über die Schaltflächen hinter dem Namen steuern Sie den Abspielmodus (Abbildung 2). Über M und S steuern Sie die Aktivität des Kanals: Mit M (engl.: “mute”) schalten Sie den Kanal stumm. Mit S (“solo”) schalten Sie, wie von anderen Audio-Programmen gewohnt, alle anderen Spuren stumm.

Abbildung 2: Das kompakte Interface der Software setzt auf kanalbezogene Aktionen.

Abbildung 2: Das kompakte Interface der Software setzt auf kanalbezogene Aktionen.

Mit der letzten Schaltfläche aktivieren Sie die Effektsektion. Haben Sie bereits Aktionen aufgenommen, erscheint hinter dem Namen des Kanals als Signal dafür ein Kästchen mit einem R. Damit aktivieren oder deaktivieren Sie das Abspielen der Aktionen. Ist das Abspielen deaktiviert, schaltet das Programm die Ereignisse stumm. Starten Sie den Kanal beziehungsweise Loop jedoch manuell, gibt die Applikation den Sound wie konfiguriert aus. Darin unterscheidet sich die Funktion von der Mute-Funktion.

Aktionen bearbeiten

Über einen Rechtsklick auf den Namen des Kanals rufen Sie ein Kontextmenü auf. Edit Actions bietet die Möglichkeit, die Eigenschaften eines Kanals zu bearbeiten (Abbildung 3). Bei einem Audiokanal sehen Sie drei horizontal angeordnete Bereiche: Start/Stop, Mute und Volume. In der Regel enthält bei einfachen Aufnahmen die obere Reihe einige Startsignale, während die beiden anderen noch leer sind.

Abbildung 3: Der Action-Editor bietet die Möglichkeit, einen Kanal in Bezug auf die Eigenschaften anzupassen.

Abbildung 3: Der Action-Editor bietet die Möglichkeit, einen Kanal in Bezug auf die Eigenschaften anzupassen.

Per Mausklick setzen Sie nun weitere Startpunkte, passen die Lautstärke an und sorgen mit einer entsprechenden Kurve dafür, dass der Sound an den gewünschten Stellen aussetzt.

Der Action-Editor bietet auch die Möglichkeit, die Takte noch feiner aufzuteilen. Dazu klicken Sie auf die Zahl neben der Aktionen-Auswahl und wählen den gewünschten Wert. Nun können Sie die einzelnen Loops noch genauer quantisieren, was besonders bei Drum-Sounds von Interesse ist. Start/Stop-Aktionen fügen Sie hinzu, indem Sie zunächst den Zustand auswählen. Nun setzen Sie neue Aktionen per Mausklick. Mit der rechten Maustaste löschen Sie diese wieder.

Der Dialog bietet die Möglichkeit, die einzelnen Ereignisse zu verschieben; im Zweifelsfall geht das mit Löschen und neu Erstellen jedoch fixer. Das Programm erlaubt es außerdem, die betreffende Sequenz abzuspielen, während Sie im Editor Änderungen vornehmen. Auf diese Weise behalten Sie immer die direkte Kontrolle über die Eingaben. Verwenden Sie die Aktion Kill channel, stoppt der Loop an der gewünschten Stelle, unabhängig von weiteren Einstellungen.

Die beiden anderen Spuren ähneln sich in der Wirkung ein wenig: Für den Volumen-Kanal erstellen Sie Hüllkurven, um den Sound anzupassen. Im Mute-Kanal erzeugen Sie mit einem Mausklick ein Ereignis mit einem Start- und Endpunkt, zwischen denen der Ton aussetzt. Im Volumen-Kanal erzeugt der erste Mausklick einen Anfangs- und Endpunkt sowie einen Steuerpunkt an der Stelle, an die Sie geklickt haben. Über weitere Steuerpunkte passen Sie die Hüllkurve an.

In sämtlichen Spuren entfernen Sie Aktionen und Steuerpunkte über die rechte Maustaste. Bearbeiten Sie einen Midi-Kanal, öffnet sich im Action-Editor nur eine Spur. Diese entspricht vom Aussehen her dem typischen Piano-Roll-Editor und folgt dem gleichen Bedienkonzept. Dabei editieren Sie Noten, also MIDI-Events, die die Software als Balken anzeigt, indem Sie Position und Länge anpassen.

Audio-Bearbeitung

Ebenfalls über das Kontextmenü hinter dem Kanalnamen rufen Sie den Audio-Editor auf. Mit diesem bearbeiten Sie bei Bedarf das Audiosignal in einer Ansicht als Hüllkurve. Darunter befinden sich einige Regler, mit denen Sie die Wiedergabe beeinflussen.

In der Regel zählt zu den wichtigsten Instrumenten das Festlegen von Start- und Endpunkt des Loops. Diese definieren Sie wahlweise über die untersten Eingabefelder oder – etwas intuitiver – mit den beiden Reglern S und E in der Hüllkurve. Eine Zoom-Funktion erleichtert es, die passenden Stellen möglichst genau zu finden.

Weiterhin passen Sie im Editor die Lautstärke des Clips an. Dabei besteht die Möglichkeit, diese über den Volumenregler abzusenken oder mit dem Boost-Regler zu erhöhen. Lassen Sie dabei Vorsicht walten, da sich sonst sehr schnell Verzerrungen einstellen.

In einigen Fällen erweist sich die Funktion Normalize als sinnvoll: Sie passt die Kurve an das lauteste Ergebnis im Sample an, wobei sie die leisen Passagen stärker anhebt als laute (Abbildung 4). Dadurch kommt ein Sample in einer Sequenz unter Umständen deutlich besser zur Geltung. Allerdings ist auch diese Funktion mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Abbildung 4: Mit der Funktion <code srcset=

Normalize passen Sie klangliche Ausreißer in einem Sample an.” width=”300″ height=”154″ /> Abbildung 4: Mit der Funktion Normalize passen Sie klangliche Ausreißer in einem Sample an.

Als dritte Funktionseinheit finden Sie im Audio-Editor noch den Pitch-Regler, mit dem Sie die Tonhöhe des Samples nach Ihren Bedürfnissen anpassen. Den Pitch stellen Sie entweder manuell über den kleinen Regler ein oder überlassen es Giada, die Geschwindigkeit an den Takt oder die Sequenz anzupassen. Überzeugt das Ergebnis nicht, gibt es hier – ebenso wie bei der Festlegung der Start- und Endpunkte – einen Reset-Schalter.

Konfiguration

Über die Einstellungen bestimmen Sie grundlegende Werte für die Hardware, sprich die Ein- und Ausgabekanäle. Außerdem legen Sie hier das Soundsystem sowie die Puffergröße fest (Abbildung 5). Sofern Sie mehr als eine Audio-Hardware installiert haben, wählen Sie noch die gewünschte aus. Das Gleiche gilt für die Einstellungen zum Midi-System.

Abbildung 5: Giada erlaubt es, Ausgabegeräte und das Soundsystem auszuwählen.

Abbildung 5: Giada erlaubt es, Ausgabegeräte und das Soundsystem auszuwählen.

Im dritten Reiter bestimmen Sie das Verhalten von Giada. Hier legen Sie unter anderem fest, ob Kanäle umgehend anhalten sollen, sobald diese oder der Sequenzer stoppen, oder ob dieser erst alle aktivierten Sounds zu Ende spielen soll. Weiterhin entscheiden Sie hier, ob die Software Kanäle, in denen Sie Aktionen hinterlegt haben, als Loop-Kanäle behandelt, obwohl der Abspielmodus auf shot steht.

Im Einsatz

Giada eignet sich auch für den Live-Einsatz. Dazu bereiten Sie ein komplettes Set an Loops und zusätzlichen Sounds vor. Es ist sinnvoll, jedem Kanal eine entsprechende Taste zuzuordnen, um alle komfortabel mit der Tastatur abzurufen. Haben Sie sämtliche Einstellungen vorgenommen, speichern Sie das gesamte Set als Patch ab.

Wollen Sie Ihre Einstellungen samt sämtlicher Loops auf einem anderen Gerät verwenden, sichern Sie diese als Project. Dabei schreibt Giada sowohl die Einstellungen als auch sämtliche Audiodateien in einen Ordner, den Sie bei Bedarf auf ein anderes Gerät transferieren. Auf diesem Weg gelingt der Austausch zwischen der Workstation zu Hause und dem Laptop, das Sie unterwegs benutzen.

Fazit

Giada fühlt sich beim ersten Einsatz etwas sperrig an. Mit der Zeit erschließt sich dann das Bedienkonzept, und die Funktionen erscheinen zunehmend logisch angeordnet.

Giada eignet sich in der jetzigen Form sowohl für die Arbeit im Studio als auch für den Live-Einsatz. Allerdings wäre es wünschenswert, dass die Anwendung noch etwas stabiler liefe. Gelegentliche Hänger treten vor allem dann auf, wenn Sie mehrere Bedienschritte schnell hintereinander ausführen. 

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