Mit Ffplay Streams aus dem Web abspielen

Aus LinuxUser 01/2014

Mit Ffplay Streams aus dem Web abspielen

© Mmagellan, sxc.hu

Westentaschen-Radio

Mit wenigen Zeilen Shell-Code bauen Sie einen flexiblen, leicht anpassbaren Stream-Player zusammen.

Sie brauchen keine ressourcenfressende Multimedia-Anwendung zu starten, um mal eben ein bisschen Internetradio zu hören: Es gibt unter Linux einige Programme für die Kommandozeile, die Streams von Radiosendern abspielen. Ein einfaches Shell-Skript als Wrapper genügt vollkommen, um Internet-Radiosender komfortabel zu verwalten oder Streams abzuspeichern und bei Bedarf erneut abzuspielen.

Den Kern des Skripts bildet ein Modul aus der Ffmpeg-Suite (http://www.ffmpeg.org), zu der neben Ffmpeg, Ffprobe und Ffserver auch Ffplay gehört. Letzteres ermöglicht es, einen Sender im Netz komfortabel von der Kommandozeile aus zu genießen. Das folgende Kommando reicht schon aus, um den Radiosender “Rock Antenne” zu abzuspielen:

$ ffplay http://mp3.webradio.rockantenne.de:80

Mit etwas Geschick basteln Sie um dieses Programm herum einen eigenen, schlanken Radioempfänger.

URLs sammeln

Bei der Suche nach einer guten Adresse im Internet, die so ziemlich alle Radiosender vorhält, landen Sie wahrscheinlich früher oder später bei Liveradio (http://www.liveradio.de). Dort finden Sie Hunderte von Radiosendern, in verschiedene Sparten von Rock bis Klassik untergliedert.

Wie oben schon gezeigt, reicht es aus, dem Programm Ffplay eine URL als Parameter zu übergeben, unter der es den Stream eines Radiosenders abruft. Um an diese URLs zu kommen, müssen Sie die PLS-Dateien, die eigentlich für den externen Player gedacht sind, mit einem Editor öffnen. Listing 1 zeigt den Aufbau einer solchen Datei.

Listing 1

Title1=Jazzloft
File1=http://stream.laut.fm:80/jazzloft
Length1=-1
NumberOfEntries=1
Version=2

Der Inhalt der eckigen Klammern in der ersten Zeile einer solchen Datei verdeutlicht schon deren Zweck: Es handelt sich im Prinzip um eine Playlist. Der Title1 gibt den Namen für die Anzeige des Radiosenders vor, hinter File1 finden Sie die URL zum Stream. Da es sich bei solchen Streams um einen kontinuierlichen Strom handelt, erfolgt unter Length1 die Angabe -1, damit der Player den Stream fortlaufend abspielt. Die anderen Einträge fallen weitgehend selbsterklärend aus. Manchmal kommt es vor, dass die PLS-Datei zwei Streams angibt, von denen Sie einen auswählen können.

Selbst gemacht

Für ein kleines Webradio brauchen Sie nun ein Skript, das diese URLs mit einem Namen verbindet, der sich für eine Auswahl eignet. Das geschieht über ein assoziatives Array in der Bash. Sie legen es mit der Anweisung declare an, wobei Sie in diesem Fall die Option -A verwenden.

Die gesammelten URLs landen nun in diesem Array. In Listing 2 belegen diese die Zeilen 3 bis 7, wobei jeweils der Anzeigename als Schlüssel dient. Damit liegen alle Angaben an einer Stelle, und Sie brauchen später den eigentlichen Code des Skripts nicht mehr zu ändern, wenn neue Sender hinzukommen.

In der Zeile 9 bewirkt ein einfaches clear das Löschen des Terminals, bevor Sie in der Zeile 10 mit einem Echo-Befehl die Ausgabe des Programms beginnen. In Zeile 12 startet eine Select-Anweisung, die mithilfe der Schlüssel des oben definierten Arrays ein Menü gestaltet.

Dabei gibt es mehrere Dinge zu beachten. Das Ausrufezeichen vor dem Namen der Array-Variablen sorgt dafür, dass die Shell die Schlüssel ausgibt. Mit dem Subskript @ erhalten Sie diese jeweils mit Anführungszeichen umschlossen. Damit interpretiert die Select-Anweisung die Leerzeichen in den Namen korrekt.

Listing 2

#!/bin/bash
declare -A SENDER
SENDER["Hellweg Radio"]="http://87.118.64.215:8000/"
SENDER["Rock Antenne"]="http://mp3.webradio.rockantenne.de:80"
SENDER["Bayern 3"]="http://gffstream.ic.llnwd.net/stream/gffstream_w12b"
SENDER["Radio Berlin"]="http://rbb.ic.llnwd.net/stream/rbb_radioberlin_mp3_m_b"
SENDER["Musicalradio"]="http://mp3.musicalradio.de/musicalradio.mp3"
clear
echo "Radiosender auswählen:"
select ENTRY in "${!SENDER[@]}"; do
  TITLE="${ENTRY}"
  URL=${SENDER[${ENTRY}]}
  ffplay -x 300 -y 100 -window_title "${TITLE}" ${URL} &>/dev/null
done

Auf die Do-Anweisung folgt der Teil, in dem die beiden Variablen URL und TITLE die richtigen Werte durch Zuweisung erhalten. Anschließend spielt Ffplay den Sender ab, die zusätzlichen Optionen regeln Breite, Höhe und Titel des Ausgabefensters. Der Befehl &>/dev/null am Ende bewirkt, dass die Meldungen des Programms nicht im Terminal erscheinen.

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