Websites bauen mit Quick’n Easy Web Builder

Aus LinuxUser 08/2013

Websites bauen mit Quick’n Easy Web Builder

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Baukasten

Der Quick’n Easy Web Builder erlaubt Webdesign in DTP-Manier, lässt sich via Ubuntu Software Center einfach in Betrieb nehmen und erlaubt auch Anwendern ohne HTML- und CSS-Kenntnissen das Entwerfen von Webseiten.

HTML-Editoren gibt es wie Sand am Meer. Schränkt man die Auswahl auf WYSIWYG-Editoren ein, wird die Luft aber schon dünner. Im August 2012 schaffte es der Quick’n Easy Web Builder – kurz QnEWB [1] – des Entwicklers Pablo van der Meer mit Platz 7 erstmals unter die Top 10 der kostenpflichtigen Ubuntu-Apps, wo er sich seitdem halten und sogar auf Platz 5 verbessern konnte. Angesichts der Tatsache, dass es zahlreiche konkurrierende freie HTML-Editoren gibt, spricht dieses Ranking dafür, dass zumindest zahlreiche Ubuntu-Nutzer das 19,99 US-Dollar (gut 15 Euro) teure Tool für besonders wertvoll halten.

Obwohl QnEWB über das Ubuntu Software Center verfügbar ist [2], handelt es sich keineswegs um speziell für Linux oder gar Ubuntu entwickeltes Software. Vielmehr zählt das Programm zu einer Reihe von Cross-Plattform-Anwendungen der Software-Schmiede Pablo Software Solutions [3], die alle das “Quick’n Easy” im Namen tragen. Dazu zählen beispielsweise auch je ein Web-, Mail- und FTP-Server, die sich durch eine besonders einfache visuelle Bedienung auszeichnen.

QnEWB orientiert sich am vom gleichen Entwickler stammenden, etwas umfangreicheren Windows-Tool WYSIWYG Web Builder [4] und weist auch Ähnlichkeiten mit iWeb für Mac OS X auf. Der Quick’n Easy Web Builder entstand ursprünglich für Windows als kompakte Variante des WYSIWYG Web Builder. Erst auf Drängen der jeweiligen Communities folgten dann nativen Linux- und Mac-Versionen. Bei der Linux-Version handelt es sich um eine GTK+-Anwendung – QnEWB ist also nicht plattformunabhängig, sondern “cross platform”. So finden sich denn auch native Mac- und Windows-Version in allen einschlägigen Software-Katalogen.

QnEWB ausprobieren

Um QnEWB vor dem Kauf erst einmal auszuprobieren, laden Sie die aktuellste Version (zu Redaktionsschluss 1.6.5) als 30-Tage-Demo [5] von der Homepage herunter und entpacken das Archiv qnewb_linux.zip in ein Verzeichnis ihrer Wahl. Dann starten Sie das Programm mit einem Klick auf qnewb im Download-Verzeichnis. Ein Installieren im weiteren Sinn entfällt, da QnEWB alle benötigten Komponenten und Bibliotheken statisch linkt.

Die Trial-Variante weist gegenüber der Vollversion kaum funktionale Einschränkungen auf. Allerdings müssen Sie bei jedem Start im Registrierungsdialog das Verwenden der Trial-Version mit einem Klick auf die gleichnamige Schaltfläche bestätigen. Sie können die erzeugten Webseiten sogar problemlos online stellen, allerdings blendet die Demo-Version stets ein Demo-Logo (Built with Quick’n Easy Web Builder) links oben in die veröffentlichte Seite ein.

Für eine erste Schnellerkundung wählen Sie aus dem QnEWB-Menü den Punkt File | New site from template und experimentieren mit den mitgelieferten Vorlagen (Abbildung 1). Mehr als 100 weitere Vorlagen stehen auf der QnEWB-Template-Seite [6] zur Verfügung. Ferner gibt es noch eine Reihe von Erweiterungen [7], wie etwa die neue Online-Foto-Galerie [8], die allerdings mit der Trial-Version nicht funktionieren.

Abbildung 1: Für den Quick'n Easy Web Builder sind rund 100 Vorlagen verfügbar.

Abbildung 1: Für den Quick’n Easy Web Builder sind rund 100 Vorlagen verfügbar.

Der Aufbau des Programms gibt mit dem großen Gestaltungsbereich in der Mitte und der Toolbox links keine Rätsel auf. Ferner residieren rechts oben der Site Manager und rechts unten der Property Inspektor. Letzterer zeigt sämtliche Eigenschaften des im Arbeitsbereich markierten Objekts an und erlaubt deren Manipulation (Abbildung 2). Sowohl der Property Inspektor als auch Toolbox und Site Manager lassen sich auch abtrennen und frei am Objekt positionieren.

Abbildung 2: Im mit Abstand wichtigsten Arbeitsgerät, dem <code srcset=

Property Inspektor, verknüpfen Sie Layout mit Daten oder nehmen individuelle Einstellungen vor.” width=”300″ height=”206″ /> Abbildung 2: Im mit Abstand wichtigsten Arbeitsgerät, dem Property Inspektor, verknüpfen Sie Layout mit Daten oder nehmen individuelle Einstellungen vor.

Mithilfe der fünf Symbole oben rechts in der Werkzeugleiste blenden Sie Toolbox, Property Inspector und Site Manager auf Wunsch auch ganz aus, ebenso die Seitenlineale und Font-Menüs. Der Site Manager erlaubt im gewissen Umfang ein komfortables Bearbeiten der Seitenstruktur, inklusive des Klonen vorhandener Seitenstrukturen. Den ebenfalls verfügbaren Object Manager zum Verwalten von Bilder und Videos blenden Sie im Menü View ein, Ähnliches gilt für weitere Werkzeugleisten und Fenster.

Funktionen

Bei QnEWB handelt es sich um ein echtes WYSIWYG-Tool. Der Hersteller betont ausdrücklich, dass es sich nicht bloß um einen HTML-Editor handelt, sondern um einen HTML-Generator, der keinerlei Kenntnisse in HTML oder CSS voraussetzt. Vielmehr erstellen Sie Webseiten vollständig visuell via Drag & Drop durch das Platzieren von Text, Linien, Bildern, Slideshows, Galerien und Formularen. Dabei wählen Sie aus einer großen Anzahl von Formen und Gestaltungselementen. QnEWB dient also quasi einem Desktop-Publishing für Webseiten.

Der Code-Generator erzeugt laut Hersteller zeitgemäßen Code mit HTML4, XHTML, PHP und HTML5. Ferner unterstützt QnEWB per CSS3 Opacity [9], Box-Shadows, Border Radius (“runde Ecken”) und Gradienten, was entsprechende CSS3-Generatoren [10] oder spezielle Gradient-Generatoren [11] überflüssig macht.

Zum einfachen Erstellen von Formularen bietet das Tool einen eingebauten Assistenten (Abbildung 3) sowie ein umfangreiches Repertoire an manuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Diese finden Sie im Bereich Form der Toolbox am linken Bildschirmrand. Zu den angebotenen Elementen zählen auch Captchas (Abbildung 4) und ein Datei-Uploader.

Abbildung 3: Der Formular-Assistent von QnEWB bietet eine breite Auswahl an Formular-Typen.

Abbildung 3: Der Formular-Assistent von QnEWB bietet eine breite Auswahl an Formular-Typen.

Abbildung 4: Auch ein Captcha-Formular platzieren Sie in QnEWB einfach per Drag & Drop.

Abbildung 4: Auch ein Captcha-Formular platzieren Sie in QnEWB einfach per Drag & Drop.

Zu gefallen wissen auch die sehr umfangreichen Grafikfunktionen für Formen aller Art, inklusive weit über 50 verschiedene Effekte wie Schatten, Reflexionen oder Wasserzeichen. Sie erschließen sich in der Regel über das Kontextmenü des betreffenden Objekts, bei Bildern etwa über die Image Effects

Abbildung 5: Die Bildbearbeitungsfunktionen und Effekte von QnEWB machen so manchem Grafikprogramm Konkurrenz.

Abbildung 5: Die Bildbearbeitungsfunktionen und Effekte von QnEWB machen so manchem Grafikprogramm Konkurrenz.

Über das Kontextmenü Image Tools stellt QnEWB auch eine Reihe brauchbarer Bildbearbeitungsfunktionen zur Verfügung. Der eingebaute Gradient Manager erlaubt das einfaches Erzeugen beeindruckender Verlaufseffekte. Ebenfalls eingebaut sind Module für Slideshows, Fotogalerien, ein Logo Creator, Rollover Images sowie weit über 50 nützliche Javascript-Codeschnipsel, darunter Galerien, Texteffekte und Social-Media-Funktionen. Sie finden sich alle in der Rubrik Extra der Toolbox (Abbildung 6). Sogar rudimentäre E-Commerce-Funktionen via Paypal unterstützt QnEWB hier.

Abbildung 6: QnEWB erlaubt eine Auswahl aus über 50 vorbereiteten Javascript-Snippets.

Abbildung 6: QnEWB erlaubt eine Auswahl aus über 50 vorbereiteten Javascript-Snippets.

Menüs und mehr

Auch zum Gestalten von Menüs und anderen Navigationshilfe ist QnEWB gut bestückt: Er bietet mit Tab-Menüs, Ausklappmenüs, Slide-Menüs und Navigationsleisten alles, was das Herz begehrt.

Zum Gestalten einer klassischen Menüleiste ziehen Sie das entsprechende Symbol an die gewünschte Position. Dann markieren Sie im Property Inspector im Bereich Misc den Eintrag Items und klicken rechts daneben bei Click the button auf das Dateiauswahlsymbol. Im Dialog Menu Bar Items können Sie dann neue Menü- und Untermenü-Eintrage anlegen, benennen, umbenennen und anordnen. Die jeweiligen Ziele definieren Sie, indem Sie beim gewünschten Menüpunkt auf die Schaltfläche Add klicken.

Im Bereich Link legen Sie fest, ob ein Mausklick auf den Menüpunkt eine andere Seite des Web-Projekts adressiert oder auf einen Smartlink, eine Datei oder E-Mail-Adresse verweist. Wählen Sie Page in this Project, was dem häufigsten Fall entsprechen dürfte, können Sie mit einem Klick auf die Schaltfläche Select die referenzierte Seite wählen. Bei Target legen Sie fest, ob die neue Seite im gleichen Browser-Fenster, in einem neuen oder als Popup erscheint (Abbildung 7).

Abbildung 7: Das Zusammenbauen von Menüs geschieht in QnEWB ebenfalls mithilfe grafischer Dialoge. Die gebotenen Vorlagen liefern allerdings kaum komplex strukturierte Seiten.

Abbildung 7: Das Zusammenbauen von Menüs geschieht in QnEWB ebenfalls mithilfe grafischer Dialoge. Die gebotenen Vorlagen liefern allerdings kaum komplex strukturierte Seiten.

Eine Erwähnung verdienen zudem der integrierte Sitemap Generator sowie die optionale Unterstützung für Animationen unter Zuhilfenahme der Javascript-Bibliothek jQuery [12]. Ferner gibt es einen Style Manager, Unterstützung für YouTube, Flash-Videos und das neue HTML5-Element Video/Audio sowie eine große Anzahl weiterer Bewegtbildformate. auch externe Skripte oder andere Code-Schnipsel lassen sich in das QnEWB-HTML-Projekt integrieren.

Als reines Offline-Tool eignet sich QnEWB im Gegensatz zu einem echten Content-Management-System nur für einen einzelnen Nutzer. Entsprechend gibt es auch kein “Redaktionssystem” oder ähnliches für einen Mehrbenutzerbetrieb. Die erstellte Website gilt es per FTP auf den Zielserver hochzuladen. Immerhin bringt QnEWB dazu einen leistungsfähigen FTP-Manager mit.

Schattenseiten

Im Test zeigten sich aber auch Schattenseiten. So stürzte das Tool im Testzeitraum mehrere Male aus nicht reproduzierbaren Ursachen ab. Relativ häufige Updates legen die Vermutung nahe, dass die Entwickler noch an der Software feilen. Auch funktionell gibt es Defizite im Vergleich zur Konkurrenz: So sucht man eine Zoom-Möglichkeit oder einen Vollbildmodus vergeblich, eine Rechtschreibprüfung fehlt ebenso wie eine deutsche Lokalisierung.

Fazit

Der Quick’n Easy Web Builder eignet sich vorrangig für kleine, weitgehend statische Projekte wie private Homepages. Dafür stehen dann aber beachtliche Stilmittel und ein kompletter Site-Manager zur Verfügung. Mit der Leistungsfähigkeit eines modernen Content-Management-System kann QnEWB freilich nicht mithalten, ist dafür aber auch gar nicht gedacht.

Gemessen am Preis bietet QnEWB einen nominell großen recht Funktionsumfang, das Anlegen einer vorzeigbaren Webseite gelingt in der Tat recht flott. Zaubern kann jedoch auch dieses Werkzeug nicht: Entweder Sie passen die Struktur ihres Webprojekts so gut es geht an die vorhandenen Vorlagen an, oder Sie entwerfen eine eigene Struktur. Beides macht unabhängig von der Gestaltung Mühe, was in der Natur der Sache liegt. 

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