Strato trifft mit seinem offenen Onlinespeicher HiDrive vor allem den Nerv technikaffiner Anwender. Seit dem Launch des Diensts vor etwa einem Jahr hat sich einiges getan.
Dezentrales Speichern von Daten im Internet erweist sich in mehrfacher Hinsicht als geschickt: Zum einen erreichen Sie die Dateien über jeden Internetanschluss, zum anderen besitzen Sie eine sichere Kopie, sollte der lokale Datenbestand einmal beschädigt oder vernichtet werden. Viele Storage-Anbieter verwenden zur Anbindung proprietäre Protokolle und einen speziellen Client. Andere gestatten den Zugriff auf die gehosteten Dateien sogar lediglich über ihre Webseite.
Eine andere Philosophie verfolgt der Webhoster Strato mit seiner Produktschiene HiDrive [1]: Er stattet seinen Onlinespeicher mit Standardschnittstellen aus, die sich problemlos in jedes bestehende Netz oder System integrieren lassen, wie etwa (S)FTP, SMB/CIFS oder Rsync. Darüber hinaus stellt Strato Apps für Android und Windows Mobile bereit, eine weitere für Apple-Geräte soll in Kürze folgen.
In LU 06/2010 beschrieben wir im Artikel “Speicher satt” [2] bereits die Funktionen des Angebots. Der vorliegende Kurztest zielt auf die Neuerungen und Änderungen von Stratos Online-Festplatte ab.
Generelles
Die vor etwa einem Jahr gestartete Produktlinie HiDrive erfreut sich laut Strato mit sechsstelligen Nutzerzahlen großer Beliebtheit. Mit dafür verantwortlich sind sicherlich diverse Kampagnen in verschiedenen PC-Zeitschriften, in denen Strato das Netzlaufwerk zu sehr günstigen Konditionen anbot [3].
Auch ohne Rabatt gestaltet der Hoster die Preise für sein Produkt sehr attraktiv. Für den Privatanwender reicht die Spanne von 0,99 Euro monatlich für einen 20-GByte-Account bis zu 29,90 Euro pro Monat für 2 TByte Speichervolumen. Die verschiedenen Größen bieten alle die gleichen Schnittstellen und unterscheiden sich nur im Detail voneinander, beispielsweise in der Anzahl der verfügbaren Benutzerkonten. Für Speichergrößen bis 500 GByte bietet Strato einen kostenlosen 30-tägigen Test an. Optional gibt es einen Send-in-Service zum Preis von 30 Euro: Das Unternehmen sendet Ihnen dazu eine Festplatte, die Sie befüllt zurückschicken. Strato überträgt die enthaltenen Dateien dann in Ihren HiDrive-Account.
Ferner bietet Strato mittlerweile die NAS-Systeme Synology DS110j und DS211j im Bundle mit einem 1- und 2-TByte-Account zum Vorzugspreis als sogenannte Hardwareprämie an. Die kleinere Variante kostet bei einer 12-monatigen Vertragsbindung 99 Euro, bei 24 Monaten Laufzeit 49 Euro – der Straßenpreis des Geräts liegt bei etwa 200 Euro. Die größere Version DS211j kostet bei 12-monatigem 2-TByte-Account 199 Euro, bei 24 Monaten Laufzeit 149 Euro. Hier liegt der Ladenverkaufspreis des NAS bei etwa 300 Euro. Für beide Geräte bietet Strato eine App, die das einfache Einrichten einer Synchronisation mit dem Onlinespeicher ermöglichen soll. Einen ausführlichen Test lesen Sie in der kommenden Ausgabe von LinuxUser.
Da Strato seine Server ausschließlich in Deutschland aufstellt, gelten die vergleichsweise strengen hiesigen Datenschutzbestimmungen. Darüber hinaus wurde das Rechenzentrum nach ISO 27001 zertifiziert, das eine hohe Verfügbarkeit und Sicherheit belegen soll.
Administration
Zum Einrichten des Online-Laufwerks stellt Strato eine ansprechende webbasierte Nutzeroberfläche bereit. Sie erlaubt die Konfiguration des Diensts und bringt sie einen Dateibrowser mit, der es erlaubt, die hochgeladenen Verzeichnisse und Dateien zu verwalten.
Neben dem klassischen Hochladen von der Festplatte ins Cloud-Storage bietet das Frontend noch zwei weitere Möglichkeiten: Zum einen das direkte Kopieren von im Web gehosteten Dateien wie ISO-Images via URL ins Storage und zum anderen den neu hinzugekommenen Mail-Upload. Um letzteren zu nutzen, öffnen Sie per Rechtsklick im Dateimanager zunächst das Kontextmenü desjenigen Verzeichnisses, das Sie als Speicher nutzen möchten. Danach aktivieren Sie im Kontextmenü den Eintrag Mailupload einstellen, worauf sich ein Dialogfeld öffnet. Darin legen Sie die Eckdaten für das Speichern der Dateien fest oder aktivieren die automatische Empfangsbestätigung. Das Schema der Upload-Mail-Adresse lautet Nutzer+Verzeichnis@hidrive.strato.com.
Ebenfalls eine Runderneuerung erfuhr das Restore-Modul der Weboberfläche. Diese Funktion platziert Strato etwas schwer zu finden im Menü Verwalten | Backup-Versionen des Dateimanagers. In der gelungenen Recovery-Funktion wählen Sie zunächst die Zeitspanne der Datensicherung, danach das Backup-Set und abschließend das betreffende Verzeichnis. Zum Wiederherstellen genügt es, die gewünschte Datei via Drag & Drop in die rechte Spalte zu ziehen, welche die Ordnerstruktur des Laufwerks anzeigt (Abbildung 1). Um den Modus zu verlassen, klicken Sie auf Backup-Versionen beenden oben links.

Abbildung 1: Nach Anwahl des Backupsatzes stellen Sie die gesicherten Dateien via Drag & Drop ins gewünschte Verzeichnis wieder her.
Truecrypt
Zum Speichern sensibler Daten empfiehlt Strato das Verwenden von Truecrypt-Containern. Deren mangelhafte Synchronisation via SMB allerdings erwies sich im letzten Test gerade als Achillesferse des Diensts. Dieses Problem hat Strato mittlerweile restlos aus der Welt geschafft.
Um die Technik zu nutzen, erstellen Sie zunächst auf der lokalen Platte ein Volume und befüllen es idealerweise schon mit den gewünschten Daten [4]. Danach kopieren Sie den Container in das gemountete HiDrive-Share oder laden ihn via Rsync hoch (Listing 1). Nach dem vollständigen Upload navigieren Sie im Dateibrowser von Truecrypt zum eingehängten HiDrive-Share und binden das Volume wie von lokalen Speichern gewohnt ein. Truecrypt erstellt ein temporäres Image im Verzeichnis /tmp/.truecrypt_aux_mnt1, in das es Änderungen zunächst temporär speichert.
Listing 1
$ rsync -av /Quellverzeichnis/Quelldatei Nutzer@rsync.HiDrive.strato.com:/users/Nutzer/Zielverzeichnis/
Etwa im Minutentakt synchronisiert CIFS die Änderungen als Delta-Upload auf den Server. Das heißt, dass es lediglich neue oder geänderte Dateien berücksichtigt und nicht jeweils den kompletten Container hochlädt. Das nervige minutenlange Warten beim Aushängen des Images gehört damit der Vergangenheit an.
Mobiles HiDrive
Seit einigen Monaten bietet Strato auch eine Android-App zum Zugriff auf das Storage an. Deren aktuelle Version klinkt sich ins Kontextmenü des Systems ein und erlaubt so das Hochladen von Dateien aus anderen Anwendungen heraus in den Onlinespeicher.
Daneben erlaubt auch die HiDrive-App selbst einen entsprechenden Zugriff: Ein Druck auf HiDrive unten links öffnet eine Auswahl der erkannten Applikationen und erlaubt aus ihnen heraus das Hochladen von zugehörigen Inhalten (Abbildung 2). Möchten Sie ganze Verzeichnisse kopieren, nutzen Sie Datei/Verzeichnis nach HiDrive. Danach startet ein Dateibrowser, aus dem heraus Sie die Auswahl treffen.

Abbildung 2: Stratos Android-App ermöglicht unter anderem das Hochladen aus den erkannten Apps heraus.
Daneben bietet die App optional an, Audio- und Video-Dateien zu streamen anstatt herunterzuladen. Im Praxistest spielte sie zwar Musik im OGG- und MP3-Format anstandslos ab, jedoch fehlen dem Player selbst rudimentärste Funktionen wie das Vor- und Zurückspulen, von einer Playlisten-Verwaltung ganz zu schweigen.
Beim Abspielen von Videodateien versagt die App komplett: Selbst gängige Formate wie MPEG oder OGV kennt sie nicht. Nach dem Aufruf einer MPEG-4-Datei erscheint zwar der Hinweis Möchten Sie die Datei herunterladen oder streamen. Danach verweigert die App allerdings das Abspielen mit der Begründung, das Gerät unterstütze das Format nicht. Nach dem normalen Download lief die Videodatei jedoch anstandslos auf dem Smartphone. Beim Aufruf von Cinepack-codierten AVI-Dateien startet zwar der Player, spielt aber weder Bild noch Ton ab. Ein Klick auf den Back-Button führte zum Absturz der App.
Infos
[1] Strato HiDrive: http://www.strato.de/online-speicher/
[2] HiDrive: Thomas Leichtenstern, “Speicher satt”, LU 06/2010, S. 88, https://www.linux-community.de/21064
[3] HiDrive lebenslang: http://stadt-bremerhaven.de/strato-hidrive-30-gigabyte-fuer-333-euro-lebenslang
[4] Truecrypt: Thomas Leichtenstern, “Verborgene Talente”, LU 02/2009, S. 36, https://www.linux-community.de/17405






Leider wurde eine Preisanpassung durchgeführt.
z.B 500GB für 9,90 EUR gibt es nur für die ersten 6 Monate, danach
kostet es ~>16,90 EUR.
teuer :-(
LG
Richard R.