Fotos in Webalben verwalten

Aus LinuxUser 09/2011

Fotos in Webalben verwalten

© The Blowfish Inc., Fotolia

Bilder in der Wolke

Möchten Sie Bilder stets griffbereit haben, um Sie Freunden und Bekannten zu zeigen, dann laden Sie sie in ein Webalbum, das Sie überall erreichen. Für die Marktführer Flickr und Picasaweb gibt es unter Linux passende Tools dazu.

Wer heute seine Urlaubsfotos im Bekanntenkreis zeigen möchte, nutzt dazu nicht mehr das schnöde Fotoalbum aus Papier, sondern häufig dessen digitalen Ableger, das Webalbum. Die Vorteile liegen auf der Hand: Egal, wo Sie sich aufhalten, Ihre Bilder sind stets online parat. Zwar buhlen eine ganze Menge Webalben-Anbieter um die Gunst der Nutzer, doch Flickr [1] und Picasaweb [2] machen das Rennen weitgehend unter sich aus. Wer den oft mühsamen Weg des Web-Uploads scheut, dem stehen diverse Programme zur Verfügung, um die Bilder komfortabel über einen lokalen Client hochzuladen.

Flickr

Das 2005 von Yahoo gekaufte Portal Flickr steht quasi als Synonym für Webalben. Minütlich laden die über 50 Millionen registrierten Anwender im Schnitt 5000 Bilder in ihre Accounts. Aktuell befinden sich in der Cloud geschätzte 5 Milliarden Foto- und Videodateien.

Wer an Flickr teilnehmen möchte, meldet sich entweder direkt bei Yahoo an oder authentifiziert sich über seinen Facebook- oder Google-Account. Die kostenlose Flickr-Variante beschränkt das Upload-Volumen auf 300 MByte im Monat. Zudem zeigt der Dienst Fotos lediglich in einer maximalen Größe der langen Kante von 1024 Pixeln an und stellt sie auch nur so zum Download bereit. Daneben limitiert Flickr die Zahl der Bilder auf 200. Bei Erreichen dieser Grenze zeigt der Dienst die jeweils ältesten Aufnahmen nicht mehr an – bis zum Kauf eines Premium-Accounts. Der kostet knapp 18 Euro im Jahr und hebt alle genannten Beschränkungen auf.

Auch wenn die Bilder einem Album zugeordnet wurden, zeigt Flickr sie trotzdem im so genannten Stream an, der alle Bilder enthält. Der Dienst erlaubt sowohl das Verschlagworten als auch Geolokalisieren der Aufnahmen via Drag & Drop. Allerdings schreibt Flickr die entsprechenden Informationen nicht als EXIF- bzw. IPTC-Tags ins Bild, sondern speichert sie in einer eigenen Datenbank. Entsprechend gehen diese Angaben bei einer weiteren Nutzung des Bilds außerhalb von Flickr verloren. Immerhin liest der Bilderdienst in den Aufnahmen vorhandene Informationen aus und integriert sie in die Bildbeschreibung.

Bei der Freigabe der Bilder wählen Sie, ob Jeder (Öffentlich), nur Ihre Freunde oder lediglich Ihre Familie die Bilder einsehen darf. Wie und wo man diese Gruppen definiert, das verschweigt Flickr jedoch. An anderer Stelle steht zu lesen, dass der Bilderdienst lediglich zwischen öffentlich anzeigbaren, nur für bestimmte Flickr-Nutzer zugänglichen oder nur für den privaten Gebrauch bestimmten Bildern unterscheidet.

Nicht nur an dieser Stelle wirkt das Portal recht schwerfällig und unübersichtlich. Die ganze Menüführung erscheint an vielen Stellen wenig intuitiv (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wer sich in dem unübersichtlich angeordneten Wust an Funktionen zurechtfinden möchte, muss sich erst einmal eingehend mit Flickr auseinandersetzen.

Abbildung 1: Wer sich in dem unübersichtlich angeordneten Wust an Funktionen zurechtfinden möchte, muss sich erst einmal eingehend mit Flickr auseinandersetzen.

Erst nach mehreren Stunden Gebrauch erschließen sich nach und nach die einzelnen Funktionen und deren Zusammenhänge. So bietet der Dienst beispielsweise eine Galerie. Was Flickr nur versteckt kundtut: Diese dient nicht etwa dem dazu, eigene Bilder zu verwalten, sondern jene anderer Anwender zusammenzufassen – was im Test allerdings auch nicht ohne Weiteres gelang. Generell unterstreicht diese Funktion zusammen mit den Gruppen aber den Community-Charakter des Online-Dienstes, bei dem es mehr darum geht, die Bilder untereinander auszutauschen.

Sowohl eigene als auch fremde Bilder versieht Flickr mit einem Facebook- und Twitter-Button, der es Ihnen erlaubt, über Ihren Account andere auf die Bilder aufmerksam zu machen.

Picasaweb

Der Gegenspieler aus dem Hause Google heißt Picasaweb. Google schränkt die kostenfreie Nutzung des Diensts auf ein maximales Speichervolumen von 1 GByte ein, für 20 GByte zusätzlich verlangt der Anbieter 5 US-Dollar jährlich.

Dass Google Picasaweb nicht unbedingt als gewinnbringendes Geschäftsmodell betrachtet, sondern eher den Mehrwert in Verbindung mit anderen Diensten darin sieht, manifestiert sich unter anderem daran, dass es Bilder bis zu einer Kantenlänge von 2000 Pixeln nicht im Speichervolumen berücksichtigt. Allerdings setzt das eine Registrierung bei Google+ voraus.

Anders als Flickr zeigt Picasaweb die Bilder auf Wunsch in der Originalgröße an und ermöglicht deren Download. Das Herunterladen ganzer Alben gestattet die Weboberfläche zwar nicht, jedoch der korrespondierende Client Picasa.

Wie Flickr erlaubt auch Picasaweb das Verschlagworten und Verorten der Aufnahmen. Allerdings ordnet der Dienst die Bilder immer einem Album zu, das Tohuwabohu von Flickr findet damit nicht statt. Das Anlegen von Unterverzeichnissen gestattet das Portal aber nicht.

Als zusätzliches Feature besitzt Picasaweb eine automatische Gesichtserkennung: Bilder mit Personen darauf versieht es mit einem weiß umrandeten Viereck. Beim Darüberfahren mit dem Mauszeiger erscheint ein Eingabefeld, in dem Sie den Namen der betreffenden Person eingeben. Danach erscheint das benannte Profilbild in der rechten Seitenleiste der Weboberfläche.

Wie auch Flickr bietet Picasaweb die Möglichkeit, die eingestellten Bilder mit dem Online-Dienst Picnik [3] nachzubearbeiten. Dazu zählen alle wichtigen Bildparameter, wie Helligkeit, Kontrast, Farbbalance oder Ausschnitt.

Beim Teilen der Bilder bezieht sich Picasaweb in erster Linie auf den eigenen Dienst Buzz, den hauseigenen Blog sowie Twitter. Wurden die Bilder geolokalisiert, steht eine Uploadfunktion zu Panoramio bereit. Darin eingestellte Aufnahmen erscheinen öffentlich in Google Maps und Google Earth.

Deutlich nachvollziehbarer als Flickr gestaltet Google die Freigabe der Alben: Hier wählen Sie zwischen Öffentlich im Web, Eingeschränkt, jeder mit dem Link und Nur Sie.

Digikam

Ein mächtiges Tool zur Kommunikation mit Webalben verschiedener Anbieter stellt Digikam [4] mit seinen Kipi-Plugins. Über den Menüpunkt Importieren gelangen Sie zum Importmodul, das es erlaubt, Fotos und Alben unter anderem von Facebook und Picasaweb auf Ihren Rechner herunterzuladen. Allerdings gilt es dabei zu beachten, dass Digikam die Aufnahmen ohne Nachfrage auf eine Kantenlänge von 1600 Pixeln verkleinert – vor allem bei Panorama-Aufnahmen ein echtes Ärgernis.

Für Flickr steht diese Importfunktion nicht zur Verfügung – dafür jedoch ein Exportmodul, welches Sie unter Exportieren | Auf Flickr exportieren… erreichen. Ein Klick darauf öffnet den Dialog, der neben den zum Upload vorgesehenen Bildern auch die Exportparameter enthält (Abbildung 2). Dazu zählt das gewünschte Album, zusätzliche Schlagwörter sowie Bildgröße und Qualität. Darüber hinaus legen Sie darin fest, wer das Bild sehen darf. Ärgerlich: das Modul erkennt nicht, ob ein Bild schon einmal hochgeladen wurde oder nicht. Entsprechend kann es passieren, dass Sie ein Bild mehrmals auf den Webdienst laden, ohne das zu merken.

Abbildung 2: Die Kipi-Upload-Modul für den Flickr-Export bietet via Digikam eine bequeme Möglichkeit, Bilder in das Webalbum zu laden.

Abbildung 2: Die Kipi-Upload-Modul für den Flickr-Export bietet via Digikam eine bequeme Möglichkeit, Bilder in das Webalbum zu laden.

Ein Kipi-Plugin mit ähnlichen Funktionen stellt Digikam auch für Picasaweb bereit. Als Zugriffseinschränkungen gelten die des gewählten Upload-Albums. Erstellen Sie ein neues Album für die Bilder, legen Sie die Berechtigungen im Konfigurationsdialog fest.

Eine weitergehende Bildverwaltung der gehosteten Bilder, etwa das Löschen oder Verschieben in andere Ordner, erlaubt keines der Ex- oder Importmodule.

Picasa

Nur auf den Gebrauch für Picasaweb zugeschnitten ist das Tool Picasa [5], dessen Linux-Variante Google lediglich als Wine-Emulation ausliefert. Zwar beeinträchtigt dieser Umstand nicht die Stabilität, allerdings funktionieren gegenüber der generischen Windows-Version einige Features nicht.

Um in Picasaweb gehostete Alben zu importieren klicken Sie im Menüeintrag File auf Import from Web Albums…. Nach der Authentifizierung erscheint die Liste aller gespeicherten Ordner, aus denen Sie auswählen, welche davon Sie herunterladen möchten (Abbildung 3). Beim Download ändert die Software weder die Größe noch die Auflösung der Bilder.

Abbildung 3: Picasas Downloadmodul erlaubt das Herunterladen einzelner oder aller Alben vom eigenen Picasaweb-Account.

Abbildung 3: Picasas Downloadmodul erlaubt das Herunterladen einzelner oder aller Alben vom eigenen Picasaweb-Account.

Zum Upload lokaler Alben oder Bilder stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten bereit. Um ein einzelnes Bild hochzuladen, klicken Sie darauf und danach auf das Icon Upload in der Leiste unten. Um mehrere Fotos zum Upload vorzumerken, halten Sie während des Markierens [Strg] gedrückt.

Möchten Sie ein ganzes Album veröffentlichen, klicken Sie auf den entsprechenden Eintrag links in der Übersicht und danach wie gehabt auf Upload. In allen Fällen öffnet sich ein Dialogfenster, in dem Sie neben dem Zielverzeichnis die Bildgröße und Sichtbarkeit festlegen. Möchten Sie beispielsweise offline bearbeitete Bilder lediglich online aktualisieren, klicken Sie auf Upgrade.

Andere Tools

Speziell für Flickr stehen noch eine Reihe weiterer Programme bereit, die ein komfortableres Verwalten der Bilder versprechen.

Ein aussichtsreicher Kandidat war der auf Adobe Air basierende Bulkr [6]. Laut den Projektangaben stellt er eine ansprechende grafische Oberfläche bereit, die den Zugriff auf den Online-Dienst ermöglicht und viele Funktionen enthält. Dazu zählen das problemlose Herunterladen eigener und fremder Alben sowie das nachträgliche Verschlagworten der Aufnahmen. Im Test verweigerte das Tool jedoch seinen Dienst. Während Ubuntu den Installationsversuch als gescheitert abbrach, startete die Software unter OpenSuse zwar, ließ jedoch keinerlei Interaktionen zu. Jeglichen Klick auf Bedienknöpfe ignorierte sie. Zudem hat Adobe Mitte Juni 2011 den Linux-Support für Air komplett abgekündigt, sodass entsprechende Tools ohnehin keinen tragfähigen Ansatz mehr darstellen.

Interessant klingt der Ansatz von Flickrfs [7], den Onlinedienst via Fuse in den Verzeichnisbaum einzubinden. Ein Blick auf die Projektseite lässt jedoch nichts Gutes erahnen: Die letzte Aktualisierung der Software liegt mehrere Jahre zurück. Der Versuch, das Tool zu nutzen, scheiterte unter OpenSuse an ungeklärten Zugriffsberechtigungen, die jeglichen Zugriff auf den Mountpoint verwehrten. Unter Ubuntu lud das Tool jeweils nur fünf Bilder eines jeden Albums herunter. Die korrespondierenden Metadaten, wie sie die Projektseite verspricht, fehlten komplett.

Zuverlässiger arbeitet da das Programm Kflickr [8]. Es bietet etwa den gleichen Funktionsumfang wie das Flickr-Kipi-Plugin von Digikam, erlaubt darüber hinaus jedoch das komfortable Verwalten mehrerer Accounts sowie das Festlegen der Lizenzbestimmungen bereits beim Upload (Abbildung 4). Auch dieses Tool eignet sich lediglich zum Hochladen von Bildern, nicht jedoch zum Download oder der nachträglichen Verwaltung.

Abbildung 4: Kflickr erlaubt den bequemen Upload von Bildern zum Online-Dienst Flickr. Ein Verwalten oder Herunterladen der Aufnahmen ermöglicht es aber ebensowenig wie die anderen Kandidaten.

Abbildung 4: Kflickr erlaubt den bequemen Upload von Bildern zum Online-Dienst Flickr. Ein Verwalten oder Herunterladen der Aufnahmen ermöglicht es aber ebensowenig wie die anderen Kandidaten.

Fazit

Während Flickr eher den Community-Gedanken aufgreift, dient Picasaweb bislang eher als klassisches Webalbum, wenngleich Google mit der Anbindung an Google+ mittelfristig mit dem Dienst andere Pläne verfolgt. Was bei Flickr auffällt, ist dessen unnötig komplizierte Benutzerführung, die vor allem Einsteigern das Leben schwer macht.

Zusammen mit Google+ hebt Picasaweb praktisch alle Einschränkungen der kostenfreien Variante auf und erlaubt den Upload beliebig vieler Bilder bis zu einer Kantenlänge von 2000 Pixeln. Flickr schränkt hier auf 200 angezeigte Fotos mit einer größtmöglichen Darstellung von 1024 Pixeln an der langen Bildkante ein.

Von den getesteten Programmen geht eine klare Empfehlung an Digikam – allerdings mit der Einschränkung, dass es Bilder beim Import von Picasaweb automatisch auf eine maximale Kantenlänge von 1600 Pixeln verkleinert. 

LinuxUser 09/2011 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben