Linux und Geocaching

Aus LinuxUser 05/2010

Linux und Geocaching

© Ilco, sxc.hu

Digitale Schnitzeljagd

Geocaching zieht als Hobby immer mehr Mensch in seinen Bann. Für Linux gibt es mittlerweile eine kleine, aber feine Auswahl an Programmen dazu.

Geocaching wird häufig als moderne Form der Schnitzeljagd beschrieben. Im Mai 2000 veröffentlichte der US-Amerikaner Dave Ulmer in der Mailingliste sci.geo.satellite-nav den ersten Geocache. In seinem Posting [1] beschreibt er die recht einfache Grundidee: Mithilfe eines GPS-Empfängers begibt sich der Geocacher an einen Ort, dessen Koordinaten er sich aus dem Internet besorgt hat. Dort angekommen, sucht er einen an dieser Stelle versteckten Behälter, in dem sich mindestens ein Logbuch befindet. Dort vermerkt der Geocacher den Fund mit Datum und Namen.

Der von Dave Ulmer versteckte “Schatz” – so bezeichnet man den Behälter meist – wurde binnen 24 Stunden zum ersten Mal gefunden, weitere Verstecke folgten. Die erste Website mit einer Sammlung von Koordinaten, an denen man Geocaches suchen konnte, ging kurz darauf online. Eine Kopie dieser Plattform existiert noch unter [2]. Aus diesen Anfängen hat sich eine große Fangemeinde entwickelt.

Moderne Varianten

Obwohl das Grundprinzip erhalten blieb, haben sich einige Varianten herausgebildet. So unterscheidet man mittlerweile zwischen zehn verschiedenen Cache-Arten. Sie reichen vom einfachen Traditional, wo man den versteckten Behälter an dem per Koordinaten festgelegten Ort findet, über den Multicache, bei denen man ausgehend von einer Startposition verschiedene Stationen anlaufen muss, um schließlich das finale Versteck zu finden, bis hin zum Mystery: Hier gilt es bereits vorab ein Rätsel zu lösen, um überhaupt erst einmal an die GPS-Daten zu gelangen.

Auch die Größe des zu suchenden Gegenstandes variiert. So gibt es beispielsweise Nanos, meist so groß wie ein Schraubenkopf, oder Mikros – traditionell eine Filmdose. Einen besonderer Reiz des Geocachens stellt es dar, die Verstecke möglichst ungesehen von den anderen Passanten – in Cacher-Kreisen auch Muggels genannt – zu finden und auch wieder zu verstecken. Zur Zeit existieren weltweit rund 1 Million Geocaches, davon allein 122?000 in Deutschland.

Die wichtigsten Anlaufstellen, um an die Koordinaten der Verstecke zu kommen, bilden Websites wie Geocaching.com, Navicache.com oder die deutschsprachige Seite Opencaching.de. Bei den beiden erstgenannten Plattformen benötigen Sie eine kostenfreie Registrierung, um an die Daten zu gelangen, bei Opencaching.de ist der Zugang zu Koordinaten nicht an eine Anmeldung gebunden. Alle drei Websites stellen neben den Koordinaten auch Beschreibungen (“Listings”) der Geocaches zur Verfügung.

Einstieg ins Geocaching

Für den Einstieg genügt ein Computer mit Internetanschluss. Über die veröffentlichten Koordinaten und verschiedene digitale Onlinekarten wie etwa Google Maps oder Openstreetmap lassen sich die ersten Geocaches finden. Auch der Autor selbst hat so seine ersten Funde loggen können. Allerdings stößt man mit dieser Methode schnell an Grenzen.

Komfortabler gestaltet sich die digitale Schnitzeljagd mit einem GPS-Empfänger, kurz GPSr. Unter einem breiten Angebot an Geräten und Herstellern haben zwei Produzenten bei der Gemeinschaft der Hobbyschatzjägern die Nase vorn: Garmin [3] und Magellan [4] (siehe auch Kasten “GPS-Receiver und Linux”). Die beiden Anbieter liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, ihre Geräte immer besser an die Bedürfnisse der Geocacher anzupassen. So findet man bei diesen GPS-Receivern beispielsweise schon voreingestellte Geocaching-Profile (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die GPS-Empfänger der Garmin-Oregon-Serie bieten bereits ein voreingestelltes Geocaching-Profil an.

Abbildung 1: Die GPS-Empfänger der Garmin-Oregon-Serie bieten bereits ein voreingestelltes Geocaching-Profil an.

Hat man erst einmal die passende Ausrüstung beschafft und damit die ersten Caches aufgespürt, dann wächst schnell wächst der Wunsch nach einer Software, die sowohl beim Verwalten der Caches in einer Datenbank hilft, als auch bei der Routenplanung und dem Erstellen von Statistiken über die eigenen Funde. Der wichtigste Anspruch an ein solches Programm: Es muss die von den bereits vorgestellten Geocaching-Websites bereitgestellten Daten übernehmen und verwalten können.

GPS-Receiver und Linux

Für die Besitzer von Magellan-Geräten geht beim Thema Firmware-Update kein Weg an Windows oder einem Windows-Emulator vorbei. Anders verhält es sich bei Garmin: Der Hersteller bietet auf seiner Internetseite die jeweils aktuellste Software-Version zum Download an. Diese laden Sie herunter, benennen sie gegebenenfalls in gupdate.gcd um und kopieren Sie auf den Empfänger in das Verzeichnis /GARMIN. Anschließend trennen Sie den GPSr vom Rechner und starten ihn neu – alles Weitere läuft automatisch.

Naturgemäß sind die GPSr-Hersteller darauf bedacht, ihre eigenen Kartenwerke zu verkaufen. Möchten Sie lieber auf freie Karten zurückgreifen, dann finden Sie beim Openstreetmap-Projekt [11] eine reiche Auswahl. Einen deutlichen Vorteil der Daten von Openstreetmap stellt die Tagesaktualität dar: Täglich verarbeitet der Server die von den Nutzern zur Verfügung gestellten Informationen. Demgegenüber steht als Nachteil die oft noch lückenhafte Darstellung von Gebieten außerhalb von Ballungsräumen.

Besitzer von Garmin-Geräten können direkt auf das freie Kartenmaterial zugreifen, schwieriger gestaltet es sich für Nutzer von Magellan-Devices. Sie benötigen das unter GPL veröffentlichte Werkzeug Pymag [12], um die freien Landkarten in ein für ihr Gerät nutzbares Format zu konvertieren.

Geocaching-Software

Das am weitesten verbreitete Programm für diesen Zweck nennt sich GSAK – das Kürzel steht gänzlich unbescheiden für “Geocaching Swiss Army Knife” [5]. Die proprietäre Windows-Software steht zum freien Download bereit, blendet aber nach 21 Tagen Nutzung einen Hinweis auf die kostenpflichtige Registrierung ein. GSAK fügt sich ohne größere Probleme unter Linux in eine Wine-Umgebung ein. Ein sehr gutes Howto zu dem Programm findet sich unter [6]. Zu den größten Vorteilen von GSAK zählt sein modularer Aufbau: Über Makros lässt sich der Funktionsumfang den eigenen Bedürfnissen anpassen und bei Bedarf erweitern.

Wer lieber auf freie Software zurück greifen möchte, der findet in Cachewolf [7] eine gute Alternative (Abbildung 2). Das unter GPL veröffentlichte Programm steht in verschiedenen Versionen zum Download angeboten, darunter auch in einer speziell für Linux gedachten Java-Fassung. Sie benötigt keine Installation und startet damit auch von USB-Sticks oder Speicherkarten. Auf diese Weise verwalten Sie die Daten auf den verschiedensten Arbeitsplätzen – ein unschlagbarer Vorteil, wenn Sie beispielsweise mit einem Laptop und einem Desktoprechner arbeiten möchten. Auch verschiedene Betriebssysteme stellen für das Java-Programm kein großes Problem dar, einzig die Frage nach dem Datenverzeichnis müssen Sie nach einem Arbeitsplatzwechsel neu beantworten. Modifikationen verwaltet Cachewolf über sogenannte Templates: Damit passen Sie etwa die Exportfunktion den eigenen Bedürfnissen an.

Abbildung 2: Cachewolf bietet eine recht übersichtliche Oberfläche zum Verwalten von Geocaching-Informationen.

Abbildung 2: Cachewolf bietet eine recht übersichtliche Oberfläche zum Verwalten von Geocaching-Informationen.

Daten übertragen

Als eierlegende Wollmilchsau unter den Programmen zum Bearbeiten, Konvertieren und Übertragen der einzelnen Geocaching-Formate zwischen Servern im Internet und dem GPSr dient eine Software mit dem passenden Namen GPSBabel [8]. Sie findet sich auch in den Repositories aller großen Distributionen. Als Austauschformat für Geodaten hat sich das auf XML basierende GPX bewährt. Daher bieten auch die Geocaching-Websites ihre Cache-Listings in Form von GPX-Dateien an.

Als besonderen Dienst offeriert Geocaching.com das Versenden von sogenannter Pocket Querys, kurz: PQs. Dabei handelt es sich um GPX-Dateien, die bis zu 500 Cache-Beschreibungen enthalten können. Der Anfragende definiert dazu ein geografisches Zentrum und einen gewissen Radius rundherum sowie eventuell noch einen Zeitraum, in dem die Caches versteckt wurden. Aus diesen Angaben generiert der Server dann die PQ.

Die Anzahl der Caches in einer PQ ist auf 500 limitiert. Möchte man also sehr viele in einem größeren Gebiet versteckte Caches über Pocket Querys bekommen, empfiehlt es sich, mehrere Anfragen über verschiedene Zeitfenster zu definieren. Eine solche Anfrage liefert dann mehrere Dateien im GPX-Format. Um nun beispielsweise aus vier Dateien eine zu machen, kommt GPSBabel zum Einsatz: Über die Konsole fassen Sie mit dem Befehl

$ gpsbabel -i gpx -f datei1.gpx datei2.gpx datei3.gpx datei4.gpx -o gpx -F Ort.gpx<C>

die einzelnen Datensätze zu einer Datei zusammen. Diese übertragen Sie dann anschließend mittels des Kommandos

$ gpsbabel -i gpx -f Ort.gpx -o Gerätehersteller -F /dev/tts1

an den GPS-Receiver. Die Wahl des Device-Namens (hier: /dev/tts1) hängt dabei davon ab, an welchen Port Sie den GPSr angeschlossen haben.

Verschiedene Internetseiten bieten an, sich über einen Schalter Send to GPS die Daten des aktuell ausgewählten Caches auf den Empfänger zu laden. Das funktioniert jedoch nur mithilfe gerätespezifischer Erweiterungen, welche die Hersteller nur für Windows bereit stellen. Abhilfe schafft das Firefox-Plugin Send2GPS [9], das seinerseits GPSBabel voraussetzt.

Formatfragen

Laden Sie eine GPX-Datei auf den GPS-Receiver, so werden die Listings nach einem ganz bestimmten, jeweils plattformspezifischen Schema dargestellt. Es beginnt stets mit der Cache-Nummer, deren Format vom bereitstellenden Server abhängt: Die Nummern von Opencaching.de beginnt mit OC, die von Geocaching.com mit GC und so fort.

Einige GPSr begrenzen die Länge der dargestellten Namen auf eine bestimmte Anzahl von Zeichen. Hier bietet es sich an, Modifikationen an der Geodatei vorzunehmen. Klassischerweise zeigt der Receiver nur den Namen oder die Nummer des Geocaches an. In der Praxis hat es sich aber bewährt, diese Angaben noch um zusätzliche Informationen zu ergänzen, wie etwa die Cache-Art oder die Größe des Behälters. So können Sie bei größeren Touren unterwegs mit einem Blick erkennen, ob Sie den Cache angehen möchten oder nicht.

Die entsprechenden Modifikationen an GPX-Dateien müssen Sie nicht mühsam im Editor vornehmen: Greifen Sie stattdessen zu den GPX-Tools [10]. Diese der GPL unterstehende Werkzeugsammlung stellt eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, um automatisiert Eingriffe an GPX-Dateien vorzunehmen. Insbesondere mit Gpxrewrite haben Sie ein mächtiges Werkzeug an der Hand, um die Daten Ihren Bedürfnissen anzupassen. Sie starten das Kommandozeilentool über einen Aufruf der Form

$ gpxrewrite settingfile.ini Eingabe.gpx Ausgabe.gpx

Über die Datei settingfile.ini nehmen Sie die gewünschten Modifikationen vor. Ein Beispiel für eine solche Datei zeigt Listing 1. Sie wandelt beispielsweise das wenig informative GC1JF79 Data Vice ein aufschlussreicheres US[4|1.5] Data Vice um. Zur Erklärung: Bei der Cache-Art handelt es sich um einen Rätselcache (“Unknown”, U). Die Größe des Behälters ist als Small (S) definiert. Die Schwierigkeit entspricht der Stufe 4, das Gelände dem Hindernisgrad 1.5.

Listing 1

# settingfile.ini (Beispiel)
# Definition der Zeichen für
# die Variable %C (Cache-Art)
Benchmark_Prefix=X
CITO_Event_Prefix=C
Earthcache_Prefix=G
Event_Prefix=E
Letterbox_Hybrid_Prefix=B
Locationless_Prefix=L
Mega_Prefix=E
Multi_Prefix=Mu
Project_APE_Prefix=A
Traditional_Prefix=Tr
Unknown_Prefix=U
Virtual_Prefix=V
Webcam_Prefix=W
# Desc_Format gibt Cache-Art,
# Cache-Größe, Schwierigkeit,
# Geländebewertung und den
# Cache-Namen an
Desc_Format=%C%s[%D|%T] %N

Abbildung 3 zeigt die Darstellung einer modifizierten GPX-Datei auf einem GPS-Empfänger. Begrenzt das verwendete Gerät die Anzahl der dargestellten Zeichen, so bietet es sich an, den Umbau der Geodaten auf die Cachenummer, die Cacheart und die Behältergröße zu minimieren. In der settingfile.ini definieren Sie dazu etwa Desc_Format=%C%s%i. Im obigen Beispiel wird dann aus GC1JF79 ein US1JF79.

Abbildung 3: So sieht eine modifizierte GPX-Datei auf einem Garmin-Oregon-Receiver aus.

Abbildung 3: So sieht eine modifizierte GPX-Datei auf einem Garmin-Oregon-Receiver aus.

Fazit

Die moderne Art der Schnitzeljagd stellt den Linux-Anwender vor einige Hürden, da sich die meisten GPS-Hersteller und auch die Betreiber von einschlägigen Webseiten fast ausschließlich an Windows orientieren. Mit ein wenig Kenntnissen und den richtigen Programmen, steht auch dem Abenteuer Geocaching aber auch mit Linux nichts im Weg. 

Der Autor

Sebastian David ist hauptberuflich für die Entwicklung von Gewürzen zuständig. In seiner Freizeit verbringt er viel Zeit mit seinen Kindern beim Geocaching in der freien Natur.

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