Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Über einen Abschied zu schreiben, fällt schwer – schwerer als der Abschied selbst sein kann. Ich habe zwölf Jahre lang mit Linux gearbeitet, es gehasst – und geliebt. Gehasst, weil vieles so anders war als bei Windows. Geliebt, weil es wirklich ein Super-Betriebssystem war. Aber eben “war” …
Meine erste Linux-Distribution war Suse 4.4.2, und für mich als Windows-Umsteiger war so vieles anders und neu. Wie viele Stunden, Tage, Monate habe ich vor meinem PC gesessen, weil dies oder jenes nicht funktionierte. Und immer wieder habe ich dazu gelernt, probiert, gegoogelt. Und habe mir geschworen: Nie wieder Windows! Auf Suse folgten viele andere Distributionen – Slackware, Debian, Mandriva, CentOS, Linux Mint, Ubuntu oder auch Elive, um nur einige zu nennen.
Doch fast jede Distribution wurde mit der Zeit immer Windows-ähnlicher: Ob es nun das kastenförmige Startmenü unter KDE 4 ist, das mich an Windows erinnert, oder einfach nur die Tatsache, das man heute schon sehr viele Windows-Programme unter Linux auszuführen kann – ich werde den Eindruck nicht los, das sich Linux mehr und mehr an Windows annähert. Ein gutes Beispiel dafür sind Toorox [1], dessen Desktop mich doch sehr stark an den von Windows Vista erinnert, wenn auch die Plasmoids nicht so exakt am Bildschirmrand angeordnet sind, oder Logene [2], bei dem der Linux-Kernel kompatibel zu Treibern und Anwendungen von Windows gemacht werden soll. Wie heißt das neue System dann – vielleicht “Winux”?
Man fragt sich, was die Entwickler mit so etwas bezwecken. Schließlich sollte man nicht vergessen, dass auch Viren, Würmer und Trojaner “Windows-Anwendungen” sind. Ich warte eigentlich nur noch auf den Tag, an dem sich Linux mit einem Bluescreen verabschiedet. Wozu noch Sicherheit – Hauptsache bunt und kompatibel …
Dabei meine ich jedoch nicht nur grafische Effekte oder Spielereien á la Compiz. Ganz im Gegenteil: Manche Effekte unter Compiz finde ich vorteilhaft – die jedoch haben für mich eher einen Bezug zu Mac OS X. Weshalb man allerdings als Bildschirmschoner einen 3D-Würfel oder eine rotierende Kugel benötigt, die Ressourcen fressen, ist mir ein Rätsel. Schön anzusehen, aber eben Spielerei.
Als ernsthaftes Betriebssystem sollte Linux auf solche oder andere Methoden verzichten, die nur darauf abzielen, Windows-User zum Umstieg zu bewegen. Das hat Linux nicht nötig: Es ist sicher und läuft stabil, und vieles kann man heute auch unter Linux erledigen, dazu braucht es kein Windows. Wer absolut nicht auf Microsofts Betriebssystem verzichten kann, kann ja zur Parallelinstallation greifen: Festplatten sind heute sehr preiswert, und Grub bootet ja auch Windows. Als Alternative gibt es Virtualisierungssoftware ein. Einen Linux-Windows-Mix braucht da kein Mensch. Merkwürdigerweise hat offenbar kaum jemand Interesse daran, Mac-OS-X-Programme unter Linux laufen zu lassen – oder habe ich da etwas verpasst?
Ich mag an dieser Stelle kein Votum für dieses oder jenes Betriebssystem abgeben. Ich finde jedoch, dass sich Linux inzwischen zu sehr an Windows angenähert hat. Deswegen wechsle ich jetzt zu Mac OS X, auch wenn hier bei weitem nicht alles Gold ist, was glänzt. Besonders ein typisches Linux-Feature wird mir hier wohl sehr fehlen: das System nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu kompilieren.
Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt – und wer weiß, vielleicht gibt es in nicht allzu ferner Zukunft wieder ein Linux, das mich so begeistert wie seinerzeit Suse 4.4.2.
Beste Grüße,
Jörg Scheuplein
Ex-Linux-User





Mit Erschrecken habe ich diesen Kommentar gelesen und kann ihm zustimmen. Wenn ich heute nach 14 Jahren Linux Nutzung mich umsehe, benutze ich lieber OS X und schau aus der Ferne auf die Entwicklung im Linux-Bereich. Doch muss ich dabei zugeben, dass ich heute den Computer lieber benutzen und weniger Zeit zum Spielen / Compilieren von Linux Programmen aufbringen will. Da ändern sich die Prioritäten. Es wird immer ein Anreiz bleiben, gute Elemente von allen Betriebssystemen in Linux und damit auch in Benutzeroberflächen aufzunehmen. Die Kreativität der Community wird weiterhin neue Dinge selber entwickeln und nicht nur nachempfinden – davon… Mehr »
Wenigstens einer, der mich versteht.
Mich wundert, dass du trotz der großen Auswahl an ausprobierten Distributionen zu dem Schluss kommst, dass Linux Windows ähnlicher wird. Bei KDE4 findet man sicherlich den einen oder anderen Punkt und auch ich rage mich, warum Menues auf einmal dunkelgrau sein müssen. Aber: Bei Linux hat jeder die Wahl. Muss es den KDE4 sein? Ich selber habe mich – statt von KDE3 auf KDE4 zu wechseln – für GNOME entschieden und da sehe ich keine Ähnlichkeit zu Windows. Und es gibt haufenweise Alternativen: KDE4, GNOME, FLuxbox, LXDE, Enlightment, Ratpoison (für Leute, die keine Maus an ihrem Rechner mögen) und so… Mehr »
Deine Antwort gefällt mir.
…und die Karawane zieht weiter…
Mal sehen, wie lange OSX und seine bunten Icons und die Apple typische Bevormundung des Users Sie begeistern können, bis Sie festellen, dass das Problem nicht das BS ist, sondern Sie, der User. Ihre oberflächliche Begründung ohne Kernaussage und vorgeschobene UI Probleme lassen diesen Schluss zu. Sie begeistern sich für ein OS auf Grund des Oberfläche? Na dann gute Nacht.
Wenn Sie sich morgens nach durchzechter Nacht im Spiegel betrachten, halten sie sich dann anhand ihres Aussehens für einen schlechten Menschen? Natürlich ist bei Apple längst nicht alles Gold was glänzt, aber apple hat etwas, was Linux leider nicht (mehr) hat: es bleibt sich treu. Ich habe keine Ahnung, seit wann Sie Linux nutzen und warum, es spielt für mich auch keine Rolle, aber als ich damit anfing, da war Linux Linux. Da hat man sich mehr benutzerfreundlichkeit gewünscht … aber nicht a la Windows. Ich brauch auch keine Möglichkeit, mein System an Windows-Idealvorgaben anzupassen. Wozu? Da kann ich doch… Mehr »
Tut mir leid aber ich kann den Kommentar überhaupt nicht nachvollziehen. Mir kommt es so vor, als ob jemand der jetzt zu OS-X umgestiegen ist, und bisher Linux nutzte und sich schwor dabei zu bleiben, eine Rechtfertigung sucht das er jetzt doch Linux untreu wurde. Was sind das für Argument? Immer Windows ähnlicher, da jetzt Windowsprogramme unter Linux gestartet werden können. Hallo, das Wine-Projekt das schon 1993, also vor 24 Jahren!!! Wer zwingt dich mit Wine Windowsanwendungen zu starten? Nenn mir eine Distribution die als Standard, Windows-Programme installiert! Es mag zwar spezielle Distrubtionen für Windows-Umsteiger geben, die Windows nachahmen möchten,… Mehr »
Schade … Ich bin jemand, der klare Linien mag. Würdest du mit einem Flugzeug fliegen, von dem du weisst, das die Triebwerke original sind, der Rest aber Schrott ist? Es spricht absolut nichts dagegen, Windows-Programme zu nutzen, wenn man das braucht, aber wenn ich Linux nutze, dann meine ich mit nutzen richtig nutzen. Wozu braucht es unter linux ein ms office oder ein nero Brennprogramm? Wer das will, der kann sich, darauf habe ich hingewiesen, alternativ ein Windows installieren. Nenn doch mal eine Möglichkeit, unter Windows Linuxprogramme zu nutzen – ausser in einer Virtualisierungssoftware. Gibt es nicht. Weil Microsoft das… Mehr »
Wie ich schon in der Überschrift angedeutet habe, komme ich mit den gebrachten Argumenten – die gegen Linux sprechen sollen – nicht weiter…
Auf der einen Seite wird Linux negativ angelastet, sich immer mehr in Richtung Windows zu bewegen, aus diesem Grund steigt der Herr dann auf Mac OS X um (???), um dann doch Linux wegen der Anpassbarkeit nachzutrauern….
Hab ich das so korrekt verstanden?
Haben Sie leider nicht. Es geht mir nicht darum, auf Linux rumzuhacken, im Gegenteil, für mich ist Linux ein wirklich sehr gutes Betriebssystem. Hätten Sie meinen Artikel richtig gelesen, dann wüssten sie das, denn ohne Überzeugung hätte ich mich wohl kaum über etliche Jahre mit Linux beschäftigt. Es spricht ja im wesentlichen auch nichts gegen Linux – ausser der Tatsache, das man mit buntem Firlefanz und 27-millionen Möglichkeiten Windows-Anwendungen zu nutzen Windows-User zu “Tuxern” machen will. Erstens geht das schief und zweitens hat Linux das nicht nötig. Es ist ein sehr gutes, stabiles OS, für meinen Teil jedoch geht die… Mehr »
Hallo an die Leser, ich bin erst spät an diese Reihe gekommen, obwohl ich den Heftbeitrag schon eher gelesen hatte. Ich fasse den Gastbeitrag mehrseitig- und nicht nur negativ- auf: Zum einen kann man leicht über Linux meckern, wenn man “WIN- verwöhnt” mal an Linux gescheitert ist. Nicht von der Hand zu weisen ist, daß WIN die EDV- Entwicklung immer noch “jagt”; ohne die fast krankhafte Versionitis von MS wären sicher auch die Entwickler anderer BS in sanften Schlummer verfallen (siehe UNIX, was weit älter als jedes WIN ist, aber durchaus immer bei weitem noch nicht nutzerfreundlich ist!). Die Anwender-… Mehr »
Erstens muss ich Sie enttäuschen: ich nutze tatsächlich OS X, bin also wirklich “umgestiegen”.
Ansonsten denke ich, liegen Sie mit Ihrer Meinung gar nicht so verkehrt …
Heute, nach einer Reihe von Jahren, möchte ich mich mal wieder zu Wort melden. Ich, das ist der mit dem -zugegebener Maßen- provozierenden Artikel über Linux. Und ich muss auch zugeben, das ich noch immer mit OS X arbeite – inzwischen auf einem Intel-Mac, also immerhin wieder die Möglichkeit habe, mir ein Linux zu installieren. Allein, der Wunsch besteht noch nicht. Und natürlich fehlen mir immer noch einige Linux-Futures… so zum Beispiel die Möglichkeit, oracle 3g zum laufen zu bringen ohne das halbe Betriebssystem zu verbiegen. Aber .. Ich hab immer die – ich nenns mal Andersartigkeit – von Linux… Mehr »