Open-Document-Addin für Microsoft Office

Aus LinuxUser 11/2006

Open-Document-Addin für Microsoft Office

Lesehilfe

Mit dem ODF-Plugin öffnet Microsofts Office auch Dokumente im freien Open-Document-Format. Wie gut es das macht, zeigt ein Kurztest.

Kommen Sie bisweilen in die Verlegenheit, mit Microsofts Office zu arbeiten, kennen Sie vermutlich das Problem: Schon Office XP öffnet mit Office 2000 erstellte Dokumente nicht mehr richtig. Das Unternehmen hält bekanntermaßen nicht viel von Kontinuität im Hinblick auf die Office-Dokumentformate.

Bis dato war das eine äußerst ertragreiche Strategie: Wollte ein Unternehmen einen Rechner auf eine neue Office-Version umstellen, kam es meist nicht umhin, auf allen Rechnern auch das neue Office zu installieren. Im Geschäftsumfeld ist der Rattenschwanz dieses Problems noch länger: Möchten Unternehmen untereinander Dokumente austauschen, setzt das zwingend die gleiche Office-Version voraus.

Dass das nicht nur lästig, sondern auf die Dauer auch sehr teuer ist, erkannten in den letzten Monaten gleich mehrere öffentliche Stellen. In Belgien machte die Regierung den Anfang und auch viele US-Staaten, die zuvor treue Microsoft-Stammkunden waren – sogar das nicht gerade für seinen Willen zum Fortschritt bekannte Texas – erklärten kürzlich, dass sie künftig nurmehr Programme verwenden wollen, die offene Standardformate unterstützen.

Damit fuhren sie Microsoft frontal in die Parade, denn der Software-Riese aus Redmond hatte über Monate hinweg erklärt, er führe in Office 2007 mit OpenXML einen eigenen Dokumentenstandard ein, der auch offen liegen solle.

Open Document Format

Den Microsoft-Kritikern schwebte derweil ein anderes Format vor: Ein großes Konsortium von Softwareherstellern, dem zum Beispiel auch IBM angehört, unterstützt das Open-Document-Format (ODF). Dieses kommt bereits in OpenOffice als Standardformat bei neuen Dokumenten zum Einsatz. Kürzlich akzeptierte das Joint Technical Commitee es sogar als ISO-Standard. Davon ist Microsofts OpenXML noch weit entfernt.

Tatsächlich geschah, womit keiner gerechnet hatte: Microsoft gab im Anschluss an die Kritik der diversen Landesregierungen bekannt, dass es den ODF-Standard unterstütze. Zusammen mit dieser Meldung veröffentlichte die Firma ein ODF-Plugin für Office 2000, Office XP sowie Office 2007 zum öffentlichen Test.

Keine native ODF-Unterstützung

Dass Microsoft ein ODF-Plugin für Office 2007 veröffentlicht, bedeutet freilich, dass die bald erscheinende neue Office-Version das Format nicht nativ unterstützt. Überhaupt erweitert das Plugin Office nicht um echten ODF-Support, sondern um eine Routine, um unter der Haube OpenXML in ODF umzuwandeln und umgekehrt. Insofern bleibt das Standardformat von Office 2007 also OpenXML.

Das Plugin bekommen Sie auf [1]; Sie finden es ebenfalls auf der Heft-CD. Die Datei, die selbst sehr klein ist, genehmigt sich nach dem Ausführen allerdings erstmal einen nicht mehr ganz so kleinen Download von Teilen des .NET-Frameworks. Wie groß die geladenen Dateien wirklich sind, verschweigt das Installationsprogramm. Die Länge des Downloads erlaubt allerdings die Vermutung, dass das .NET-Framework entweder recht groß ist oder dass die Microsoft-Server sehr langsam sind.

Nach der Installation öffnen Sie ODF-Dokumente nicht etwa wie zu erwarten wäre – nämlich über den Dialog Datei | Dokument öffnen. Stattdessen findet sich im Menü Datei ein Eintrag namens Open ODF-Document. Für das Lokalisieren des Plugins hat sich in Redmond offenbar noch niemand gefunden.

Testparcours

Bereits beim ersten Testdokument kam es zum Fiasko. Denn ein in OpenOffice 2 erstelltes Dokument ließ sich zwar über den Menüpunkt Open ODF-Document öffnen, jedoch stellte Word anschließend ganz und gar nicht den eigentlichen Text dar, sondern einen auf 69 Seiten verteilten, wirren Zeichensalat.

Ein wenig Forschung brachte die Ursache dafür ans Tageslicht: Weil das ODF-Plugin intern lediglich das ODF-Format in OpenXML, Microsofts eigenes Standardformat, umwandelt, liefert es Word XP nach dem Konvertieren ein OpenXML-Dokument. Die ältere Office-Version weiß jedoch damit nichts anzufangen und zeigt stur den Binärinhalt der XML-Datei an.

Keine der aktuellen Office-Versionen, die noch auf vielen Rechnern in Betrieb sind, versteht natürlich OpenXML. In den Untiefen der Microsoft-Homepage fand sich nach viel Sucherei das “Office 2007 Format Compatibility Pack” [2], das älteren Office-Versionen OpenXML beibringt. Tatsächlich verschwand nach der Installation dieses Kompabilitätspakets sofort der Zeichensalat, Office XP zeigte den Inhalt des ODT-Dokuments fehlerfrei an.

Es bleibt unklar, wieso lediglich auf der Homepage des ODF-Plugins und dort auch nur auf einer Unterseite ein kleiner Hinweis auf jenes Paket zu finden ist. Genauso verwundert, dass die Installationsroutine des ODF-Plugins das fehlende Kompabilitätspaket nicht gleich nachinstalliert.

Abbildung 1: Ein Text mit Aufzählungen und Einrückungen in OpenOffice Writer dient als Testdokument für das ODF-Plugin.

Abbildung 1: Ein Text mit Aufzählungen und Einrückungen in OpenOffice Writer dient als Testdokument für das ODF-Plugin.

Abbildung 2: Mittels ODF-Plugin importiert Word 2003 den Testtext beinahe korrekt. Etwas Handarbeit war beim Zeilenumbruch erforderlich.

Abbildung 2: Mittels ODF-Plugin importiert Word 2003 den Testtext beinahe korrekt. Etwas Handarbeit war beim Zeilenumbruch erforderlich.

Weiter im Text

Das erste Dokument im Test bestand nur aus einem einzigen Satz. Das reicht natürlich nicht, um herauszufinden, ob das Umwandeln in der Tat zuverlässig funktioniert. Das nächste Dokument legte daher die Messlatte bereits ein Stück höher: Neben Lauftext mit diversen Formatierungen enthielt es auch Einrückungen (Abbildung 1).

Beim Öffnen des Dokuments mit Word zeigte sich, dass praktisch die gesamten Formate erhalten blieben; lediglich einen einzelnen Seitenumbruch hat das ODF-Plugin nicht korrekt umgewandelt, es war also Handarbeit angesagt (Abbildung 2). Unangenehm fiel auf, dass Word die von OpenOffice durchgeführte Silbentrennung über den Haufen warf. Die Bindestriche von OpenOffice entfernte es dabei allerdings nicht, so dass im Lauftext inmitten einiger Wörter plötzlich Bindestriche auftauchten.

Ein Problem, an dem das ODF-Plugin wenig Schuld trägt, ergibt sich beim Umwandeln von ODT-Dokumenten in jedem Fall: Nutzt das Ausgangsdokument eine Schriftart, die Windows nicht kennt (zum Beispiel Helvetica), so ersetzt es die vorgegebene Schriftart einfach durch die in Word als Standardschrift festgelegte, meist also Times New Roman oder Arial. Planen Sie, ODT-Dokumente in Word und OpenOffice zu nutzen, empfiehlt es sich insofern, auf den Systemen mit OpenOffice den im Netz verfügbaren Satz von Microsofts Standardschriften zuvor zu installieren.

Tabellen und Bilder

Die nächste Hürde für das ODF-Plugin bestand darin, Tabellen in einem vorhandenen ODT-Dokument ordnungsgemäß darzustellen. Des weiteren waren in einzelnen Tabellenzellen Bilder vorhanden, so dass die Schwierigkeit nochmal stieg. Auch bei diesem Dokument leistete sich der ODF-Umwandler kleinere Schwächen: So übernahm Word die Breite der Tabelle nicht genau und stellte Umbrüche innerhalb von Zellen falsch dar. Daher wirkte die Tabelle letztendlich nicht mehr so sauber formatiert.

Keine Probleme zeigten sich erfreulicherweise im Hinblick auf verschiedene Zeichensetzungen und Charset-Varianten. Egal, ob das Ausgangsdokument in OpenOffice mit Latin1- oder UTF8-Zeichensatz vorlag – die Umlaute und Sonderzeichen waren in Word stets korrekt.

In ODF abspeichern

Obgleich sich im Menü Datei ein Eintrag Save as ODF findet, war es nicht möglich, Dateien im ODT-Format abzuspeichern. Besagter Eintrag war stets deaktiviert. Ob es besonderer Maßnahmen oder Vorkehrungen bedarf, um Dateien in ODT abzuspeichern, war nicht ersichtlich.

De facto ist das eines der großen Probleme, mit denen das ODF-Plugin aktuell zu kämpfen hat. Außerdem findet sich praktisch keine Dokumentation. Lediglich auf der Projekthomepage stehen einige Testdokumente bereit, mit denen der Hersteller zeigt, dass ODF-Dokumente in Word und OpenOffice gleich aussehen.

Fazit

Das ODF-Plugin zeigt viele gute Ansätze, und für den privaten Bedarf dürfte es schon jetzt beinahe ausreichen. Für ein Firmenumfeld erscheint es aber noch nicht zuverlässig genug. Die Fehler, die im Test auffielen, wirken sich im professionellen Bereich mitunter gravierend aus, wenn darum geht, dass Dokumente auf allen beteiligten Rechnern exakt gleich aussehen.

Negativ fiel das Fehlen einer Funktion zum Abspeichern in ODF auf. Und dass das Plugin entweder das neue Office 2007 oder ein mit “BETA2 Preview” betiteltes Kompabilitätsframework voraussetzt, schreckt sicher auch den einen oder anderen ab.

Allerdings scheint ein Licht am Ende des Tunnels: Die Entwicklung des Plugins geht mit großen Schritten voran, allein innerhalb des letzten Monats gab es im öffentlich zugänglichen CVS-Verzeichnis eine Vielzahl von Verbesserungen. Man darf also gespannt sein, ob es bis zum Release von Office 2007 gelingt, zumindest die schwerwiegenden Probleme noch zu beseitigen.

Infos

[1] ODF-Plugin: http://odf-converter.sourceforge.net

[2] Office 2007 Format Compatibility Pack: http://www.microsoft.com/office/preview/beta/converter.mspx

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