Digitales TV per Satellit, Kabel und Antenne

Aus LinuxUser 02/2006

Digitales TV per Satellit, Kabel und Antenne

© photocase.com

Bilder aus der Ferne

Das digitale Zeitalter hat das Fernsehen erreicht: Statt Schlieren und Geisterbildern soll die Flimmerkiste künftig hochauflösende Bilder darstellen. Diese zu empfangen oder aufzunehmen, macht nicht nur am Linux-PC einige Schwierigkeiten.

Das digitale Fernsehen ist ungebrochen auf dem Vormarsch, egal ob Sie über Satellit, Kabel oder die Hausantenne empfangen. Während die Astra-Satellitengruppe bereits seit Jahren mehr digitale als analoge Fernseh- und Radiokanäle anbietet (DVB-S), kann man den Digitalempfang über die Hausantenne (DVB-T) noch nicht überall nutzen – der flächendeckende Ausbau läuft jedoch und soll spätestens 2010 abgeschlossen sein. Nur das Kabelfernsehen hinkt ein wenig hinterher, hier dominieren noch die analogen Fernsehkanäle – spätestens 2015 ist aber auch damit Schluss.

Das Digital Video Broadcasting (DVB) legt für alle drei Übertragungswege fest, dass das Bild als MPEG-2-Datenstrom übertragen wird. Allerdings unterscheidet sich die Qualität je nach Bandbreite des Mediums enorm. Da herkömmliche Fernseher mit einem MPEG-Datenstrom nichts anfangen können, benötigen Sie in jedem Fall für jeden Empfänger, ob Fernseher oder Videorekorder, einen entsprechenden Decoder respektive Receiver.

Himmlisches Fernsehvergnügen

Der Satellitenempfang ist derzeit an Vielfalt nicht zu überbieten, Sollten Ihnen die über tausend Digitalkanäle auf Astra nicht ausreichen, können Sie mit einem zweiten LNB problemlos benachbarte Satelliten anzapfen und somit weitere Programme hinzufügen. Die meisten deutschsprachigen und vor allem unverschlüsselten Sender (FTA, Free to Air) übertragen jedoch die Astra-Satelliten auf der geostationären Position 19,2 Grad Ost.

Dem Sat-Empfang sind jedoch enge Grenzen gesetzt: Wer in einem Mietshaus lediglich über einen West- oder Nordbalkon verfügt, hat keine Chance auf Sat-Empfang – die Satelliten stehen allesamt im Süden bis Südosten. Das Nachbarhaus in Südrichtung ist hingegen nicht immer ein Problem, sofern es weit genug entfernt ist: Die Schüssel muss in einem Winkel von etwa 35 Grad über den Horizont ausgerichtet werden. Wenn Sie zunächst abschätzen wollen, ob Sie überhaupt eine Chance auf Sat-Empfang haben, befestigen Sie einfach ein Geodreieck oder einen Stab im Winkel von 35 Grad an einer Wasserwage. Dann gehen Sie an den geplanten Aufstellungsort und peilen über den Stab oder das Dreieck in Richtung Süd-Südost – haben Sie einigermaßen freie Sicht, lohnt es sich, probehalber eine Schüssel auszuleihen, um den Empfang zu testen.

Viele Vermieter und Eigentümergemeinschaften verbieten jedoch, eine Schüssel fest am Haus zu installieren. Ist der Mieter oder Wohnungseigentümer kein Ausländer und verfügt das Haus über einen Kabelanschluss, lässt sich eine eigene Schüssel rechtlich praktisch nicht durchsetzen. Oft geht es jedoch nur um die Optik: Ein 90-Zentimeter-Spiegel ist nicht unbedingt eine Zierde für jedes Haus. Für diese Fälle bietet die Industrie passende Lösungen an. Abbildung 1 zeigt eine Auswahl von Spezialspiegeln, die sich leicht in die örtliche Umgebung einfügen lassen und aufgrund der Größe und ihrer Form kaum oder gar nicht auffallen.

Abbildung 1: Satellitenschüsseln müssen nicht immer auffallen: Der Digiglobe rechts vorne sieht im geschlossenen Zustand wie eine Gartenlampe aus, die noch dazu beleuchtet werden kann, der Digicube unten wird mit einem Plastikdeckel verschlossen, den Sie auch bemalen können.

Abbildung 1: Satellitenschüsseln müssen nicht immer auffallen: Der Digiglobe rechts vorne sieht im geschlossenen Zustand wie eine Gartenlampe aus, die noch dazu beleuchtet werden kann, der Digicube unten wird mit einem Plastikdeckel verschlossen, den Sie auch bemalen können.

Spezialantennen

Der Digiglobe für rund 200 Euro bei [1] etwa hat die Form und das Aussehen einer Gartenlampe, der Durchmesser des Lampenschirms beträgt knapp 50 Zentimeter. Ein Blick ins Innere der Lampe in Abbildung 1 rechts vorne zeigt die Cassegrain-Antenne mit dem Feed-Horn in der Mitte. Auf der Rückseite sitzen der LNB und eine Lampenfassung, in die Sie eine Energiesparlampe einsetzen können. Die Empfangsleistung des Digiglobe entspricht etwa der einer 60-cm-Offset-Schüssel.

Der Digicube von [1] kostet ebenfalls rund 200 Euro, hat eine Kantenlänge von 50 Zentimetern und enthält einen kleinen, herkömmlich aufgebauten Spiegel. Wie üblich sitzt der LNB für den Empfang vor dem Spiegel. Sie können den Digiglobe sogar bis zu 15 Zentimeter tief im Garten eingraben, da der Satellit sehr hoch über dem Horizont steht. Mit einer passenden “Tarnbemalung” versehen, verschwindet der Digicube optisch zwischen den Büschen oder vor einem Blumenbeet, so dass sich niemand über eine Verschandelung der Fassade beschweren kann.

Für besonders hartnäckige Fälle gibt es transparente Spiegel von Thomson [2], die jedoch wie herkömmliche Schüsseln einen Ausleger für den LNB benötigen. Sie bestehen aus einem transparenten Kunststoff, der mit einem feinen Drahtgeflecht durchzogen ist – aus wenigen Metern Entfernung ist der Reflektor nicht mehr auszumachen. Problematisch ist jedoch die Anbringung am Gebäude: Wie bei einer herkömmlichen Satellitenschüssel auch ist der transparente Spiegel für die Montage an einem Wandhalter oder Antennenmast ausgelegt. Als Mieter oder Wohnungseigentümer dürfen Sie jedoch die Bausubstanz nicht ungefragt beschädigen, zudem ist die feste Installation einer Satellitenschüssel erlaubnispflichtig.

Die Lösung ist eine mobile Montage, etwa indem Sie die Wandhalterung oder den Masten nicht am Haus, sondern an einem Betonklotz oder Randstein aus dem nächsten Baumarkt befestigen. Abbildung 2 zeigt die vom Autor gewählte Lösung mit einem L-förmigen Randstein, der über 35 Kilo wiegt. Alternativ können Sie auch einen Alu-Standfuß (etwa: Best.-Nr. 258598 von Conrad-Elektronik) verwenden, dem Sie mit ein oder zwei Beton- oder Steinplatten zusätzliches Gewicht verleihen. Bei der Montage auf dem Balkon, wie in Abbildung 2 gezeigt, ist es nicht einmal nötig, die Schüssel über der Brüstung zu montieren: Da der Satellit rund 35 Grad über dem Horizont steht, genügt ein Abstand von etwas mehr als einem Meter zur Balkonbrüstung für den ungestörten Empfang.

Abbildung 2: Die Schüssel ist lediglich mit dem Betonblock verschraubt und stellt damit keine ortsfeste, sondern eine mobile und damit genehmigungsfreie Empfangsanlage dar. Durch die Montage unterhalb der Balkonbrüstung ist nicht einmal die Optik der Gebäudefront beeinträchtigt.

Abbildung 2: Die Schüssel ist lediglich mit dem Betonblock verschraubt und stellt damit keine ortsfeste, sondern eine mobile und damit genehmigungsfreie Empfangsanlage dar. Durch die Montage unterhalb der Balkonbrüstung ist nicht einmal die Optik der Gebäudefront beeinträchtigt.

Multischalter

Damit Sie für die Kabel von der Schüssel zum Receiver keine Löcher in Wände oder Fensterrahmen bohren müssen, sollten Sie flache Fensterdurchführungen aus dem Zubehörmarkt verwenden. Diese kosten nur wenige Euro und werden einfach zwischen Fenster und Rahmen geklemmt. So lange Sie lediglich einen Receiver oder eine PC-Empfangskarte verwenden wollen, genügt es, wenn Sie ein Kabel in die Wohnung verlegen – bei mehreren Empfängern sollten Sie die Verkabelung jedoch genau planen, denn im Gegensatz zu Kabelfernsehen oder herkömmlichem Antennenempfang können Sie das Satellitensignal nicht einfach verteilen.

Das liegt daran, dass der Satellit die gleiche Frequenz für verschiedene Sender verwendet – lediglich die Polarisationsebene der Sendeantenne ist um 90 Grad gegenüber der anderen verdreht. So können Sie auf der gleichen Frequenz manche Programme nur auf der horizontalen Ebene empfangen, während ein anderer Sender die vertikale Ebene benutzt. Auf diese Weise lassen sich Frequenzen doppelt nutzen und somit mehr Kanäle in der gleichen Bandbreite aussenden.

Die Polarisationsumschaltung zwischen horizontalem und vertikalem Empfang steuert der Receiver über die Versorgungsspannung: Erhält der LNB an der Schüssel 14 Volt, schaltet er auf die vertikale Polarisation um, bei 18 Volt auf die horizontale. Zusätzlich besorgt der LNB die Umsetzung auf die Zwischenfrequenz: Der Satellit sendet auf Frequenzen zwischen 10 und 12 GHz, der LNB transformiert diesen Bereich auf Frequenzen zwischen 950 bis 2150 MHz. Da die Signalverluste in Kabeln mit steigender Frequenz stark zunimmt, erlaubt die niedrigere Zwischenfrequenz längere Kabelwege bis zum Receiver.

Vier Zwischenfrequenzen

Mit der Einführung des digitalem Fernsehens wurde jedoch auch der Frequenzbereich der Satelliten erweitert. Um abwärtskompatibel zu alten analogen Anlagen zu bleiben, wurde das bisherige Frequenzband als “Low Band” bezeichnet, der neue Frequenzbereich entsprechend als “High Band”. Um alle Kanäle eines Satelliten empfangen zu können, muss der Receiver nun mit der Spannung zwischen horizontaler und vertikaler Polarisation, und mit einem 22-kHz-Trägersignal zwischen dem Low- und High-Band umschalten. Würden Sie zwei Receiver am gleichen Kabel anschließen, könnten beide Receiver lediglich Kanäle der gleichen Bandlage und der gleichen Polarisation empfangen, ein unabhängiger Betrieb wäre so nicht möglich.

Deshalb benötigen Sie zur Versorgung von zwei Receivern ein so genanntes Twin-LNB mit zwei Sat-Ausgängen, für bis zu vier Teilnehmer entsprechend ein Quad-LNB und natürlich entsprechend viele Kabel bis in Ihre Wohnung. Bei noch mehr Receivern bleibt es jedoch trotzdem bei vier Kabeln bis in die Wohnung – Sie rüsten dann lediglich ein Quattro-LNB an der Schüssel und einen Multischalter in der Wohnung nach. Der Quattro-LNB überträgt an den vier Anschlüssen die vier Zwischenfrequenzen des Satelliten: Das horizontale Low-Band, das vertikale Low-Band, das horizontale High-Band und das vertikale High-Band. Der Multischalter ist letztlich nur noch dafür zuständig, den Receiver mit dem angeforderten Signal des LNB zu verbinden – Sie können das System also beliebig erweitern.

Sat-Empfang am PC

Für den Sat-Empfang am PC benötigen Sie eine entsprechende DVB-S-Empfangskarte. Solche Boards gibt es in zwei Ausführungen: Während die so genannten Budget-Karten für rund 60 bis 80 Euro lediglich einen Empfangsteil besitzen, verfügen die Full-Featured- oder Premium-Karten zusätzlich über einen Hardware-MPEG-Decoder sowie einen Anschluss für den Fernseher.

Für den Aufbau eines digitalen Videorekorders empfiehlt sich die Verwendung einer Full-Featured-Karte, da hier die Treiberunterstützung besonders gut ist (und auch der digitale Videorekorder VDR eine solche Karte voraussetzt). Prinzipiell ließe sich der MPEG-2-Datenstrom auch mit Mplayer [3] oder Xine [4] über die Grafikkarte anzeigen. Diese Lösungen sind jedoch noch nicht ganz ausgereift. Wenn Sie gleichzeitig mehrere Programme aufzeichnen möchten, benötigen Sie eine zweite oder gar dritte Empfangskarte – dies können jedoch ohne Weiteres Budget-Karten sein, da die Wiedergabe stets über die Full-Featured-Karte läuft.

In der Praxis haben sich die Hauppauge Nexus-s Revision 2.3 sowie die Technotrend DVB-S 2300 bewährt. Die älteren und noch besser unterstützten Modelle Nexus-s Revision 2.1 und Technotrend DVB-S Revision 1.3 bis 1.6 (Abbildung 3). Bei den Budget-Karten sollten Sie ebenfalls auf Technotrend- und Hauppauge-Modelle setzen: Die Treiber der Technisat SkyStar 2, KNC-One und der Twinhan-Karten sind noch nicht ausreichend erprobt und stabil.

Abbildung 3: Neben dem Empfangsteil auf der linken Hälfte der Technotrend DVB-S Revision 1.5 besitzt die Full-Featured-Karte einen MPEG-Decoder mit TV-Ausgang. Das entlastet den Prozessor bei der Wiedergabe.

Abbildung 3: Neben dem Empfangsteil auf der linken Hälfte der Technotrend DVB-S Revision 1.5 besitzt die Full-Featured-Karte einen MPEG-Decoder mit TV-Ausgang. Das entlastet den Prozessor bei der Wiedergabe.

Kabel digital

Das Kabelfernsehen bietet bei der Infrastruktur einen großen Vorteil gegenüber dem Satellitenfernsehen: Sie können mit nur einem Anschluss beliebig viele Empfänger betreiben, indem Sie das Signal von Gerät zu Gerät weiterleiten oder mit Mehrfachverteilern aufteilen. Polarisationsebenen kennt das Kabelfernsehen genausowenig wie verschiedene Bandlagen. Dafür gibt es deutlich weniger Frequenzen im Kabel als über Satellit. Kabelfernsehen bedeutet somit zwangsläufig eine geringere Programmvielfalt als der Satellitenempfang.

Das große Angebot analoger Fernsehsender im Kabel schränkt den verfügbaren Platz für digitale Kanäle weiter ein; hinzu kommt, dass es politische Auseinandersetzungen zwischen den Kabelanbietern und den privaten Sendeanstalten gibt: So speisen praktisch alle Anbieter die Programme der Prosieben- und RTL-Gruppe zwar analog ein, nicht jedoch digital – wer auf digitalen Kabelempfang umrüstet, muss daher mit den öffentlich-rechtlichen Programmen sowie ein paar Spartensendern Vorlieb nehmen. Der Grund für das “digitale Embargo” ist der Streit um die Grundverschlüsselung: So will Kabel Deutschland [5], der größte Kabelanbieter, die privaten Sender nur verschlüsselt einspeisen, um Schwarzseher auszusperren. Für den Empfang müssten die Kunden also einen Pay-TV-tauglichen Digital-Decoder nebst Smartcard von Kabel Deutschland kaufen. Für die Smartcard würden dann neben den üblichen Kabelgebühren von rund 17 Euro pro Monat noch einmal rund zehn Euro hinzukommen – ohne dass dadurch die Werbung auf den privaten Kanälen entfallen würde.

Die Prosieben- und RTL-Gruppe hingegen verweigern Kabel Deutschland die verschlüsselte Einspeisung, sie bestehen darauf, dass ihre Programme – wie die öffentlich-rechtlichen Sender auch – unverschlüsselt von allen Kunden zu empfangen sein müssen. Bis zur Klärung verkauft Kabel Deutschland daher das Digital-Home-Paket mit einigen Pay-TV-Kanälen und ohne die Privaten. Für den Endverbraucher ist die Position der privaten Sendeanstalten günstig: Würde Kabel Deutschland die Grundverschlüsselung der normalerweise frei empfangbaren Programme durchsetzen, benötigen Sie für jeden Empfänger einen eigenen Kabel-Decoder plus eine weitere Smartcard.

Kostenfaktor Grundverschlüsselung

Die Auswirkungen auf den PC-Empfang wären deutlich gravierender: Sie müssten neben einer Full-Featured-Empfangskarte ein Common Interface (CI) kaufen, in das Sie das Common Access Module (CAM) mit dem Smartcard-Leser einschieben können (Abbildung 4). Die günstigeren Budget-Karten können Sie für Pay-TV nicht verwenden, dies unterstützt der Treiber nicht. Um zwei Programme unabhängig am PC empfangen respektive aufzeichnen zu können, benötigen Sie zwei Full-Featured-Karten, zwei CI und zwei CAMs sowie zwei Smartcards – das sind Gesamtkosten von 650 bis 700 Euro. Zum Vergleich: Eine entsprechende Sat-Ausrüstung kostet gerade einmal 200 Euro, da Sie hier die privaten Programme unverschlüsselt empfangen und daher sowohl auf ein CAM als auch das CI verzichten können.

Abbildung 4: Teures Kupfer: Setzt sich die von Kabel Deutschland geplante Grundverschlüsselung aller digitalen Kabelprogramme durch, benötigen Sie pro Empfangszweig neben der Full-Featured-DVB-Karte ein Common Interface und ein Common Access Module mit dem Kartenleser.

Abbildung 4: Teures Kupfer: Setzt sich die von Kabel Deutschland geplante Grundverschlüsselung aller digitalen Kabelprogramme durch, benötigen Sie pro Empfangszweig neben der Full-Featured-DVB-Karte ein Common Interface und ein Common Access Module mit dem Kartenleser.

Die Fronten zwischen den Kabelanbietern und der Prosieben- und RTL-Gruppe scheinen aber verhärtet zu sein, bislang ist weder absehbar, ob die Programme irgend wann doch unverschlüsselt im digitalen Kabel ausgestrahlt werden, oder ob Kabel Deutschland die Grundverschlüsselung durchsetzt. Bis dahin müssen Sie auf die genannten Programme verzichten – weshalb viele VDR-Anwender in Ballungsräumen das digitale Kabel mit dem digitalen terrestrischen Fernsehen kombinieren.

Mischbetrieb

Die Zahl der möglichen Kanäle fällt beim digitalen terrestrischen Fernsehen, DVB-T, noch geringer aus als im Kabel, weil lediglich die bisher vom analogen Fernsehen genutzten VHF- und UHF-Bereiche zur Verfügung stehen. Daher sind maximal 24 Kanäle möglich. Zudem ist DVB-T noch nicht flächendeckend verfügbar, lediglich die vollflächig farbig unterlegten Gebiete aus Abbildung 5 sind bereits versorgt. Je nach Wohnlage kann es aber auch dort passieren, dass Sie keinerlei DVB-T-Empfang haben, obwohl es bisher beim analogen Fernsehen keine Probleme gab und Sie auch im Versorgungsgebiet oder nahe dem Sender wohnen. Schuld daran sind Reflexionen an Gebäuden und Bergen: Was sich beim analogen Fernsehen noch in Schattenbildern äußerte, sorgt beim Digital-TV für Bit-Fehler beim Empfang. Überschreitet die Fehlerrate ein gewisses Niveau, kann der Empfänger nicht mehr korrigieren – Klötzchen bis hin zu einem komplett schwarzen Fernsehbild sind die Folge. In diesen Fällen müssen Sie den Standort der Antenne verändern oder die Antenne anders ausrichten. Auch tiefgelegene Wohnorte, die bislang über Reflexionen des analogen Fernsehens an Berghängen empfangen haben, fallen oft aus der DVB-T-Versorgung heraus.

Abbildung 5: Der digitale terrestrische Empfang ist derzeit nur in Ballungsgebieten sowie in Teilen Niedersachsens möglich, der Ausbau sieht eine nahezu flächendeckende Versorgung bis 2010 vor.

Abbildung 5: Der digitale terrestrische Empfang ist derzeit nur in Ballungsgebieten sowie in Teilen Niedersachsens möglich, der Ausbau sieht eine nahezu flächendeckende Versorgung bis 2010 vor.

Ein weiteres Problem von DVB-T stellt die sehr geringe Bildqualität im Vergleich zu DVB-C und vor allem DVB-S dar: Da die DVB-T-Kanäle sehr dicht beieinander liegen, steht nur eine geringe Datenbandbreite zur Verfügung, die durch eine höhere Kompression und damit geringere Bit-Rate ausgeglichen werden muss. Dennoch ist DVB-T für viele Kabel-Nutzer die einzige Chance, die Programme von Prosieben und RTL zu empfangen.

Der Mischbetrieb von DVB-T und DVB-C bringt jedoch ein paar Probleme mit sich: So empfangen Sie ZDF sowohl über Kabel als auch terrestrisch – für Anwendungsprogramme wie VDR sind es jedoch zwei verschiedene Sender. Haben Sie eine Aufzeichnung auf Kabel-ZDF programmiert, können Sie während dessen lediglich die Kanäle live sehen, die Sie über die DVB-T-Karte empfangen. Anders herum blockiert eine DVB-T-Aufnahme vom ZDF die DVB-T-Karte, so dass ein gleichzeitig laufender Timer für Prosieben nicht aktiv werden kann – bei reinen DVB-C oder DVB-S-Systemen würde VDR die Aufnahmen intelligent über die Karten verteilen.

Sat-Karte zweckentfremdet

Wollen Sie hingegen komplett auf DVB-T umsteigen, etwa um die Kabelgebühren zu sparen, haben Sie ein Hardware-Problem: Es gibt keine Full-Featured-Empfangskarten für DVB-T mehr. Die 2004 verkauften Technotrend-Modelle, die noch gelegentlich bei Ebay angeboten werden, eignen sich zwar prinzipiell für den DVB-T-Empfang – der Tuner der Karte beherrscht jedoch nur das UHF-Band, Sie können also einige Kanäle aus dem VHF-Band nicht empfangen. In der Praxis hat es sich bewährt, selbst bei reinen DVB-T-Systemen eine Full-Featured-Sat-Karte einzusetzen, die lediglich für die Wiedergabe benutzt wird, und dann ein bis zwei DVB-T-Budget-Karten (Abbildung 6) nur für den Empfang nachzurüsten. Selbstverständlich könnten Sie auch eine DVB-C-Karte für die reine Wiedergabe benutzen, diese ist jedoch deutlich teurer als etwa eine Technotrend DVB-S Revision 1.3.

Abbildung 6: Für den DVB-T-Empfang gibt es nur noch Budget-Karten wie diese Hauppauge WinTV Nova-T im Handel. Da VDR jedoch zur Wiedergabe eine Full-Featured-Karte benötigt, zweckentfremdet man dafür häufig eine Sat-Karte, die DVB-T-Karte übernimmt dann lediglich den Empfang.

Abbildung 6: Für den DVB-T-Empfang gibt es nur noch Budget-Karten wie diese Hauppauge WinTV Nova-T im Handel. Da VDR jedoch zur Wiedergabe eine Full-Featured-Karte benötigt, zweckentfremdet man dafür häufig eine Sat-Karte, die DVB-T-Karte übernimmt dann lediglich den Empfang.

Alles neu: HDTV

HDTV ist seit der IFA im September 2005 das Schlagwort in der Unterhaltungsindustrie: Mit dem Anpfiff der Fußball-WM Mitte diesen Jahres soll das hochauflösende Fernsehen massentauglich sein und das bisherige PAL-System ablösen. Hatte man bei der Einführung des Farbfernsehens zur Fußball-WM 1974 darauf geachtet, dass alte Schwarz-Weiß-Fernseher auch weiterhin benutzt werden können, ist HDTV völlig inkompatibel zur bisherigen Hardware: Alles muss raus, vom Fernseher über den Decoder und DVD-Player bis hin zum Videorekorder.

HDTV sieht zwei verschiedene Bildgrößen vor, einmal 720p mit 1280×720 Pixeln in Vollbildern (progressive scan) und 1080i mit 1920×1080 Pixeln in zwei Halbbildern (interlaced). Die meisten Sendeanstalten, die HDTV-Aussendungen planen, haben sich bereits für den hochauflösenden 1080i-Modus ausgesprochen, 720p scheint in Europa die Ausnahme zu bleiben. Auch die Filmverleiher planen DVDs in 1080i, allerdings erst in einiger Zeit, wenn Datenträger mit höherem Fassungsvermögen als herkömmliche doppelschichtige DVDs zur Verfügung stehen.

Um dem Kunden die Orientierung zu erleichtern, hat die Unterhaltungsindustrie das Logo “HD ready” für Fernseher eingeführt. Ein solches Logo bekommen nur Geräte, die mindestens eine Auflösung von 1280×720 Pixeln (720p) besitzen und sowohl 720p als auch 1080i – wenn auch herunterskaliert – darstellen können. Zudem muss das Display das Seitenverhältnis 16:9 besitzen und über einen digitalen Eingang mit Verschlüsselung verfügen. Letzteren hat die Filmindustrie durchgesetzt, damit niemand die hochauflösenden Inhalte zwischen DVD-Player und Fernseher abzweigen und anderweitig speichern kann.

Die meisten HD-fähigen LCD-Fernseher besitzen jedoch eine Auflösung von 1366×768 Pixeln – was zur Folge hat, dass sie Signale mit 720p künstlich hochrechnen und 1080i verkleinern müssen. Technisch ist dies kein Problem, führt jedoch immer wieder zu deutlich sichtbaren Artefakten oder Streifenbildung, wie dies auch von herkömmlichen Computer-LCD-Monitoren bekannt ist, die mit einer zu kleinen Bildschirmauflösung betrieben werden und das Eingangssignal auf die gesamte Fläche hochrechnen. Diesen Effekt verstärkt auch die sehr starke, verlustbehaftete Kompression des Ausgangssignals – so waren auf der IFA 2005 an diversen Ständen regelmäßig Klötze und andere Bildfehler zu beobachten. LCD-Fernseher mit der vollen HDTV-Auflösung von 1080i gibt es de facto noch nicht am Markt.

Neukauf die Zweite

Das Eingangssignal stammt entweder von einem Satelliten- oder Kabel-HDTV-Decoder und wird, nach dem Willen der Filmindustrie, ausschließlich verschlüsselt übertragen. Beim HDTV-Probebetrieb bis Ende September 2005 sendeten Premiere, Prosieben und Euro-1080 noch im verbreiteten DVB-Format über die Astra-Satellitengruppe aus. Wer eine PC-Empfangskarte besaß, konnte das Signal problemlos auf Festplatte speichern. Dann erfolgte jedoch die Umstellung auf DVB2, das die handelsüblichen DVB-Empfangskarten, herkömmliche digitale Sat-Receiver und selbst die bis dahin angebotenen HDTV-Receiver nicht mehr verarbeiten können. Wer sich bereits zum Sendebeginn Anfang 2004 einen HDTV-fähigen Receiver wie den den Zinwell ZDX-410 HD gekauft hatte, besitzt nun ein völlig wertloses Gerät – eine Umrüstung auf DVB2 ist nicht möglich. Auch die PC-Empfangskarten müssen Sie für HDTV gegen entsprechende DVB2-Modelle ersetzen – die es jedoch noch nicht gibt, erste Modelle sind für erst 2006 angekündigt.

Selbst bei HDTV-Receivern, die bereits einen DVB2-tauglichen Tuner besitzen, fehlt oft der verschlüsselte digitale Ausgang HDMI. Die Filmstudios haben jedoch erreicht, dass die hochauflösenden Inhalte nur dann digital übertragen werden dürfen, wenn der Ausgang verschlüsselt ist. Daher bleibt der DVI-Ausgang der älteren HDTV-Receiver bei vielen Filmen schlicht dunkel. Der Benutzer muss dann auf den Scart-Anschluss im alten, niedrig aufgelösten PAL-Format ausweichen – obwohl er im Zweifelsfall einen hochauflösenden LCD-Fernseher besitzt.

DVD-Player und Videorekorder sind für HDTV noch überhaupt nicht erhältlich. Derzeit streitet sich die Industrie über das nächste DVD-Format mit höherer Aufzeichnungskapazität. Ob BluRay oder das dazu inkompatible HD-DVD-Format gewinnen wird, ist noch längst nicht ausgemacht. Der Leidtragende ist wie immer der Kunde, der sich im Zweifel zwei DVD-Player kaufen muss, da sich einzelne Filmstudios je nach Firmenzugehörigkeit für das eine oder das andere Format ausgesprochen haben.

Kopierschutz und DRM

Auch die Zukunft der Videorekorder ist noch völlig ungewiss: So arbeitet die Copyright Protection Technical Working Group (CPTWG) [6] des DVB-Forums an einem einheitlichen Content Protection Copyright Management Standard, der es den Filmstudios in Zukunft ermöglichen wird, selbst aufgezeichnete Sendungen zu kontrollieren. Die Möglichkeiten reichen von einer Begrenzung auf wenige Wiedergaben bis hin zu einer völligen Sperre für die Aufzeichnung – der Videorekorder würde den Film schlicht nicht aufnehmen, wenn das Studio dies nicht will. Vor diesem Hintergrund wird das Recht auf die Privatkopie ad absurdum geführt.

Wie auch immer sich das DVB-Forum entscheidet, eins ist gewiss: An DVB kommt in den nächsten Jahren niemand vorbei, spätestens in zehn Jahren sind auch die letzten analogen Kanäle aus den Kabelnetzen und vom Satelliten verschwunden. Die einzige Möglichkeit, der Gängelung durch die Filmindustrie zu entkommen, scheint daher zu sein, jetzt noch möglichst viele Konserven für die Zukunft anzulegen, so lange es noch keinen Kopierschutz und kein Rechte-Management im digitalen Fernsehen gibt. VDR ist dafür bestens geeignet.

Glossar

Spiegel

Andere Bezeichnung für eine Parabolantenne. Umschreibt alle Bauformen, wie Offset-Parabolantenne, Cassegrain-Antenne oder Gregory-Antenne.

Cassegrain-Antenne

Spezielle Bauform einer Parabolantenne mit hyperbolischem Subreflektor.

Feed-Horn

“Hörnchen”, metallischer Zylinder oder Konus als Hohlleiterstruktur. Dient zur Impedanzanpassung und Signalfilterung.

LNB

Low Noise Block Converter. Rauscharmer Signalumsetzer; wichtigstes elektronisches Bauteil einer Satellitenantenne. Der LNB sitzt im Brennpunkt der Satellitenantenne.

BluRay

DVD-Nachfolgeformat der Blu-ray Disc Association (BDA). Der Name leitet sich von der verwendeten Lasertechnik (blau-violetten Laser, 405 nm Wellenlänge). Eine Disk fasst bis zu 27 GByte (einlagig) respektive 54 GByte Daten.

HD-DVD

High Definition DVD, DVD-Nachfolgeformat des Advanced-Optical-Disc-Konsortiums (AOD). Eine Disk fasst 15 GByte (HD-DVD-ROM, HD-DVD-R/RW) oder 20 GByte (HD-DVD-RAM) Daten.

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